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2017 | Book

Chinas Innovationsstrategie in der globalen Wissensökonomie

Unternehmen, Hochschulen und Regionen im Spannungsfeld von Politik und Autonomie

Editors: Prof. Dr. Joachim Freimuth, Monika Schädler

Publisher: Springer Fachmedien Wiesbaden

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About this book

Dieser Herausgeberband widmet sich der Transformation Chinas auf dem Wege zu einem nachhaltigen Entwicklungspfad. Der Fokus liegt darauf, eine auf Innovation und Wissen begründete Wachstumsstrategie zu entwickeln. Das stellt neue Anforderungen an Unternehmen, Hochschulen und Institutionen und an ihr Zusammenspiel. Die für innovatives Wachstum notwendige Autonomie der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Akteure steht jedoch im Widerspruch zum Steuerungsanspruch der Regierung. In diesem Konfliktfeld bewegt sich dennoch sehr viel und sehr schnell. Der Herausgeberband zeichnet diese vielfältigen Entwicklungen nach und berichtet über konkrete Erfahrungen von Unternehmen, Hochschulen und Beratern sowie aus originären Forschungen.

Table of Contents

Frontmatter

Einleitung

Frontmatter
Kapitel 1. Chinas dorniger Weg in die (post-)industrielle Moderne – Entwicklungen, Modelle und die gegenwärtigen strategischen Herausforderungen
Zusammenfassung
Im vorliegenden Beitrag wird es darum gehen, Chinas Weg in die industrielle Moderne seit der Gründung der Volksrepublik nachzuzeichnen und diese Entwicklung mit anderen Ländern sowie den Anforderungen in einer globalisierten Ökonomie zu vergleichen. In diesem Kontext soll dann herausgearbeitet werden, wo aktuell die Notwendigkeiten und Anforderungen an den strategischen Wandel im Land liegen, um auf einen durch Innovation begründeten und nachhaltigen Pfad des ökonomischen Wachstums zu gelangen. Das ist spätestens seit dem 3. Plenum des 18. Zentralkomitees der KPCh im November 2013 der absolute Fokus der chinesischen Reformpolitik.
Joachim Freimuth, Monika Schädler

