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2022 | OriginalPaper | Chapter

2. Bioökonomie – eine (inter-)disziplinäre Perspektive

Author : Thomas Krickhahn

Published in: Bioökonomie

Publisher: Springer Fachmedien Wiesbaden

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Zusammenfassung

In diesem Beitrag wird das Konstrukt der Bioökonomie aus dem Blickwinkel einer disziplinären Systematik lokalisiert. Hierzu werden zunächst die Ausgangs- und Ansatzpunkte für eine Transdisziplin, bestehend aus Biologie und Ökonomie, in Bezug auf ihren Beitrag zum Problem einer ökologisch nachhaltigen Gesellschaft aufgezeigt. Sodann wird die Bioökonomie im begriffsdefiniten Spektrum verschiedener disziplinärer Kombinationen verortet. Daran schließt sich eine systemtheoretisch ausgelegte Begründung der nichtreduktiven Existenzberechtigung der einzelnen für die ökologische Kommunikation relevanten gesellschaftlichen Subsysteme und der darauf gerichteten wissenschaftlichen Einzeldisziplinen an. Schließlich wird vor diesem Hintergrund für ein interdisziplinäres Mehrebenen-Kommunikationsmodell plädiert, dass sowohl die holistische Perspektive auf den gesamten Problemzusammenhang gewährleisten, wie auch den einzeldisziplinären Tiefenblick in den Gegenstandsbereich ermöglichen kann. Demnach erscheint eine interdisziplinär, kommunikativ, kooperativ vernetzte Struktur von Disziplinen optimal für die zukünftige Wissenschaftslandschaft in diesem Themenspektrum. Das bedeutet auch: Eine Transdisziplin, wie die Bioökonomie, scheint nur in einem solchen umfassenderen interdisziplinären Kommunikations- und Kooperationsnetzwerk optimal positioniert zu sein.

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Footnotes
1
Die Positivliste lässt sich um viele weitere Aspekte erweitern (s. hierzu z. B. auch Pinker 2018).
 
2
Zu Recht wurde Leibniz mit seinem Ansatz einer solchermaßen ausformulierten Theodizee seinerzeit noch heftig kritisiert (z. B. von Voltaire 1986).
 
3
So z. B. durch die IPCC-Studie (dem internationalen Panel; IPCC Deutsche Koordinierungsstelle o. J.) zum Klimawandel und die IPBES-Studie (Deutsche IPBES Koordinierungsstelle o. J.), dem Bericht des Weltbiodiversitätsrates zum Artensterben und Verlust an „Biomasse“.
 
4
Siehe zu einer detaillierteren, umfassenderen Auflistung und Erörterung der Vor- und Nachteile interdisziplinärer Kooperation in Forschung und Lehre an den Hochschulen in Deutschland: Krickhahn und Rennert 2018.
 
5
Diese Liste ließe sich durchaus erweitern, beispielsweise durch das Kultursystem mit Codes wie schön und hässlich etc.
 
6
Kein System kann nach Luhmann jedem Element und jeder Relation zu seiner Umwelt eine Eigenleistung zuordnen und der Umwelt in ihrer Komplexität sozusagen eins zu eins entsprechen (vgl. Luhmann 2008, S. 22). Es benötigt als gesellschaftliches Kommunikationssystem somit immer Übersetzungen und Vereinfachungen. Eine gelingende Übersetzung kann insofern nur im System mit Bezug auf die Umwelt und auf sich selbst mithin selbstreferentiell geschehen. Jedes System selektiert dabei die für sich relevanten Umweltaspekte, reduziert mit darauf bezogenen Programmen die Komplexität und ermöglicht so eigenständige Adaptionsprozesse an die Umwelt(-systeme).
 
7
Die Marktgesetze von Angebot und Nachfrage, d. d. die Knappheitsverhältnisse, welche die Preise bestimmen, können nicht einfach per Dekret abgeschafft werden, was sich sehr plakativ an den blühenden Schwarzmärkten in nahezu allen sozialistisch organisierten Staaten beobachten lässt.
 
8
Ganz im Sinne auch des Bioengineerings, womit ein weiteres bi-disziplinäres Konzept, bestehend aus den Lebenswissenschaften und den technologischen Ingenieurwissenschaften, angesprochen ist.
 
9
Hier ist sorgfältig zu unterscheiden, aus welchem gesellschaftlichen Subsystem heraus argumentiert wird, denn davon hängen die Inhalte der auf die Codes bezogenen Aussagen ab.
 
10
In Anlehnung an Wittgenstein formuliert Luhmann es so: „Ein System kann nur sehen, was es sehen kann. Es kann nicht sehen, was es nicht sehen kann. Es kann auch nicht sehen, dass es nicht sehen kann, was es nicht sehen kann“ (Luhmann 2008, S. 34).
 
11
Siehe hierzu auch die sogenannte Teller-Tank-Diskussion, nach der immer ein voller Teller zur Stillung des Hungers Vorrang vor einem vollen Tank zum Zwecke der Mobilität haben sollte (Agentur für Erneuerbare Energien 2013).
 
12
Siehe am Beispiel der Soziologie die Habilitation von Heinz Sahner (1982), in der er empirisch fundiert die soziologischen Hauptschulen und Paradigmen identifiziert hat, nämlich die Helmut-Schelsky-Schule (aus der sich auch Niklas Luhmanns Systemtheorie rekrutiert hat), die Kritische Theorie Frankfurter Schule (Horkheimer, Adorno, Habermas) und Kölner Schule (empirische Methoden mit u. a. René König, Erwin K. Scheuch), die deutlich voneinander abgeschlossene Milieus und Zitationszirkel ausgebildet haben und die, wenn überhaupt, eher in einem Wettbewerbs- und Konkurrenzverhältnis stehen. Nur punktuell kam es hier zu einem intensiveren kommunikativen Austausch über die Schulgrenzen hinweg, wie in dem Fall des legendären Positivismusstreits u. a. zwischen den Protagonisten Jürgen Habermas und Karl Otto Apel (Kritische Theorie) auf der einen Seite und Karl Raimund Popper sowie Hans Albert (kritischer Rationalismus) auf der anderen Seite (vgl. Adorno et al., 1976).
 
13
Siehe zu diesem Modell detaillierter in Britz et al. (2020).
 
14
Das gilt gewissermaßen parallel zu der oben thematisierten Eigenständigkeit der gesellschaftlichen Subsysteme und der Subsysteme des Wissenschaftssystems.
 
Literature
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Metadata
Title
Bioökonomie – eine (inter-)disziplinäre Perspektive
Author
Thomas Krickhahn
Copyright Year
2022
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-34322-4_2

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