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Die rasante Entwicklung digitaler Technologien hat den Bedarf an schneller und effizienter Softwareentwicklung in Organisationen verstärkt. In diesem Kontext haben No- und Low-Code Plattformen (NLCPs) transformative Potenziale entfaltet, indem sie Mitarbeitenden ohne umfassende Programmierkenntnisse und außerhalb der IT-Abteilung ermöglichen, eigenständig digitale Innovationen zu entwickeln. Diese Mitarbeitenden, als Citizen Developer (CD) bezeichnet, nutzen NLCPs als primäre digitale Tools, was Organisationen ermöglicht, ihre Innovationsfähigkeit durch den Einbezug von CD in das Konzept von mitarbeitergetriebenen Innovationen bottom-up zu fördern. Dieser Artikel untersucht die Problematik an der Schnittstelle zwischen Ideengenerierung und -umsetzung, bei der reguläre Mitarbeitende zwar Ideen entwickeln, diese aber mangels Programmierkenntnissen nicht ohne Unterstützung, beispielsweise der IT-Abteilung, umsetzen können. Durch eine systematische Literaturrecherche wurden die Befähigung von CD zur Entwicklung von mitarbeitergetriebenen Innovationen sowie die dabei auftretenden Wirkfaktoren analysiert. Zu den zentralen Erkenntnissen zählen die Identifizierung und Beschreibung von jeweils vier Förderfaktoren (zum Beispiel geringere Einstiegshürden) und Hemmfaktoren (zum Beispiel begrenzte Funktionalität von NLCPs) im Bottom-up-Entwicklungsprozess von CD. Zudem wurden fünf praxisorientierte Handlungsempfehlungen zur Integration von NLCPs für CD in Organisationen abgeleitet. Diese Empfehlungen umfassen die Etablierung eines IT-Governance-Rahmenwerks, die Förderung CD-unterstützender Organisationsstrukturen, der Sicherstellung von IT-Kollaboration und abteilungsübergreifender Zusammenarbeit sowie das Angebot von Schulungsmaßnahmen. Darüber hinaus wurden fünf Anwendungsbereiche generativer künstlicher Intelligenz ermittelt, die CD unterstützen und befähigen können. Diese umfassen die Beschreibung und Generierung von Programmcode, die Erstellung von Prototypen(-designs), die Automatisierung von Routineaufgaben sowie die Unterstützung kreativer Prozesse zur Lösungsfindung.
Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
1 Einleitung
In der dynamischen Welt der Softwareentwicklung hat die No- und Low-Code Entwicklung (NLCE)1 eine zunehmend zentrale Rolle eingenommen (Atkins 2020). NLCE wird durch No- und Low-Code Plattformen (NLCPs) unterstützt und vorangetrieben. Das Marktforschungsunternehmen Gartner (2022) prognostiziert für das Jahr 2024 ein Wachstum des NLCE-Marktes um 19 % auf 31,9 Mrd. US-Dollar, wobei NLCPs mit einem erwarteten Anstieg von 29 % besonders hervorzuheben sind. NLCPs markieren in vielerlei Hinsicht einen Wendepunkt in der Art und Weise, wie Software entwickelt wird, indem sie den Entwicklungsprozess vereinfachen und beschleunigen können (Iho et al. 2021). Diese Plattformen haben sich als wertvoll für Organisationen erwiesen, die nach Wegen suchen, ihre digitale Transformation zu beschleunigen und gleichzeitig den Bedarf an Programmierkenntnissen beziehungsweise IT-Fachkräften zu reduzieren. Dieser Wandel wird auch als Demokratisierung der IT oder der Softwareentwicklung bezeichnet (Binzer und Winkler 2022). Die steigende Beliebtheit von NLCE und NLCPs zeugt nicht nur von ihrer Effizienz, sondern auch von ihrer Fähigkeit, den Zugang zur Programmierung für eine breitere Gruppe von Personen zu öffnen (Frosch und Levina 2023). Mitarbeitende ohne oder mit geringen Programmierkenntnissen erhalten dadurch die Möglichkeit, ihre Ideen für digitale Innovationen umzusetzen und direkt an der Gestaltung ihres Arbeitsumfelds teilzunehmen (Binzer und Winkler 2023). Diese Personen werden als Citizen Developer (CD) bezeichnet. Ein solcher Wandel fördert eine inklusivere Gestaltungsumgebung und trägt dazu bei, den Mangel an IT-Fachkräften zu mindern sowie diese selbst zu entlasten (Silva et al. 2021; Käss et al. 2022).