Innovation und Innovationspolitik in China – Rahmenbedingungen und Kontexte

Frontmatter
Kapitel 2. Von „Made in China“ zu „Invented in China“ – China auf dem Weg zur Industrie-Supermacht?
Zusammenfassung
Der Innovationsstandort China blickt – zu Recht – mit Stolz auf eine lange Tradition der Erfindungen zurück. Doch ist China auch im 21. Jahrhundert fähig, diese Tradition fortzuführen? Jetzt, da China an die Grenzen seiner bisherigen Wachstumsstrategie stößt, müssen neue, innovative Wege gefunden werden, um zukunftsfähiges, innovationsgetriebenes Wachstum zu gewährleisten. China muss den Übergang vom quantitativen zum qualitativen Wachstum schaffen. Dieses Ziel ist auch eine der Kernaufgaben des 13. Fünfjahresplans – die Ausweitung der Innovationsfähigkeit ist eine mögliche Methode, um den Ungewissheiten der kommenden Jahre entgegenzuwirken. Dieses Kapitel beleuchtet den geschichtlichen Kontext sowie die aktuellen Chancen und Herausforderungen von Chinas Innovationspolitik.
Christoph Angerbauer, Thomas König
Kapitel 3. Innovationskultur und Innovationssysteme in China
Zusammenfassung
Chinas Innovationskapazität entzieht sich einer einfachen Bewertung. Während Optimisten China schon als Innovationsnation betrachten, assoziieren Pessimisten chinesische Unternehmen vor allem mit Billigprodukten und Fälschungen. Das vorliegende Kapitel soll zu einer realistischeren Einschätzung von Chinas Innovationskapazität beitragen, indem es die ungleichmäßige Performanz innovationsrelevanter Akteure thematisiert und historische Pfadabhängigkeiten identifiziert. Einen wichtigen Beitrag zum Verständnis des chinesischen Innovationssystems liefert auch die Untersuchung der chinesischen Innovationskultur, die der „westlichen“ noch immer diametral entgegengesetzt ist. Es wird gezeigt, dass Innovation in China nicht als ein kreativer, zufallsabhängiger Prozess mit hoher Misserfolgswahrscheinlichkeit begriffen wird. Stattdessen betrachtet die chinesische Regierung Innovation als ein nationales Projekt, das der Erneuerung politischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Strukturen bedarf.
Christian Göbel
Kapitel 4. Indikatoren für die Innovationsentwicklung in China – Patente und Publikationen zwischen Quantität und Qualität
Zusammenfassung
Die Analyse von Patenten und Publikationen als Indikatoren für den Stand der Innovationsentwicklung in China ergibt ein ambivalentes Bild. Quantitativ gesehen lassen sich positive Entwicklungen der chinesischen Innovationspolitik klar belegen. Auch in qualitativer Hinsicht spiegeln sich einzelne Erfolge, z. B. bei Patentanmeldungen für Basistechnologien im Bereich der Industrie 4.0 sowie in den Spitzentechnologien, wider. China belegt bei den Publikationen in den Ingenieurs- und Naturwissenschaften international Spitzenplätze. Im Rahmen der qualitativen Betrachtung verbleiben jedoch erhebliche Zweifel hinsichtlich der Nachhaltigkeit des derzeit verfolgten Innovationsmanagements. Trotz massiver Ausgaben für Forschung- und Entwicklung ist China in der industriellen Spitze wie in der Breite nach wie vor weit entfernt von „created in China“ oder „Industrie 4.0“. China hat jedoch die Zeichen der Zeit erkannt und reformiert derzeit die institutionellen Rahmenbedingungen zur Schaffung von mehr Anreizen für Innovation und Unternehmertum. Im Zuge der Modernisierung der Forschungsförderung und des Programmmanagements wird der Grundlagenforschung bzw. Transparenz und stärkeren Orientierung an internationalen Standards mehr Bedeutung zugemessen. Vor dem Hintergrund systemischer Hemmschuhe wie das chinesische Bildungs- und Justizsystem bleibt jedoch die Frage, ob in einem autokratischen System Innovation nicht per se Grenzen gesetzt sind.
Florian Keßler, Thomas Heine

