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20-11-2019 | Bankstrategie | Interview | Article

"Nachhaltigkeitsprodukte ermöglichen höhere Zinsmargen"

Author:
Barbara Bocks
3:30 min reading time
Interviewee:
Dr. Alexander Schroff

verantwortet als Senior Manager im Bereich Investment Management Operations
den Teilbereich Capital Markets Transformation bei Deloitte. Seine Erfahrungen sammelte er auf der Bankenseite im Treasury und als Berater für große Transformationsprojekte im Kapitalmarkt und Handelsumfeld.

Nachhaltigkeit liegt im Trend - auch in der Finanzbranche. Wie sich Risiken nachhaltiger Projekte von denen konventioneller Finanzierungen unterscheiden und welche Chancen in ihnen stecken, erklärt Investmentexperte Alexander Schroff.

springerprofessional.de: Welche Risiken sind bei nachhaltigen Investments generell höher als bei traditionellen und woran liegt das?

Alexander Schroff: Ein verstärktes Engagement von Finanzintermediären in Sustainable-Finance-Produkten tangiert nicht nur einen Geschäftsbereich des Intermediärs, sondern die gesamte Wertschöpfungskette. Besonders ausgeprägt ist dies bei Kreditinstituten. Geht man davon aus, dass Banken zum Beispiel die Kreditvergabe beziehungsweise die Projektfinanzierung für erneuerbare Energien wie Windparkanlagen, Solarkraftwerke oder Produktionsstätten für E-Mobilität verstärkt fördern, lässt sich das Rückzahlungspotenzial solcher Kredite schwieriger vorhersagen und die Hereinnahme von Sicherheiten für solche Kredite schwieriger abbilden. Im konventionellen Kreditgeschäft wie bei der Finanzierung eines Flugzeugs oder einer Fähre stellen diese zumindest eine verwertbare zusätzliche Sicherheit dar. Bei erneuerbaren Energien ist dies regelmäßig weniger gegeben. Das Absatzpotenzial der erzeugten Energie, Speichermedien sowie die Verwertung dieser Assets als Sicherheiten ist stark marktabhängig und unterliegt mitunter einer hohen Volatilität. Das Ausfallrisiko im Rahmen der Rückzahlungsfähigkeit für solche Finanzierungsprojekte ist daher höher. Die antizipierte logische Konsequenz wäre ein höherer Credit Spread.

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Aktuelle Entwicklungen von Standards im Risikomanagement - Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit?

Im Jahr 1998 wurde mit Veröffentlichung des Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) in Deutschland durch § 91 Abs. 2 AktG erstmals eine gesetzliche Forderung eines Risikofrüherkennungssystems für existenzgefährdende Risiken etabliert. Durch die so genannte Ausstrahlungswirkung des KonTraG wirkt diese Forderung auch bei größeren GmbHs und teilweise im öffentlichen Bereich.

Welche Abteilungen betrifft dieser höhere Credit Spread?

In aller Regel ist neben der originären Kreditvergabe ebenfalls das Verbriefungsgeschäft betroffen. Regelmäßig tendieren Finanzintermediäre dazu, so entstandene Forderungen zu verbriefen. Dies kann zum Beispiel wie von Porsche jüngst in Form eines  Schuldscheindarlehens so genannten Green Bonds erfolgen. Entsprechend materialisiert sich auch hier ein höherer Credit Spread sowie ein  entsprechendes Rating. Die so entstandenen höheren Risikoaufschläge müssen bankseitig ausgesteuert werden. Dies könnte zum Beispiel durch zusätzliche Sicherungsgeschäfte mittels Credit Default Swaps oder anderer geeigneter Derivate erfolgen. Selbstverständlich ergeben sich hierdurch auch ökonomische Chancen, höhere Margen zu generieren.

Welche Geschäftsbereiche sind in welchem Umfang besonders von bestimmten Risiken betroffen und woran liegt das?

Aus heutiger Sicht sind vor allem die Bereiche, die sich um die Kreditvergabe an Unternehmen kümmern, das Treasury sowie das Risikomanagement betroffen. Bei der Kreditvergabe an Unternehmen in Banken bestehen die Herausforderungen insbesondere bei der Bewertung, Strukturierung, dem Pricing und der Absicherung solcher Projekte. Im Treasury werden die Herausforderungen in der richtigen Aufteilung der Spreads, der Durchführung und Platzierung der Sicherungsgeschäfte sowie der Verbriefung und Vermarktung solcher Kredite liegen. Risikomanagement-Bereiche müssen sich mit der kennzahlen- und stresstest-neutralen Allokation solcher Asset-Klassen sowie den potenziell durch schlechtere Ratings verwässerten Portfolien auseinandersetzen.

Sie sprechen in der Studie von einem Drei-Säulen-Modell, mit dem sich Banken gegen diese Risiken wappnen können. Was ist die grundlegende Logik des Konzepts?

Die Subprime-Krise hat dem Finanzmarktsektor deutlich gezeigt, dass falsch bewertete Risiken nicht nur für Kreditinstitute existenziell sein können, sondern auch volkswirtschaftlich nachhaltigen Schaden anrichten. Wir versuchen die Wertschöpfungskette für nachhaltige Finanzprodukte ganzheitlich zu betrachten und dem Finanzsektor so ein Instrument an die Hand zu geben, das Kunden ermöglicht, die neuen regulatorischen Nachhaltigkeitsanforderungen geschäftsmodellunschädlich umzusetzen.

Mit welchen konkreten Maßnahmen können Kreditinstitute heute starten, wenn Sie beginnen wollen, sich mit den Risiken nachhaltiger Investments auseinanderzusetzen?

Da konkrete Maßnahmen auf jedes Institut individuell abgestimmt sein müssen, empfehlen wir eine achtwöchige Vorstudie. Ziel der Vorstudie ist es, mittels Portfolio- und Geschäftsfeldanalyse gefolgt von Evaluierung und Ausrichtungsempfehlung zu einem finalen Umsetzungs- und Implementierungsplan zu kommen.

Inwiefern lohnt sich ein Investment in nachhaltige Produkte für Institute überhaupt?

Nachhaltigkeitsprodukte einzuführen ist nicht nur eine Frage des potenziellen Returns on Investments. Es ist eine regulatorische Herausforderung und ermöglicht es der Finanzindustrie, nachhaltig Verantwortung zu zeigen und dabei gleichzeitig potenziell höhere Zinsmargen zu erwirtschaften.  Grundsätzlich lohnt sich also das Investment in nachhaltige Finanzprodukte in doppelter Hinsicht. Ziel eines jeden Finanzintermediäres sollte es vor diesem Hintergrund sein, nachhaltige Finanzprodukte möglichst risikoneutral einzuführen.

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