Die sich aus CD ergebenden Möglichkeiten und Potenziale lassen sich vielversprechend mit dem Konzept der mitarbeitergetriebenen Innovationen (MI) und den damit verbundenen Herausforderungen verknüpfen. MI stehen für die Demokratisierung des Innovationsprozesses, indem alle normalen Mitarbeitenden einer Organisation als potenzielle Innovationstreiber betrachtet werden, die durch ihre Kreativität und Ideen zur Verbesserung von Produkten, Dienstleistungen und Prozessen beitragen können (Kesting und Ulhøi 2010; Høyrup et al. 2012). Unter „normalen“ Mitarbeitenden sind in diesem Kontext Personen zu verstehen, deren Aufgabenbeschreibung keine Innovationstätigkeiten umfasst, wie es beispielsweise in der Sachbearbeitung oder Produktion der Fall wäre, jedoch nicht in einer Forschungs- und Entwicklungsabteilung (Krejci et al. 2021). Der Trend, die Belegschaft einer Organisation als ergänzenden Innovationskanal von der Ideengenerierung bis hin zur Entwicklung einer Innovation einzubeziehen, ist auf die kreativen Potenziale der Mitarbeitenden sowie auf die immer schnelleren Marktveränderungen zurückzuführen, die einen zunehmenden Innovationsdruck erzeugen (Bäckström und Bengtsson 2019; Holmquist und Johansson 2019). Das Grundkonzept von MI umfasst entsprechend Personen, die wie CD Tätigkeiten ausüben, die über ihre üblichen Aufgaben und Kompetenzen hinausgehen, um die Organisation oder eine Organisationseinheit weiterzuentwickeln (z. B. eine Abteilung oder einen individuellen Arbeitsplatz) (Binzer und Winkler 2022; Leible et al. 2024).
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Im Konzept von MI bestehen zwei besondere Herausforderungen, die im Rahmen dieses Artikels hervorgehoben werden: (1) Mitarbeitende verfügen in ihren Fachbereichen beziehungsweise in ihrer Domäne über großes Wissen und können Verbesserungspotenziale erkennen sowie Ideen entwerfen. Allerdings fehlen ihnen häufig die notwendigen Kompetenzen zur Entwicklung und Umsetzung dieser Ideen, insbesondere bei digitalen Innovationen, die Programmierkenntnisse erfordern (Krejci et al. 2022; Opland et al. 2022b). Diese Herausforderung steht in Verbindung mit dem allgemeinen Fachkräftemangel in technischen Berufen, auf dem die Etablierung von NLCE und CD unter anderem beruht (Bies et al. 2022). (2) Es entsteht eine Abhängigkeit von Personen mit den erforderlichen Kompetenzen wie IT-Fachkräften (Käss et al. 2023). Diese Fachkräfte sind jedoch häufig durch grundlegende, höher priorisierte und systemkritische Tätigkeiten in ihrer Organisation ausgelastet, was zu einem Engpass führt (Eggers et al. 2023). Dies hat zur Folge, dass Ideen häufig nicht weiterverfolgt und Mitarbeitende aufgrund der fehlenden Unterstützung und Umsetzungsmöglichkeiten demotiviert werden können.
Parallel dazu treiben technologische Entwicklungen, insbesondere in der generativen künstlichen Intelligenz (genKI), den Markt voran (Bruhin et al. 2024). Diese Fortschritte und die daraus resultierenden Möglichkeiten sind auch für CD im Kontext MI vielversprechend. So eröffnen sich beispielsweise Unterstützungsmöglichkeiten von genKI zur Generierung oder Dokumentation von Programmcode auf Basis natürlicher Sprache (Ebert und Louridas 2023; Martins et al. 2023). Nutzende können sich so Programmcode erläutern lassen, wodurch die Verknüpfung zwischen einer NLCP und einem genKI-Modell das Potenzial aufweist, einen Trainingseffekt für (neue) CD zu erzielen, wie Yan et al. (2024) in einem Bildungskontext aufzeigen. Zusammenfassend adressiert dieser Artikel die folgende Forschungsfrage (FF): Inwiefern ermöglichen und fördern Citizen Developer die Entwicklung von mitarbeitergetriebenen Innovationen und was sollte bei deren organisationaler Integration beachtet werden?
Hierzu werden die Potenziale von NLCE und CD zur Bewältigung der zwei beschriebenen Herausforderungen des Konzepts von MI analysiert. Spezifisch wird untersucht, welche Wirkfaktoren durch NLCE, das heißt, Förder- und Hemmfaktoren für CD in einem Bottom-up-Entwicklungsprozess bestehen. Förderfaktoren sind dabei Bedingungen oder Einflüsse, welche die Beteiligung und Leistung von CD positiv beeinflussen. Zudem werden kontrastierend auch Hemmfaktoren betrachtet, die beachtet werden sollten, da sie gegenteilige Effekte hervorrufen können. Abschließend werden auf Basis der gesammelten Erkenntnisse praxisorientierte Handlungsempfehlungen abgeleitet, mit denen die Integration von CD in eine Organisation unterstützt werden sollen. Die zugrunde liegenden Daten basieren auf einer systematischen Literaturrecherche gemäß Xiao und Watson (2019).
Des Weiteren wird durch eine ergänzende unstrukturierte Literaturrecherche ein explorativer Blick auf die technologischen Fähigkeiten von genKI geworfen, die zahlreiche Unterstützungsmöglichkeiten für CD bietet (Bruhin et al. 2024). Diese Möglichkeiten werden anhand einer Übersicht der erfassten Anwendungsbereiche illustriert und mit den identifizierten Wirkfaktoren verbunden. Unsere Analyse konzentriert sich darauf, die Verbindungen zwischen CD und dem Konzept von MI zu untersuchen und Ansätze bereitzustellen, mit denen Praktikerinnen und Praktiker die Potenziale dieser Schnittmenge erfassen und nutzen können.