Transformation in der chinesischen Hochschullandschaft

Frontmatter
Kapitel 5. Hochschulen Chinas – Zwischen Traditionen und Reformen im Kontext der globalen Wissensökonomie
Zusammenfassung
Das chinesische Bildungswesen hat seit den 1990er Jahren eine Vielzahl von Veränderungen und Reformen durchlaufen, die auf die Anpassung an die Herausforderungen der globalen Wissensökonomie abzielen. Ein zentraler Begriff ist hierbei die ‚Innovation‘: die kreative Erneuerung von Bildungsinhalten, -praktiken und -management; sowie die Fruchtbarmachung dieser neuen Bildungsansätze für die innovative Erneuerung von Wirtschaft, Industrie und Gesellschaft (MOE (Ministry of Education of the People’s Republic of China), Jiaoyubu Guanyu Tuijin Zhongdeng He Gaodeng Zhiye Jiaoyu Xietiao Fazhan De Zhidao Yijian [Leitende Ansicht des Bildungsministeriums zum Voranbringen der koordinierten Entwicklung der beruflichen Bildung im Sekundär- und Tertiärbereich], http://​www.​gov.​cn/​zwgk/​2011-09/​20/​content_​1951624.​htm, Zugegriffen: 23. Juni 2016, 2011b). Der Beitrag beleuchtet die Innovationsfähigkeit des chinesischen Hochschulwesens und berücksichtigt dafür folgende Aspekte: Erstens wird das chinesische Schulsystem als Rekrutierungsbasis chinesischer Studierender in seinen wichtigsten Grundzügen dargestellt; zweitens wird auf die Organisation, die Reformen und die Leistungsfähigkeit des chinesischen Hochschulwesens eingegangen; abschließend werden vier Dimensionen des chinesischen Innovationsdilemmas diskutiert: ideologische Kontrolle versus Kreativität; staatliche Planung versus Graswurzelinnovation; Seilschaften versus Antikorruption; sowie die Rekrutierung durch das Prüfungssystem versus flexible Rekrutierung.
Barbara Schulte
Kapitel 6. Aktuelle Reformstrategien chinesischer Universitäten: Das Beispiel der Sichuan-Universität
Zusammenfassung
Am Beispiel einer der größten Universitäten Chinas, der Sichuan-Universität, skizziert der Beitrag hochschulpolitische Reformen an chinesischen Universitäten seit 2005. Insbesondere findet seitdem eine Wende von der quantitativen Expansion von Studienplätzen hin zu einer qualitativen Reform statt, die sich verstärkt an den Belangen der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung wie auch den individuellen Anforderungen und eigenen Lebensentwürfen der Studenten der 1990er-Generation ausrichten soll. Berücksichtigung finden dabei eine erhöhte Gewichtung der Lehre, kleingruppenorientierte und studentenzentrierte Lehrveranstaltungen einschließlich der räumlichen Ausstattung dafür sowie die Schlagworte Digitalisierung, Internationalisierung, Unternehmertum und Innovation. Die Sichuan-Universität will diese Ziele gemäß den nationalen Richtlinien in speziell formulierten Programmen (323+X-Modell, University-Immersion-Programme, Double Top, Double Innovation u. a.) umsetzen und damit zu einer globalen Eliteuniversität mit weltweit führenden Disziplinen werden.
Xin Wang, Jian Shi
Kapitel 7. Kooperations- und Kommunikationskompetenz von Studierenden an chinesischen Hochschulen
Zusammenfassung
Kooperations- und Kommunikationskompetenzen zählen zu notwendigen Fähigkeiten, die Absolventen für die berufliche Praxis benötigen. Die Realität an den chinesischen Hochschulen zeigt jedoch ein anderes Bild. Dieser Artikel stellt dar, welche Probleme Studierende mit Kooperations- und Kommunikationskompetenzen haben und wo die Ursachen dafür liegen. Er gibt einen Überblick über die politischen Anstrengungen der Regierung und der Universitäten zur Verbesserung der Kooperations- und Kommunikationskompetenzen von Studierenden. In der Betrachtung wird deutlich werden, dass vonseiten der Regierung und der Universitäten dieser Thematik bislang nur unzureichend Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Die Hochschulreformen konnten hier kaum Erfolge erzielen, u. a. weil die familiären Sozialisationsfaktoren, die für die meisten Studenten gelten, völlig außer Acht gelassen wurden. Der Artikel zeigt auf, dass es sinnvoll wäre, die politischen Bemühungen zu verstärken und ein Bildungssystem zu erschaffen, das im Kontext von Politik, Universität, Gesellschaft und familiärer Sozialisation verortet ist. Insbesondere müssen Universitäten ihre Lehre so reformieren, dass Studierende in variierenden Feldern und Formen ihre Kooperations- und Kommunikationskompetenzen entwickeln und verbessern können. Auf der anderen Seite sollten aber auch die Studenten eigeninitiativ an diese Frage herangehen, um diese Fähigkeiten zu verbessern und ihre Persönlichkeit zu entwickeln.
Ping Fang
Kapitel 8. Ausbildung von Kommunikations- und Kooperationskompetenz und Transfer in Unternehmen: Das Beispiel der Capital Normal University, Beijing
Zusammenfassung
Kommunikations- und Kooperationskompetenz spielen in der Globalisierung und sprunghaften wirtschaftlichen und technologischen Entwicklung Chinas eine bedeutende Rolle. Insbesondere bei der Diskussion um Innovation sind diese weichen Faktoren unabdingbar. Auf diese richten auch chinesische Universitäten seit einigen Jahren ein verstärktes Augenmerk. Am Beispiel der Capital Normal University schildert der vorliegende Beitrag zunächst das Analyseinstrumentarium für diese Kompetenzen, sodann die für die Stärkung dieser Kompetenzen verwendeten Trainingsmethoden. Diese kommen sowohl bei Studierenden und Absolventen der CNU als auch bei jungen Angestellten großer chinesischer Staatsunternehmen zum Einsatz.
Bao Tian

