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07-10-2013 | Bank-IT | Im Fokus | Article

Biometrie löst PIN beim Mobile Banking ab

Author:
Anja Kühner
3:30 min reading time

PIN und TAN haben beim Mobile Banking einen Nachteil: Sie sind oft nicht zur Hand, wenn sie gebraucht werden. Ein separates Lesegerät anzuschließen ist zwar sicher, aber wer mag das schon ständig mit sich herumtragen? Daher prognostizieren Experten, dass biometrischen Erkennungsmethoden die Zukunft gehört.

„Banken müssen auch künftig ihren Kunden beweisen, dass ihre Information sicher und geschützt vor unautorisierter Nutzung ist“, schrieben die Forrester-Experten Tiffani Montez und Peter Wannemacher in „Building Next-Generation Mobile Banking“. „Biometrische Techniken wie Stimm- und Gesichtserkennung sowie Fingerabdrücke können dabei mithelfen, die Finanzinformationen der Kunden zu sichern. Auch die von BehavioSec entwickelte Technologie kann die Banken bei der Authentifizierung unterstützen.“

So wurde die selbstlernende Methode anerkannt, die das schwedische Start-up BehavioSec auch zum Absichern von Handy-Transaktionen und mobile Banking anbietet. Denn jeder Mensch hat eine individuelle Art, auf einer Tastatur zu tippen, auf einem Touchscreen etwas einzugeben oder darüberzuwischen, so die Erfahrung der Behaviosec-Entwickler. „Eine PIN oder ein Muster zum Entsperren eines Smartphones oder Tablets einzugeben, das ähnelt einem Reflex und ist ein verhaltensbasierter Fingerabdruck“, beschrieb BehavioSec-Chef Neil Costigan anlässlich des Financial-Tech Investor Days von Accenture in London Ende März gegenüber dem BANKMAGAZIN. Damit sei sichergestellt, dass nur der jeweilige Kontoinhaber Zugang zu den Kontodaten erhält und nicht jemand anderes, der zufällig den Zugangscode kennt.

In Schweden ist die Software im Banking-Umfeld im Einsatz sowie ein erstes Mobile-Banking-Pilotprojekt mit rund einer Viertelmillion Nutzern. Auch die Danske Bank, eine der größten Banken Dänemarks, hat gute Erfahrungen mit einem Pilotprojekt gemacht. 18.000 Nutzer wickelten insgesamt rund 540.000 Transaktionen nach einer biometrischen Authentifizierung ab. Bei 97,4 Prozent aller Logins erkannte die Behaviosec-Methode den korrekten Nutzer, die Irrtumsquote beim E-Banking lag bei 2,6 Prozent. Indem in diesen Fällen zusätzliche Felder geprüft wurden, wurden in 99,7 Prozent die korrekten Nutzer erkannt. „Diese exzellenten Ergebnisse führen dazu, dass die Danske Bank sich Mitte 2013 entschieden hat, diese Lösung auf alle 2,5 Millionen Nutzer bis Anfang 2014 auszurollen“, heißt es. 

Erste Anwendung im Kreditkartenbereich

Auch Kreditkarten werden bereits mit BehavioSecs Erkennungsmethode ausgestattet. „Wir starten derzeit erste Projekte mit Prepaid Mastercards mit der Wirecard Solutions als Issuer“, bestätigt Thomas Koch von xWare42. „Bei Cash7, VIP Membercard und Topas genannten Angeboten läuft im Hintergrund die BehavioSec-Lösung, die ab der zweiten Anmeldung erkennt, ob sich der echte Kunde einloggt.“ Rund 20.000 Karten wurden bereits ausgegeben, deren Inhaber nun sowohl über die Webseite als auch die Mobile App die biometrische Erkennungsmethode nutzen werden. „Unsere xPay genannte Plattform kann aber nicht nur mit Kreditkartenkonten arbeiten, sondern mit allen Arten von Konten: Giro, Debit, Kredit, prepaid oder einfach online oder mobil“, sagt Koch.

Viele Insel-Lösungen kämpfen um Marktanteile

Im Mobile Payment kämpfen viele Insellösungen um Marktanteile, wie das BANKMAGAZIN in „Jetzt mit dem Handy bezahlen“ beschreibt. Ob Yapital, kesh oder iZettle - auch Edeka und Netto haben eigene Bezahl-Apps. Dahinter stehen die Deutsche Post Zahlungsdienste und Valuephone. „Edeka und Netto sind derzeit die größten Mobile-Payment-Projekte in Europa, da schaut die ganze Branche drauf“, weiß René Schiller von Valuephone. „Handy-Bezahlen ist für Händler nur spannend im Rahmen eines größeren Konzepts“, so Schiller. „Denen geht es nicht um die Zahlweise, sondern um die dahinter steckende Kundenbindung. Sie wollen ihre Kunden ansprechen, mit ihrer Marke auf dem Handy des Kunden sein.“ Am liebsten wollten die Händler über die App ihre Angebote distribuieren und so gedruckte Prospekte sparen. „Künftig könnten individuelle Infos zugestellt werden, denn wer nur vegetarische Coupons öffnet, der wird künftig nicht mehr mit Fleisch-Angeboten belästigt“, sagt Schiller.

Online-Nutzer vernachlässigen Sicherheit

Bankgeschäfte mobil zu tätigen ist das eine. Doch immer mehr Nutzer vernachlässigen die Sicherheit im Vergleich mit der Bequemlichkeit. „Über die Jahre konstant ist der Trend, dass immer weniger Onliner trotz ihrer Ängste bereit sind, für Sicherheit bei Transaktionen im Internet zu zahlen. Inzwischen sind 57 Prozent der Befragten überzeugt, dass sicheres Online Banking ein kostenloses Angebot ihrer Bank sein muss“, berichtet die Springer-Zeitschrift Datenschutz und Datensicherheit.

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