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17-05-2019 | Bankstrategie | Nachricht | Article

Castell Bank übt sich in Bescheidenheit

Author:
Christian Kemper
2 min reading time

Von einem Horrorjahr berichtet die Castell Bank. 2018 stellte das traditionsbewusste Geldhaus im Besitz der Familie der Fürsten zu Castell vor mehrere unternehmerische Herausforderungen.


Risikobewusstsein und eine langfristige Perspektive haben dem 1774 gegründeten Bankhaus aus Castell, einer unterfränkischen Gemeinde mit rund 800 Einwohnern, das vergangene Geschäftsjahr gerettet. "Solide Ergebnisse über Jahrhunderte hinweg sind für uns wichtiger als herausragende Ergebnisse einzelner Quartale oder Jahre", steht über den Kennzahlen 2018. Zur schwachen Performance an den Kapitalmärkten und dem anhaltend niedrigen Zinsniveau kommen steigende Sichteinlagen der Kunden und eine sinkende Nachfrage nach klassischer Kreditfinanzierung. Damit steht das Institut insbesondere im Geschäft mit mittelständischen Firmenkunden vor einem Dilemma. "Doch wir werden keine unrentablen Geschäfte eingehen", betont Sebastian Klein, Vorstandsvorsitzender der Fürstlich Castell'schen Bank. Um das anhaltend niedrige Zinsniveau zu kompensieren habe das Geldhaus unter anderem die Eigenanlage erhöht.

Der Zins- und auch der Provisionsüberschuss der Castell Bank ist 2018 um zwölf beziehungsweise neun Prozent zurückgegangen. Dabei wirkte das Institut dem Rückgang bereits mit Kostendisziplin und einer niedrigeren Risikovorsorge entgegen. Immerhin konnte der Jahresüberschuss so um zwölf Prozent auf 2,8 Millionen Euro gesteigert werden. Die Kernkapitalquote soll nach Thesaurierung bei 12,5 Prozent liegen. 

Sieben Millionen Euro Schaden 

So gut wie überstanden ist für die Castell Bank der Betrugsfall aus dem vergangenen Jahr. Ein leitender Kundenberater der Castell Bank verursachte eine Schaden von knapp sieben Millionen Euro, indem er sich an den Konten mehrerer Klienten aus München und Nürnberg bediente. Im Dezember 2018 verurteilte das Landgericht Nürnberg den damals 52-Jährigen wegen Betrugs, Untreue und Urkundenfälschung zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis. Damit sei der strafrechtliche Teil des Verfahrens abgeschlossen, betont Vorstandschef Klein. Die zivilrechtlichen Verfahren mit den betroffenen Kunden seien mittlerweile zu 95 Prozent erledigt.

Neue Kundenkreise will das Geldhaus mit einem sogenannten Generationenfonds erschließen. Das Nachhaltigkeitsprodukt wurde Anfang Mai gemeinsam mit der Ratingagentur ISS-oekom aufgelegt und steht bislang ausschließlich institutionellen Investoren ab einer Mindestanlage von 250.000 Euro offen. Als Zielkunden hat sich die Castell Bank insbesondere Stiftungen, gemeinnützige Organisationen und kirchliche Einrichtungen ausgeguckt. Rund vier Millionen Euro seien bereits eingesammelt worden. Auch eine Retailtranche werde in Zukunft angedacht. Pia Weinkamm, seit Januar im Vorstand der Castell Bank verantwortlich für Compliance und Recht, resümiert: "Wir werden unserer vorsichtigen Strategie treu bleiben, Kostendisziplin und Risikomanagement behalten in diesen Zeiten ihre Bedeutung."

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