Konkrete Ansätze und Beispiele für beginnende Innovationsdynamik

Frontmatter
Kapitel 9. Neuartige Innovationsmuster in der chinesischen Industrie – Entrepreneurship in China
Zusammenfassung
Die chinesische Regierung propagiert seit einiger Zeit „Massengründungen und Masseninnovation“, um die wirtschaftliche Entwicklung zu stabilisieren und den Aufstieg Chinas in die Reihe moderner Industrienationen zu ebnen. Der Beitrag stellt diesen Fokus auf Unternehmertum und Innovation in den historischen Kontext. Dazu werden die Entwicklung des Privatunternehmertums und der Innovationspolitik seit Beginn der Reformen zusammengefasst und ihr Zusammenspiel beleuchtet. Hieraus wird eine ambivalente Haltung der Politik erkennbar: Obwohl der Privatwirtschaft mehr Raum gegeben wurde, konzentrierte sich die Innovationspolitik nicht auf Privatunternehmen. Da andererseits viele der heute als innovativ geltenden Unternehmen aus der Privatwirtschaft entstanden sind, versucht die chinesische Regierung aktuell, Start-ups zu fördern und für die eigenen Ziele zu nutzen. Der Beitrag zeigt, dass hierbei auch beschäftigungspolitische Erwägungen eine Rolle spielen. Zugleich verdeutlicht der historische Kontext, dass die Betonung von Massengründungen und -innovation nicht mit einer Lockerung der Verbindung zwischen Wirtschaft und Politik gleichzusetzen ist. Schon in der Vergangenheit hat die Regierung vor allem für größere Unternehmen eine Rolle spielt.
Doris Fischer
Kapitel 10. Der Cluster-Effekt in China: Tatsache oder Einbildung?
Zusammenfassung
Der potenzielle Nutzen von industrieller Clusterbildung wird von Politikern, Stadtplanern und Wirtschaftsgeografen gleichermaßen gemeinhin anerkannt. Cluster sind interessant für politische Entscheidungsträger, da sie offensichtlich die Möglichkeit bieten, Ballungszentren mit Innovation und Humankapital mit Investition zu verbinden. Stadtplaner sehen durch Clusterbildung die Möglichkeit, kreatives Humankapital anzuwerben – die sogenannte „kreative Klasse“ – beruhend auf der Annahme, dass kreative Menschen sich eher in Regionen ansiedeln, die eine kreative Infrastruktur und eine Vielfalt von Annehmlichkeiten bieten.
Michael Keane
Kapitel 11. Innovation „von unten“ – studentische Entrepreneure an chinesischen Hochschulen
Zusammenfassung
Der Zhongguancun Science Park, eine selbstständige, nationale Demonstrationszone für Innovationen, beheimatet sowohl eine große Anzahl von Hochschulen, Universitäten, Akademien und Institutionen als auch unzählige Hightech-Talente und setzt das jährliche, hohe Investment aus Forschungsfonds in eine Vielzahl von großartigen Forschungsleistungen um. Allerdings ist nur knapp ein Fünftel der Existenzgründungen auf Technologietransfers von Hochschulen zurückzuführen. Dabei weisen Hochschul- und Universitätsstudenten – vor allem aus den Gebieten Naturwissenschaft und Ingenieurswesen – bereits einige sehr erfolgreiche Start-ups vor. Viele Studenten streben an, auf Grundlage ihrer Forschungsergebnisse oder selbstentwickelter Technologien ein Unternehmen zu gründen, und stellen dafür großes Potenzial dar. Aus diesem Grund sollten sowohl die Regierung als auch Hochschulen, Universitäten und andere gesellschaftliche Bereiche dazu angehalten werden, breit gefächerte Ressourcen bereitzustellen, um Studenten in Zhongguancun in ihrem Unternehmergeist zu unterstützen. Auf diese Weise kann die Nutzung von wissenschaftlichen und technologischen Ressourcen an Universitäten und Hochschulen verbessert und das Innovationspotenzial voll ausgeschöpft werden. Forschungsergebnisse würden optimal in Produktivität umgesetzt, was wiederum zu einem Anstieg industrieller Innovationen führt.
Lixia Nie, Jingjing Huang, Meimei Yao

