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17-12-2015 | Bankenaufsicht | Im Fokus | Article

So war das Bankenjahr 2015

6:30 min reading time

Neue Strukturen, höhere Kosten, mehr Regulierung und Digitalisierung. Die Anforderungen an Kreditinstitute sind erneut deutlich gewachsen. Was die Branche in den vergangenen zwölf Monaten geprägt hat.

Es war ein Jahr der Herausforderungen für die Bankenbranche. Die Institute mussten in den vergangenen Monaten angestammte Geschäftsfelder und Strukturen auf den Prüfstand stellen. Das zerrte an den Ressourcen. Die Ursachen dafür haben sich nicht verschoben. Laut einer Befragung des Beratungshauses Mutaree von 283 Bankern sind die größten Veränderungstreiber mit 82 Prozent und 73 Prozent regulatorische Auflagen und der dauerhafte Niedrigzins. So müssen sich gerade Sparkassen und Genossenschaftsbanken gegen das Dauerzinstief und die damit einhergehenden sinkenden Erträge wappnen. Zinsüberschüsse und Provisionen gingen zurück und schmelzen weiter, bei noch immer steigenden Kosten für die Kreditinstitute. 

Belastungen senken und Strukturen erneuern

Für viele Retailbanken ist ein Effizienzsprung notwendig, um die Kostenseite in den Griff zu bekommen. Banken und Sparkassen arbeiten deshalb daran, ihre Filialnetze intelligenter zu gestalten, was 2015 auch mit Schließungen von Zweigstellen einhergeht. Bei der Deutschen Bank ist die Ausdünnung des Filialnetzes aber nicht das einzige Thema auf der Agenda. Das Geldhaus muss den ausgerufenen Kulturwandel umsetzen. Dazu kommt ein Strukturschock: Nach hohen Verlusten will der Brite John Cryan, noch Co-Vorstandsvorsitzender und ab Mai 2016 alleiniger Chef der Deutschen Bank, das Institut im Rahmen der Strategie 2020 deutlich transparenter, schlanker und effizienter machen. Es soll wieder attraktiver für Kunden und Aktionäre werden.

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Dazu trennt Cryan das Handelsgeschäft vom kundenorientierten Investmentbanking. Außerdem plant er, nicht rentable Geschäftsfelder und Produktbereiche auszudünnen. Von der Postbank, eine der größten deutschen Vertriebsorganisationen mit rund 14 Millionen Privat-, Geschäfts- und Firmenkunden, will sich die Deutsche Bank 2016 trennen. Auch die Credit Suisse kürzt im Investmentbanking. Das Schweizer Geldhaus wird sich künftig stärker auf die vermögenden Kunden konzentrieren. Die Commerzbank arbeitet ebenfalls an ihrer neuen Aufstellung. Im Dezember hat das Institut bekanntgegeben, dass es seine Luxemburger Wealth-Management-Aktivitäten für 68 Millionen Euro an die Privatbank Julius Bär veräußert.

Regulierung bleibt Kostentreiber für Banken

Das Thema Regulierung ist für Finanzdienstleister ein Dauerbrenner, und das Jahr 2015 bildet keine Ausnahme. Vor allem die kleinen und mittleren Banken leiden darunter, denn bei ihnen liegen die durchschnittlichen Regulierungskosten um ein Vielfaches höher als bei großen Instituten, wie Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt am Main in einem Gutachten im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) festgestellt haben. Wie die Sparkassen wehren sich auch die Genossenschaftsbanken gegen eine gemeinsame europäische Einlagensicherung. Sie pochen auf die Sicherungssysteme ihrer Verbünde. Unterstützung erhalten die Regionalinstitute von der Politik.

Die formal bereits Anfang Juli 2014 in Kraft getretene Finanzmarktdirektive Mifid II hätte eigentlich bis Sommer 2016 in nationales Recht umgesetzt und Anfang 2017 wirklich gelebt werden sollen. Der Beratungsprozess verzögert sich jedoch. Die Diskussionen zwischen der European Securities and Markets Authority (ESMA) und EU-Kommission stocken, sodass ein Start erst zu Jahresanfang 2018 wahrscheinlich ist, wie Bankmagazin-Herausgeberin Stefanie Burgmaier schreibt. Die Finanzbranche fürchtet vor allem, dass in diesem Zuge Provisionen verboten werden könnten.

In Zeitnot könnten Banken und Sparkassen vor allem bei der Wohnimmobilienkreditrichtlinie kommen. Achim Tiffe, verbrauchernaher Rechtsanwalt in Hamburg, geht davon aus, dass es die Bundesregierung beim 21. März 2016 belässt, der im Gesetzentwurf als Stichtag vorgeben ist, um auf EU-Ebene keine Rüge zu kassieren. Beeilt hat sich der deutsche Gesetzgeber schon bei der Umsetzung der EU-Zahlungskontenrichtlinie. Am 28. Oktober 2015 hatte das Bundeskabinett einen entsprechenden Regierungsentwurf verabschiedet. Kreditinstitute müssen demnach künftig jedem Menschen, auch Asylbewerbern oder Obdachlosen, ein Basiskonto auf Guthabenbasis ermöglichen.

