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13-07-2021 | Antriebsstrang | Im Fokus | Article

Verbrenner-Ausstieg: Die Pläne der Autohersteller

Teil 2: Wer plant wann den Verbrennungsmotor-Ausstieg?

Author:
Christiane Köllner
15:30 min reading time

Einige Autobauer wollen zu reinen E-Auto-Anbietern werden. Doch die meisten OEMs setzen sich erstmal kein Verbrenner-Ende und stattdessen auf einen Antriebsmix. Die Antriebsportfolio-Pläne ausgewählter OEMs in der Übersicht. 

Mehrere Automobilhersteller planen den Ausstieg aus der Verbrennertechnologie. Auch einige Staaten haben bereits Fahr- oder Verkaufsverbote für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren angekündigt. Der zweite Teil unserer Serie "Wer plant wann den Verbrennungsmotor-Ausstieg?" befasst sich mit den Antriebsstrategien ausgewählter Automobilhersteller. Im ersten Teil geben wir eine Übersicht über die Ausstiegs- und Mobilitätspläne der Politik, der dritte Teil ordnet die Länder- und Herstellerstrategien kritisch ein

Zahlreiche Automobilhersteller haben Pläne für die Antriebswende vorgelegt, wenige den Abschied vom Verbrennungsmotor angekündigt. Was steckt dahinter? Eine Übersicht. 

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Der böse Verbrennungsmotor

Am 16. Januar 1919 wurde unter Präsident Woodrow Wilson der 18. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika ratifiziert. In . Abschnitt 1.1 legte er fest: „Ein Jahr nach der Ratifizierung dieses Artikels sind Herstellung, Verkauf oder Transport berauschender Spirituosen zu Trinkzwecken sowie deren Ein- und Ausfuhr aus den Vereinigten Staaten und deren Hoheitsgebiet verboten.“

Jaguar

Jaguar hat sich im Rahmen seiner "Reimagine"-Strategie dazu verpflichtet, bis 2030 jede Baureihe mit rein elektrischem Antrieb anzubieten. Bis 2025 soll die Marke Jaguar laut Plan zu einem rein elektrischen Luxus-Automobilhersteller gewandelt werden. Dr. Paolo Aversa, Associate Professor für Strategie an der Business School (ehemals Cass), City University of London, sieht in diesem Zusammenhang drei wichtige Herausforderungen: 

  • Für Jaguar ist die EV-Technologie bisher nur ein Randprojekt, und es sei nicht klar, so Aversa, wie Jaguar die Lücke zu den Wettbewerbern schließen wird. Viele andere Akteure arbeiteten bereits seit Jahren intensiv am EV-Markt und seien dort stark positioniert.
  • Der britische Markt sei relativ klein, so Aversa, vor allem wenn man bedenke, "dass Jaguar auf ein Premium-Segment abzielt; die Größenvorteile, die erforderlich sind, um dieses Geschäft rentabel zu machen, erfordern eine erfolgreiche Expansion auf ausländische Märkte, die einen harten Wettbewerb darstellen".
  • Die Produktion von E-Fahrzeugen basiert auf Teilen, die nicht vollständig in Großbritannien hergestellt werden, sondern in der Regel aus Europa, Japan und den USA stammen. Mit dem Brexit könnte die Lieferkette in Schwierigkeiten geraten, so Aversa, was sich in den Produktkosten widerspiegeln könnte. Dadurch würden die ohnehin hohen Preise für E-Fahrzeuge auf ein Niveau angehoben, das über die lokale Nachfrage hinausgehe.

Ford

Ford hat angekündigt, ab 2030 nur noch rein elektrische PKW in Europa anbieten zu wollen. Dafür investiert der Automobilhersteller eine Milliarde US-Dollar in die Modernisierung seiner Fahrzeugfertigung in Köln. Dieser Standort soll zum Ford Cologne Electrification Center ausgebaut werden. Ford möchte ab 2026 alle Modelle mit mindestens einer batterie-elektrischen oder PHEV-Variante anbieten. 2023 soll dann im Ford-Werk in Köln-Niehl das erste europäische batterie-elektrische Volumenmodell von Ford vom Band rollen. Durch die Kooperation mit Volkswagen wird das Fahrzeug auf dem modularen Elektrobaukasten (MEB) von VW basieren. Bis zum Jahr 2030 sollen elektrifizierte Varianten (BEV oder PHEV) zwei Drittel der Nutzfahrzeug-​Verkaufszahlen von Ford in Europa ausmachen. Weltweit sollen 40 % der verkauften Fahrzeuge im Jahr 2030 elektrisch sein.