Befunde aus Forschungsprojekten und Studien

Frontmatter
Kapitel 12. Innovationspotenziale junger chinesischer Führungskräfte
Zusammenfassung
Im folgenden Beitrag werden Erkenntnisse vorgestellt, welche aus Interviewdaten gewonnen wurden. Diese zeigen exemplarisch, über welche Innovationspotenziale junge chinesische Führungskräfte verfügen. Mit den ihnen jeweils zur Verfügung stehenden Mitteln und Möglichkeiten versuchen die jungen Führungskräfte ein (universelles) soziales Problem auf ihre Art und Weise zu lösen: Wie gelingt es, Menschen, die prinzipiell nicht vollständig verstehbar sind und die ihre Ressourcen unter sich ständig verändernden Bedingungen optimieren müssen, für die Erreichung organisationaler Ziele einzusetzen? Die chinesischen Führungskräfte, mit denen wir sprachen, führen uns überraschende Varianten sozialer Innovationen vor, die auch für die Führungsausbildungen im Westen von Bedeutung sein dürften. Insbesondere den Umgang mit Kontingenz und Mehrdeutigkeiten scheinen die asiatischen Führungskräfte im Alltag vergleichsweise gut zu beherrschen.
Michael Zirkler
Kapitel 13. Verhungert der Meister, wenn er den Lehrling unterweist? Austausch von Wissen in Chinas Unternehmen
Zusammenfassung
Der vorliegende Beitrag beleuchtet den Aspekt des Austauschs von Wissen in Chinas Unternehmen im Hinblick auf den Weg zu einer innovationsgetriebenen Wirtschaft. In einem vierjährigen Forschungsprojekt wurden kulturelle Prämissen identifiziert, die für den Wissensaustausch chinesischer Mitarbeiter wesentlich sind. Häufig stehen diese einem offenen Austausch zunächst entgegen. Es zeigt sich, dass Unternehmen insbesondere in China selbst am Zuge sind, eine Umgebung zu schaffen, die die Mitarbeiter zum Wissensaustausch ermutigt. Nur dann kann sich das vorhandene Potenzial für Innovationen entfalten.
Constanze Wang
Kapitel 14. Problemlösungs- und Interaktionsverhalten junger chinesischer Studenten. Ergebnisse aus vergleichenden Experimenten
Zusammenfassung
Die Innovationskompetenz eines Landes ist auf der konkreten Mikroebene auf die Problemlösungs- und Interaktionskompetenz von Expertengruppen angewiesen. Die entsprechenden übergeordneten Kompetenzen bzw. Meta-Kompetenzen werden ihnen grundsätzlich durch die Hochschulsozialisation vermittelt. Das Thema ist in China lange erkannt, und es wird dort an Reformen gearbeitet, aber die aktuelle Praxis zeigt immer wieder, dass hier noch ein langer Weg zurückzulegen ist. Wir wollten dieses Thema etwas systematischer empirisch angehen und sind zunächst mit den Leitvorstellungen gestartet, die vermeintlichen Defizite genauer zu rekonstruieren und Verbesserungen anzuregen. Im Verlaufe der Untersuchungen zeigte sich allerdings, dass sich mit der von uns betrachteten Gruppe der jetzt ca. 20-jährigen Studenten, die also in den Anfangssemestern sind, die Konturen einer neuen Kohorte herauszubilden scheinen, die aufgrund ihrer Erfahrungen sehr viel offener, kritischer und kreativer sind, als ihre älteren Kommilitonen und die jetzigen Absolventen. Das passt zu dem Bild eines kommenden innovativen Potenzials an den chinesischen Hochschulen, das andere Beiträge in diesem Band ebenso hervorheben.
Joachim Freimuth, Minyan Luo, Katjana Pieper, Monika Schädler

