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Mehr Finanzwissen an Schulen, Unis und im Job lehren

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Um finanzielle Entscheidungen richtig einzuschätzen, braucht es entsprechendes Know-how. Doch in Schulen sind Steuern, Vertragsgestaltung oder Geldanlage nur selten Thema. Die Lern-Experten Kamiar Bar Bar und Maurice Impraim plädieren dafür, Finanzwissen praxisnah im Unterricht, an der Uni und durch Arbeitgeber zu vermitteln.

Kamiar Bar Bar (links) und Maurice Impraim sind CEOs der Teaching Finance GmbH. Auf ihren Social-Media-Kanälen vermittelt die beiden vor allem jungen Menschen Finanzwissen und haben über 1,3 Millionen Follower. 


Wieso hat man so viele Steuerabgaben? Sollte man investieren oder lieber sparen? Die meisten Menschen stellen sich solche Fragen, wenn sie im Berufsleben angekommen sind. Die Antworten erhalten Jugendliche und junge Erwachsene meist von einem Finanzberater. Prinzipiell wäre es aber viel sinnvoller, sich selbst in diesem Themenbereich auszukennen. 

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Woran es dem Bildungssystem fehlt

Steuern, Verträge, Verhandlungsstrategien, verschiedene Arten von Geldanlagen und -verwaltung sowie der Umgang mit Geld und Konten - das alles sind Themen, die jedem Menschen im Leben begegnen werden. Doch das Schulsystem sieht es bisher nicht vor, Schüler Finanzwissen zu vermitteln. Dabei ermöglichen ökonomische Kenntnisse erst die Teilhabe an Gesellschaft und Politik. Nur mit ihnen können Bürger finanzbezogene Entscheidungen und Aussagen angemessen einordnen und bewerten, um für sich zu einer adäquaten Entscheidungsfindung zu gelangen. 

Für die große Menge an Finanzthemen wäre es also sinnvoll, ein eigenständiges Schulfach einzuführen. Nur ein solches kann sicherstellen, dass ökonomische Inhalte systematisch und strukturiert unterrichtet werden können. Ein spezielles Lehrangebot wäre natürlich auch an Universitäten und anderen Ausbildungsstätten denkbar.

Mehr praktische Bezüge im Unterricht

In der Schule ließen sich außerdem verschiedene Fächer entsprechend anpassen. Der Unterricht sollte sich dabei an praktischen Lebensfragen orientieren, weniger an komplexen ökonomischen Modellen. So fehlt es dem Mathematikunterricht an realistischen, nachvollziehbaren Beispielen. Diese sollten jedoch unbedingt eingefügt werden, damit Schüler ein Zahlenverständnis bekommen, das ihnen auch im Alltag weiterhilft. So lassen sich mathematische Phänomene wie beispielsweise der Zinseszinseffekt mit Hinblick auf Aktiensparplänen oder Vermögensaufbau erklären. 

Generell ist ein größerer Praxisbezug in der Schule wünschenswert, damit nicht nur die oft als eintönig empfundende Theorie gelehrt, sondern auch eine Verbindung zum "echten Leben" hergestellt wird. Vorstellbar ist, dass etwa im Deutschunterricht Sprechübungen angewendet werden, die Schüler auf Vorstellungsgespräche und andere zukünftige Situationen im Job vorbereiten. 

Hierfür ist es unerlässlich, die Lehrkräfte angemessen auszubilden. Denn für das Unterrichten von ökonomischen Zusammenhängen braucht es Experten. Darüber hinaus ist eine Vermittlung der Kenntnisse über moderne Techniken entscheidend. Nur so kann ein zielgruppengerechtes Lernen stattfinden. Besonders junge Menschen werden damit auf Augenhöhe angesprochen und motiviert, damit sie nicht das Interesse verlieren.

Finanzbildung außerhalb von Bildungsstätten

Auch das Elternhaus hat natürlich einen Einfluss auf die ökonomische Bildung der Kinder. Zusätzlich ist dieser mit einem sozioökonomischen Hintergrund verknüpft. Dadurch wird Chancengleichheit jedoch außen vor gelassen. Grundsätzlich verfügen Kinder aus wohlhabenden Elternhäusern über ein besseres Finanzwissen. Laut S&P's Global Financial Literacy Survey sind nur 40 Prozent der 25 Prozent ärmsten Menschen finanziell ausgebildet. Hingegen haben 60 Prozent der 35 Prozent reichsten Menschen öknomisches Fachwissen. 

Genau aus diesem Grund braucht es bundesweit zentrale Standards an Schulen für die finanzielle Bildung. Denn nur so erhält jeder Schüler die gleichen Chancen und erlangt die nötigen Kenntnisse. Damit wird diese wichtige Wissensvermittlung nicht vollständig den Eltern überlassen. Damit auch diese etwas zu der Finanzbildung ihrer Kinder beitragen können, können bei Elternabenden oder Infoveranstaltungen etwa verständliche Bücher zum Thema empfohlen werden. Beispiele dafür sind "Ein Hund namens Money" oder "Rich Dad Poor Dad".

Finanzwissen über den Arbeitgeber vermitteln

Zuletzt sollen auch Erwachsene die Chance bekommen, sich Finanzwissen anzueignen. Hier kommt der Arbeitgeber ins Spiel. Sinnvoll wäre es, wenn beispielsweise jährlich ein Kurs angeboten wird, in dem wichtige Praxistipps vermittelt werden. Zudem gibt es bereits zahlreiche Youtube- oder Tiktok-Kanäle sowie Apps, die über Finanzen aufklären. Auch Arbeitgeber können sich diese zunutze machen und Kooperationen eingehen.

Fazit: Was in Bildungsstätten fehlt, ist der Transfer eines grundlegenden Know-hows über Finanzen. Dabei sind diese Themen für jeden Menschen wichtig. Es sollte ein Fach eingeführt werden, das alle relevanten Kenntnisse vermittelt, sei es über Verträge, Steuern oder den Umgang mit Geld. Dabei ist ein Praxisbezug und der Einsatz moderner Techniken unabdingbar. Zusätzlich können Eltern bei der Bildung unterstützen. 

Auch im Erwachsenenalter sollte man die Chance bekommen, sich Finanzwissen anzueignen. Insgesamt gilt es, komplexe und komplizierte Wirtschafts- und Finanzthemen aufzubereiten, sodass sich Zielgruppen angesprochen fühlen. Wissen trocken zu vermitteln, reicht nicht aus. 

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    Image Credits
    Kamiar Bar Bar und Maurice Impraim/© Teaching Finance GmbH, Salesforce.com Germany GmbH/© Salesforce.com Germany GmbH, IDW Verlag GmbH/© IDW Verlag GmbH, Diebold Nixdorf/© Diebold Nixdorf, Ratiodata SE/© Ratiodata SE, msg for banking ag/© msg for banking ag, C.H. Beck oHG/© C.H. Beck oHG, OneTrust GmbH/© OneTrust GmbH, Governikus GmbH & Co. KG/© Governikus GmbH & Co. KG, Horn & Company GmbH/© Horn & Company GmbH, EURO Kartensysteme GmbH/© EURO Kartensysteme GmbH, Jabatix S.A./© Jabatix S.A.