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15-02-2013 | Bankstrategie | Im Fokus | Article

Dossier: Bezahl-Anbietern offensiv begegnen

Author:
Stefanie Hüthig
4:30 min reading time

Klassische Banken sehen ihr Geschäft zunehmend von branchenfremder Konkurrenz – vor allem Bezahlsysteme im Web und mobile Paymentsysteme – bedroht. Dies ist ein Ergebnis der Studie „Branchenkompass 2012 Kreditinstitute“ von Steria Mummert Consulting in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Bezahl-Anbieter nicht Knall auf Fall zu den Schwergewichten wurden, die sie heute zum Teil sind.

57 Prozent der im August und September 2012 befragten Entscheider in deutschen und österreichischen Kreditinstituten glauben, dass Bezahlsysteme im Internet, zu denen zum Beispiel PayPal oder ClickandBuy gehören, ihr Haus bedrohen. Ein Jahr zuvor waren es noch 51 Prozent. Eine Gefährdung durch externe mobilfunkbasierte Bezahlsysteme sehen 48 Prozent – binnen eines Jahres ist dieser Wert um 13 Prozentpunkte hochgeschnellt.

"Technologische Innovationen erfolgreich mit kundenfreundlichen Finanzdienstleistungen verbunden"

„In letzter Zeit haben branchenfremde Firmen technologische Innovationen erfolgreich mit kundenfreundlichen Finanzdienstleistungen verbunden“, erklärt André Schmidt, Experte für Bezahlsysteme bei Steria Mummert Consulting. Als Beispiele dafür nennt er Apps mit integrierter Bezahlfunktion wie myTaxi oder Anbieter wie iZettle, die durch Kombination von Smartphone und Kredit- oder Bankkarten insbesondere kleinen Händlern eine unkomplizierte Kartenakzeptanz ermöglichten.

Die Angst der Bankmanager erscheint berechtigt, betrachtet man die Zahlen der bekannten ebay-Tochter PayPal. Im vierten Quartal 2012 gewann der Anbieter mehr als fünf Millionen aktive Accounts hinzu, nach Unternehmensangaben das ist die schnellste Wachstumsrate seit acht Jahren. Der Quartalsumsatz betrug 1,54 Mrd. US-Dollar, was einem Plus von 24 Prozent im Jahresvergleich entspricht. PayPal wickelte im Jahresendquartal Gesamtzahlungen in Höhe von 5.217 US-Dollar pro Sekunde ab. Im Gesamtjahr 2012 haben Nutzer 14 Milliarden US-Dollar an mobilen Zahlungen über den Anbieter vorgenommen– mehr als das Dreifache des Volumens mobiler Zahlungen im Jahr 2011 (4 Milliarden US-Dollar). PayPal rechnet damit, im Jahr 2013 20 Milliarden US-Dollar an mobilen Zahlungen umzusetzen. 

Noch vor wenigen Jahren haben Nutzer bei Einkäufen im Web auf die traditionellen Bezahlmethoden gesetzt. Die Autoren Malte Krueger und Kay Leibold zitieren die Online-Umfrage „Internet payment systems: The consumers’ view“ des Institute for Economic Policy Research aus dem Jahr 2005. Die neuen Internet-Payment-Systeme, zum Beispiel via E-Mail, Prepaid-Ansätze oder mobile Payments wurden weitaus seltener genutzt als der Spitzenreiter Online-Überweisung über das Bankkonto (78 Prozent Nutzung) oder Kreditkartenzahlung (47 Prozent Nutzung).

giropay – Online-Verfahren, das Banken und Sparkassen anbieten

Im Studien-Jahr 2005 war giropay, das Online-Bezahlverfahren, das laut Unternehmensangaben von über 1.500 Banken und Sparkassen angeboten wird, noch gar nicht gestartet. Seit 23. Februar 2006 stehen den Online-Banking-Kunden der teilnehmenden Kreditinstitute zur Verfügung. Bei dem Verfahren erhält der Händler – im Gegensatz zu einer klassischen Online-Überweisung – unmittelbar nach erfolgreicher Zahlung eine Zahlungsgarantie der Bank und kann ab diesem Zeitpunkt seine Waren oder Dienstleistungen dem Kunden verschicken.