Verglichen mit anderen Wettbewerbern ist Ford spät dran beim Thema Elektromobilität. Um den Rückstand wettzumachen, kann die Kooperation mit VW helfen. Allerdings sollte Ford längerfristig auf die eigene Kompetenz und einen eigenen Elektrobaukasten setzen, um nicht von VW abhängig zu werden. 

Volvo

Volvo Cars will aus dem Geschäft mit Autos mit Verbrennungsmotoren komplett aussteigen. Ab 2030 wollen die Schweden nur noch reine Elektroautos bauen und verkaufen. Schon 2025 sollen Elektrofahrzeuge die Hälfte des weltweiten Absatzes ausmachen und der Rest auf Hybride entfallen. Mit dem neuen Jahrzehnt soll dann jeder neue Volvo vollelektrisch unterwegs sein. Den Wandel zur Elektromobilität treibt Volvo bereits seit 2017 mit Polestar, dem Joint-Venture von Volvo und Geely, voran.

Audi

Audi nennt auf Anfrage im März 2021 noch kein Ausstiegsdatum, sondern möchte den Kunden mit dessen persönlichen Umstieg auf die E-Mobilität entscheiden lassen, wann das letzte Fahrzeug mit Verbrennungsmotor bei Audi vom Band laufen wird. Man habe Verbrennungsmotoren im Angebot und sorge gleichzeitig für ein Angebot an Elektroautos. Seit Ende Juni heißt es nun, dass Audi ab 2026 nur noch elektrische Modelle neu auf den Weltmarkt bringen möchte. Bis 2033 lässt der Hersteller die Produktion der Verbrenner nach und nach auslaufen. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte Audi-Chef Markus Duesmann Ende März 2021, dass man keine neuen Verbrennungsmotor mehr entwickeln, sondern die bestehenden Verbrennungsmotoren an neue Emissionsrichtlinien anpassen werde. 

Für China rechnet Audi mit anhaltendem Bedarf nach Verbrennern über 2033 hinaus, weshalb es dort ein Angebot von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren aus lokaler Produktion geben könnte. Parallel wird Audi sein Angebot an vollelektrischen Modellen stark ausbauen. 2020 hat Audi die Auslieferungen seiner vollelektrischen Modelle fast verdoppelt. Mit den neuen Modellen E-tron GT2, RS E-tron GT3, Q4 E-tron und Q4 Sportback E-tron bringt Audi bereits im laufenden Jahr mehr Elektroautos als Verbrenner auf den Markt. Bis 2025 will die Marke mehr als 20 E-Modelle im Angebot haben. Audi fordert eine flächendeckende Ladeinfrastruktur und beschäftigt sich damit, wie das Unternehmen einen Beitrag für das Schnellladen leisten kann. Bis spätestens 2050 soll Audi bilanziell klimaneutral sein. 

General Motors (GM)

Bis zum Jahr 2035 will GM die Produktion komplett auf Elektroautos umstellen. Zudem soll das Unternehmen bis 2040 komplett CO2-neutral sein. Bis 2025 will GM 27 Milliarden Dollar in die Forschung, Entwicklung und Produktion von Elektrofahrzeugen stecken. GM will bis 2025 insgesamt 30 verschiedene E-Modelle auf den Markt bringen. Für GM ist der Strategiewechsel hart. Der US-Konzern macht seinen Umsatz fast ausschließlich mit Benzin- und Dieselfahrzeugen, sieht man vom Elektroauto Chevrolet Bolt ab, das seit 2016 auf dem Markt ist. Eine neue Version, der Bolt EUV, soll Ende 2021 vorgestellt werden. Jedoch hält sich GM auch eine Hintertür offen: und zwar bei schweren Pick-ups über 3,5 t, bei denen der Verbrenner eine Nischenrolle behalten könnte.

GM gilt vor allem wegen seiner Batterietechnik als ernst zu nehmender Spieler im Bereich Elektromobilität. Die mit LG Chem entwickelten Ultium-Batterien sollen nach Schätzungen von GM  eine Reichweite von 640 km und mehr ermöglichen. Wie der Hansen Report aus der ATZelektronik 1-2/2021 darlegt, soll "General Motors dritte Generation der EV-Plattform mit Batterien, Motoren und Leistungselektronik der Ultium-Reihe [...] Ende 2021 im GMC Hummer EV und Anfang 2022 im Cadillac Lyriq, einem sportlichen Luxus-Elektrofahrzeug, auf die Straße kommen". Die neue GM-Strategie ist damit auf Linie des in Umweltstandards ambitioniertesten US-Bundesstaats Kalifornien und passt auch zu den Plänen der US-Regierung Biden, die auf eine (lokal) emissionsfreie Mobilität setzt.

