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23-09-2019 | Bank-IT | Im Fokus | Article

Innovative Banken setzen sich beim Kunden durch

Author:
Karl im Brahm
4 min reading time

Um kundenzentriert arbeiten zu können, braucht es den nötigen Weitblick. Viele Banken rollen digitale Anwendungen aber ohne Mehrwert für Kunden aus. Banking-Plattformen sind eine mögliche Lösung, meint Gastautor Karl im Brahm.

Kundenorientiert zu sein, moderne Lösungen schnell auf den Markt zu bringen und dabei Sicherheit sowie Kosten im Blick zu behalten, ist im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung entscheidend, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Banken stecken hier in einem Dilemma: Einerseits entwickeln sich Fintechs mit ihren innovativen Angeboten zu ernstzunehmenden Marktbegleitern. Andererseits hat der Markteintritt der GAFA-Technologiegiganten das Potenzial, den Finanzsektor stark zu verändern. Privatbanken und Vermögensverwalter fehlen häufig die erforderlichen Ressourcen oder das benötigte Know-how, um kurzfristig aus eigener Kraft Technologietrend am Markt aufzugreifen und in nutzwertige Lösungen umzusetzen. Innovative Banking-Ökosysteme können hier helfen.

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01-07-2019 | IT | Issue 7-8/2019

Fit werden für den modernen Kunden

Eine neue Banking-Plattform lässt sich nach dem Baukastenprinzip an die Bedürfnisse von Geldhäusern anpassen. Die Institute können darüber nicht nur offene Schnittstellen nutzen, sondern ihr Kernbankensystem auch völlig auslagern.

Banken als Marktplätze

Eine Ausprägung des Plattform-Bankings ist die PSD2-Richtlinie. Banken sind seit Januar 2018 verpflichtet, die Daten ihrer Kunden auf deren Anweisung hin über Schnittstellen an andere Finanzinstitute oder Fintechs automatisch zu übermitteln oder in deren Auftrag Transaktionen über innovative Zahlungsmittel auszuführen. Damit ist der Plattformgedanke geboren: Indem Fintechs auf Kundenkonten zugreifen, können sie eigene Lösungen entwickeln und diese über offene APIs auf einer Banking-Plattform bereitstellen.

Dass Banken als Anbieter solcher Marktplätze fungieren, dafür gibt es gute Gründe:

  • Banken verfügen über eine große Menge an KWG-konform erhobenen Daten, über die sie ihre Kunden gezielt und individuell ansprechen können.
  • Banken sind im Alltag ihrer Kunden allgegenwärtig: Manche Finanzinstitute verbuchen täglich bis zu einer Million Log-ins in das Online Banking.
  • Deutsche und europäische Banken haben gegenüber US-amerikanischen Unternehmen einen großen Vorteil: Kunden vertrauen etablierten Finanzinstituten, dass sie mit ihren Daten rechtskonform und sicher umgehen.

Entwicklung nutzwertiger Anwendungen

Zudem bieten solche Marktplätze viele Vorteile. Fintechs erhalten Zugang zu Banken und deren Kunden (Skalierung) und den Assets (Marke, Know-how) der Bank. Das ist die Basis, um nutzwertige Anwendungen entwickeln zu können. Kunden können innovative Lösungen im vertrauten Umfeld ihrer Bank nutzen. Außerdem können Banken ihr Angebot an mehrwertstiftenden Apps und Lösungen kontinuierlich erweitern. Sie könne sich damit im Wettbewerb behaupten und für ihre Kunden relevant bleiben.

Damit alle Beteiligten – Kunden, Fintechs und Bank – von einem Banking-Ökosystem profitieren, müssen etliche Anforderungen erfüllt sein

Banken benötigen eine moderne IT-Infrastruktur. Nur so ist gewährleistet, dass sich neue Lösungen mittels Plug-and-Play über eine API einfach aufschalten sowie sicher und zuverlässig betreiben lassen.

Banken brauchen Fintechs als Technologiepartner, die innovative Lösungen schnell entwickeln und auf der Banking-Plattform bereitstellen.

Die Empfehlung an viele Banken wäre, eine kundenzentrierte Denk- und Arbeitsweise zu etablieren. Das ist eine Voraussetzung, um jene Banking-Lösungen auswählen zu können, die den größten Kundenmehrwert stiften.

Auch die User Experience ist erfolgsentscheidend: Die hohen Kundenerwartungen müssen sich in nutzwertigen Anwendungen und einem erstklassigen Service widerspiegeln.

Eigenentwicklungen häufig keine Lösung

Häufig stehen scheinbar regulatorische Vorgaben der Umsetzung marktorientierter digitaler Projekte im Weg. Die Herausforderung besteht darin, auch in einer regulierten Umgebung innovativ zu sein. Fintech-Lösungen selbstständig zu integrieren, ist wenig sinnvoll, denn weltweit gibt es rund 11.000 junger Tech-Unternehmen – häufig Start-ups mit spezialisierten Nischen-Anwendungen. Die passenden Lösungen zu finden, sie auf Sicherheit sowie Nutzwert zu prüfen und an die eigene IT anzubinden, ist riskant, zeitaufwendig und teuer – trotz APIs und Microservices. Ebenso ist es nicht zielführend, eine eigene Systemwelt aus verschiedenen, fragmentierten Datenbanken zu schaffen, denn vorhandene Legacy-Systeme sind in der Regel wenig flexibel. Das hat zur Folge, dass eigenentwickelte Lösungen sehr komplex, wartungsintensiv und beim Launch häufig schon wieder veraltet sind.

Genau hier setzt die Plattform-Idee an. Banken können ein modulares Kernbankensystem nutzen. Solche Systeme sind seit Jahren am Markt etabliert und erlauben, Anwendungen von Drittanbietern über offene Schnittstellen zu integrieren und eine konsistente Datenstruktur sicherzustellen. Damit bilden sie die Basis für Ökosysteme und Technologie-Marktplätze. Im Idealfall sind geprüfte Fintech-Lösungen bereits vorintegriert. Das Kernbankensystem ist an einen App-Store für Banking-Anwendungen angebunden.

Vom Marktplatz profitieren alle Beteiligten

Von einem solchen lebendigen Marktplatz profitieren Banken, Fintechs und Kunden gleichermaßen. Fintechs können ihre Lösungen auf der Plattform bereitstellen, wodurch sie hunderte Banken und Vermögensverwalter als potenzielle Kunden adressieren. Banken erhalten Zugang zu hochinnovativen Technologien, mit einer schnellen Time-to-Market und ohne Investitionsrisiko. Zudem bleiben jegliche Daten über alle Anwendungen hinweg konsistent. Privatkunden schließlich, so die Zukunfts-Vision, können ihr Web-Banking so flexibel personalisieren, dass es stets ihren Wünschen und Bedürfnissen entspricht – so, wie sie es von ihren Smartphone-Apps gewohnt sind.

So verbindet das Bankerlebnis der Zukunft digitale und persönliche Begegnungen auf der letzten Meile zwischen Kunde und Berater. In einem Banking-Ökosystem steht der Kunde im Mittelpunkt, er fühlt sich und seine Bedürfnisse verstanden und wird dies mit seiner Treue danken.

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