Die Anbieter der Online-Bezahlverfahren giropay in Deutschland und eps in Österreich haben im Oktober 2012 bekanntgegeben, gemeinsam eine interoperable E-Payment-Lösung zu entwickeln. Kunden der Unternehmen können seit 2013 grenzüberschreitend in deutschen und österreichischen Online-Shops einkaufen. Die garantierte Online-Überweisung über die Systeme erfolgt dann auch international in Echtzeit. Im einem Letter of Intent bekundeten beide Anbieter ihr Interesse, giropay und eps so miteinander zu verknüpfen, dass die Abwicklung von Bezahlvorgängen systemübergreifend möglich wird.

Diese bilateralen Vorstöße haben die beiden Unternehmen unternommen, weil im European Payment Council die Standardisierungsbemühungen für ein europäisches Online-Überweisungsverfahren im damaligen Zeitraum nicht weitergeführt wurden. „Schließlich wollen unsere Kunden in Zeiten des europäischen Binnenmarkts mit ihrem Online-Bezahlsystem auch in Shops anderer EU-Länder einkaufen“, wird Joerg Schwitalla, giropay-Geschäftsführer, in der Mitteilung vom Oktober 2012 zitiert.

Aber: Für Händler kommt Giropay im Vergleich zu Zahlungen mit der Girocard teuer. „Bei Giropay muss der Händler aktuell für eine Transaktion etwa das Doppelte zahlen wie bei Sofortüberweisung“, erklärte Tim Kiesewetter, Projektleiter Online Payment beim EHI Retail Institute, gegenüber Bankmagazin-Autorin Anja Kühner. Daher darf sich Giropay laut Kiesewetter nicht wundern, dass Online-Händler andere Anbieter bevorzugen (lesen Sie hier eine Stellungnahme von Giropay-Geschäftsführer Jörg Schwitalla).

Wie Banken neuen Wettbewerbern die Stirn bieten können

Doch wie können Banken und Sparkassen den Payment-Anbietern Paroli bieten? Schmidt empfiehlt den klassischen Banken, Kooperationen über Branchengrenzen einzugehen und in diesem Rahmen eigene Partnermodelle für mobile Payment-Systeme aufzustellen. Dabei solle auch die Zusammenarbeit mit Telekommunikationsunternehmen erwogen werden. „Wichtig ist dabei aus Bankensicht allerdings, nie die unmittelbare und vertrauensvolle Kundenbeziehung aus der Hand zu geben“, betont Schmidt. Die Abwicklung von Zahlungen müsse immer als Kernkompetenz der Banken wahrnehmbar sein. 

Spätestens mit der jüngsten Krise sind die zwischenzeitlich stiefmütterlich behandelten Geschäftszweige wie der Zahlungsverkehr wieder in den Fokus der Kreditinstitute gerückt. Dass Banken aber nun nicht mehr den Zahlungsdienste-Anbietern allein das Feld überlassen wollen, hat Ismet Koyun, Gründer und CEO der Kobil Systems GmbH, beobachtet. Die Sicherheits-Software „Application Security Technology“, kurz „AST“, soll Banken dabei helfen, den Vorstößen der Payment-Dienstleistern zu begegnen – „wir haben uns für die Banken entschieden“, entgegnet er auf die Frage, ob er auf der Seite der Zahlungsdienste oder der Kreditinstitute steht. Und die sollten nach seiner Ansicht auf die Sicherheit ihrer Leistungen achten: „Wenn man keine guten Bremsen hat, kann man keine schnellen Autos bauen.“

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