Skip to main content
Top

09-06-2023 | Bank-IT | Interview | Article

"Geldhäuser müssen nicht alles selbst entwickeln"

Authors: Bianca Baulig, Swantje Francke

5 min reading time

Activate our intelligent search to find suitable subject content or patents.

search-config
print
PRINT
insite
SEARCH
loading …

Digitalisierung und eine moderne IT reichen nicht, um Bankkunden auf eine Customer Journey zu schicken, die überzeugt. Was Institute bei der Entwicklung ihrer Tech-Strategie bedenken sollten, erläutert LBBW-Experte Stephan A. Paxmann am Beispiel seiner eigenen Organisation im Bankmagazin-Interview.

Bankmagazin: Herr Paxmann, Sie leiten seit 2022 den strategischen Entwicklungsbereich Digitalisierung und Innovation bei der LBBW. Worauf liegt dabei Ihr Fokus?

Stephan A. Paxmann: Unser Bereich ist vor allem ein Strategie- und weniger ein Entwicklungsbereich. Digitalisierung wird zwar mit IT ermöglicht, aber wir denken Innovation aus dem strategischen Ansatz und dem Anwendungsfall heraus. Denn wenn die Menschen nicht wollen und der Nutzen einer Anwendung nicht klar ist, dann wird die Technologie versagen und ein System nicht genutzt. Letztlich ist nicht alles, was technisch möglich ist, auch realistisch umsetzbar. Eine der Aufgaben meines Bereichs ist, diesen Aspekt klarzumachen und einzelne Themen, die es bei der LBBW schon länger gibt, miteinander zu verbinden und darüber ein geschäftspolitisches Zielbild zu setzen. Dabei denken wir vor, wie Innovation und Digitalisierung die Branche verändert und wie beides das bestehende Geschäft begleitet. Unter anderem schauen wir, wie wir die Themen abgrenzen, die wir heute für die Bank aufsetzen müssen, definieren ein klares digitales Zielbild und planen, mit welchen einzelnen Aktivitäten dieses Ziel zu erreichen ist. Und wir diskutieren auch die Frage, was die Bank in drei, fünf oder zehn Jahren machen muss und wie wir unser Modell dahin gehend anpassen müssen. Dafür probieren wir das ein oder andere aus.

Editor's recommendation

01-06-2023 | Bankmagazin-Gespräch

"Digitalisierung ermöglicht unwahrscheinlich viel"

Stephan A. Paxmann, Leiter des strategischen Entwicklungsbereichs Digitalisierung und Innovation bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), über die Aufgaben seines Teams und die Transformation der Finanzbranche.

Wie genau gehen Sie dabei vor?

Dinge auszuprobieren ist wichtig für Innovation und Digitalisierung. Denn es ist nicht so, dass wir alle Themen in die Bank hineintragen, sondern dass wir uns zunächst eine Meinung über sie bilden. Dabei stellen wir uns die Frage, was Relevanz für die Bank und unsere Kunden hat. Und dann greifen wir nur die Aspekte auf, die tatsächlich passend sind. Neue Themen sind zum Beispiel Metaverse, Digital Assets oder generative Künstliche Intelligenz (KI). Derzeit machen wir uns Gedanken darüber, wie wir in Zukunft damit umgehen wollen.
Ihr Team bestand am Anfang aus zehn Personen. 

Können Sie mit dieser Anzahl an Mitarbeitenden das große Thema Digitalisierung stemmen?

Wir bauen den Bereich gerade auf und sind mittlerweile auf mehr als 20 Personen angewachsen. Innovation hat in einem Unternehmen immer das Ziel, die Organisation selbst, aber auch die Kunden weiterzubringen. Und deswegen ist es wichtig, Mitarbeitende zu haben, die unterschiedliche Trends, Ideen und Marktbewegungen aufnehmen und die Überleitung treffen können, was das für die Bank bedeutet. Daher haben wir unser Team um erfahrene Banker aus den Fachbereichen erweitert. Dazu gehören beispielsweise Mitarbeitende aus dem Paymentbereich, die wissen, was im Zahlungsumfeld passiert, oder Firmenkundenberater, die sich mit den Bedürfnissen von Unternehmenskunden auskennen. Und genauso wichtig ist es, dass wir Kollegen aus der Regulatorik dabeihaben, die sich die Themen Innovation und Digitalisierung aus Compliance- oder Datenschutz-Sicht anschauen. Eine weitere Aufgabe meines Bereichs ist, die Vernetzung zu innovativen Themen in der Bank zu stärken. Ich bin absoluter Freund davon, dass wir crossfunktional arbeiten, und das schon möglichst frühzeitig bei einem neuen Thema. Denn Innovation betrifft viele Bereiche. Sind diese nicht miteinander vernetzt, arbeiten sie nur als Satelliten und damit einseitig.

Können Sie sich vorstellen, Ihre Erkenntnisse im Bereich Digitalisierung grundsätzlich auch anderen Banken und Sparkassen zur Verfügung zu stellen?

Der erste Fokus liegt sicherlich auf der LBBW und der BW Bank, die unser Privatkundengeschäft macht. Wir sind aber natürlich im Austausch mit anderen Landesbanken und Sparkassen sowie dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Digitale Themen und neue Modelle benötigen ja eine breite Akzeptanz. Und deswegen ist es wichtig, auf einer breiten Ebene eine einheitliche Sichtweise zu haben, auch was die Umsetzung betrifft. Auf der anderen Seite ist es auch so, dass es schwieriger wird, je mehr Gruppen sich untereinander abstimmen müssen. Daher sollten wir als LBBW erst einmal selbstständig wissen, was wir mit den innovativen Themen tun wollen und was wir unseren Kunden anbieten wollen. Im zweiten Schritt können wir überlegen, was wir mit anderen teilen wollen. Ich kann aber nur dann anderen etwas anbieten, wenn ich selbst eine Stärke gebildet habe.

Wie kommt Ihrer Meinung nach generell die digitale Transformation von Banken und Sparkassen voran?

Als vor einigen Jahren die ersten Start-ups mit innovativen Geschäftsmodellen in den Markt traten, waren die traditionellen Banken noch in ihrer alten IT-Landschaft gefangen. Sie hatten mit verschiedenen Herausforderungen zu kämpfen, während neue Player wie die Solarisbank oder N 26 auf neuer Technologie aufsetzen und deswegen viel schneller und flexibler agieren konnten. Die Herausforderungen von Fintechs wiederum waren und sind eher die Skalierung und die Kundenzugänge. In den vergangenen zwei bis drei Jahren gab es dann eine Collaboration- beziehungsweise Coopetition-Welle. Nun setzen sich diejenigen Geschäftsmodelle durch, die ein richtiges Fundament haben, und Fintechs ohne ein fundiertes Modell verschwinden vom Markt. Banken und Sparkassen nutzen die Möglichkeit, mit Fintechs enger zu kooperieren und selbstständig digitale, innovative Lösungen zu entwickeln. Gleichzeitig glaube ich, dass die Geldhäuser erkannt haben, dass sie aber auch nicht alles selbst entwickeln müssen. Manchmal fehlen dazu die fachlichen Kompetenzen, die Zeit oder das Budget. Dann ist es sinnvoll, mit einem Fintech zusammenzuarbeiten und dessen Lösung in das eigene Angebot zu integrieren. Sehr wichtig ist dabei jedoch, das in einem regulierten Umfeld zu tun.

Das vollständige Interview lesen Sie in der digitalen Juni-Ausgabe der Zeitschrift "Bankmagazin". 

print
PRINT

Related topics

Background information for this content