Noch rund zwei Jahre Zeit bei der Umsetzung in nationales Recht haben die EU-Mitgliedsstaaten bei der Insurance Distribution Directive (IDD). Die Richtlinie soll Anfang 2016 in Kraft treten. Am 30. Juni 2015 hatten sich die EU-Gremien auf einen gemeinsamen Richtlinienentwurf geeinigt, der die Zukunft des Versicherungsvertriebs prägen soll. Mit der IDD will die Europäische Union Verbraucher besser vor Fehlberatung schützen und dafür sorgen, dass die Versicherungsprodukte besser miteinander verglichen werden können. Ende November hat das Europäische Parlament final über die IDD beraten. Am 14. Dezember ging die beratene Fassung ohne Änderung durch.

Fintechs rollen den Markt auf

Neben der Regulierung müssen die Geldinstitute vor allem dem unaufhaltsamen Digitalisierungstrend und den Veränderungen im Verhalten ihrer Kunden Rechnung tragen. Konkurrenz erhalten die traditionellen Kreditinstitute von jungen Finanz-Start-ups, den Fintechs. Sie wollen sich Teile des Marktes mit niedrigschwelligen Angeboten für smartes, unkompliziertes Banking sichern und bringen damit den Markt in Bewegung. Ob in der Vermögensverwaltung, dem Zahlungsverkehr oder im Kreditgeschäft – die Finanztechnologie-Unternehmen machen vor keinem der Kerngeschäftsfelder der Banken halt.

Wie groß der Hype aktuell ist, zeigt der Kapitalfluss in diesem Segment. "Das Finanzierungsvolumen bei Fintechs hat sich von 2013 auf 2014 verdreifacht“, verkündete Burgmaier auf der 1. Konferenz zur Finanztechnologie des Bankmagazins und des Centers for Financial Studies im September in Frankfurt am Main. So konnte das Hamburger Unternehmen Kreditech beispielsweise im Herbst eine Finanzierungsrunde von 82,5 Millionen Euro abschließen. Das Berliner Mobile-Banking-Fintech Number 26 sammelte im Frühjahr 2015 rund zehn Millionen Euro Kapital ein. Investor und Paypal-Mitgründer Peter Thiel beteiligte sich an beiden Unternehmen. Bankmagazin-Autor Daniel Drummer weist in seinem Beitrag "Deutsche Fintechs auf dem Weg in die Königsklasse" (Ausgabe 12/2015, Seite 24-27) allerdings darauf hin, dass Deutschland bei Investitionen von Risikokapital noch aufholen muss: Weltweit seien im Jahr 2014 mehr als zwölf Milliarden US-Dollar in Finanz-Start-ups investiert worden. Europa sei dabei die Region mit den höchsten Wachstumsraten, schreibt er. Auf Deutschland entfielen davon jedoch nur 82 Millionen US-Dollar.

Geldinstitute und Start-ups kooperieren

Etliche Kreditinstitute haben die Chancen für strategische Allianzen und Synergien mit Fintechs mittlerweile erkannt. "Immer mehr Kreditinstitute und Start-ups verkünden Kooperationen", stellt Bankmagazin-Autorin Anja Kühner in ihrem Beitrag "Zwei Welten nähern sich an" (Ausgabe 9/2015, Seite 22-25) fest. Die Berliner Volksbank beispielsweise arbeitet mit dem Online-Versicherer Schutzklick zusammen. Die Commerzbank unterstützt mit ihrem Main Incubator junge Finanztechnologie-Unternehmen und die Consorsbank kooperiert mit Seedmatch, einer Crowdfunding-Plattform für Start-ups.

Im Zahlungsverkehr wollen die deutschen Geldhäuser nun Paypal Paroli bieten: Im August 2015 ging das bankeneigene Online-Bezahlsystem Paydirekt an den Start. Bisher stellen neben den Volks- und Raiffeisenbanken die Hypovereinsbank, DZ Bank, Commerzbank und Deutsche Bank ihren Kunden den Dienst zur Verfügung, seit Kurzem auch die Postbank. Die Sparkassen wollen Paydirekt voraussichtlich im Frühjahr 2016 ausrollen. Erste Anbieter verabschieden sich angesichts des enormen Wettbewerbs jedoch bereits wieder aus dem Zahlungsverkehr, zum Beispiel Yapital von der Hamburger Otto-Gruppe oder der Telekom-Bezahldienst Clickandbuy.

Anleger sind verunsichert

2015 kehrte die Volatilität an die Märkte zurück. Dies gilt insbesondere für Aktien, aber nicht nur. „Während einiger Perioden haben wir extreme Marktschwankungen gesehen, manchmal an nur einem Tag“, stellen die Analysten von M&G-Investments in einem Researchbericht fest. Grund für die starken Schwankungen sei eine Verzerrung zwischen den Kursen beziehungsweise Preisen an den Märkten und den Fundamentaldaten. Die von der globalen Finanzkrise verunsicherten Investoren scheinen noch immer Probleme zu haben, dem derzeitigen volkswirtschaftlichen Wachstum zu vertrauen.

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