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About this book

Bessere Menschen?
Der Mensch hat schon seit jeher Wege gefunden, um sich selbst zu verbessern. Er erfand einfache medizinische und technische Hilfsmittel, wie die Brille oder die Zahnspange, und auch kompliziertere, wie fühlende Prothesen und Gehirnimplantate. Der technologische und medizinische Fortschritt bringt tiefgreifende Möglichkeiten der Erweiterung des Menschen mit sich. Visionen von Cyborgs und einem „Upgrade“ des Menschen lösen aber nicht ausschließlich Euphorie, sondern vielfach auch Bedenken aus. Welche technischen, aber vor allem auch welche ethischen Herausforderungen die Zukunft mit sich bringt, steht im Mittelpunkt dieses Buches.
Beiträge verschiedener Fachgebiete von Psychologie und Medizin, über Philosophie und Soziologie bis zu Gender Studies beleuchten, wie sich das Verhältnis von Mensch und Maschine verändern wird, wie sich die Medizintechnik an der Schnittstelle von „Enhancement“ und Therapie bewegt und wie die Gesellschaft auf die tiefgreifenden Veränderungen im Technologiezeitalter reagieren kann.

Table of Contents

Frontmatter

„Cyborg“ – Chancen und Problematiken des Begriffs im Spannungsfeld zwischen Therapie und Transhumanismus

Zusammenfassung
Medizintechnische Hilfsmittel wie Prothesen, Implantate, am Körper getragene Insulinpumpen und Sprachcomputer haben sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Die Konvergenz von Medizintechnik, Informatik, Robotik und Materialwissenschaften hat in den letzten 20 Jahren zu einer explosionsartigen (Weiter-)Entwicklung und gesteigerten Verfügbarkeit solcher Hilfsmittel für Menschen mit Einschränkungen geführt. Eine neue Kategorie hochtechnisierter digitaler Hilfsmittel ist entstanden; sie enthält sensor- und computergesteuerte bionische Arm- und Beinprothesen, Cochlea-Implantate für gehörlose Menschen und retina-implantierte Sehprothesen für blinde Menschen.
Bertolt Meyer, Enno Park

Verschwörungsdenken an der Schnittstelle von Transhumanismus und Gesundheitswissenschaften

Zusammenfassung
Als sicher darf gelten, dass transhumanistische Ideen und Entwicklungen auf dem Vormarsch sind. Sie haben eine enge Verzahnung zum Bereich der Gesundheitswissenschaften, insofern sie meist auf eine Verbesserung der Lebensumstände des Menschen, auch und gerade im Kontext von Krankheiten und Gebrechen, gerichtet sind. In diesem Kontext entstehen verschwörungstheoretische Überlegungen, was durch den Gegenstand des Transhumanismus, die Verbesserung des Menschen als solchen, begünstigt wird. Eine aufgeklärte und zukunftsorientierte Debatte sollte nun dabei helfen, den notwendigen Diskurs zu versachlichen und ihn aus dem Fahrwasser diffuser sowie konkreter Ängste zu lösen.
Sina Klaß, Sebastian Bartoschek

Das Verschmelzen von menschlicher und maschineller Moral

Zusammenfassung
Die Maschinenethik bringt moralische Maschinen hervor und erforscht sie. Man gibt ihnen moralische Regeln vor, an die sie sich halten, oder lässt sie solche entwickeln und abändern. Was passiert, wenn – als Resultat der Disziplin – die maschinelle Moral von der menschlichen abweicht? Diese Frage ist auch aus Informations- und Roboterethik heraus zu erörtern. Das Konzept des Cyborgs ist bekannt: Eine biologische Struktur wird mit einer technischen Struktur erweitert. Aber was ist, wenn wir mit einer moralischen Maschine verschmelzen? Verbessert sich unsere Moral dann oder verlieren wir diese in gewisser Hinsicht? Selbst Tiere könnten mit einer moralischen Maschine verbunden werden. Streifen sie dadurch ihre Vormoral ab und werden sie zu moralischen Subjekten? Ein zukünftiges Konzept könnte der umgekehrte Cyborg sein: Eine technische Struktur wird mit einem Organismus oder einem Organ – etwa einem menschlichen Gehirn – angereichert. Dies könnte ein Weg sein, den Tod hinauszuzögern oder gar zu besiegen. Aber wie entfaltet sich in diesem Konstrukt die Moral? Entsteht ein moralisch neuartiger Mensch oder eine neuartige moralische Maschine? Maschinen-, Informations- und Roboterethik sind gefordert.
Oliver Bendel

Technik jenseits von Geschlecht? Eine kritische Reflexion der Verschränkung von Geschlecht und Technik

Zusammenfassung
Technik wird auf den ersten Blick zumeist als geschlechterneutrale Umsetzung von mathematischen und physikalischen Regeln angesehen. Da es jedoch soziokulturell geprägte Menschen sind, die technische Innovationen erschaffen, sind Technikgestaltungsprozesse immer in Macht- und Herrschaftsverhältnisse verstrickt. Technik ist somit nie neutral. Technische Innovationen können tradierte Vorstellungen von Frauen und Männern zementieren, haben jedoch auch das Potential Grenzen aufzubrechen und bestehende Konstellationen neu zu denken. Der Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, ob es in einer Welt, in der Mensch und Maschine immer mehr miteinander verschmelzen, möglich sein kann, Technik jenseits von Binaritäten und Stereotypen zu entwickeln.
Tanja Kubes

Was „denkt“ Künstliche Intelligenz? Wie wir sichtbar machen, wie intelligent KI wirklich ist