Herausforderungen und Konzepte beim Übergang von der Hochschule in den Betrieb – Beispiele aus Unternehmen in China

Frontmatter
Kapitel 15. Anspruch und Wirklichkeit bei der Auswahl von chinesischen Hochschulabsolventen und die Auswirkungen auf Verfahren der Personalauswahl – ein Erfahrungsbericht
Zusammenfassung
Der chinesische Arbeitsmarkt hält für Hochschulabsolventen, die sich bei westlichen Unternehmen oder Joint Ventures mit westlichen Unternehmen bewerben, einige Herausforderungen bereit. Hier treffen in vielerlei Beziehung unterschiedliche Erwartungen aufeinander und stellen beide Seiten vor Herausforderungen. Manche Studienabgänger, die sich Hoffnungen auf einen sicheren Job, speziell in solchen Unternehmen machen, werden bitter enttäuscht, weil sie keinen der begehrten Jobs erhalten oder später in diesen Jobs scheitern. Das liegt einerseits daran, dass der Markt gar nicht so viele Jobs hergibt, andererseits daran, dass nach meiner Erfahrung das Profil vieler Bewerber nicht den Vorstellungen der einstellenden Unternehmen insbesondere hinsichtlich der Kompetenzen wie unternehmerisches Denken, Eigeninitiative, selbstständiges Handeln und oft auch Sprachkenntnissen entspricht oder die Bewerber in den Einstellungsgesprächen beziehungsweise später im Job in diesen Punkten nicht überzeugen können. Ursachen hierfür sind nach meiner Beobachtung eine mangelhafte Vorbereitung, ein negativer persönlicher Eindruck, unzureichende Fach- und Sprachkenntnisse und unrealistische Erwartungen und Forderungen. Häufig liegt es nicht an den Kandidaten allein, auch werden Fehler seitens der vermittelnden Agenturen und der einstellenden Unternehmen selbst gemacht.
Josef Lürkens
Kapitel 16. Kooperation mit Hochschulen, Rekrutierung und Bindung von Talenten – Vorgehen, Erfahrungen und Probleme in China
Zusammenfassung
Die äußerst dynamische wirtschaftliche Entwicklung in China und die Tatsache, dass nur ca. 10 % der chinesischen Studenten jeden Jahrgangs für eine Anstellung in ausländischen Multinational Cooperations (MNCs) infrage kommen stellen das Personalwesen in China vor große Herausforderungen. Verstärkt wird dieser Trend durch die Tatsache, dass in den letzten 2 Jahren chinesische MNCs die ausländischen MNCs von den Spitzenplätzen der Rankings der beliebtesten Arbeitnehmer für Graduates verdrängt haben und dadurch Unternehmen wie Hua Wei, Baidu und Tecent im Wettbewerb um die besten Talente bereits jetzt von den chinesischen Studenten bevorzugt werden. Der Wettbewerb um die Top 10 % der Studenten in China wird in den kommenden Jahren durch die Internationalisierungsstrategie der chinesischen Unternehmen und den dadurch stetig steigenden Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften in China weiter zunehmen. Wer als ausländisches Unternehmen weiterhin um die besten Talente der chinesischen Universitäten konkurrieren will, sollte einen speziellen Fokus auf das Personalmanagement im Bereich der Kooperation mit Hochschulen, Rekrutierung und Bindung von Talenten legen. Im folgenden Kapitel werden die verschiedenen Kooperationsformen mit Universitäten sowie die wichtigsten Rekrutierungswege für chinesische Studenten behandelt. Nachfolgend werden der Rekrutierungsprozess sowie die Bindung von jungen Talenten behandelt. Neben weiteren wissenschaftlichen Quellen gibt der Autor auch einige konkrete Handlungsempfehlungen für das Personalmanagement in China.
Philip Simon

