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11-05-2023 | Bankprodukte | Best Practice | Article

Volksbank berechnet CO2-Fußabdruck von Firmenkunden

Authors: Dr. Serhan Ili, Matthias Hümpfner

3:30 min reading time

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Trotz fortschreitender Digitalisierung in der Bankenbranche offenbaren Studien, dass deutsche Finanzdienstleister der ausländischen Konkurrenz hinterherhinken. Dabei schlummern in den oft engen Kundenbeziehungen Chancen für innovative, digitale Angebote, wie das Beispiel der Volksbank in Karlsruhe zeigt.

Die Deloitte-Studie Digital Banking Maturity hat ermittelt, dass Banken aus Deutschland hinsichtlich der Kundennähe auf digitaler Ebene sich im internationalen Vergleich nur im Mittelfeld befinden. Fintechs heizen diesen Wettbewerb zusätzlich an. Diese Entwicklung bietet jedoch einen guten Anlass, sowohl eigene Schwachstellen als auch Wettbewerbsvorteile auszuloten. Während klassische Geldhäuser letztere strategisch nutzen sollten, lassen sich Herausforderungen oder Pain Points gleichsam in Wachstumshebel umwandeln. Denn zu den zentralen USPs von Banken gehört das hohe Vertrauen, das ihnen die Kunden entgegenbringen, wenn es um das eigene Vermögen geht. Es ist ein zentraler Schlüsselfaktor, um Kunden zu halten und digitale Mehrwertprodukte anzubieten. Eine Herausforderung für Banken stellen dabei die oft von Regulatorik geprägten und somit kostenaufwändigen Prozesse dar. 

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Geschäftsmodelle über das Banking hinaus schaffen

Um den komplexen Anforderungen der Bankenaufsicht, der Konkurrenz durch Fintechs und dem Wegbrechen ihrer Kerngeschäftsfelder zu begegnen, sind in Geldhäusern Ideen gefragt. So ist bei der DZ Bank eine digitale Plattform für Zuschüsse entstanden.

Kosten senken und die Profitabilität steigern: Vor dieser Herausforderung stand auch die Volksbank Pur in Karlsruhe. In einem gemeinsamen Projekt mit der Digitalberatung Ili Digital suchte das genossenschaftliche Bankhaus nach innovativen Geschäftsideen auf digitaler Basis, die die eigenen Stärken wie Kundennähe und enge Beziehungen zu Privat- und Geschäftskunden aus der Region mit zukunftsorientierten Trends verbinden. Infolge von Fusionen mit anderen Volksbanken aus der Region verfügt das Institut über eine breite regionale Marktabdeckung und viele, zum Teil über Jahrzehnte gewachsene Kundenbeziehungen - insbesondere zu Firmen aus dem Mittelstand. Diese sind vor allem geprägt durch persönliche Kontakte sowie detaillierte Daten zu den Unternehmen und und Gewerbetreibenden. 

Nachhaltigkeit im Zentrum innovativer Mehrwertangebote

So beschäftigt die Betriebe vor Ort vor allem die Nachhaltigkeit mit all ihren Facetten, die vom Energieverbrauch über die Produktionsoptimierung bis zur Einsparung von Ressourcen reichen. Mit dem European Green Deal will die Europäische Union bis 2050 in einem Mammutprojekt Klimaneutralität erreichen und Europa damit international zum Vorreiter bei der nachhaltigen Transformation machen. Die in diesem Jahr in Kraft getretene Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) verpflichtet neben größeren Unternehmen auch kleinere, börsennotierte Unternehmen dazu, einen ausführlichen Nachhaltigkeitsbericht mit quantitativen und qualitativen Angaben zu erstellen. 

Dabei handelt es sich allerdings nur um die regulatorische Spitze des Eisbergs. Faktisch wird die Messung von Nachhaltigkeitsparametern wie die Berechnung des eigenen 2-Fußabdrucks für jedes mittelständische Unternehmen zukünftig zum Standard, den Kunden erwarten und der eine Optimierung des effizienten Ressourceneinsatzes ermöglicht. 

Algorithmen berechnen ökologischen Fußabdruck 

Ziel der Volksbank war es, ihre Kundenbeziehungen und die mit diesen zusammenhängenden Daten mit den Nachhaltigkeitsanforderungen auf digitaler Basis zu verknüpfen. In einem dreitägigen Strategie-Meeting entstand zunächst das Konzept einer Softwarelösung, mit der es den Firmenkunden des Instituts ermöglicht werden sollte, ihren CO2-Fußabdruck auf Grundlage ihrer vorliegenden Betriebswirtschaftlichen Auswertung (BWA) zu berechnen. Denn die Daten aus Rechnungen und Belegen, Summen und Saldenlisten geben nicht nur einen Einblick in die Finanzlage, sondern auch in den CO2-Verbrauch.

Ausgangspunkt waren Berechnungsmodelle des Schweizer Beratungshauses Myclimate, die validiert und weiterentwickelt wurden und schließlich als Basis für eine neue Softwarelösung dienten. Um den CO2-Fußabdruck zu berechnen, setzt die entwickelte Anwendung generative Künstliche Intelligenz ein. Dabei lernen die Algorithmen dazu und die Genauigkeit verbessert sich mit der Menge der Daten sowie ihrer Nutzung.

Schnelle Projektumsetzung mit Vorbild-Charakter

Gemäß des agilen Build-Measure-Learn-Ansatzes entwickelte das über 20-köpfige Projektteam von Ili Digital zusammen mit dem genossenschaftlichen Institut das digitale User Interface. Die neue Anwendung erhielt den Namen "gecco2". Darüber hinaus entstand innerhalb von sechs Wochen ein digitales Kundencenter zur Abwicklung und Abrechnung der Lösung. Nach zwölf Wochen ging der erste Prototyp an den Start. Und 24 Wochen nach dem Kick-Off gab es eine erste lauffähige Version, das sogenannte Minimum Lovable Product. 

Ein zentraler Schritt auf dem Weg zum fertigen Produkt war schließlich die IT-Zertifizierung durch die entsprechenden zentralen Instanzen der Genossenschaftlichen Finanzgruppe, da das Tool künftig auch allen anderen Volksbanken zur Verfügung stehen soll. 

Mit diesem Projekt hat die Volksbank gezeigt, dass sich der Grundstein für kundenorientierte, digitale Mehrwertangebote im Banking durchaus zügig legen lässt. Im nächsten Schritt wird der weitere Roll-out von "gecco2" als Beyond-Banking-Produkt bei interessierten Volksbanken über die neu gegründete Volksbank Digital Solutions GmbH vorbereitet. 

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