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Transformationsdruck der Banken steigt

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Die Corona-Pandemie hat den Bedarf an Online- und Mobile-Banking-Services deutlich erhöht, zeigt ein aktueller Report. Plattformlösungen helfen den Instituten, sich anzupassen – und die richtige Change-Kultur.

Der digitale Wandel in Banken und Sparkassen fordert nicht nur die IT heraus, sondern auch die Kultur.


Schon lange bringen junge, digitale Wettbewerber in der Finanzbranche die etablierten Banken unter Zugzwang und beschleunigen die digitale Transformation der Branche. Die Corona-Pandemie hat nun dazu geführt, dass noch mehr Kunden Angebote wie Online-Banking und mobile Sevices per App nutzen. Waren es vor dem Virusausbruch nur 49 beziehungsweise 47 Prozent, sind es laut dem "World Retail Banking Report 2020" heute bereits 57 beziehungsweise 55 Prozent. Für den Bericht wertete das Beratungshaus Capgemini zusammen mit dem Finanznetzwerk Efma mehr als 80 Fokusinterviews mit Managern führender Institute verschiedener Regionen sowie eine Umfrage unter 11.200 Verbrauchern in elf Ländern durch.

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2020 | OriginalPaper | Chapter

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GAFAs sind größte Konkurrenz

Dem Report zufolge befindet sich der globale Finanzsektor "mitten in einem historischen Wandel", der vor allem von den neuen, digital geprägten Wettbewerbern getrieben wird, die vor allem das optimale Kundenerlebnis im Blick haben. Daneben sehen die Springer-Autoren Christiane Jonietz, Stefan Mesch und Anja Peters vor allem in den großen Tech-Konzernen Apple, Amazon, Google oder Facebook, den sogenannten GAFAs, eine Gefahr für etablierte Geldhäuser. Im Buchkapitel "Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung in Banken und Sparkassen" schreiben sie auf Seite 403:

Sie nutzen die Digitalisierung in all ihren Facetten und bauen für den Kunden ein Ökosystem auf, in dem er alles aus einer Hand beziehen kann. Im Zahlungsverkehr haben diese neuen Oligarchen bereits einen erheblichen Marktanteil erreicht. Aufgrund ihrer Bekanntheit und der hohen Anzahl an Kunden bedrängen sie damit bereits jetzt in diesem Segment die herkömmlichen Banken und Sparkassen.“

"Die Verbraucher erwarten von ihren Finanzdienstleistern ein nahtloses digitales Erlebnis, das sie aus anderen Bereichen ihres Lebens bereits gewohnt sind. Traditionelle Banken stehen vor der Herausforderung, diesen Erwartungen gerecht zu werden, da sich die neuen digitalen Wettbewerber vom ersten Tag an auf das Kundenerlebnis konzentrieren", beschreibt Klaus-Georg Meyer, Leiter Business and Technology Solutions für Financial Services bei Capgemini in Deutschland, die Herausforderungen. Er sieht die Zukunft vor allem in einem plattformbasierten Banking, "das Kunden begeistert". "Für Banken, die wachsen wollen, muss die Modernisierung der Altsysteme Vorrang haben, da die Kundenerwartungen immer höher werden", rät daher Efma-CEO John Berry.

Altsysteme sind großes Hindernis

"Da die Banken kurzfristigen Gewinnen Vorrang vor Nachhaltigkeit eingeräumt haben, sitzen sie nun auf einem Berg an Altsystemen", heißt es im aktuellen Capgemini-Report. Die Integration neuer Technologien sei daher eine große Herausforderung, was sich auch auf die Kundenerfahrung und die operative Exzellenz auswirke. Trotzdem scheuten Banken noch immer den Aufwand und schreckten vor Risiken einer ineffizienten Implementierung zurück. So äußern 75 Prozent der in Europa befragten Führungskräfte Bedenken hinsichtlich Cybersecurity und des Datenschutzes. 58 Prozent fürchten ihr veraltetes Datenmanagement und 69 Prozent bewerten die Identifizierung des richtigen Partners als Problem.

Dennoch sehen die Manager in der Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen einen Beschleuniger für den Erfolg. In Europa sagen 63 Prozent, dass die Innovation und Einführung eines neuen Konzepts ein bis zwei Jahre dauert, wenn sie allein arbeiten. Und 47 Prozent geben an, dass es weniger als ein Jahr dauert, ein Produkt in Zusammenarbeit mit einem Fintech- oder Bigtech-Partner auf den Markt zu bringen. Allerdings moniert eine Vielzahl (84 Prozent) regulatorische und immerhin 72 Prozent Compliance-Probleme als Hindernisse für effektive Kooperationen.

Drei Plattformmodelle geben den Ton an

Durch die Umstellung auf ein plattformbasiertes Modell können Banken laut Report neue Geschäftsmodelle entwickeln, um Monetarisierungsquellen aufzubauen. Ihnen stehen dabei drei wesentliche Optionen zur Verfügung:

  • Banken können entweder eine neue Plattform kaufen und integrieren,
  • eine eigene Plattform aufbauen oder
  • gebrauchsfertige Plattformen gemeinsam nutzen.

"Hinsichtlich der Entwicklung von Innovationen bringt die Zusammenarbeit mit Fintechs einen Mehrwert für die Institute", schreiben auch Jonietz, Mesch und Peters auf Seite 408. Inzwischen hätten Banken und Sparkassen die Vorteile einer Kooperation erkannt. "Somit profitieren beide Seiten: Traditionelle Kreditinstitute gelingt eine schnelle Integration innovativer Angebote, Fintechs können auf eine breite Kundenbasis zugreifen."

Banken müssen auch ihre Kultur anpassen

Soll diese Entwicklung allerdings von Dauer sein und will sich die Branche langfristig gegen die GAFAs behaupten, so ist auch ein Kulturwandel in den klassischen Geldhäusern erforderlich, meint Horst Schmidt, ehemaliger Bethmann-Bank-CEO und heutiger Berater. In seinem Beitrag "Die digitale Transformation der Banken – eine Kulturfrage" sieht er vor allem die Führungskräfte in der Pflicht und vergleicht ihre Lage mit einem Segelmanöver: 

Die Veränderungsfähigkeit einer Organisation hängt demzufolge davon ab, inwieweit der Kapitän sein Umfeld, den Zustand seines Schiffes und die Fähigkeit seiner Mannschaft im Auge behält und bei seiner Entscheidung zur 'Wende' berücksichtigt."

Schmidt rät Banken daher zu einem ganzheitlichen und dynamischen Change-Programm, "das die Kultur in den Mittelpunkt stellt". Mit regelmäßigen Lern- und Überprüfungsschleifen sei dies der richtige Weg. "Um das Ziel zu erreichen, gilt es, das bereichsübergreifende Arbeiten zu fördern, Vertrauen zu geben, Verantwortung zu delegieren und schrittweise Netzwerke der Veränderung in der Organisation zu schaffen."

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