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16-10-2013 | Basel III | Im Fokus | Article

Kapitalpuffer von sieben Prozent ist wahrscheinlich

Author:
Jan F. Wagner
1:30 min reading time

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird von den Banken, die sie künftig beaufsichtigt, voraussichtlich einen Kapitalpuffer von mindestens sieben Prozent fordern. Das geht aus einem Zeitungsinterview mit dem zuständigen EZB-Direktor Yves Mersch hervor.

Die EZB wird ab dem Herbst 2014 europäische Banken mit einer Bilanzsumme von mehr als 30 Milliarden Euro überwachen. Das sind etwa 130 Institute, darunter 20 bis 30 aus Deutschland. Wie die EZB genau vorgehen wird, will EZB-Präsident Mario Draghi in der kommenden Woche verraten.

Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) sagte Mersch vorab, die EZB werde sich an dem Regelwerk Basel III orientieren. „Dort steht eine Mindestquote an Kernkapital drin, die Banken im Verhältnis zu ihrer risikogewichteten Aktiva vorhalten müssen. Da steht zweitens drin, dass ein Polster zum Kapitalerhalt als weiterer Risikopuffer hinzukommen muss“, so Mersch. „Und da wir ja im Bereich der wichtigsten Banken in allen Mitgliedstaaten agieren, brauchen diese noch einen Aufschlag, der ihre herausragende Bedeutung im europäischen Kontext widerspiegelt“, ergänzte er. Mersch bezifferte die Kernkapitalquote nicht, doch dürfte sie mit Blick auf Basel III mindestens sieben Prozent betragen.

Erst prüfen, dann beaufsichtigen

Bevor die 130 Banken der EZB-Aufsicht offiziell unterstellt werden, erfolgt zunächst eine Prüfung  auf Herz und Nieren. In den kommenden Monaten müssen sich die Institute einer Bilanzuntersuchung, einer Prüfung ihrer Vermögenswerte sowie einem Stresstest unterziehen. Der Grund: Die EZB will die Geldhäuser frei von Altlasten übernehmen. Mersch sagte der FAZ, falls eine Bank aus Sicht der EZB unterkapitalisiert sei, müsse sie entweder frisches Kapital besorgen oder die Bilanz kürzen.

Mögliche Formen der Bilanzsanierung

Folgende Maßnahmen schlägt Springer-Autor Stefan Terliesner betroffenen Instituten in seinem Artikel "Institute müssen Farbe bekennen" im Falle der Diagnose "Unterkapitalisierung" vor:

Gewinnthesaurierung
Eigenkapitalzufuhr von außen, zum Beispiel über Aktienemission
Verkauf von Bilanzaktiva
Verbriefungen – das Schnüren von Kreditpaketen und Verkauf am Markt
Neubewertung der Risikoaktiva

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