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Arbeit muss radikal umgedacht werden

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Viele Führungskräfte wissen, dass die klassischen Arbeitsmodelle und Denkweisen überholt sind. Doch bei den Veränderungen hakt es oft, so eine Studie. Entscheidend ist ein neues Verständnis von Führung und Zusammenarbeit.

Innovative Arbeitsmodelle setzen auf moderne Technologien und neue Formen der Zusammenarbeit.


Die moderne Arbeitswelt wird oft mit Schlagworten umrissen: Vom technologischen Wandel über VUCA (Volatilität, Unsicherheit, Komplexität, Mehrdeutigkeit) bis zu New Work ist die Rede, wenn es um die Herausforderungen geht. Nun gesellt sich noch das Problem Fachkräftemangel hinzu.

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2022 | Book

New Leadership

Menschen führen heißt Menschen stärken

New Leadership – muss das wirklich sein? Ist New Work nicht genug? Oliver Titzmann zeigt auf, warum die agile und digitale Arbeitswelt eine neue Art der Mitarbeiterführung braucht: von der Reflexion des eigenen Leadership Mindsets über die Möglichkeiten, eigene Muster zu durchbrechen, bis hin zu konkreten Ideen für ein wirksames Führen in New Work.

All dies sind gute Gründe für Unternehmen, ihre Arbeitsmodelle kritisch zu hinterfragen und der neuen Realität anzupassen. Die Unternehmensberatung Deloitte hat für ihre Studie "Human Capital Trends 2023" weltweit 10.000 Beschäftigte (darunter 1.500 Führungskräfte) aus 139 Ländern zu den drängendsten Herausforderungen rund um Führung und Human Resources befragt.

Der Arbeitsplatz wird neu definiert

Der Studie zufolge gehen 59 Prozent der Befragten davon aus, dass in den kommenden zwei bis vier Jahren die Neugestaltung des Arbeitsplatzes eine wichtige Aufgabe sein wird. 93 Prozent von ihnen glauben sogar, dass eine Abkehr von der konventionellen Definition des Arbeitsplatzes für den Erfolg des eigenen Unternehmens relevant beziehungsweise sehr relevant ist. Allerdings hält nur jeder fünfte Befragte die eigene Firma für fähig, dies zu bewältigen.

Ein wesentlicher Aspekt ist laut der Studie die Entwicklung hin zu skill-orientierten Organisationen: Statt um Stellenbeschreibungen gehe es vermehrt um die Fähigkeiten und tatsächlichen Arbeitsergebnisse von Mitarbeitenden. Ein solcher auf Kompetenzen basierender Ansatz fördere sowohl die Agilität von Unternehmen als auch die Autonomie der Arbeitnehmenden. Dadurch können Aufgaben über formale Arbeitsplatzgrenzen hinweg übernommen werden. Knapp die Hälfte der Befragten nennen die Auflösung veralteter Denkweisen und Praktiken jedoch als größte anstehende Herausforderung auf dem Weg dorthin.

Viele Unternehmen nutzen Technologie unzureichend

Ebenso ernüchternd sind die Antworten der Beschäftigten zu moderner Technologie als wichtigem Treiber, der etwa die feste Verortung von Arbeitsplätzen aufbricht und viele Tätigkeiten erleichtert. Lediglich 22 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass ihre Unternehmen das Notwendige leisten, um physische, digitale und hybride Arbeitsumgebungen zu schaffen, die den Anforderungen der Mitarbeitenden gerecht werden.

Immerhin sind 87 Prozent der Führungskräfte der Ansicht, dass das richtige Arbeitsmodell für den Erfolg ihres Unternehmens eine entscheidende Rolle spielen wird. Lediglich sechs Prozent der Befragten haben bis dato keine Veränderungen vorgenommen und halten dies auch für die Zukunft nicht für nötig.

Ob im Büro, im Homeoffice oder andernorts: Viele Mitarbeitende wollen selbst bestimmen, wo sie ihre Arbeit erledigen. Sie betrachten diesen Wandel als Chance, gemeinsam mit den Führungskräften ihres Unternehmens die Zukunft der Arbeit neu zu gestalten.“ Maren Hauptmann, Human Capital Leader bei Deloitte Deutschland

Bunte Belegschaften aus festen und freien Beschäftigten

Als weitere Baustelle nennt die Deloitte-Studie das Thema Belegschaften. Einerseits setzen immer mehr Unternehmen neben Festangestellten in fixen Positionen auch auf atypisch Beschäftigte, externe Berater, Freelancer für Projekte, Crowdsourcing sowie Gig Work, um ihre Aufgaben zu bewältigen. Andererseits sind Personalstrategien und -praktiken der Unternehmen kaum darauf ausgerichtet, die individuellen Kompetenzen und Beiträge der verschiedenen Arbeitskraft-Typen zu maximieren und sie auch übergreifend zu unterstützen. Nur 16 Prozent der Befragten meinen, in ihrer Organisation würden entsprechende Gesamtkonzepte optimal umgesetzt.

