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About this book

Der durch die „Blumenkinder“ des Silicon Valley entfesselte digitale Rausch droht, die Vernunft durch den Aberglauben zu ersetzen, man könne die Welt rechnend vervollkommnen. Wer aber glaubt, die Probleme einer ungewissen Welt mit technologischen Gewissheiten lösen zu können, hat weder etwas von der Welt noch etwas von der Technologie verstanden. Im digitalen Sittenbild aus Silizium und Statistik ersetzt Rechnen das Denken, Wahrscheinlichkeit wird für Wahrheit ausgegeben und Korrelation verdrängt Kausalität. Die Hohepriester der Digitalisierung fragen nicht, ob wir das, was sie verkünden, für gut und richtig halten. Gut und richtig sind keine Kategorien des Digitalen.

Table of Contents

Frontmatter

Kapitel 1. Die Welt ist aus den Fugen

Zusammenfassung
Die Welt, in der wir „wohnen“ und die wir zu kennen glauben ist aus den Fugen. Kommunikation, Einkaufsverhalten und Freizeitgestaltung, Fertigungstechnologien und Produktionsprozesse, selbst Politik, alles verändert sich auf fundamentale Weise in geradezu atemberaubender Geschwindigkeit. Der israelische Historiker Yuval N. Harari fürchtet, dass sich auch das menschliche Bewusstsein und die menschliche Identität von Grund auf verändern werden.
Wolf Zimmer

Geschichten aus dem Digitalen Morgenland

Frontmatter

Kapitel 2. Die „Blumenkinder“ aus dem Silicon Valley

Zusammenfassung
Die „Blumenkinder“ aus dem Silicon Valley halten sich nicht mit Bagatellen auf, sondern denken in globalen Kategorien und Dimensionen. Sie sind überzeugt, dass der von ihnen angetriebene radikale technologische Wandel die Welt zu einer besseren macht. Darum sind sie auch schon mit dem nächsten „großen Ding“ befasst: der technologischen Konvergenz, in der künstliche Intelligenz, Robotik, Mikrobiologie und Pharmazie zusammenwachsen und sich gegenseitig bestärken.
Wolf Zimmer

Kapitel 3. Ich twittere, also bin ich

Zusammenfassung
Die neuen Kommunikationstechnologien bedeuten nicht nur eine technische Umwälzung unserer Gesellschaft. Sie verändern auch unseren Umgang mit anderen Menschen und unser Bild von uns selbst. Wir veröffentlichen unsere Existenz durch Tweets und auf WhatsApp und vermessen unsere Wertschätzung in „Likes“ oder „Followern“. Wer nicht „zwitschert“ oder auf sozialen Plattformen erreichbar ist, grenzt sich aus, nimmt nicht mehr teil an der Netzwerkgesellschaft und fühlt sich sozial disqualifiziert.
Wolf Zimmer

Kapitel 4. Der Verzicht auf Freistatt

Zusammenfassung
Die zunehmende Digitalisierung unserer Arbeits- und Lebenswelt nimmt unseren Alltag in Besitz und lässt immer weniger Bereiche privaten Lebens unberührt. Während wir in unserem analogen Leben sehr wohl noch einen Unterschied machen, ob wir zu Hause sind in unserer geschützen Umgebung oder im öffentlichen Raum, sind wir „online“ viel schneller geneigt, Informationen über uns preiszugeben. Die Privatsphäre, so scheint es, wird im Internet zu einem Auslaufmodell.
Wolf Zimmer

Kapitel 5. Liquid Democracy

Zusammenfassung
Für Netzoptimisten besitzt das Internet ein geradezu außerordentliches demokratisches Potenzial, weil es den Zugang und die Bereitstellung von Informationen erleichtert. Wenn du eine freie Gesellschaft willst, so ihre einfache Botschaft, dann gib den Menschen einfach das Internet.
Wolf Zimmer

Kapitel 6. Schule 4.0

Zusammenfassung
Der vermeintlich positive Ansatz, dass es in den Zeiten von Google & Co. nicht mehr so darum gehe, was gelernt wird, sondern vor allem darum, welche Fertigkeiten am Ende eines Lernprozesses beherrscht werden, verschleiert eine generelle Entwertung von Bildung und Wissen. Bildung und Wissen werden reduziert auf Informationen, die in den Datenbanken des Internet jedem und jederzeit zur Verfügung stehen. Dabei geht verloren, dass es einen grundlegenden Unterschied gibt zwischen dem Abrufen von Informationen und dem Verstehen einer Sache.
Wolf Zimmer