Management von Wissen und Innovationen in chinesischen Unternehmen – Probleme und Lösungsansätze im betrieblichen Alltag

Frontmatter
Kapitel 17. Die Entwicklung stabilen Produkt- und Prozesswissens – Erfahrungen mit Neuanläufen im Vorseriencenter beim Aufbau eines neuen Automobilwerks in China
Zusammenfassung
In den Jahren 2011 bis 2013 wurde in der südchinesischen Provinz Guangdong in der Stadt Foshan ein neues FAW-Volkswagen-Werk errichtet und in den Serienbetrieb geführt. Das Management von Neuanläufen stellt in einer Fabrik, die auf der grünen Wiese gebaut wurde, eine besondere Herausforderung dar. In Foshan kamen zu den sprachlichen und kulturellen Unterschieden die Besonderheiten der Führungssituation in einem Joint Venture hinzu. Zudem war die Belegschaft sehr jung und damit noch kaum erfahren. Im Beitrag wird gezeigt, wie es gleichwohl gelingen kann, sowohl Produkt- und Prozesswissen als auch methodische und soziale Kompetenzen aufzubauen, um den komplexen Anforderungen in einer modernen Fabrik gerecht zu werden. Das Erfolgsrezept liegt einmal im intensiven Mitarbeiter-Coaching vor Ort und zum anderen in einer gezielten und systematischen Anwendung von Konzernstandards.
Peter Schmitt
Kapitel 18. Voice – Die Bereitschaft zum kritischen Diskurs als wichtiger Beitrag zur Organisationsentwicklung
Zusammenfassung
Das wirtschaftliche Agieren in China stellt Unternehmen mit deutschen Wurzeln vielfach vor Herausforderungen. Grund dafür sind u. a. hohe Anforderungen an Flexibilität und Schnelligkeit, die teils im Widerspruch zu deutschen Strukturen stehen. Umso wichtiger ist die Fähigkeit dieser Unternehmen, kontinuierlich die Organisation weiter zu entwickeln, um damit den Erfolg der Chinainvestition zu sichern. Dazu ist das Einbinden der Ideen und Meinungen chinesischer Mitarbeiter entscheidend, da sie die Wissensträger im chinesischen Umfeld darstellen. Ein Voice-Verhalten ermöglicht einen kritischen Diskurs, der die Basis für Organisationsentwicklung und somit auch für Innovation darstellt. Dementgegen stehen die Erfahrungen westlicher Manager, die ihre chinesischen Mitarbeiter vielfach als schweigsam erleben. In diesem Artikel werden Einflussfaktoren auf das Aussprechen von Mitarbeitern im internationalen Kontext dargelegt, Gründe für die unterschiedliche Ausprägung eines kritischen Diskurses erörtert sowie praxisnahe Empfehlungen zur Erzielung eines offenen Aussprechens gegeben.
Annette Metz
Kapitel 19. Die Beziehungsdynamik in Teams chinesischer Experten und die Auswirkungen auf Innovationen – ein Erfahrungsbericht
Zusammenfassung
Das folgende Kapitel beschreibt wesentliche Erkennungsmerkmale dysfunktionaler Teams in Unternehmen in China. Ziel ist es dabei, mögliche Risiken und Auswirkungen auf die Entwicklung und Innovationsleistung von Unternehmen in China zu beleuchten. Hauptbestandteil dieses Beitrags sind persönliche Erfahrungen, die der Autor während seiner beruflichen Laufbahn innerhalb eines deutschen mittelständischen Unternehmens in China sammeln konnte. Als theoretischer Leitfaden dienen insbesondere die von Patrick Lencioni in seinem Werk „The Five Dysfunctions of a Team“ beschriebenen fünf Fehlfunktionen: Abwesenheit von Vertrauen, Furcht vor Konflikt, Mangel an Verpflichtung, Vermeidung von Verantwortlichkeit und Mangel an Ergebnisorientierung. Zusätzlich beschreibt der Autor kulturelle Besonderheiten, die insbesondere in China die Entwicklung dieser fünf Fehlfunktionen begünstigen. Dabei steht vor allem die Problematik der Implementierung westlicher Managementkonzepte in Unternehmen in China im Fokus dieser Arbeit. Der Autor stellt die Vermutung eines Generationswechsels in China an, der in Zukunft eine verstärkte Akzeptanz westlicher Managementkonzepte begünstigen könnte.
Fabian Schneider
Kapitel 20. Innovationen im Einkauf: Erfahrungen mit (chinesischen) Lieferanten und Mitarbeitern
Zusammenfassung
Der Einkauf steht vor großen Herausforderungen. Er muss mit Partnern Innovation generieren, um so die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu sichern. Die Fähigkeit zur professionellen Zusammenarbeit ist dabei ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Gefragt sind vor allem Vertrauen und Verständnis. Wie kann gemeinsames Generieren von Innovationen in China funktionieren? Deutsche und Chinesen müssen sich in Projekten finden, Verständnis füreinander entwickeln und lernen, sich ergebnisorientiert Zielen zu nähern. Anpassung darf nicht zur Einbahnstraße werden. Die große Aufgabe ist, einen zündenden Mix aus Charakteren verschiedener Nationen zu finden, Hochleistungsteams zu formieren und zu befähigen.
Sabine Ursel