Führungskräften fehlt im Wandel der Kompass

Die Befragung liefert auch Hinweise darauf, warum viele Veränderungen nicht recht vorankommen. Nötig seien rasche Entscheidungs- und Anpassungsfähigkeit der Führungskräfte sowie Gestaltungswille und ein neues Leadership-Verständnis, das den Mitarbeitenden verantwortungsvolles, eigenständiges Handeln zugesteht, erklären die Studienautoren.

Indessen hält nicht einmal jeder vierte Befragte die Führungskräfte für ausreichend vorbereitet, den Anforderungen, die die Umwälzungen mit sich bringen, gerecht zu werden. Und die Hälfte der Studienteilnehmenden gibt an, die Führungskräfte ihres Unternehmens seien überfordert damit, Prioritäten zu setzen.

Zuhören als Grundlage für Veränderungen

Nicht selten scheitert die Veränderungskultur bereits am Zuhören. Denn oftmals sei es nicht selbstverständlich, Kunden- und Mitarbeiterbedürfnisse als wertvoll zu erkennen, stellt Oliver Titzmann in dem Buchkapitel "Welche Struktur braucht optimale Zusammenarbeit?" fest. Und auch veränderungswillige Führungskräfte würden bisweilen durch starre Strukturen, fehlende Ansprechpartner oder mangelnde Bereitschaft, lösungsorientierte Entscheidungen zu treffen, zermürbt. (Seite 120)

Eine Organisationsform, die es schaffen könne, solch strukturelle Trägheit zu überwinden und Mitarbeitende zu aktivieren, ist Titzmann zufolge die Holokratie. Im Unterschied zu traditionell organisierten Unternehmen orientiert sich die Zusammenarbeit in holokratischen Strukturen nicht an Funktionen oder Abteilungen, sondern ausschließlich an Aufgaben. Die hierarchiefreie Organisationsform habe zwei Vorteile, heißt es auf Seite 124: Flexibilität und Schnelligkeit. Denn Entscheidungen würden dort getroffen, wo Expertise vorhanden ist.

Holokratie-Säulen in der Praxis nutzen

Unternehmen müssten auch nicht ihre ganze Organisation auf Holokratie umstellen, um von den Vorteilen des Konzepts zu profitieren, erklärt der Springer-Autor. Eine Reflexion anhand der vier Säulen der Holokratie helfe, herauszufinden, was eine veränderungsbereite Zusammenarbeit behindert. Folgende Fragen sollten sich Unternehmen dazu stellen (Seite 127/128):

Reflexion mit den vier Säulen der Holokratie

Double Linking

  • Ist sichergestellt, dass Entscheidungen an alle kommuniziert werden, die davon betroffen sind?
  • Ist hierfür eine Struktur vorgesehen?
  • Müssen wir Silos aufbrechen und Schnittstellen durchlässig machen? 
  • Transparenz schaffen, wo sie notwendig ist und wichtige Akteure dazu einladen.

Trennung von Steuerungstreffen und operativen Treffen

  • Wird in Meetings nur das Was thematisiert? Oder wird darüber gesprochen, wie Arbeit erbracht wird? Oder leben wir in Annahmen?
  • Wird regelmäßig die Kommunikation reflektiert und versucht, auch diese permanent weiterzuentwickeln?
  • Liegt besonderes Augenmerk auf Schnittstellen und wird diese Zusammenarbeit bewusst gestaltet?
  • Ist für die Analyse, Gestaltung und Weiterentwicklung dieser Faktoren ein eigenes Format vorgesehen?

Zuständigkeiten und Rollen

  • Sind Zuständigkeiten immer wieder unklar?
  • Fühlt sich niemand verantwortlich oder wird parallel am Gleichen gearbeitet?
  • Wie oft wird über die Erwartungen, die wir an eine Rolle haben, geredet - nur am ersten Arbeitstag oder sogar erst dann, wenn Konflikte auftreten?
  • Werden auch unterschiedliche Perspektiven diskutiert und neue Lösungswege zugelassen?

Dynamische Steuerung

  • Werden Entscheidungen immer wieder vertagt, weil kein Konsens gefunden werden kann?
  • Wird an Entscheidungen unreflektiert festgehalten?
  • Werden Glaubenssätze hinterfragt?
  • Lassen wir uns auf Hypothesen ein oder wird noch immer nach einer optimalen Lösung gesucht?
  • Gibt es immer noch Aussagen wie: "Das hat der Vorstand so entschieden."

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