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23-09-2014 | Automobil + Motoren | Nachricht | Article

Der Future Truck bekommt ein Gesicht

Author:
Stefan Schlott
3:30 min reading time

Im Rahmen einer Vorabendveranstaltung zur diesjährigen Nutzfahrzeug-IAA präsentierte Daimler gestern weitere Details seines Future Truck 2025. Die autonom fahrende Zukunftsstudie kommt demnach ohne Scheinwerfer und ohne Rückspiegel aus. Auch das Design des Trucks, der bislang nur mit Tarnfolien aufgetreten war, wurde erstmals gezeigt.

Nutzfahrzeugvorstand Wolfgang Bernhard persönlich steuerte den Future Truck in den zu einer Arena umgebauten Hangar 16 des Flughafens Hannover. Dort hatten zuvor Entwicklungschef Sven Ennerst und Chefdesigner Gorden Wagener die über 500 Journalisten aus 30 Ländern mit Details versorgt. Das Design der Studie folgt laut Wagener der Mercedes-Benz Design-Philosophie der "sinnlichen Klarheit". Die Designer nutzten aber auch die Chance künftiger Längenvorschriften: Eine Verlängerung der Frontpartie ermöglicht weiche und aerodynamisch-fließende Formen. Kompakte Kameras ersetzen herkömmliche Außenspiegel. Die Windschutzscheibe ähnelt einem Visier. Die integrierte Sonnenblende und das Aerodach der Studie zeigen eine eigenständige Form.

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Im Stand mit abgeschaltetem Motor erscheint die Bugmaske geschlossen. Klassische Elemente wie die Scheinwerfer fehlen auf den ersten Blick. Erst nach dem Motorstart erwacht der Future Truck 2025 zum Leben. Zahlreiche in die Frontpartie integrierte LED, die im abgeschalteten Zustand hinter dem Lack verschwinden, verwandeln Flächen in Leuchten. Die Bugmaske schimmert, LED-Lampen leuchten auch anstelle der herkömmlichen Scheinwerfer links und rechts im Stoßfänger auf. Die Blinker - ebenfalls in LED-Technik realisiert - teilen als orangefarbene Lauflichter die Richtungswechsel des Trucks mit. Wird die Studie manuell gesteuert, ist sie mit weißem Licht unterwegs. Fährt der Truck autonom, wechselt die Farbe des Lichts von Weiß zu einem pulsierenden Blau.

Datenfusion zahlreicher Sensoren für autonomen Fahrbetrieb

Für den autonomen Fahrbetrieb setzt Daimler auch weiter auf die Datenfusion zahlreicher Sensoren. So scannt im unteren Bereich der Frontpartie ein Radarsensor den Fern- und Nahbereich nach vorne. Der Frontradarsensor erfasst eine Reichweite von 250 m und deckt einen Öffnungswinkel von 18 Grad ab. Der Nahbereichssensor hat eine Reichweite von 70 m und bestreicht einen Winkel von 130 Grad. Der Radarsensor ist die Basis für die heute schon verfügbaren Sicherheitssysteme Abstandhalte-Assistent und Notbrems-Assistent.

Den Bereich vor dem Fahrzeug hat außerdem eine Stereokamera im Blick, sie ist oberhalb der Brüstung hinter der Windschutzscheibe montiert. Heute ist an dieser Stelle bei der Option Spurhalte-Assistent eine Monokamera montiert. Die Reichweite der Stereokamera beläuft sich auf 100 m, sie bestreicht einen Bereich von horizontal 45 Grad und vertikal 27 Grad. Die Stereokamera identifiziert ein- und zweispurige Fahrbahnen, Fußgänger, bewegliche und unbewegliche Gegenstände, sämtliche Objekte innerhalb des überwachten Raums. Die Kamera erkennt alles, was sich vom Hintergrund abhebt und kann somit auch den Freiraum präzise ermitteln. Die Front-Stereokamera nimmt außerdem die Informationen von Verkehrsschildern auf.

Stereokamera dient auch der Spurerkennung

Neben der Objekt- und Freiraumerkennung dient die Stereokamera der Spurerkennung, die eine wesentliche Funktion für die autonome Spurführung darstellt. Die Überwachung der Fahrbahn links und rechts des Lkw übernehmen seitlich angebrachte Radarsensoren. Sie sind links und rechts vor der Hinterachse der Zugmaschine montiert. Die Reichweite beträgt 60 m. Die Sensoren decken einen Winkel von 170 Grad in Längsrichtung ab. Diese Sensoren sind laut Entwicklungschef Ennerst das Herzstück des neuen Blind Spot Assist von Mercedes-Benz. Die Radarsensormodule sind so angeordnet, dass sie den Bereich parallel zum Lkw über die komplette Länge eines Sattel- oder Gliederzugs abdecken. Darüber hinaus wird der Streifen auf zwei Meter nach vorne vor den Lkw ausgedehnt. Der Blind Spot Assist warnt den Lkw-Fahrer nicht nur beim Abbiegen vor anderen Verkehrsteilnehmern, es warnt auch vor drohenden Kollisionen mit stationären Hindernissen - zum Beispiel Schildern oder Laternen - und dient als Assistenzsystem beim Spurwechsel. Die geplante Einführung des Blind Spot Assist in den nächsten Jahren gilt bei Mercedes-Benz als wesentlicher Teilschritt auf dem Weg zum Future Truck 2025.

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