Honda

Der japanische Autobauer Honda strebt an, seinen Anteil an Elektrofahrzeugen (EVs) und Brennstoffzellenfahrzeugen (FCVs) bis 2040 auf 100% aller Verkäufe zu erhöhen. Das Unternehmen erwartet, dass EVs und FCVs bis 2030 40 % und bis 2035 80 % der Verkäufe in allen wichtigen Märkten, einschließlich Nordamerika und China, ausmachen werden. Bislang hat Honda nur den Elektrokleinwagen Honda E im Angebot. 2024 sollen weitere Elektro-Modelle folgen.

Volkswagen

Volkswagen ist zurückhaltend und lässt die weltweite Zukunft des Verbrennungsmotors offen. Das Unternehmen ist der Ansicht, dass die Kunden von selbst auf Elektrofahrzeuge umsteigen, wenn die Bedingungen stimmen. Daher brauche es kein Ausstiegsdatum, teilt das Unternehmen Springer Professional auf Anfrage im März 2021 mit. Über gesetzliche Phase-Out-Daten müssten einzelne Länder selbst entscheiden. Ausstiegsdaten könnten jedoch dort Sinn machen, wo es wie zum Beispiel in Norwegen hinreichend CO2-freie Primärenergie gibt. Volkswagen erwartet weiterhin unterschiedliche Geschwindigkeiten beim Wechsel zur Elektromobilität und stellt sich daher auf den jeweiligen Bedarf in unterschiedlichsten Märkten ein. Für eine Übergangszeit spielen daher auch weiterhin Otto-, Diesel- oder CNG-Antriebe sowie Hybride eine Rolle. Deshalb sollen alle Kernmodelle wie Golf, Tiguan, Passat, Tayron und T-Roc noch einmal einen Nachfolger bekommen. 2026 will der Volkswagen Konzern letztmals eine neue Plattform für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren vorstellen. 

Volkswagen betont aber auch, dass die Zukunft elektrisch sei. Ende Juni 2021 kündigte VW-Vertriebsvorstand Klaus Zellmer an, dass man in Europa "zwischen 2033 und 2035 aus dem Geschäft mit Verbrenner-Fahrzeugen" aussteigen werde. In den USA und China werde der Ausstieg später erfolgen, in Südamerika und Asien noch viel später. Die im März 2021 vorgestellte Strategie "Accelerate" beschleunigt die Elektro-Pläne des Unternehmens in diesem Sinne. Bis 2030 will das Unternehmen den Anteil reiner E-Autos in Europa von bislang geplanten 35 % auf 70 % des Absatzes verdoppeln. In den USA und China soll der Anteil der elektrisch angetriebenen Fahrzeuge bis 2030 auf 50 % steigen. Dazu bringt Volkswagen jedes Jahr mindestens ein neues BEV-Modell: Den Anfang macht in der ersten Hälfte 2021 der allradgetriebene ID.4 GTX, gefolgt in der zweiten Jahreshälfte vom ID.5. Im Herbst soll mit dem ID.6 X / Crozz, ein siebensitziges Elektro-SUV für den chinesischen Markt kommen. Die Pläne für ein Elektroauto unterhalb des ID.3 werden um zwei Jahre auf 2025 vorgezogen. Der neue vollelektrische Baukasten für Flachfahrzeuge wird Scalable Systems Plattform heißen und erstmals 2026 im Projekt Trinity zum Einsatz kommen. Zudem: Die Seat-Tochter Cupra soll eine "vollelektrische Automarke" werden, erklärte VW-Chef Herbert Diess in einem Beitrag im Karrierenetzwerk Linkedin. Das erste Modell wird der Cupra El-Born sein. Die Volkswagen-Luxusmarke Bentley will ab 2030 nur noch reine Elektroautos bauen.

Für den Umstieg auf die Elektromobilität sind nach Meinung Volkswagens drei Faktoren wichtig: eine konsequente Energiewende hin zu erneuerbaren Energien, ein wirksamer CO2-Preis und eine bedarfsgerechte Ladeinfrastruktur. Im Rahmen seiner Technologie-Roadmap für die Bereiche Batterie und Laden bis 2030 plant Volkswagen eine Einheits-Batteriezelle ab 2023, sechs 40-GWh-Batteriefabriken nur für den Eigenbedarf und 18.000 Schnellladepunkte bis 2025 allein in Europa.

