Skip to main content
Top

05-04-2023 | Cash Management | Schwerpunkt | Article

Mit gutem Cash-Management Liquiditätsprobleme umschiffen

Author: Sylvia Meier

4:30 min reading time

Activate our intelligent search to find suitable subject content or patents.

search-config
loading …

Unternehmen brauchen immer mehr liquide Mittel in Zeiten steigender Preise. Doch Cash in der Kasse zu haben, wird immer teurer, und stellt Firmen vor grundlegende Herausforderungen, wie eine aktuelle Analyse belegt. Finanzabteilungen sollten daher Liquiditätsdaten in Echtzeit liefern können.

Cash-Probleme bedrohen Unternehmen in ihrer Existenz, wie die aktuelle Krise des Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof zeigt. Die Kaufhauskette ist laut eigenen Angaben aufgrund der stark gestiegenen Energiepreise und der Konsumflaute in Deutschland in Schwierigkeiten geraten. Im Oktober 2022 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Seit März 2023 ist klar, dass mehr als 45 Filialen geschlossen werden. Das Beispiel zeigt, wie steigende Kosten bei gleichbleibenden oder sinkenden Umsätzen Betriebe in eine Krise führen. Für das Finanzmanagement und seine Führungskräfte spielt das Thema daher eine entscheidende Rolle.

Editor's recommendation

2023 | OriginalPaper | Chapter

Zahlungsverkehr und Kredit – Resilient durch Liquidität

Die Wirtschaftswissenschaften verstehen unter Liquidität allgemein "die durch Geld oder andere Tauschmittel repräsentierte Verfügungsmacht über Bedarfsgüter". Als Konsequenz daraus "bestimmt [sie] das Maß der wirtschaftlichen Entscheidungs- und Handlungsfreiheit". Damit bildet Liquidität nicht nur die Grundlage jeglichen ökonomischen Handelns, sondern spielt auch für das Resiliencing eines Unternehmens eine entscheidende Rolle.

Wie sich die Cash-Situation deutscher Unternehmen entwickelt, hat das "Freshfields Corporate Cash Barometer 2022" untersucht. Die Analyse zeigt, dass einige Betriebe hier besonders gut aufgestellt sind. Im November 2022 hat die Erhebung ermittelt, dass deutsche Firmen ihre Barmittel für das Jahr 2022 um 50 Milliarden Euro erhöht haben. Noch mehr Liquidität erwirtschafteten die Unternehmen allerdings im Rekordjahr 2020 mit insgesamt 77 Milliarden Euro.

Liquidität als Versicherung für neue Aufgaben

Der Grund für die positiven Zahlen liegt laut Untersuchung an den Rekordzuflüssen in Höhe von 36 Milliarden Euro allein im August 2022. Doch heißt dies, dass die Liquiditätssituation für die Betriebe momentan entspannt ist? Wohl kaum. Die wirtschaftlichen Entwicklungen sorgen dafür, dass immer mehr Cash-Bestände benötigt werdem. "Die hohen Bargeldmittel der Unternehmen in Deutschland sind eine Art Versicherung, um die aktuellen makroökonomischen Herausforderungen zu meistern. Sollte sich die Weltlage entspannen, dann können sie schnell für Investitionen - auch im Bereich M&A - eingesetzt werden", erläutert Freshfields-Partner Wessel Heukamp.

Da Fremdkapitalgeber bei Kreditvergaben derzeit vorsichtiger agieren, sind Unternehmen, die eine finanziell stabile Struktur vorweisen können, im Vorteil. "Für die Unternehmen ist es anspruchsvoller geworden sich über Kredit- und Kapitalmärkte zu finanzieren. Die Kreditgeber schauen sich die finanzielle Situation genau an und entsprechende Cash-Bestände helfen bei Finanzierungszusagen", betont Michael Josenhans, ebenfalls Partner bei Freshfields.

