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19-03-2020 | Bankstrategie | Im Fokus | Article

Klassische Finanzservices allein binden keine Kunden

Author:
Angelika Breinich-Schilly
4:30 min reading time

Im Kampf mit Fintechs und Bigtechs brauchen Banken und Sparkassen mehr als die üblichen Finanzdienstleistungen, um Kunden zu überzeugen, so eine aktuelle Analyse. Gefragt sind strategische Kooperationen und der Mut zu eigenen Innovationen. 

Obwohl der Markt der Fintechs in Deutschland gesättigt erscheint, stoßen in erster Linie große Anbieter wie die Digitalbank N26 oder das Vergleichsportal Check24 immer stärker in das Geschäft der etablierten Geldhäuser vor. Laut der aktuellen Marktanalyse "Banken & Fintechs 2020" des Sparkassen Innovation Hub und des Beratungshauses Ernst & Young (EY) profitieren die jungen deutschen Finanz-Start-ups vor allem vom großen Interesse internationaler Geldgeber. "Deutsche Fintechs haben ein weiteres Rekordjahr in Bezug auf Investitionen hinter sich", heißt es in der Studie. Dabei sei das vergangene Jahr geprägt durch die "steigende Reife lokaler Fintechs, die wachsende durchschnittliche Größe der Deals und das steigende Interesse ausländischer Investoren".

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Bewegung in der Bankenbranche: FinTechs als Disruptoren und Hoffnungsträger

Die Digitalisierung bewegt seit einigen Jahren die Bankenbranche. Während Banken ihre Prozesse automatisieren und vereinzelt digitale Angebote präsentieren, rückt ein neuer Wettbewerber in den Fokus: FinTechs. Die jungen und technologieaffinen Start-ups sind angetreten, die Branche zu revolutionieren und mischen selbige damit auf.

Zahl der Unicorns nimmt zu

2019 sammelten hiesige Fintechs 1,2 Milliarden Euro an Wachstumskapital ein. Das sind laut Studie zweimal so viel wie 2018. Als Spitzenreiter nennen die Analysten N26. Die Bank hatte in einer Finanzierungsrunde etwa 420 Millionen Euro eingesammelt. Die Folge dieser Entwicklung: Es gibt immer mehr sogenannte Unicorns, also Start-ups mit einer Marktbewertung von über einer Milliarde US-Dollar.

Allerdings, so heißt es in der Analyse weiter, sinke die Zahl der Neugründungen. "So wurden vor vier Jahren beispielsweise noch über 50 Fintechs pro Jahr gegründet, also mehr als sechsmal so viele wie 2019." Dennoch ist diese Trendwende kein Signal für eine Verschnaufpause bei den Banken. Denn sie kämpfen nicht nur mit der Konkurrenz aus dem eigenen Land, sondern auch mit den großen Konzernen aus den USA und Anbietern aus Asien. 

Vor allem die Geschäftsmodelle der vier GAFA-Unternehmen Google, Apple, Facebook und Amazon sind der Studie zufolge aufgrund ihrer hohen Kundenexpertise besonders erfolgreich. Außerdem haben die Tech-Riesen eine Vormachtstellung im Bereich E-Money und Payment.

Auf den anfänglichen Schock über den Markteintritt der Bigtechs folgte in Deutschland zwar schon vor Längerem eine geschäftige Umtriebigkeit der hiesigen Finanzbranche. Dennoch scheitern fast alle neuen Plattformideen an mangelnder Flexibilität und Kundenzentrierung sowie an ihrer ungenügenden Reichweite und Nutzungsfrequenz außerhalb der Bigtech-Ökosysteme", erläutert Bastian Hengstler von EY die aktuelle Lage.