Porsche

Porsche setzt auf einen Dreiklang aus Benzin-, Hybrid- und reinen E-Modellen – mit stetig steigendem Elektro-Anteil, wie das Unternehmen Springer Professional auf Anfrage im März 2021 mitteilt. In 2025 soll die Hälfte aller neuverkauften Porsche ein Hybrid- oder E-Modell sein. Bis 2030 sollen 80 % der Neufahrzeuge einen E-Motor haben, entweder als reines Elektro-Modell oder Plug-in-Hybrid. Die verbleibenden Verbrenner – sowohl im Porsche 911 als auch jene in den Plug-in-Hybriden – sollen Ende des Jahrzehnts perspektivisch mit regenerativ erzeugten E-Fuels betrieben werden können. Bereits Ende September 2018 hat sich Porsche dazu entschieden, keinen Diesel-Antrieb mehr anzubieten.

Mercedes-Benz

Mercedes-Benz will bis 2039 eine komplett CO2-neutrale Pkw-Neuwagenflotte anbieten, wobei Daimler-Entwicklungschef Markus Schäfer im März 2021 gegenüber dem "Handelsblatt" andeutete, dass man sich auch auf eine frühere Umstellung vorbereite. Bis 2030 sollen sogenannte xEVs, Plug-in-Hybride und vollelektrische Fahrzeuge, voraussichtlich mehr als die Hälfte des Umsatzes ausmachen. Gleichzeitig sollen konventionelle Antriebskomponenten insbesondere aufgrund der sehr heterogenen Marktbedingungen ein wichtiger Bestandteil des Mercedes-Benz-Antriebsportfolios bleiben. Die Daimler AG hat keine Entscheidung getroffen, aus der Entwicklung von Verbrennungsmotoren auszusteigen, wie das Unternehmen auf Anfrage im März 2021 mitteilt. Die neueste Motorengeneration "FAME" (Family of Modular Engines) aus Benzin- und Dieselmotoren sei erst seit kurzem im gesamten Portfolio verfügbar, weitere Varianten seien geplant. Daher stehe derzeit auch keine Entscheidung zur Folgegeneration an. Im Rahmen der "Electric first"-Strategie soll das Portfolio an Verbrennern bis 2025 um 40 % und bis 2030 um bis zu 70 % reduziert und im Pkw-Portfolio mittelfristig keine Schaltgetriebe mehr angeboten werden. Diese Änderungen sollen nicht "sofort" erfolgen, sondern im Rahmen einer natürlichen Anpassung, wenn modellspezifisch auf eine neue Fahrzeuggeneration umgestiegen wird. Seit 2020 ist die Daimler-Tochter Smart die erste reine Elektro-Marke des Konzerns.

BMW

BMW setzt kein Datum für einen Verbrennerausstieg, wie das Unternehmen auf Anfrage von Springer Professional im März 2021 mitteilt. Der Autobauer möchte flexibel auf Marktentwicklungen reagieren. Allerdings setzt BMW mit der jüngsten Neuausrichtung der Modellpolitik auch die Ziele für den Absatz von Elektrofahrzeugen hoch. Insgesamt will die BMW Group in den nächsten rund zehn Jahren etwa zehn Millionen vollelektrische Fahrzeuge auf die Straße bringen. Im Jahr 2030 soll mindestens 50 % des weltweiten Absatzes aus vollelektrischen Fahrzeugen bestehen. Bislang hatte BMW für dieses Ziel Hybridautos mitgezählt. Bereits 2023 sollen vollelektrische Modelle rund 90 % der Marktsegmente abdecken, bis Ende 2025 etwa zwei Millionen reine Elektro-BMW an Kunden ausgeliefert worden sein. 

BMW will den Mini in rund zehn Jahren nur noch als Elektroauto verkaufen. Das letzte neue Modell mit Verbrennungsmotor soll 2025 auf den Markt kommen. Anfang der 2030er Jahre will Mini dann über ein ausschließlich vollelektrisches Angebot verfügen.