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2 Theoretische Grundlagen
Kap. 2 führt in die theoretischen Grundlagen der NLCE ein, um das Verständnis für die Ergebnisse des Artikels zu erleichtern und deren Nachvollziehbarkeit zu unterstützen. Abschn. 2.1 fokussiert sich auf die No-Code Entwicklung. Hierbei geht es um die Erstellung von Software ohne die Notwendigkeit traditioneller Programmierkenntnisse. Der darauffolgende Abschn. 2.2 behandelt die Low-Code Entwicklung. Dieser Ansatz erfordert zwar ein grundlegendes Maß an Programmierkenntnissen, lässt jedoch dafür deutlich mehr Individualisierungen und Anpassungen bei der Softwareentwicklung zu. Abschn. 2.3 gibt einen Überblick über NLCPs. Diese bilden die technische Basis für NLCE und sind als Tools sowie Kompetenzbrücke entscheidend für CD. Abschließend werden in Abschn. 2.4 der Zusammenhang und die sich ergebenden Potenziale und Synergien zwischen MI und CD betrachtet.
2.1 No-Code Entwicklung
In diesem Artikel wird NLCE betrachtet, jedoch sollte berücksichtigt werden, dass die Begriffe No-Code-Entwicklung (NCE) und Low-Code-Entwicklung (LCE) keine Synonyme sind. Diese Gleichsetzung stellt eine Vereinfachung dar, die in diesem und dem nächsten Abschnitt zum näheren Verständnis aufgelöst betrachtet wird (Käss et al. 2022; Binzer und Winkler 2023). Obwohl NCE und LCE verwandte Ansätze in der Softwareentwicklung sind, zeichnet sich NCE besonders durch den gänzlichen Verzicht auf traditionelle Programmierung aus (Da Cruz et al. 2021). Anwendungen, die mittels NCE erstellt werden, neigen dazu, modularer und generischer zu sein. Im Vergleich zu Anwendungen, die durch herkömmliche Programmiersprachen entwickelt werden, sind sie jedoch weniger flexibel (Wang und Wang 2022). Ein Beispiel für eine No-Code-Anwendung ist Microsoft Excel, das bereits früh ermöglichte, Daten ohne Programmierkenntnisse zu bearbeiten, beispielsweise durch das Erstellen von Formeln. Plattformen wie Shopify, die das Erstellen von Internetshops ohne direkte Interaktion mit Programmcode ermöglichen, fallen ebenfalls unter No-Code.
Das Kernprinzip der NCE basiert auf der Bereitstellung einer benutzerfreundlichen grafischen Oberfläche. Diese ermöglicht es den Nutzenden, durch einfache Drag-and-Drop-Methoden Softwareprodukte wie Webseiten oder Anwendungen zu erstellen. Dieser Prozess erfolgt unter Einsatz vorgefertigter Designvorlagen und Funktionsbausteine, was in der Arbeit von Wang und Wang (2021) näher erläutert wird. Eine visuelle Darstellung der NCE ist in Abb. 1 zu finden. Da sich NCE ausschließlich auf die Entwicklung ohne benutzerdefinierten Programmcode stützt, ist ihr Anwendungsbereich im Vergleich zur LCE oder traditioneller Programmierung auf einfachere und weniger komplexe Software beschränkt. Jedoch ermöglicht NCE als zugänglicher Ansatz auch Personen mit geringen oder keinen Programmierkenntnissen, aktiv an Softwareentwicklungsprojekten teilzunehmen, wie ElBatanony und Succi (2021) aufzeigen.
LCE wurde von Forrester Research im Jahr 2014 als eine Form der Softwareentwicklung definiert, die sich einer grafischen Benutzeroberfläche bedient, analog der beschriebenen NCE (Richardson und Rymer 2014). Dies dient dazu, den Entwicklungsprozess von Anwendungen zu beschleunigen und gleichzeitig die Komplexität des Softwareentwicklungsprozesses zu reduzieren. Im Gegensatz zur NCE fokussiert sich LCE stärker auf die Beschleunigung des Entwicklungsprozesses und weniger auf dessen Abstraktion. Sie bietet dabei die Möglichkeit, ein vorhandenes Sortiment an Funktionsbausteinen anzupassen oder eigene individuelle zu erstellen, wodurch das Sortiment erweitert wird und die Funktionsbausteine für eine Wiederverwendung vorbereitet werden können (Iho et al. 2021). Als Beispiel für eine Low-Code-Anwendung kann WordPress genannt werden, welches die Erstellung von Webseiten mithilfe vorgefertigter Funktionsbausteine erlaubt, die auch über ihren Programmcode anpassbar sind. Ebenfalls kann die Unreal Engine von Epic Games als eine Low-Code-Anwendung betrachtet werden, da hier mit vorhandenen, anpassbaren Assets und Funktionen virtuelle Spielewelten erstellt werden können.
