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14-03-2017 | Bankstrategie | Nachricht | Article

Genossenschaftsbanken kritisieren Doppelbelastung

Author:
Stefanie Hüthig
3 min reading time

Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) rechnet für seine Mitglieder mit Kosten im niedrigen zweistelligen Millionenbereich für die von April bis Mai 2017 laufende Abfrage der Bundesbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin).

Für die Übung müssen Banken 1.825 Datenfelder übermitteln, nach Angabe des Verbands auch Informationen, die den Aufsehern bereits vorliegen. Eine technische Unterstützung, erklärte BVR-Präsident Uwe Fröhlich bei der Vorstellung der Ergebnisse für das abgelaufene Geschäftsjahr, sei aufgrund des kurzen zeitlichen Vorlaufs und der noch immer nicht final zur Verfügung stehenden Templates nur teilweise möglich (siehe Seite 3 der BVR-Präsentation). Hinzu kommt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) parallel eine zusätzliche Abfrage zur Profitabilität bei voraussichtlich 40 ausgewählten so genannten Less Significant Institutions (LSIs) startet. "Ein Wettbewerb der Behörden mit zeitgleichen vergleichbaren Umfragen steht aber einer Bankenunion, die auf einer engen Zusammenarbeit der maßgeblichen Akteure in der Bankenaufsicht aufbaut, nicht gut zu Gesicht", kommentierte Fröhlich die Vorhaben der Aufsicht.

Im Rahmen des Supervisory Review and Evaluation Process (SREP) hat die Bafin außerdem für ausgewählte Geldhäuser verbindliche Kapitalanforderungen festgesetzt. 160 Kreditgenossenschaften, teilte BVR-Vorstand Gerhard Hofmann mit, erhielten einen Bescheid. Der durchschnittliche Aufschlag für das Zinsänderungsrisiko sowie weitere wesentliche Risiken betrage bislang etwa 1,4 Prozent, die Gesamtbelastung durch diese Vorgaben rund 6,2 Milliarden Euro. Hofmann verglich diesen Wert mit den Wagnisrückstellungen der Bundesbank, hauptsächlich für Zinsänderungsrisiken, in Höhe von 1,75 Milliarden Euro. "Auch wenn sich die Eigenkapitalunterlegung der Primärinstitute nicht direkt mit den Wagnisrückstellungen der Deutschen Bundesbank vergleichen lassen, erscheinen die Größenverhältnisse doch interessant", merkte er dazu an.

Erstmals keine Kompensation des Dauerzinstiefs möglich

2016 reduzierte sich das Betriebsergebnis nach Bewertung im Vorjahresvergleich um 4,8 Prozent auf insgesamt 6,5 Milliarden Euro. Dank eines Saldos aus außerordentlichen Erträgen und Aufwendungen von 300 Millionen Euro liegt der vorläufige Jahresüberschuss vor Steuern bei 6,8 Milliarden Euro und damit um 2,2 Prozent über dem Wert aus 2015. Der Zinsüberschuss sank um 3,5 Prozent auf 16,5 Milliarden Euro. Damit ist es laut BVR-Vorstand Andreas Martin nur noch teilweise gelungen, die Effekte der Niedrigzinsphase zu kompensieren. Für das laufende Jahr 2017 rechnet er mit einem ähnlichen Rückgang des Zinsüberschusses. Die Kernkapitalquote legte um 0,4 Prozentpunkte auf 14,5 Prozent zu.

Die Zahl der Volks- und Raiffeisenbanken unterschritt 2016 erstmals die Marke von 1.000 Instituten und betrug per Jahresende 972. Es gab 49 Fusionen. Für 2017 hält Fröhlich 60 bis 80 Zusammenschlüsse für realistisch. Auch die Zahl der Filialen werde weiter um 400 bis 500 Bankstellen abnehmen. Im vergangenen Jahr reduzierte sie sich um 473. Bei den Mitarbeitern sagt der Verbandspräsident für 2017 eine "ganz leichte Beschleunigung des Rückbautrends" voraus, "an vielen Stellen" über die Altersfluktuation. Im Berichtszeitraum sank die Zahl der Mitarbeiter um 2,4 Prozent.

PSD2 und Instant Payments werfen ihre Schatten voraus

Im kommenden Jahr will der Verband darüber berichten, wie die Bankengruppe die so genannten Instant Payments umsetzt. Zu den Instant Payments gebe es noch viele Fragen zu klären, etwa zum Echtzeit-Clearing und zum Thema Arbeitszeit. Aber die Genossenschaftsbanken richten sich laut BVR-Vorstand Martin darauf ein, ihren Beitrag dazu zu leisten. Auch zur EU-Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2), die Banken – wie schon die Deckelung der Interbankenentgelte – Erträge im Zahlungsverkehr kosten könnte, gibt sich der Verband kämpferisch. Der Verbund will in Schnittstellen investieren, Mehrwerte wie Liquiditätsdienstleistungen schaffen und damit das Feld nicht den Fintechs überlassen.

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