Unicredit startet Übernahme-Angriff auf Commerzbank
- 16-03-2026
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Die italienische Großbank Unicredit will die Commerzbank kaufen. Sie legt den Aktionären der zweitgrößten deutschen Privatbank ein offizielles Übernahmeangebot zum Erwerb aller Aktien der Commerzbank vor. Das teilte das Geldhaus in Mailand mit.
Unicredit-Chef Andrea Orcel sieht große Synergien zwischen der Commerzbank und der Mailänder Großbank.
Commerzbank AG
Die Unicredit aus Mailand ist bereits größter Anteilseigner bei der Commerzbank. Mit ihrem Übernahmeangebot geht die Bank auf Konfrontationskurs mit dem Commerzbank-Management, den Arbeitnehmervertretern und der Bundesregierung, die eine Übernahme ablehnen. Das Angebot ziele darauf ab, die im deutschen Übernahmerecht vorgesehene 30-Prozent-Schwelle zu überwinden und "in den kommenden Wochen einen konstruktiven Dialog mit der Commerzbank und ihren Stakeholdern zu fördern", teilte das Institut weiter mit. Es werde erwartet, dass die Unicredit eine Beteiligung an der Commerzbank von mehr als 30 Prozent erreichen werde, "ohne die Kontrolle zu erlangen".
Offizielles Angebot soll Anfang Mai kommen
Das Umtauschverhältnis des Angebots werde in den kommenden Tagen festgelegt. Es werde erwartet, dass demnach die Eigner des Frankfurter Geldhauses 0,485 neue Unicredit-Papiere für jede Commerzbank-Aktie erhalten, was einem Preis von 30,80 Euro pro Commerzbank-Anteil oder einem Aufschlag von vier Prozent zum Schlusskurs am 13. März entspreche. Offiziell soll das Angebot Anfang Mai vorgelegt werden - mit einer Angebotsfrist von vier Wochen. Für Mai soll dann eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen werden, um die Zustimmung der Aktionäre einzuholen.
Die Unicredit, die im deutschen Markt mit der Hypovereinsbank (HVB) bereits ein Standbein hat, wirbt seit Monaten für eine Übernahme der Commerzbank. Konzernchef Andrea Orcel sieht Chancen in einem kombinierten Geschäft mit Privat- und Mittelstandskunden und argumentierte immer wieder, Europa brauche im Wettlauf mit den starken US-Geldhäusern größere Banken.
Unicredit nutzte 2024 Teilausstieg des Bundes
Die Mailänder Großbank hatte im September 2024 den Teilausstieg des Bundes genutzt, um im großen Stil bei der Commerzbank einzusteigen. Das Institut baute seine Beteiligung nach und nach aus und löste den deutschen Staat als größten Commerzbank-Aktionär ab. Der Bund, der die Commerzbank in der globalen Finanzkrise mit Steuermilliarden vor dem Kollaps bewahrt hatte, hält gut zwölf Prozent der Anteile und will die Beteiligung nicht verkaufen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte betonte, die Bundesregierung setze auf eine "starke und unabhängige Commerzbank".
Das Übernahmeangebot der Italiener kommt nicht überraschend: Schon im März 2025 erhielt die Unicredit die Erlaubnis der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB), ihren Anteil auf knapp 30 Prozent aufzustocken. Auch das Bundeskartellamt gab grünes Licht.
Jobabbau im großen Stil befürchtet
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat angesichts der Begehrlichkeiten der Unicredit die Eigenständigkeit ihres Hauses mit allen Mitteln verteidigt. Sie verordnete dem Konzern ehrgeizige Renditeziele, höhere Dividenden und verkündete trotz eines Rekordgewinns 2024 den Abbau von rund 3.900 Stellen, davon den Großteil in Deutschland. Nach erneut starken Zahlen für 2025 schraubte die Commerzbank erst kürzlich ihre Ziele nach oben. Orlopp setzte auf den stark gestiegenen Aktienkurs als Abschreckung gegen die Übernahmepläne.