Kapitel 7. Die »intelligente« Fabrik

Zusammenfassung
Das auf Effizienz der Unternehmen fixierte Konzept von Industrie 4.0 konterkariert das Versprechen, Arbeitsplätze zu erhalten und zu schaffen. Die Digitalisierung der Arbeit könnte einen gespaltenen Arbeitsmarkt schaffen, auf dem sich „low skill/low pay“ und „high skill/high pay“ Mitarbeiter gegenüberstehen. Was die Politik verschweigt ist, dass im Vergleich zu früheren Umwälzungen Robotik und künstliche Intelligenz ganz anders sind und nicht nur einzelne Segmente der Wirtschaft betroffen sind, sondern ganze Landstriche.
Wolf Zimmer

Kapitel 8. Die digitale »Aufrüstung«

Zusammenfassung
Mit der digitalen Aufrüstung im Internet der Dinge wird die Versuchung zunehmen, unsere Arbeits- und Lebenswelt in den Diensten privatwirtschaftlicher Interessen zu gestalten. Die Schnittstellen des „Smart Home“ und der „Smart City“ sind „offene Ohren“ und „offene Augen“. 
Wolf Zimmer

Kapitel 9. Die Legende von der Sharing Economy

Zusammenfassung
Der Mythos von der „Wirtschaft des Teilens“ ist eine Schimäre. Die Sharing Economy entlässt die Menschen im Wortsinne in die Selbständigkeit von Mikro-Unternehmern, die auf Vermittlungsplattformen der eiskalten Marktlogik ausgeliefert sind, einem Kampf um Preise und Kundenzufriedenheit, den sie letztlich nicht gewinnen können.
Wolf Zimmer

Kapitel 10. Das Imperium der Bits

Zusammenfassung
Die Netzwerkökonomie, nach der ein Netzwerk oder Netzwerkgüter umso wertvoller sind, je mehr Menschen sie benutzen, befeuert die Herausbildung natürlicher Monopole. Es ist daher zu befürchten, dass die Revolutionäre von gestern, die Autoren und Verfechter der Idee offener Kommunikationssysteme zwischen dezentralen Netzwerken, der Verlockung erliegen könnten, die Kaiser von morgen über ein fragmentiertes Internet geschlossener virtueller Habitats zu sein.
Wolf Zimmer

Die Entdeckung der Information

Frontmatter

Kapitel 11. Wie die Information in die Welt kam

Zusammenfassung
Kaum ein anderer Begriff hat in den letzten Jahren eine ähnlich atemberaubende Karriere gemacht wie der Begriff der Information. Als universelles Problemlösungsversprechen bemächtigt er sich unserer Alltagssprache und druchdringt wissenschaftliche Denkmodelle ebenso wie wirtschaftliche und politische Konzepte. Die Euphorie über die Omnipotenz der Informationstechnologien verdeckt, dass es sich bei dem Ende der 1940er Jahre von Claude Shannon in die Welt entlassenen Begriff um nicht mehr als ein abstraktes mathematisches Konzept handelt, in dem das was für uns Information bedeutet, keine Rolle spielt.
Wolf Zimmer

Kapitel 12. Unser Gehirn hat kein »Betriebssystem«

Zusammenfassung
Für die Anhänger der so genannten „starken künstlichen Intelligenz“ gilt es als ausgemacht, dass unser Gehirn eine Art biologischer Computer ist, der Geist zum Gehirn in der gleichen Beziehung steht wie die Software zur Hardware des Computers. Danach ist Denken nicht mehr als Informationsverarbeitung.
Wolf Zimmer

Kapitel 13. Das Atrium des Computers

Zusammenfassung
Die Kernkompetenz eines Computers ist es, aus einer Eingabe eine Ausgabe zu berechnen. Dabei ist es völlig unerheblich, ob die Eingabe von der Tastatur, einem USB-Stick oder irgendwelchen Sensoren kommt, ob die Ausgabe als Zahlenwert, Buchstaben oder als Bild angezeigt oder in Schallwellen umgestzt wird. Das gilt aber nur dann, wenn der Zusammenhang zwischen der Eingabe und der Ausgabe eine berechenbare Funktion ist.
Wolf Zimmer

Kapitel 14. Welche »Farbe« hat die Zahl Drei?