Renault

Derzeit ist kein konkreter Ausstieg aus der Verbrennertechnik geplant, teilt Renault auf Anfrage im März 2021 mit. In einem Interview mit der Financial Times hat Renault-Chef Luca de Meo aber die Erwartung geäußert, dass zwischen 2030 und 2035 der letzte reine Verbrenner in Europa verkauft werden könnte. Bis 2025 möchte Renault im Zuge seiner "Renaulution"-Strategie den umweltfreundlichsten Antriebsmix aller Hersteller in Europa vorweisen können. Im Rahmen der Veranstaltung "Renault eWays" hat die Renault Group Ende Juni 2021 die Beschleunigung ihrer Elektromobilitätsstrategie angekündigt. Bis 2025 will die Renault Group zehn neue vollelektrische Modelle auf den Markt bringen. 2025 soll der Anteil von elektrifizierten Personenwagen in Europa 65 % betragen. Hierzu zählen auch der neue Renault 5 sowie ein aktuell als "4ever" bezeichnete Neuauflage eines Renault-Klassikers. Ab 2024 folgt eine vollelektrische Alpine. Bis 2030 sollen bis zu 90 % der verkauften Renault-Modelle über einen vollelektrischen Antrieb verfügen. Im Bereich Wasserstoff ist ein Joint Venture mit Plug Power Bestandteil der Strategie. Dieses soll Lösungen für leichte Nutzfahrzeuge entwickeln.

Nissan

Bis Anfang der 2030er Jahre will Nissan jedes neue Modell in den Schlüsselmärkten Japan, China, USA und Europa elektrifizieren – seien es nun 100 % batterieelektrische Antriebe oder Hybride. Ein Datum zum kompletten Verbrennerausstieg hat Nissan nicht bekanntgegeben, wie das Unternehmen auf Anfrage im März 2021 mitteilt.

Stellantis

Der neue Stellantis-Konzern, der Anfang des Jahres durch Fusion von PSA und FCA entstand und 14 Marken vereint, plant die Elektrifizierung seiner Flotte. Bis 2030 sollen über 70 % des Absatzes in Europa und mehr als 40 % in den USA auf emissionsarme Fahrzeuge (LEVs) entfallen. Bis 2025 sollen in Europa 98 % der von Stellantis angebotenen Fahrzeugmodelle elektrifiziert sind. Bis 2030 soll diese Quote auf 100 % steigen. Bis 2025 sollen 35 % aller von Stellantis verkauften Fahrzeuge LEVs sein, im Jahr 2030 dann 70 %. Ab 2023 soll sich dieser Prozess stark beschleunigen. 

Opel wird auf dem Kernmarkt Europa ab 2028 ausschließlich Elektrofahrzeuge anbieten. Bereits 2024 soll jedes Opel-Modell elektrifiziert sein. Opel will auch als rein elektrische Marke in den chinesischen Markt einsteigen. Anfang Juni hat Fiat-CEO Olivier François angekündigt, dass Fiat für die Jahre 2025 bis 2030 die schrittweise Umstellung auf ein rein elektrisches Portfolio beschlossen hat. Peugeot strebt im Rahmen seiner "Power of Choice"-Strategie bis 2023 ein zu 100 % elektrifiziertes Angebot an.

Toyota

Toyota sei technologisch breit aufgestellt und werde an dieser Strategie auch weiterhin festhalten, teilt das Unternehmen auf Anfrage von Springer Professional im März 2021 mit. Wann welche Antriebssysteme nicht mehr angeboten werden, könne man daher nicht mitteilen. Allerdings sei eine Fokussierung auf elektrifizierte Antriebe bei Toyota eindeutig erkennbar. Der japanische Autobauer bietet bereits seit 1997 alternative Antriebe an, dem Einführungsjahr der ersten Generation des Prius. Seitdem hat Toyota 17 Millionen Hybridfahrzeuge verkauft. Mit dem Mirai hat Toyota seit 2014 die erste Brennstoffzellenlimousine im Handel. Jüngst wurde die zweite Generation des Mirai vorgestellt. Zudem bietet Toyota Plug-in Hybride an und demnächst auch batterieelektrische Modelle.

Hyundai

Beginnend mit der Markteinführung des Ioniq 5 im Jahr 2021 plant Hyundai bis 2025 den Verkauf von 560.000 Elektrofahrzeugen pro Jahr. Hyundai hat über zwölf rein batteriebetriebene Fahrzeuge angekündigt, unter anderem auf der neuen E-Auto-Plattform E-GMP. Hyundai strebt bis 2040 einen Anteil von 8 bis 10 % am weltweiten Elektrofahrzeugmarkt an. Bis 2040 soll die Produktpalette in den wichtigsten, globalen Märkten komplett elektrifiziert sein. Darüber hinaus will das Unternehmen die Demokratisierung der Elektromobilität in aufstrebenden Märkten wie Indien, Russland und Brasilien mit einer größeren Vielfalt an E-Modellen unterstützen. Mit dem neu gegründeten Brennstoffzellen-Geschäftsbereich HTWO will Hyundai seine Anstrengungen im Bereich Brennstoffzellensysteme und Wasserstoffstrategie verstärken.