Hohe Preise sorgen für Liquiditätsengpässe

Cash-Bestände sind also eine wichtige Absicherung insbesondere in unsicheren Zeiten. Dabei sollten die Finanzverantwortlichen hinterfragen, ob das bisherige Liquiditätsmanagement für die anstehenden Herausforderungen ausreicht. Der Kontostand allein gibt einem Unternehmen keine Auskunft darüber, wie es um die Liquidität bestellt ist. Die Zahlungstransaktionen müssen nicht nur in der Gegenwart genau betrachtet, sondern auch für die Zukunft kalkuliert werden. 

Da Liquidität die Existenzvoraussetzung des Unternehmens darstellt, muss diese durch das Unternehmen geplant werden. [...] Um die Liquidität eines Unternehmens zu jedem Zeitpunkt sicherzustellen, müsste die Finanzplanung theoretisch alle zukünftigen Einzahlungen und Auszahlungen tagesgenau berücksichtigen. Durch die Zukunftsbetrachtung und die Planung über einen längeren Zeitraum werden die Einzahlungen und Auszahlungen hinsichtlich der Höhe und der Eintrittswahrscheinlichkeit immer weniger genau präzisierbar. Da eine tagesgenaue Prognose auf Grund des immensen Aufwandes nicht durchführbar ist, müssen in mittel- und langfristige Finanzpläne Aggregate von Zahlungen und Zeiträumen gebildet werden", schreibt hierzu Springer-Autor Thomas Hutzschenreuter im Buchkapitel "Unternehmenserfolg und Liquidität als Zielgrößen" (Seite 110).

Cashflow analysieren und Liquidität planen

Doch vor allem kleinere und mittelständische Unternehmen tun sich mit der Umsetzung häufig noch schwer, vor allem dann, wenn das Controlling noch mit manuellen Excel-Tabellen arbeitet. Hier kann das Management nicht jederzeit einsehen, welche liquiden Mittel vorhanden sind und wie sich der Liquiditätsplan entwickelt. Erst Informationssysteme bilden die Basis für die Unternehmensplanung, Steuerung und das Berichtswesen, schreiben Christoph Eisl, Thomas Rockenschaub und Daniel Mitterlehner in der Zeitschrift "Controlling & Management Review" (Ausgabe 1 | 2023) und führen aus: 

Sie werden in Zukunft noch stärker im direkten Zugriff des Managements stehen, denn Self-Service Reporting ermöglicht es Nutzern, individualisierte Reports, Visualisierungen und Analysen zu erstellen. Somit können Führungskräfte eigenständig und in Echtzeit die für sie wesentlichen Informationen in einer benutzerfreundlichen IT-Oberfläche generieren und analysieren."

Zeichnen sich Probleme ab, kann so frühzeitig gegengesteuert und Maßnahmen ergriffen werden. Dazu gehört beispielsweise auch das Working Capital Management. Denn wird zu viel Kapital im Unternehmen gebunden, beispielsweise durch viele Vorräte, kann dies die gesamte Finanzierungslage beeinträchtigen. Dann gilt es, Kapital freizusetzen.

Insolvenzrisiken minimieren

Absehbar ist, dass Unternehmen immer mehr Geld in der Portokasse benötigen. Ohne ausreichende liquide Mittel droht ihnen die Zahlungsunfähigkeit und damit die Insolvenz. "Nach § 15a InsO besteht für juristische Personen und Gesellschaften ohne Rechtspersönlichkeit die strafbewehrte Verpfichtung, einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu stellen, sofern Zahlungsunfähigkeit und/oder Überschuldung vorliegt", erklären die Springer-Autoren Christoph Niering und Christoph Hillebrand in ihrem Buchkapitel "Insolvenzverfahren".

Und diese Aufgabe könnte in den kommenden Jahren immer häufiger Unternehmen treffen. Der Kreditversicherer Allianz Trade rechnet damit, dass die Insolvenzzahlen im Jahr 2023 um 15 Prozent ansteigen werden, gefolgt von einem Plus in Höhe von sechs Prozent im Jahr 2024. Das heißt im Umkehrschluss: Mehr insolvente Geschäftspartner bergen die Gefahr von weiteren Forderungsausfällen. Das zwingt Finanzabteilungen und ihre Managemer das Liquiditätsmanagement noch stärker in den Fokus zu rücken.

Related topics

Background information for this content