Zusammenfassung
Die Vorstellung vom Gehirn als Symbolverarbeitungssystem führt in die Irre. Unser Gehirn kann zwar nicht so gut rechnen wie ein Computer, aber dafür besser Zusammenhänge herstellen oder Erinnerungen abrufen, und dies bei anderthalb Kilogramm Masse einem guten Liter Volumen und einem Energieumsatz von etwa 30 Watt. Rechenleistung allein ist also kein zuverlässiger Gradmesser von Intelligenz.
Wolf Zimmer

Kapitel 15. Der Verlust der Bedeutung

Zusammenfassung
Daten sind für Computer nicht mehr und nicht weniger als Zeichen in maschinell bearbeitbarer Form. In der Reduktion auf die syntaktische Dimension aber wird die Bedeutungsrelation von einer Vorstellung oder Idee auf eine bedeutungslose Bezeichnungsrelation verkürzt. Auf dem Wege der Transformation natürlich-sprachlicher Informationen in die Maschinensprache gehen Bedeutungshintergründe und Sinnzusammenhänge „verloren“. Übrig bleiben Nullen und Einsen.
Wolf Zimmer

Kapitel 16. Die Erben de la Mettries

Zusammenfassung
Nach Auffassung der Transhumanisten ist menschliches Verhalten und Erfahrung bloßes Resultat biophysikalischer Funktionen und Prozesse in unserem Gehirn, die man mit den Vorstellungen und Begriffen der Physik beschreiben könne, was sie wiederum berechenbar mache. Daraus folge, dass der Geist berechenbar ist und auf jeder Turing-Maschine implementiert werden kann.
Wolf Zimmer

Das Zeitalter der Algorithmen

Frontmatter

Kapitel 17. Die Kumpel des Textbergbaus

Zusammenfassung
Eine maschinelle „Erschließung“ digitalisierter Texte ist tatsächlich nur möglich, wenn der Text berechenbare Strukturen aufweist. Berechenbarkeit ist ja gerade das Wesen der universellen Turing-Maschine, dem Vorbild unseres heutigen Computers. Um Texte auf dem Computer verarbeiten zu können, müssen sie daher zunächst in Zeichen umgewandelt werden, mit denen der Computer umgehen kann.
Wolf Zimmer

Kapitel 18. Das große Missverständnis

Zusammenfassung
Das große Missverständnis der Wissensverarbeitung auf dem Computer ist der Glaube, dass man ohne Wissenssubjekt auskommt. Selbst die sprachlichen Symbole der Prädikatenlogik haben für sich genommen keine Bedeutung, sie gewinnen Bedeutung erst druch eine semantische Zuordnung zu den je konkreten Relationen und Funktionen des betrachteten Bereichs. Diese Zuordnung findet jedoch außerhalb des Kalküls der Prädikatenlogik statt. Darum ist der Computer außerstande über den Sinn oder Unsinn von Datenhaufen zu entscheiden.
Wolf Zimmer

Kapitel 19. Computer auf der »Schulbank«

Zusammenfassung
Grundsätzlich basiert das „Lernen“ von Maschinen darauf, mit einer Menge von Trainingsdaten als Eingabe einen Computer-Algorithmus so zu konditionieren, dass für die Lösung einer Aufgabe ein adäquates („bestes“ oder auch nur „plausibles“ Ergebnis (eine Ausgabe) erzielt wird. Vorausstzung dafür ist, neben der Auswahl von für die Aufgabe relevanten Trainigsdaten, ein parametrisiertes Aufgabenmodell, sodass der Computer darauf trainiert werden kann, die Parameter zu optimieren.
Wolf Zimmer

Kapitel 20. Anpfiff für die autonomen »Helfer«

Zusammenfassung
Die Simulation intelligenten Verhaltens durch autonom agierende technische Systeme benötigt zum einen die Fähigkeit Handlungen zu planen, und zum anderen das Vermögen, die Umgebung, in der die Handlungen stattfinden sollen, sensorisch zu erfassen. Neuronale Netze werden darauf trainiert, in digitalen Bildern Muster und Muster in Mustern zu erkennen. Das neuronale Netz ist aber geradezu „blind“ für menschliche Zwecke oder Bedeutungen. Unfähig zu abstrahieren, begnügt sich das neuronale Netz mit der Verteilung von Farben und Konturen.
Wolf Zimmer

Kapitel 21. Epilog

Zusammenfassung
Die „intelligente Maschine“ ist vor allem menschengemacht und darum nicht frei von Fehlern, Absichten, wirtschaftlichen Interessen und möglicherweise auch von Missbrauch durch jene, die sie entwickeln und benutzen. Darum sollten wir uns Sorgen machen um das bereits heute erkennbare Ausmaß, in dem wir zahlreiche Facetten unseres Lebens zusehends an Maschinen abtreten, die für uns entscheiden.
Wolf Zimmer
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