Unicredit-Chef Orcel hielt unterdessen betont gelassen an seinen Plänen fest. Er betonte immer wieder, er sehe große Synergien zwischen der Commerzbank und der Mailänder Großbank. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet einen Kahlschlag bei der Commerzbank und verweist auf die Übernahme der HVB durch die italienische Bank im Jahr 2005, die bei der Münchner Bank zu einem Schrumpfkurs führte.
Orcel will mit "konstruktivem Dialog" überzeugen
Orcel kündigte an, in den kommenden Wochen einen "konstruktiven Dialog mit der Commerzbank und ihren Stakeholdern" führen zu wollen. Die Commerzbank sieht hingegen keine Grundlage für Übernahmegespräche mit ihrem größten Einzelaktionär.
Orlopp kritisierte, die Unicredit lasse im Unklaren, wie eine wertstiftende Transaktion aussehen solle, zudem umfasse das nun angekündigte Angebot "faktisch keine Prämie für unsere Aktionäre". Auch der Bund bleibt hart: "Eine feindliche Übernahme wäre insbesondere mit Blick darauf, dass die Commerzbank eine systemrelevante Bank ist, nicht akzeptabel", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums in Berlin.
Betriebsratschef: Vorgehen "unverschämt" und "feindlich"
Commerzbank-Betriebsratschef Sascha Uebel hält das Vorgehen der Unicredit für "geschäftsschädigend". Mit der Ankündigung eines Übernahmeangebots setze Unicredit-Chef Orcel sein Taktieren fort - zulasten der Mittelstandskunden und der Belegschaft der Commerzbank. "Das ist die nächste Stufe der Unverschämtheit. Das ist nicht nur unabgestimmt, das ist feindlich", sagte der Vorsitzende von Konzern- und Gesamtbetriebsrat der Commerzbank der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt.
Uebel kündigte deutlichen Widerstand an: "Wir werden mit allen Möglichkeiten und Mitteln dagegen vorgehen", sagte der Betriebsratschef, ohne konkreter zu werden. Spätestens zur Commerzbank-Hauptversammlung am 20. Mai dürfte mit Aktionen der Belegschaft zu rechnen sein.
Sachverständigenrat: "grenzüberschreitende Konsolidierungen ernsthaft prüfen"
Monika Schnitzer, Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, dem wirtschaftspolitischen Beratergremium der Bundesregierung, sieht die mögliche Commerzbank-Übernahme durch die Unicredit weniger kritisch. "Es spricht ökonomisch viel dafür, grenzüberschreitende Konsolidierungen ernsthaft zu prüfen, statt sie reflexhaft politisch abzuwehren", so die Vorsitzende des Sachverständigenrates gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Der europäische Finanzmarkt sei nach wie vor zu wenig integriert, und gerade deutsche Banken seien weniger produktiv und damit weniger wettbewerbsfähig als manche ihrer internationalen Konkurrenten.
Schnitzer sagte, dass große Bankenfusionen aus Sicht der Finanzstabilität heute positiver zu beurteilen seien als vor der Finanzkrise. Ebenso seien lokale Standortfragen gesamtwirtschaftlich nachrangig. "Die Sorge um Filialschließungen oder einzelne Arbeitsplätze greift zu kurz. Gerade darum geht es bei Strukturwandel: die Produktivität zu erhöhen und den Bankensektor effizienter zu machen."
Schnitzer betont Vorteile einer europäischen Bankenfusion
Eine europäische Bankenfusion könne zudem Vorteile haben, weil sie die enge Verbindung zwischen nationaler Politik und «ihren» Banken lockere und damit den staatlichen Rettungsreflex schwäche. Eine nüchterne Bewertung solle sich weniger an nationalen Reflexen orientieren, sondern an der Frage, ob ein stärkerer europäischer Bankenmarkt entstehe.
Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums hatte zuvor gesagt, der Bund lehne eine "feindliche Übernahme" der Commerzbank weiter ab. "Der Bund unterstützt die Strategie der Eigenständigkeit der Commerzbank. Eine feindliche Übernahme wäre insbesondere mit Blick darauf, dass die Commerzbank eine systemrelevante Bank ist, nicht akzeptabel.