LCE zielt sowohl auf erfahrene Softwareentwicklerinnen und -entwickler als auch auf unerfahrene Nutzerinnen und Nutzer ab, wobei hier ein besonderer Schwerpunkt auf Domänenexpertinnen und -experten liegt (Bies et al. 2022; Elshan et al. 2023). LCE ermöglicht dank der Verwendung deklarativer Werkzeuge, grafischer Benutzeroberflächen und Individualisierungsoptionen für situative Anpassungen die Entwicklung einer breiten Palette von Anwendungen (Tisi et al. 2019). Aufgrund der Fähigkeit, Funktionsbausteine zu erweitern oder zu modifizieren, gilt LCE als eine flexiblere und leistungsstärkere Variante der NCE. Diese Flexibilität erlaubt die Einbindung von benutzerdefiniertem Programmcode, setzt jedoch grundlegende Programmierkenntnisse voraus (Frosch und Levina 2023). Dies ist besonders für die individuelle Anpassung und Integration von Anwendungen in bestehende IT-Infrastrukturen vorteilhaft, was LCE für viele Organisationen zu einer interessanten Option macht. Eine Veranschaulichung der LCE wird in Abb. 2 dargestellt.
Das Konzept der NLCPs verkörpert die praktische Umsetzung beziehungsweise Operationalisierung von NCE und LCE, häufig in Form von cloud-basierten Platform-as-a-Service (PaaS)-Modellen. Diese Plattformen können den gesamten Lebenszyklus eines Softwareprodukts abdecken, von der Ideenfindung über die Entwicklung bis hin zum Betrieb und zur Wartung und bieten hierfür eine umfangreiche Palette an Werkzeugen (Elshan et al. 2023). Zu den führenden Anbietern dieser Plattformen gehören Unternehmen wie Microsoft, Google, Mendix und Salesforce. In der Literatur werden verschiedene Kriterien für die Auswahl und Bewertung von NLCPs hervorgehoben, wie beispielsweise eine intuitive und benutzerfreundliche grafische Oberfläche, das Sortiment an Funktionsbausteinen und das allgemeine Angebot an Features (Krejci et al. 2021; Naqvi et al. 2023). Es ist jedoch zu beachten, dass die Relevanz und Gewichtung dieser Kriterien je nach geplantem Zweck und Anwendungsfall variieren können. Daher ist eine sorgfältige Abwägung bei der strategischen Entscheidung für eine Plattform erforderlich.
Die Entscheidung für eine NLCP ist nicht nur aus technischer Sicht relevant, sondern stellt auch eine Weichenstellung dar, die langfristige Implikationen für die IT-Infrastruktur und die Geschäftsprozesse einer Organisation mit sich bringen kann (Käss et al. 2022). Ein kritischer Aspekt in diesem Kontext ist das Risiko eines Vendor Lock-ins. So kann aufgrund der spezifischen technischen Merkmale und Unterschiede der verschiedenen NLCPs sowie der sich zu diesen entwickelnden Abhängigkeiten im Laufe ihrer Nutzung ein Wechsel zu einem anderen Anbieter, zum Beispiel durch Inkompatibilitäten der Plattformen und der bereits entwickelten Anwendungen, komplex und kostenintensiv werden (Bies et al. 2022). Daher ist es von entscheidender Bedeutung, die Auswahl einer NLCP nicht ausschließlich auf der Grundlage aktueller Bedürfnisse zu treffen, sondern auch zukünftige Entwicklungen einzubeziehen. Die Integrationsfähigkeit und Kompatibilität mit bereits bestehenden Systemen stellen dabei wesentliche Faktoren dar.
2.4 Mitarbeitergetriebene Innovationen und Citizen Developer
Dem Konzept von MI nach sollen Mitarbeitende in den Innovationsprozess integriert werden, um zur Konzeption und Entwicklung von Innovationen in Organisationen beizutragen (Kesting und Ulhøi 2010). Digitale Tools nehmen dabei eine entscheidende Rolle ein, da sie Mitarbeitende unter anderem befähigen können, Ideen zu skizzieren und zu kommunizieren sowie niedrig- bis hochaufgelöste Prototypen zu erstellen und diese zu erproben (Gressgård et al. 2014; Krejci et al. 2021). Besonders Mitarbeitende mit hoher Expertise, Kreativität und Motivation können, unterstützt durch digitale Tools nutzenstiftende Innovationen schaffen (Bäckström und Bengtsson 2019). Im Zuge der globalen Digitalisierung nehmen digitale Innovationen stetig zu, was schließlich in der Arbeit von Opland et al. (2020) zur Prägung des Begriffs mitarbeitergetriebener digitaler Innovationen führte, der diese Entwicklung und die Aktualisierung des Konzepts von MI abbildet. So wandeln sich mit digitalen Innovationen auch die nötigen Kompetenzen zu deren Entwicklung.
