Asien setzt europäische Batteriehersteller unter Druck
- 01-04-2025
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Asien dominiert den Batteriemarkt. Vor allem China, wo erhebliche Überkapazitäten bestehen, sorgt weltweit für fallende Preise. Das setzt insbesondere europäischen Herstellern zu.
Battery Monitor 2024/2025 von Roland Berger und RWTH Aachen: Neue europäische Akteure sollten zeigen, dass sie hochwertige Batteriezellen zu niedrigen Kosten herstellen können.
SweetBunFactory / Getty Images / iStock
Der globale Batteriemarkt wächst trotz Unsicherheiten weiter stark. Die weltweite Nachfrage nach Batterien soll sich bis 2030 mehr als verdreifachen und je nach Szenario auf 4,0 bis 4,6 TWh steigen. Das hat der "Battery Monitor 2024/2025" ergeben, für den Roland Berger und der Lehrstuhl Production Engineering of E-Mobility Components (PEM) der RWTH Aachen die Entwicklung von Markt, Technologien und Innovationen der weltweiten Batterie-Industrie analysiert haben.
Aufgrund der Volatilität im Markt für Batteriezellen haben die Studienautoren drei Prognosen für die Entwicklung des Bedarfs erstellt. In einem Positiv-Szenario, das auf den Zielen der Automobilhersteller basiert und ein schnelles Fortschreiten der Elektrifizierung annimmt, steigt die Nachfrage nach Batterien bis 2030 auf eine Kapazität von 4,6 TWh – 0,3 TWh weniger als im letztjährigen "Battery Monitor" prognostiziert – und bis 2040 auf 8,8 TWh. In einem Basis-Szenario, bei dem trotz vorübergehenden Rückgangs der E-Auto-Verkäufe die Emissionsziele in der EU und den USA erreicht werden, liegt die Nachfrage 2030 bei 4,3 und 2040 bei 8,6 TWh. Im schlechtesten Fall, einem Negativ-Szenario mit deutlichen Verzögerungen, etwa durch eine Verschiebung des "Verbrenner-Verbots" in der EU, läge die Nachfrage 2030 bei 4,0 und 2040 bei 8,1 TWh.
Chinesische Überkapazitäten sorgen für fallende Preise
Derzeit beherrschen technisch führende Produzenten aus Asien den Batteriemarkt – vor allem aus China, wo erhebliche Überkapazitäten bestehen, die weltweit für fallende Preise sorgen. Die Preise könnten allerdings nicht auf Dauer so niedrig bleiben, "denn schon jetzt arbeiten manche der Zulieferer und Produzenten in China nicht mehr kostendeckend", sagt Wolfgang Bernhart, Partner bei Roland Berger.
Dennoch setze der Preisverfall vor allem europäische Hersteller unter Druck, so Bernhart, die zum einen am Aufbau eigener Kapazitäten arbeiten und die zum anderen ohnehin mit höheren Produktionskosten und Unsicherheiten in Bezug auf den weiteren Hochlauf der Elektromobilität zu kämpfen hätten. Bernhart geht daher davon aus, dass nicht alle angekündigten Projekte tatsächlich realisiert werden: "Aktuell verzeichnen Unternehmen außerhalb Chinas erhebliche Verluste. Sie sind in Vorlage gegangen, dann wurden Bestellvolumen aber teilweise drastisch reduziert, mit der Folge von Überkapazitäten und Unterauslastung sowohl in der EU als auch in den USA. Deshalb agieren die betroffenen Unternehmen nun bei ihren Investitionsplanungen äußerst vorsichtig, was wiederum das Risiko einer Unterversorgung birgt – zusätzlich getrieben durch Verzögerungen und Probleme in der Industrialisierung sowie fehlende ökonomische Wettbewerbsfähigkeit."
Nachhaltige Batterien als Wettbewerbsvorteil der Europäer
Dennoch habe Europa das Potenzial, so die Studie, sich zu einem wichtigen Akteur in der Batterieherstellung zu entwickeln. Erreicht werden könne dies durch Wettbewerbsvorteile bei Innovationen, hochwertigen Prozesstechnologien und den ökologischen Fußabdruck der Batterien.
So hätten sich die europäischen Batteriehersteller das Ziel gesetzt, die Emissionen bei der Herstellung von Batteriezellen auf 30 bis 40 kg CO2 pro kWh zu senken. Das entspreche etwa einem Drittel bis der Hälfte des aktuellen CO2-Fußabdrucks von Batteriezellen. Die Studienautoren halten das für realistisch, vor allem durch die Optimierung der Rohstoffbeschaffung, aber auch durch Innovationen wie Trockenbeschichtung oder Lasertrocknung, die den Energiebedarf wichtiger Produktionsprozesse senken sollen. "Auch wenn derzeit eher die Kostenreduktion Priorität hat, könnte ein kleinerer Klima-Fußabdruck der Batterien zum Wettbewerbsvorteil der Europäer werden", sagt Professor Achim Kampker, Leiter des RWTH-Lehrstuhls PEM. "Zumal es unwahrscheinlich ist, dass europäische und auch nordamerikanische Unternehmen bei gleichen Produkten und Technologien den chinesischen Vorsprung bei Kostenstrukturen und Rohstoffzugang jemals einholen können."
In einem Positiv-Szenario für den globalen Batteriebedarf steigt die Nachfrage bis 2030 auf eine Kapazität von 4,6 TWh und bis 2040 auf 8,8 TW.
Roland Berger
Hochwertige Batteriezellen zu niedrigen Kosten
Aus der Analyse ergeben sich einige Ansatzpunkte für mehr Wettbewerbsfähigkeit der Branche. Professor Heiner Heimes, Mitglied der PEM-Lehrstuhlleitung, nennt laufende und weiterhin zu erwartende Fortschritte in der Zellchemie: "Wer seine Produktionspläne frühzeitig auf Innovationen ausrichtet, etwa neue, kostengünstige Batterietypen für kleine und Mittelklasse-Elektroautos, kann entsprechend schneller in die Massenproduktion übergehen und von den erwarteten Volumina profitieren."
Um die dafür notwendigen, belastbaren Lieferketten aufzubauen, empfehlen die Studienautoren eine enge Zusammenarbeit vor allem der europäischen Hersteller, aber auch mit führenden asiatischen Wettbewerbern.