Skip to main content
main-content
Top

05-04-2022 | Baufinanzierung | Im Fokus | Article

Grüne Baufinanzierung spielt eine zentrale Rolle

Author: Angelika Breinich-Schilly

4:30 min reading time
share
SHARE
print
PRINT
insite
SEARCH

Die Bau- und Immobilienbranche muss klimaneutral werden. Das für die Transformation nötige Geld können Unternehmen und Staat nicht alleine stemmen. Die Politik sieht auch die Banken in der Pflicht. Sie forcieren den Umbau mit entsprechenden Finanzierungsangeboten.

In den jüngsten Bilanzpressekonferenzen haben die verschiedenen Bankenverbände, darunter der DSGV, der BVR sowie der BdB, klargestellt, dass die Unterstützung des ökologischen Umbaus der deutschen Wirtschaft zu den Prioritäten der Institute in Deutschland gehört. Teil der Strategie ist es, die Kredit- und Anlageportfolios auf Klimaneutralität zu trimmen. Eine Herausforderung liegt dabei in der Finanzierung nachhaltiger Immobilien. 

Editor's recommendation

01-05-2021 | Strategie

Bauprojekte im Griff behalten

Wegen der Corona-Krise haben sich die Ausfallrisiken für Immobilienfinanzierer noch einmal erhöht. Eine Vielzahl von ihnen reagieren darauf mit größerer Vorsicht und Zurückhaltung bei der Kreditvergabe. Doch es gibt eine Methode, mit der viele der Gefahren für Geldgeber überschaubar bleiben.

So hat der Verband der Privaten Bausparkassen Ende März 2022 eine Absichtserklärung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) und dessen Nachhaltigkeitszielen unterzeichnet. "Die Aufgabe, künftige Generationen vor dem Klimawandel zu schützen, kann nur mit einer großen Gemeinschaftsanstrengung von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft gelingen", betont Verbandschef Bernd Hertweck. Die Bausparkassen seien sich ihrer Verantwortung bewusst. Einiges sei schon erreicht worden, doch die Herausforderungen blieben groß.

EU-Taxonomie lässt Baukosten steigen

Die EU-Taxonomie stellt an Unternehmen der Bau- und Immobilienbranche hohe Anforderungen im Hinblick auf ESG-Faktoren (Environmental, Social and Governance). Im Detail müssen Bauvorhaben etwa Vorgaben zur Energieeffizienz, die langfristig für Klimaneutralität und Dekarbonisierung führen sollen, erfüllen. Das gilt vor allem mit Blick auf Grünflächenanteile, grüne Mietverträge, der Nutzung erneuerbarer Energien, Ressourcenschonung, Wärmeeffizienz oder dem Wasser- und Abfallmanagement. 

"In der Zwischenzeit gibt es viele Möglichkeiten grüner und klimafreundlicher zu bauen. Durch Ressourcenschonung und Emissionsminimierung, der Auswahl von Lieferanten und Zulieferern sowie beispielsweise einer Klimastrategie kann bereits hier darauf geachtet werden den ökologischen Fußabdruck eines Gebäudes zu beeinfussen. Neben der Konstruktion sollen alle
anderen Lebenszyklus-Phasen des Gebäudes nachhaltig sein", schreibt Christian Schmid im Buchkapitel "Immobilienwirtschaftliche Transformation aus Sicht des Immobilienfinanzierungsgeschäfts der Banken" auf Seite 375 f. 

Klimaneutralität braucht grüne Finanzierung

Wie Kreditinstitute zum Teil der Lösung werden, erläutert Sascha Klaus in der April-Ausgabe von Bankmagazin. Dem Chief Executive Officer (CEO) der Berlin Hyp zufolge, betragen die erforderlichen Investitionen, um das Ziel der Klimaneutralität in Deutschland bis zum Jahr 2045 zu erreichen, rund fünf Billionen Euro. Er stützt sich dabei auf Zahlen einer Studie, die im Auftrag der Förderbank KfW erstellt wurde. 