Hier setzt das Konzept der CD an. CD sind Mitarbeitende, die weder Teil der IT-Abteilung noch primär Programmierende sind, aber durch digitale Tools wie NLCPs als Kompetenzbrücke befähigt werden, Softwarelösungen zu entwickeln (Lebens et al. 2021). Diese Mitarbeitenden, üblicherweise Domänenexpertinnen und -experten, sind aufgrund ihres Wissens in ihrer direkten Arbeitsumgebung (z. B. einem Geschäftsbereich oder einer Abteilung) besonders geeignet, Verbesserungspotenziale in Geschäftsprozessen oder Anwendungen zu identifizieren und auszuschöpfen (Elshan et al. 2023). In diesem Zusammenhang unterstreicht die Absorptive Capacity Theory von Cohen und Levinthal (1990) die Bedeutung der Fähigkeit einer Organisation, neues Wissen (intern und extern) aufzunehmen und zu nutzen, um ihre Innovationsfähigkeit zu stärken. CD können so ein wichtiger Baustein für Organisationen sein, um den Mangel an IT-Fachkräften auszugleichen und den wachsenden Bedarf an digitalen Innovationen zu decken (Binzer und Winkler 2022). Strategisch durchdacht integriert, können CD in die Lage versetzt werden, weitestgehend ohne die Unterstützung der (zentralen) IT-Abteilung, eigene Anwendungen zu entwickeln, zu erproben und je nach Größenordnung auszurollen (Gaggioli 2017). So schließt sich der Kreis zu MI und den dazu in der Einleitung genannten Herausforderungen, da CD mit NLCPs eigenständig Innovationsideen initiieren und umsetzen können (Krejci et al. 2021).
3 Methodische Herangehensweise
Für die Datenerhebung wurde eine systematische Literaturrecherche gemäß Xiao und Watson (2019) durchgeführt. Diese Recherche konzentrierte sich auf wissenschaftliche Artikel, die durch Peer-Review-Verfahren geprüft wurden. In der ausgewerteten Literatur sind sowohl konzeptionelle Ansätze als auch Fallstudien einbezogen worden, um mehrere Perspektiven zu berücksichtigen. Der von Xiao und Watson (2019) vorgeschlagene Forschungsansatz umfasst acht Schritte, die als Struktur und Leitfaden für unsere Literaturrecherche dienten: (1) Formulierung des Problems, (2) Entwicklung und Validierung des Überprüfungsprotokolls, (3) Suche der Literatur, (4) Screening der Literatur, (5) Bewertung der Qualität, (6) Extraktion der Daten, (7) Analyse und Synthese der Daten und (8) Bericht der Ergebnisse.
Der erste Schritt umfasst die Formulierung des Problems und wurde in den ersten beiden Kapiteln dieses Artikels behandelt. Dabei liegt der Fokus gemäß der FF auf der Betrachtung von CD und deren Befähigung durch NLCE und NLCPs zur Entwicklung von MI, beispielsweise in Form prototypischer Softwarelösungen. Konkret sollen Wirkfaktoren aus der Literatur identifiziert und extrahiert werden, um darauf basierend praxisorientierte Handlungsempfehlungen abzuleiten, die Praktikerinnen und Praktikern die organisationale Integration von CD erleichtern sollen. Damit werden die in der Einleitung dargelegten Herausforderungen des Konzepts von MI adressiert, nämlich (1) die fehlenden Kompetenzen der Mitarbeitenden zur Entwicklung und Umsetzung ihrer Innovationsideen und (2) die Abhängigkeit von häufig überlasteten Ressourcen, zum Beispiel der IT-Abteilung. Im zweiten Schritt wurde ein Überprüfungsprotokoll entwickelt. Dieses Protokoll wurde während der Literaturrecherche fortlaufend aktualisiert und enthält unter anderem das Ziel der Literaturrecherche, die Problemstellung, die Forschungsfrage sowie die Suchstrategie mit Inklusions- und Exklusionskriterien. Um Transparenz über die Durchführung der systematischen Literaturrecherche zu gewährleisten, wird das Überprüfungsprotokoll im Onlinematerial dieses Artikels bereitgestellt.
Im dritten Schritt führten drei Autoren unabhängig voneinander eine unstrukturierte Literaturrecherche über Google Scholar durch. Ziel war es, wichtige Schlüsselbegriffe, thematische Unterbereiche und Synonyme im Kontext der FF zu identifizieren. Anschließend fand eine gemeinsame Abstimmung statt, um auf Grundlage der vorläufigen Ergebnisse und beispielhafter Suchanfragen geeignete Datenquellen für die Literatursuche auszuwählen. Im Konsens entschieden sich die Autoren für die Datenbank AISeL, welche umfassenden Zugang zu Publikationen im Bereich der Wirtschaftsinformatik bietet. Diese Auswahl wurde durch die ersten 200 nach Relevanz sortierten Treffer auf Google Scholar ergänzt, um das Spektrum der recherchierten Literatur zu erweitern und zusätzliche potenziell relevante Quellen neben AISeL zu erschließen. Basierend auf dieser vorbereitenden Recherche wurde der folgende Suchstring entwickelt:
(″employee-driven innovation″ OR ″employee-driven digital innovation″ OR entrepreneurship OR intrapreneurship OR ″digital enabler″) AND (″idea development″ OR ″idea generation″ OR ″digital innovation″ OR ″digital tool″ OR ″application development″ OR ″prototype development″ OR ″MVP″ OR ″competence bridge″ OR ″knowledge bridge″) AND (low-code OR no-code OR ″no code″ OR ″low code″) AND (employee OR user OR ″non-it employee″ OR ″ordinary employee″) AND (platform OR programming)
Die Anwendung dieses Suchstrings in der AISeL-Datenbank ergab im September 2023 insgesamt 1291 Ergebnisse. Zusammen mit den Top 200 Treffern von Google Scholar resultierte eine Gesamtzahl von 1491 zu analysierenden Ergebnissen. Der detaillierte Prozess der Literaturauswertung ist in Abb. 3 veranschaulicht. Im Rahmen des Auswertungsprozesses wurde ein konservativer Ansatz gewählt: Bei Unsicherheiten in der Entscheidung wurden Ergebnisse in den nächsten Schritt übernommen, anstatt sie auszuschließen. Zunächst überprüften drei Autoren die Titel der Suchergebnisse auf ihre Relevanz. Diese erste Sichtung führte zur Exklusion von 1141 als irrelevant eingestuften Ergebnissen und zur Entfernung von 36 Duplikaten. Somit verblieben 314 Ergebnisse für eine tiefergehende Analyse.