Finanzdienstleistung als Ware betrachten

Dass sich die Stärke der Bigtechs so erfolgreich auf Finanzaktivitäten erstreckt, führen Alessandra Tanda und Cristiana-Maria Schena auch darauf zurück, dass die Unternehmen dazu neigen, solche Dienstleistungen einfach als Ware zu betrachten. Im Buchkapitel "BigTech Strategic Approaches: Worrying Competition?" schreiben die Autorinnen auf Seite 46, dass es das Hauptziel ihrer strategischen Entscheidungen sei, integrierte Dienstleistungsplattformen zu schaffen, die "zu einem einzigen Bezugspunkt für die verschiedenen Bedürfnisse der Kunden" werden. 

Hierbei greifen Bigtechs nicht nur auf umfassende technologische und finanzielle Ressourcen zurück, sondern auch auf die Fähigkeit, ein immer breiteres Spektrum finanzieller Anforderungen einer wachsenden Zahl von Kunden anzubieten. "Dies ermöglicht es den Bigtech-Firmen, von Anfang an auf dem Markt auf Augenhöhe mit den größten etablierten Firmen zu agieren", erklären Tanda und Schena.

Vier strategische Modelle der Zusammenarbeit mit Fintechs

Umso wichtiger werde es für Banken und Sparkassen, treffende Antworten auf die aktuellen Entwicklungen zu finden, heißt es in der Studie. Kooperationen mit Fintechs und die Entwicklung eigener Lösungen werden daher in Zukunft immer wichtiger. Wie eine Zusammenarbeit gestaltet werden kann, zeigt folgende Tabelle:

Modell

Strategie

Beispiele

Kooperation

Partnerschaften, Kooperationen oder Joint Ventures mit Fintechs, um neue Technologien und Produkte/Services zu entwickeln. Kooperationen mit Fintechs, um deren Produkte zu nutzen.

Crowd Desk, Scalable Capital, Yes, Traxpay, Raisin, Billie, Friendsurance, Clark, Zinsland, Bergfürst

Förderprogramm

Entwicklung von Accelerator-Programmen, Tech-Hackathons, Unterstützung durch Mentorenprogramme. Der Fokus dieser Förderungen liegt hauptsächlich auf nicht finanzieller Unterstützung.

Startup Garage, Blue Water, Fintech Europe, Next Commerce Accelerator, SNIC, Geno Hackathon, Unicredit Hackathon, Tech Quartier, InsurLab, Stuttgart Hackathon, Symbioticon, Fintech Days

Investition

Investment von Eigenkapital in Fintechs – überwiegend Minderheitsbeteiligungen. Investments können die Form von dedizierten Investmentvehikeln, unabhängigen Fonds oder der Teilnahme an Finanzierungsrunden annehmen.

Deposit Solutions, Yes, Optiopay, Zeitgold, Fin-Compare, Entrafin, Getsafe, Remind.me, Finleap, Hausgold, Vermietet.de, Liqid

M&A

Komplette Akquisition eines Fintechs. Post-Merger-Integration in die Käuferentität, inklusive Integration des Produktangebots in das Produktportfolio der Käuferbank.

Endico

Quelle: "Banken & Fintechs 2020", Sparkassen Innovation Hub und EY, Seite 47

Eigeninnovationen sind interessant für Kunden und Mitarbeiter

Ein wichtiger Weg liegt laut Studie aber auch in eigenen Entwicklungen: "Innovationen, die im eigenen Unternehmen oder der eigenen Unternehmensgruppe entstehen und gegebenenfalls gemeinsam mit agilen Partnern vorangebracht werden, tragen zum langfristigen Unternehmenserfolg bei", sagt Andreas Schelling, Geschäftsführungsmitglied bei Finanz Informatik. "Sie bieten dabei nicht nur die Chance, eigene Kompetenzen aufzubauen oder zu erweitern, sondern verschaffen gleichzeitig Kontrolle über die Schwerpunkte der Produktenwicklung und den Ressourceneinsatz."

Banken und Sparkassen könnten dabei gezielt entscheiden und lenken, auf welchen Feldern Ideen für Produkte und Service entwickelt werden. Ein weiterer Vorteil liege in der Vorreiterrolle, die das Finanzinstitut mit einer erfolgreichen Innovation einnehme. Und: Es sei damit am Markt auch für neue Mitarbeiter "sichtbarer und deutlich interessanter".

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