Kia

Mittelfristig setzt Kia weiterhin bei bestimmten Modellen auf den Einsatz von Verbrennungsmotoren. Bislang hat Kia noch keine Entscheidung für oder gegen den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor getroffen, wie das Unternehmen auf Anfrage im März 2021 mitteilt. Bis 2030 sollen 40 % des Kia-Gesamtabsatzes auf Fahrzeuge wie Elektro-, Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Modelle entfallen, wobei in diesem Bereich ein Jahresabsatz von 1,6 Millionen Einheiten angestrebt wird. In dem Zusammenhang plant Kia seinen Absatz von Elektrofahrzeugen bis 2030 auf 880.000 Einheiten zu steigern. Beginnend mit der Markteinführung des ersten ausschließlich für den Elektroantrieb entwickelten Fahrzeugs in diesem Jahr plant Kia seine EV-Palette bis 2026 (Anfang des Jahres hieß es noch bis 2027) um elf neue Modelle zu verstärken – sieben dedizierte Elektrofahrzeuge auf der neuen Plattform E-GMP (Electric-Global Modular Platform) und vier Elektroversionen bestehender Modelle mit Verbrennungsmotor. 

Mazda

Mazda setzt auf einen "Multi-Solution-Ansatz", der neben reinen Elektroantrieben auch elektrifizierte Benzin- und Diesel-Verbrennungsmotoren berücksichtigt, wie das Unternehmen auf Anfrage im März 2021 mitteilt. Auch am Kreiskolben- beziehungsweise Wankelmotor hält Mazda fest. Ein Kreiskolbenmotor soll ab 2022 die Reichweite des elektrischen Mazda MX-30 verlängern. Wenn die Wasserstoff-Infrastruktur einmal steht, dann kann sich Christian Schultze, Direktor Technologieentwicklung beim Mazda-Forschungs- und Entwicklungszentrum für Europa in Oberursel, auch eine Wiederbelebung des Kreiskolbenmotors als Motor für die innermotorische Verbrennung von Wasserstoff vorstellen. Auch die Reduzierung des CO2-Ausstoßes aus der Verbrennung fossiler Kraftstoffe im Motor zählt bei Mazda zu den Zukunftszielen. So arbeitet Mazda an CO2-neutral erzeugtem, flüssigen Biokraftstoff aus künstlich gezüchteten Mikroalgen. In puncto Brennstoffzellenantrieb ist Mazda abwägend und sieht auch Nachteile. "Das Wasserstoff-Brennstoffzellenauto ist also nicht von vornherein eine Erfolgsgeschichte", so Christian Schultze.

Übersicht: OEM-Fahrpläne für den Verbrennungsmotor-Ausstieg


OEM

Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor (Jahr)

Jaguar

2025

Ford

2030 (Europa)

Volvo

2030

Audi

2033 (Ausnahme: China)

GM

2035

Honda

2040

Volkswagen

kein konkretes Ausstiegsdatum; VW-Vertriebsvorstand Zellmer: Zeitrahmen für Europa zwischen 2033 und 2035 

(Seat-Tochter Cupra wird perspektivisch zur E-Auto-Marke; Bentley ab 2030)

Porsche

kein Ausstiegsdatum (Diesel-Angebot seit 2018 eingestellt)

Mercedes-Benz

kein Ausstiegsdatum (Seit 2020 ist die Daimler-Tochter Smart die erste reine Elektro-Marke des Konzerns)

BMW

kein Ausstiegsdatum (Tochter Mini ab Anfang der 2030er Jahre komplett elektrisch)

Renault

kein Ausstiegsdatum

Nissan

kein Ausstiegsdatum

Stellantis

kein Ausstiegsdatum; (Opel wird ab 2028 in Europa zur reinen Elektro-Marke; Fiat zwischen 2025 bis 2030) 

Toyota

kein Ausstiegsdatum

Hyundai

kein Ausstiegsdatum

Kia

kein Ausstiegsdatum

Mazda

kein Ausstiegsdatum

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