Abb. 3
Auswertungsprozess der systematischen Literaturrecherche
Im vierten Schritt der Literaturrecherche wurden spezifische Kriterien für die Einbeziehung oder den Ausschluss von Literatur definiert und im Überprüfungsprotokoll festgehalten. Dies erleichterte den Analyseprozess, indem möglichst objektive Maßstäbe für die Auswahl der in den endgültigen Datensatz aufzunehmenden Ergebnisse festgelegt wurden, entsprechend den Empfehlungen von Okoli und Schabram (2010). Ein Hauptkriterium war, dass die Ergebnisse die Themen NLCE oder NLCP in Verbindung mit der Befähigung von Personen, beispielsweise CD zur Entwicklung von MI behandeln. Dieser Fokus spiegelt das Potenzial von NLCE wider, Softwareentwicklung direkt in Fachabteilungen oder durch einzelne Individuen zu ermöglichen, um ihre Innovationsideen umzusetzen.
Unter Anwendung der festgelegten Kriterien überprüften drei Autoren die Zusammenfassungen (Abstracts) der verbleibenden 314 Ergebnisse. Nach dieser Sichtung wurden 257 Ergebnisse als nicht relevant eingestuft und ausgeschlossen, was die Basis für die nachfolgende Volltextanalyse bildete. Diese systematische Herangehensweise gewährleistete, dass die finale Auswahl an Artikeln eine fundierte Grundlage für die Beantwortung der FF bietet. Im fünften Schritt führten zwei Autoren detaillierte Volltextanalysen der verbleibenden 57 Ergebnisse durch, um deren Relevanz für die FF zu ermitteln. Bei Meinungsverschiedenheiten fanden interne Diskussionen im Autorenteam statt, um gemäß den Richtlinien von Kitchenham und Charters (2007) einen Konsens über die Einbeziehung oder den Ausschluss einzelner Ergebnisse zu erzielen. Nach eingehender Prüfung wurden 49 Ergebnisse aufgrund mangelnder Relevanz ausgeschlossen, wodurch sich die Anzahl der für die finale Auswertung relevanten Artikel auf acht reduzierte.
Anschließend wurde eine Vorwärtssuche durchgeführt, um den Datensatz zu erweitern, wie von Xiao und Watson (2019) beschrieben. Dabei wurden mittels Google Scholar neuere, datenbankunabhängige Artikel identifiziert, die auf die ausgewählten acht Artikel Bezug nehmen. Diese Methode führte zur Prüfung von 36 zusätzlichen Artikeln, von denen schließlich 10 als inhaltlich relevant zur FF eingestuft wurden. Die hohe Anzahl an Artikeln aus der Vorwärtssuche im Vergleich zur Primärsuche könnte darauf zurückzuführen sein, dass breiter gefächerte interdisziplinäre Quellen erfasst wurden und der Netzwerkeffekt der Zitationen zusätzliche relevante Arbeiten identifizierte. Zudem beziehen sich die neuen Ergebnisse auf bereits als relevant eingestufte Artikel, was die Wahrscheinlichkeit für weitere einschlägige Treffer erhöht. Das übergeordnete Ziel dieser Vorgehensweise war es, sicherzustellen, dass aktuelle Forschungsergebnisse einbezogen werden, um den Status quo adäquat abzubilden. Der finale Datensatz besteht somit aus 18 Artikeln.
Im sechsten Schritt erfolgte die Kodierung der qualitativen Aussagen aus den 18 ausgewählten Artikeln mithilfe der Software MAXQDA. Der Schwerpunkt lag dabei auf Aussagen, die spezifische Wirkfaktoren durch den Einsatz von NLCE für CD in einem Bottom-up-Entwicklungsprozess benennen oder beschreiben. In der Analysephase, dem siebten Schritt, wurden die kodierten Aussagen konsolidiert und in thematische Kategorien von Förder- und Hemmfaktoren klassifiziert. Als Basis für die Datenzusammenführung und -synthese wurde ein induktives Vorgehen gewählt. Auf Grundlage der in der Literatur identifizierten Vorgehensweisen zur Integration von CD in Organisationen sowie Nutzung der Förderfaktoren und den Lösungsansätzen zur Bewältigung der Hemmfaktoren wurden abschließend praxisorientierte Handlungsempfehlungen abgeleitet. Der achte Schritt umfasst die Ergebnispräsentation, die mit diesem Artikel erfolgt.
