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09-01-2020 | Bankstrategie | Interview | Article

"Es gibt viele gute Gründe, Open Banking zu unterstützen"

Authors:
Stefanie Hüthig, Christian Kemper
2:30 min reading time
Interviewee:
Oliver Dlugosch

ist CEO von Ndgit, einer API-Plattform für Banking und Insurance.

Was bedeutet Open Banking langfristig für die Finanzbranche, ihre Produkte und Geschäftsmodelle? Banken werden Ökosysteme für bestimmte Zielgruppen aufbauen, meint Plattformexperte Oliver Dlugosch im Gespräch mit dem Bankmagazin. 

Bankmagazin: Nicht nur in Europa gibt es regulatorische Vorgaben wie die PSD2, die Open Banking fördern sollen. Welche Gründe sehen Sie dafür?

Oliver Dlugosch: Es gibt viele gute Gründe, Open Banking zu unterstützen. In Deutschland konnten Softwareanbieter zunächst über den HBCI-, später über den FinTS-Standard Kontodaten abrufen. Letztlich haben sich ganze Ökosysteme von Fintechs angesammelt, die mit diesen Daten gearbeitet haben – mit einem entsprechenden Effekt auf die Finanzwirtschaft. Das hat den Ausschlag dazu gegeben, Banken zur Öffnung der Daten zu verpflichten und damit den Wettbewerb, Innovationen und Nutzerfreundlichkeit unter regulatorisch sauberen Bedingungen zu fördern. Mit der Zusammenarbeit zwischen Digitalunternehmen und Geldhäusern entstehen neue wirtschaftliche Möglichkeiten, auch in Konkurrenz zu anderen Ökonomien. Auf diese Weise könnte Banking dahin kommen, wo heute schon die GAFAs mit ihren Digitalangeboten stehen.

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"Banking ist heute kontextorientiert"

Oliver Dlugosch, Chef und Mitgründer von Ndgit, über die Notwendigkeit für Geldhäuser, sich effizient zu öffnen, darüber, wie sein Unternehmen dabei unterstützt, und die Rolle von Banken in der Zukunft.

Ist Open Banking denn ein weltweites Phänomen?

Ja. Mit der EU setzen 50 Staaten oder Staatenverbünde auf offene Schnittstellen. In einigen Ländern findet dies staatlich definiert statt. Bei uns mit der PSD2, aber auch beispielsweise in Australien und in Japan. In anderen haben sich die Marktbeteiligten auf einen Standard geeinigt, etwa Banken, Verbände, Digitalunternehmen und Payment-Anbieter.

Von welchem Zeitraum für die Standardisierung müssen wir ausgehen?

Ich denke nicht nur, dass in den kommenden drei bis fünf Jahren viele Länder Open-Banking-Regeln haben werden, sondern dass sich davon rund 50, die EU eingeschlossen, vielleicht nicht auf den einen Standard, aber auf ein Set von Standards einigen werden.

Was bedeutet das für den Endkunden und seine Daten sowie für die Banken?

Ich kann mir vorstellen, dass Banken immer mehr Grunddaten zum Kunden herausgegeben werden müssen. Der Kunde als Eigentümer seiner Daten ist die Grundphilosophie. Die Bank verwaltet die Informationen nur für den Kunden. Deshalb dürfen Drittunternehmen die Daten im regulatorisch definierten Rahmen abrufen. Für Banken stellt sich die Frage, wie sie sich auf dieser Basis neue Geschäftsmodelle erschließen. Wie die Institute durch ein echtes Open Banking proaktiv über eine Zusammenarbeit mit Dritten neue Funktionen anbieten können.

Banken wollen immer mehr zur Plattform werden und darüber auch branchenfremde Produkte und Dienstleistungen verkaufen. Welche Trends sehen Sie hier?

Banken werden Ökosysteme aufbauen, die auf Zielgruppen zugeschnitten sind, zum Beispiel auf Besserverdiener. Institute in der Fläche können zudem zu Regionalportalen werden, die zugleich Banking und finanzfremde Angebote wie Veranstaltungen im Portfolio haben. Spannender wird es allerdings, wenn wir bedenken, was sich im größeren Stil im Retail-Geschäft unter dem Stichwort Beyond Banking anfangen lässt, wie etwa die Verwaltung von Verträgen an einer zentralen Stelle, vom Telefon bis zum Stromanbieter.

Ein umfangreiches Interview mit Oliver Dlugosch und weitere spannende Themen finden Sie in der Januar-Ausgabe von Bankmagazin. 

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