Zusammenfassung
Die Diskussion um den Einsatz von KI in verschiedenen Anwendungsfeldern wird angeregt geführt. Wie funktionieren diese Systeme, die in der Lage sind, unsere Emotionen zu erkennen oder unsere Musikvorlieben herauszufinden? Und wie kann man sich sicher sein, dass diese Systeme auch das Lernen, was sie sollen? Um solche Systeme sicher einsetzen zu können, muss für Menschen nachvollziehbar sein, wie die KI zu ihren Entscheidungen kommt. Licht ins Dunkel bringt hier der Forschungsbereich der Erklärbaren Künstlichen Intelligenz. Er zeigt, wieso KI manchmal klüger scheint als sie ist.
Katharina Weitz

Robotik in der Psychotherapie: Anwendungsfelder – Effektivität – Praxisbeispiele

Zusammenfassung
Robotik als interdisziplinäres Forschungsfeld ist vor allem aufgrund der Möglichkeiten, die Mensch-Maschine-Interaktionen bieten, auch von Relevanz für psychotherapeutische Ansätze. Es werden diese neuesten Anwendungen im Bereich von E-Mental Health vorgestellt, in ihren Potenzialen beleuchtet und kritisch diskutiert.
Christiane Eichenberg

Maschinelles Lernen und Schwerhörigkeit – Werden Hörgeräte zu Babelfischen?

Zusammenfassung
Wenn es um bessere Menschen geht, ist die Disziplin der Hörforschung eigentlich genau verkehrt, denn wir kümmern uns darum, dass Menschen, die „schlechter“ sind, wieder normal hören können – und nicht, dass sie besser als normal werden. Aber die Frage ist, ob wir mit den Techniken, die wir in der Hörgeräte-Technologie und der Audiotechnologie entwickeln, den Menschen zusätzliche Fähigkeiten verleihen können.
Birger Kollmeier

Wenn Technik den Nerv trifft – Strom für elektronische Pillen und fühlende Prothesen

Zusammenfassung
Der menschliche Körper funktioniert elektrisch, zumindest teilweise. In der Medizintechnik hat dies zu Geräten zur Aufnahme von Herz- und Hirnsignalen und zu Herzschrittmachern geführt. Elektrisch aktive Implantate, die Signale natürlicher Sensoren und Organe im menschlichen Körper ersetzen oder überschreiben, können alternative Behandlungsmethoden zu pharmazeutischen Lösungen bieten. „Neuronale Implantate“, „Elektrozeutika“, „elektronische Pillen“ und „bioelektronische Medizin“ sind Begriffe, die dieses Forschungsfeld beschreiben. Klinische Anwendungen im Bereich dieser Neurotechnik ermöglichen das Hören mit Hilfe von Cochlea Implantaten oder das Unterdrücken von Symptomen bei Parkinson Patienten mit Tiefer Hirn Stimulatoren. Die Forschung ist bereits einen Schritt weiter, steuert Hilfsmittel mit Hirnsignalen, stattet Prothesen mit Gefühl aus. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über grundlegende Ideen und Ansätze sowie Möglichkeiten und Herausforderungen auf dem Gebiet der Neurotechnik anhand der Beispiele zur Blutdrucksenkung durch Vagusnervstimulation und zur Wiederherstellung sensorischen Feedbacks nach Amputation.
Thomas Stieglitz

Enabling-Technologien zwischen Normalität und Enhancement: 3D-gedruckte Prothesen für Kinder von Maker*innen

Zusammenfassung
Enabling-Technologien wird nachgesagt, dass sie den Sektor, in dem sie jeweils eingesetzt werden, radikal innovieren, was – auch in Kombination mit anderen Technologien – für Anwender die Steigerung von Leistung und Fähigkeiten bedeutet. Zu diesen Technologien gehört bspw. der 3D-Drucker (Berman 2012), der die Medizintechnik bereits revolutioniert hat. Denn mit dem 3D-Drucker werden Möglichkeiten des Ausruckens von u. a. Ersatzteilen für den Körper, z. B. eine Hand- oder Beinprothese, ermöglicht.
Melike Şahinol

Ein europäisches Sozialkreditsystem als pragmatische Notwendigkeit?

Zusammenfassung
Der metahumanistische Philosoph Stefan Lorenz Sorgner zeigt auf, dass der Mensch stets ein Cyborg gewesen ist. Cyborgs sind gesteuerte Organismen. Bereits durch das Erlernen von Sprache wird jemand zum Cyborg. Das Vermitteln von Sprache ist als Upgrade zu verstehen. Das Implantieren von Chips steht in der weiteren Tradition der Cyborgisierung. Hiermit gehen enorme Möglichkeiten der Förderung der menschlichen Gesundheitsspanne einher, die von den meisten Menschen mit einer Steigerung der Lebensqualität identifiziert wird. Um dieses Ziel zu verwirklichen, werden digitale Daten benötigt. Statt diese Daten den großen Unternehmen zu überlassen, wie dies in den USA geschieht, oder einem umfassend strukturierten politischen System, wie dies in China geschieht, sollte Europa eine plausible Alternative anbieten. Diese Alternative sollte jedoch nicht in der Förderung des Datenschutzes bestehen, wie dies gegenwärtig passiert, da so zentrale europäische Interessen untergraben werden. Stattdessen sollten die Daten staatlich gesammelt werden, um zentrale Interessen der Bürger zu fördern, z.B. mittels des Ausbaus der öffentlichen Krankenversicherung. Gleichzeitig müssen die Daten auch schwer zugängig gemacht werden und sollten primär von Algorithmen überwacht werden, um so das Risiko des Missbrauchs der Daten zu reduzieren. Diese Überlegungen legen ein radikales Umdenken der Bedeutung und Relevanz der Sammlung von digitalen Daten nahe.
Stefan Lorenz Sorgner
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