Auch im September 2023 wurde zu Unterstützungsmöglichkeiten von genKI für CD im Kontext MI eine ergänzende unstrukturierte Literaturrecherche über Google Scholar durchgeführt, um diese Schnittmenge explorativ zu untersuchen. Hierbei wurde der zusammengefasste Suchstring ((„generative artificial intelligence“ OR „genAI“) AND ((no-code OR low-code OR „no code“ OR “low code”) OR programming OR coding)) verwendet. Die Recherche erfolgte ab Schritt vier analog zum Ansatz von Xiao und Watson (2019). Im Auswertungsprozess wurden insbesondere Artikel berücksichtigt, die Informationen für die direkte oder indirekte Anwendung von genKI im Kontext der NLCE beinhalteten. Dies führte zur Identifikation und Auswertung von sieben relevanten Artikeln.
4 No- und Low-Code in Bottom-up-Entwicklungsprozessen
In Kap. 4 werden die zentralen Ergebnisse der systematischen Literaturrecherche beleuchtet. Abschn. 4.1 präsentiert die identifizierten Wirkfaktoren, die den Bottom-up-Entwicklungsprozess von CD beeinflussen. Darauf aufbauend bietet Abschn. 4.2 konkrete Handlungsempfehlungen zur Integration von NLCPs, um das Potenzial der CD in Organisationen bestmöglich zu nutzen.
4.1 Wirkfaktoren im Bottom-up-Entwicklungsprozess von Citizen Developer
In der modernen Geschäftswelt hat sich das Konzept von MI als vielversprechender strategischer Ansatz und ergänzender Innovationskanal für Organisationen herauskristallisiert (Bäckström und Bengtsson 2019; Opland et al. 2022a). Ähnlich wie die NLCE die IT demokratisiert (Binzer und Winkler 2022), demokratisieren MI den Innovationsprozess durch die Einbindung aller Mitarbeitenden (Høyrup et al. 2012; Leible und Ludzay 2022). Beide Ansätze verfolgen dabei das Ziel, eine Organisation weiterzuentwickeln, meist in kleinen, inkrementellen Schritten durch Innovationen, die sich auf individuelle Arbeitsplätze oder Arbeitsbereiche wie Abteilungen auswirken (Krejci et al. 2021). Eine wesentliche Herausforderung bei MI besteht darin, die Kluft zwischen der Konzeption einer Idee und ihrer Entwicklung und Umsetzung in eine Innovation zu überbrücken (Krejci et al. 2022; Leible et al. 2023). Wie in der Einleitung dargelegt, fehlt es Mitarbeitenden häufig an den erforderlichen technischen Kompetenzen, was zu einer Abhängigkeit von unterstützenden Ressourcen wie der IT-Abteilung führt. Dies kann innerhalb einer Organisation zu Engpässen führen, insbesondere wenn IT-Fachkräfte nicht die nötige Zeit neben ihren regulären Aufgaben für solche Bottom-up-Entwicklungsprojekte aufbringen können (Lebens et al. 2021). Infolgedessen bleiben viele gute Ideen ungenutzt, was dazu führen kann, dass Mitarbeitende frustriert zurückbleiben.
NLCPs bieten hier einen Lösungsansatz. Diese Plattformen befähigen CD, ihre Ideen weitestgehend eigenständig und bottom-up zu entwickeln und umzusetzen (Elshan et al. 2023). Im Fokus der folgenden Ausführungen stehen die aus der systematischen Literaturrecherche identifizierten Wirkfaktoren, bestehend aus jeweils vier Förderfaktoren (F1 bis F4) und Hemmfaktoren (H1 bis H4), welche den Bottom-up-Entwicklungsprozess von CD beeinflussen. Eine Illustration der Faktoren ist in Abb. 4 zu sehen. Eine Auflistung der 18 hierzu einbezogenen und ausgewerteten Artikel ist in Tab. 1 im Anhang zu finden.
Abb. 4
Wirkfaktoren im Bottom-up-Entwicklungsprozess von CD
Ein zentraler Aspekt und Förderfaktor bei der Betrachtung von NLCPs ist die niedrige Einstiegshürde (F1), die ein Hauptargument für den Ansatz von NLCE darstellt (Wang und Wang 2022; Elshan et al. 2023). Diese Plattformen zeichnen sich durch ihre benutzerfreundliche Gestaltung aus, häufig durch den Einsatz intuitiver Drag-and-Drop-Oberflächen, die CD befähigen auch ohne oder mit geringen Programmierkenntnissen in die Softwareentwicklung einzusteigen (Heuer et al. 2022; Käss et al. 2022; Lebens 2022). Diese Zugänglichkeit ermöglicht es einem breiteren Spektrum von Mitarbeitenden, ihre Innovationsideen eigenständig umzusetzen (Krejci et al. 2021; Binzer und Winkler 2022). Dadurch wird eine inklusivere Innovationskultur gefördert, indem mehr Mitarbeitende aktiv am Innovationsprozess teilnehmen und mehr Bestandteile dieses Prozesses, wie beispielsweise die Entwicklung von digitalen Innovationen, abdecken können. Darüber hinaus kann die niedrige Einstiegshürde die Zusammenarbeit mit IT-Fachkräften erleichtern, die in einer beratenden Funktion hinzugezogen werden können, um bei komplexeren Fragen zu unterstützen (Binzer und Winkler 2022).