Allerdings seien in dieser Summe auch solche Ausgaben enthalten, die ohnehin getätigt werden müssten. Diese Gelder sollten lediglich verstärkt in Alternativen gelenkt werden, die einen Beitrag zur Klimaneutralität leisten. "Der Mehrbedarf im engeren Sinne beträgt den Berechnungen zufolge daher 1,9 Billionen Euro. Das entspricht jährlichen Mehrinvestitionen von durchschnittlich 72 Milliarden Euro bis zum Jahr 20452", so der Experte. 

Kosten, die der Staat nicht alleine bewältigen kann. Der Finanzmarkt könne Billionen von Euro in Richtung Klimaschutz und Nachhaltigkeit bewegen, zitiert Klaus Bundeskanzler Olaf Scholz. Laut Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing seien die Banken diesmal nicht Teil des Problems, "sondern Teil der Lösung".

Institute als Partner für Risikobewertung

Klaus begreift die Banken aber nicht nur als Finanzierer nachhaltiger Immobilien, sondern auch als Experten für die Risikobewertung rund um die Projekte: 

"Denn der Klimawandel hat das Potenzial, die Marktfaktoren des Immobiliensektors zu verändern. So können die Kosten steigen, wenn Kunden Immobilien an strengere Energie- und Umweltstandards anpassen oder wenn sie zusätzliche Belastungen aus möglichen Abgaben oder Strafzahlungen einpreisen müssen", so der Berlin Hyp-CEO.

Sein Institut habe sich über mehrere Etappen zu mehr Nachhaltigkeit bewegt. "So war beispielsweise das Orderbuch der drei von der Berlin Hyp im Jahr 2021 emittierten grünen Pfandbriefe innerhalb kurzer Zeit auf mehr als das Doppelte des anvisierten Volumens angewachsen", betont er. Als weltweit erste Bank habe das Geldhaus mit einer Nachhaltigkeitsanleihe ihre Nachhaltigkeits- und Klimaziele direkt mit ihrer Refinanzierung verknüpft.  

Historische Chance für Banken

"Die Finanzierung des nachhaltigen Wandels in Wirtschaft und Gesellschaft wird als eine historische Chance für die Kreditinstitute gewertet", schreibt Barbara Bocks im Bankmagazin (Ausgabe 11 | 2021). Robert Bölke, Head of CIO Advisory Banking bei Sopra Steria Next, vergleicht in ihrem Beitrag die aktuelle Lage unter anderem mit dem konjunkturellen Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Allerdings seien die wenigsten Institute darauf vorbereitet. "Sie betrachten die Nachhaltigkeit noch ausschließlich als Marketingthema", zitiert Bocks den Berater. Dabei werde dies künftig eng mit dem Einsatz von Technologie verknüpft sein. "Finanzierungen in Infrastruktur oder Maschinen werden stark datengetrieben und -überwacht sein. Und Ratings werden aus Umwelt- sowie Betriebsdaten errechnet werden", zählt Bölke auf.

Nachhaltigkeit treibt Immobilienwert

Trotz des steigenden Aufwands dürfte sich der ESG-Fokus der Finanzbranche bei Immobilienprojekten langfristig durchaus rechnen. "Denn die Nachfrage der Kunden nach Investments und Lösungen, die nachhaltig und auf Klimaschutzziele ausgerichtet sind, steigt seit Jahren", berichtet Berlin-Hyp-Chef Klaus. Beispielsweise habe sich das Volumen von Green Bonds, also Anleihen zur Finanzierung von Umweltprojekten, laut der Climate Bonds Initiative von 2015 bis 2020 nahezu verzehnfacht.

Insgesamt haben sich in der Vergangenheit die Nachhaltigkeit und entsprechende Zertifizierungen zu relevanten Werttreibern am Immobilien-Investmentmarkt entwickelt, wie Günter Vornholz im gleichnamigen Buchkapitel erläutert.

Analysen wie die von Jones Lang Lasalle (2021) belegen, dass die Nachhaltigkeitszertifizierung nicht nur an Bedeutung gewonnen hat, sondern auch positive Effekte für die Mietentwicklung hat. Die entsprechenden Mietaufschläge bei einem zertifizierten Objekt haben auch sofort einen positiven Einfluss auf den Wert einer Immobilie. Nachhaltigkeit lässt somit eine höhere Wertbeständigkeit erreichen", schreibt der Springer-Autor auf Seite 28.

Related topics

Background information for this content

Premium Partner