Perspektiven und Ausblick

Frontmatter
Kapitel 21. Innovationskompetenz, nationale Innovationssysteme und Industriepolitik in einer globalen Ökonomie – Generelle Betrachtungen und Implikationen für innovative Wachstumsstrategien in China
Zusammenfassung
Das Dilemma der gegenwärtigen Politik- und Wirtschaftsentwicklung in China ist die Notwendigkeit der Liberalisierung und der demokratischen Öffnung in einer Struktur, die aber sehr autoritär agiert und in erster Linie an der Erhaltung der Macht interessiert zu sein scheint. Innovatives Wachstum ist nur möglich, wenn Risiken sich lohnen, Experten sich austauschen können und Institutionen verlässlich sind. Eine entsprechende strategische Industriepolitik ist heute im globalen Technologiewettbewerb auch eine staatliche Aufgabe. Aber viele gute Ansätze brechen sich in China immer wieder am Steuerungs- und Machtanspruch der Regierung bzw. der Partei und ihren inneren Widersprüchen. Welche Optionen für eine kontrollierte Transformation sind denkbar unter diesen Bedingungen, zudem für ein so riesiges Land mit derartig vielen inneren Konflikten und nicht zuletzt in einem globalen Wettbewerb, der kaum Raum lässt für die Herausbildung einer eigenständigen innovations- und wissensbasierten Industriestruktur? Welche Antworten kann die wirtschaftswissenschaftliche Diskussion zur Struktur und Rolle nationaler Innovationssystemen geben? Wie könnte in China das Zusammenspiel von staatlicher Politik und Markt neu balanciert werden? Welche Rolle müssen dann Institutionen spielen? Was sind die Spannungsfelder, und wie könnte am Ende ein „Change Made in China“ aussehen? Das sind Fragen, denen wir u. a. nachgehen wollen.
Joachim Freimuth
Metadata
Title
Chinas Innovationsstrategie in der globalen Wissensökonomie
Editors
Prof. Dr. Joachim Freimuth
Monika Schädler
Copyright Year
2017
Electronic ISBN
978-3-658-17651-8
Print ISBN
978-3-658-17650-1
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-17651-8

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