Ein weiterer Förderfaktor ist die Beschleunigung der Prototypenentwicklung (F2) durch NLCPs (Heuer et al. 2022; Elshan et al. 2023; Sadovnikov et al. 2023). Die Plattformen begünstigen einen agilen und experimentellen Entwicklungsansatz, bei dem Ideen in kurzer Zeit in funktionierende Prototypen umgesetzt und getestet werden können (Käss et al. 2022; Krejci et al. 2022; Schiffer et al. 2023). Diese Geschwindigkeit unterstützt einen kurzzyklischen Prozess, in dem Prototypen basierend auf Feedback, beispielsweise aus Fachabteilungen, kontinuierlich verbesserbar sind (Elshan et al. 2023). Dadurch können CD ihre eigenen oder die Ideen anderer Mitarbeitender effektiv erproben und verfeinern, was zu einem erhöhten Innovationsverhalten beiträgt (Krejci et al. 2021). Gleichzeitig können Kostenrisiken reduziert werden, da die Entwicklung von Prototypen über NLCPs häufig mit einem kontrollierbarem Preismodell erfolgt, das die finanziellen Auswirkungen gescheiterter Softwareentwicklungsprojekte eindämmt (Naqvi et al. 2023; Sadovnikov et al. 2023). Dies kann wiederum zu mutigeren Ideen durch die CD führen.
Der nächste Förderfaktor liegt im Domänen- und Fachwissen der CD (F3). Diese verfügen oft über umfassendes Wissen in ihrer Arbeitsumgebung, das für die Entwicklung geschäftsspezifischer Anwendungen essenziell ist und das IT-Fachkräften häufig fehlt (Binzer und Winkler 2022; Käss et al. 2023). Dieses Wissen ermöglicht CD die Schaffung maßgeschneiderter Lösungen, welche die Bedürfnisse und Herausforderungen ihres jeweiligen Bereichs präzise adressieren (Bies et al. 2022). Darüber hinaus können CD genau einschätzen, wie sich die von ihnen entwickelte Software prozessual integrieren lässt und welche Abhängigkeiten zwischen verschiedenen vor- und nachgelagerten Prozessschritten in ihrer Arbeitsumgebung bestehen (Iho et al. 2021). Die Kombination aus diesem Wissen und den Möglichkeiten von NLCPs kann zu Lösungen führen, die nicht nur innovativ, sondern auch hochgradig relevant und nutzerzentriert gestaltet sind.
Abschließend spielt als Förderfaktor die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit durch NLCPs (F4) eine entscheidende Rolle. Diese Plattformen ermöglichen es, Anwendungen schnell zu modifizieren und anzupassen, was es CD erlaubt, in kurzer Zeit auf Feedback zu reagieren und ihre Softwarelösungen kontinuierlich weiterzuentwickeln (Krejci et al. 2021). Diese Anpassungsfähigkeit führt nicht nur zu effizienteren und effektiveren Lösungen, sondern erhöht auch die Agilität während des Softwareentwicklungsprozesses (Krejci et al. 2021; Naqvi et al. 2023; Sadovnikov et al. 2023). Insbesondere nach Erreichung eines funktionalen Prototypens ist die Möglichkeit zur flexiblen Anpassung im Rahmen eines langfristigen Produktlebenszyklus der Software von Bedeutung (Elshan et al. 2023). Dies stellt sicher, dass die Software auch über einen längeren Zeitraum an sich ändernde Anforderungen angepasst werden kann und somit relevant und einsatzfähig bleibt.
Ein bedeutender Hemmfaktor bei der Nutzung von NLCPs ist deren begrenzte Funktionalität (H1). Obwohl NLCPs eine Vielzahl von Software und Prozessen unterstützen und ermöglichen können, stoßen sie bei komplexeren Anforderungen häufig an ihre Grenzen (Bies et al. 2022; Binzer und Winkler 2022; Elshan et al. 2023). Diese Einschränkung kann die kreativen Innovationsbestrebungen von CD beeinträchtigen, besonders wenn fortgeschrittene Funktionen erforderlich sind, die über das Standardangebot der genutzten Plattform hinausgehen (Käss et al. 2022; Elshan et al. 2023; Naqvi et al. 2023). Konkrete Limitierungen ergeben sich häufig bei der Anpassung von Funktionsbausteinen, dem Bedarf an komplexen Algorithmen, Techniken der Datenverarbeitung oder Testmöglichkeiten (Hintsch et al. 2021; Käss et al. 2022, 2023). Bei produktiv eingesetzter Software können zudem Herausforderungen hinsichtlich Skalierung und Performance auftreten, insbesondere bei PaaS-Modellen, wenn der Datenverkehr und die Zahlen der Nutzenden stark ansteigen. Ein weiteres Problem können die Kompatibilitäten und Abhängigkeiten mit internen oder externen Systemen sein, was die Gefahr eines Vendor Lock-ins verstärkt (Bies et al. 2022; Naqvi et al. 2023).
Ein weiterer Hemmfaktor können nicht vorhandene Governance-Strukturen und Standards zu NLCE und NLCPs sein (H2). Eine Governance ist unter anderem essenziell, um beispielsweise Schatten-IT2 und deren mögliche Risiken zu verhindern (Iho et al. 2021). In Organisationen müssen Softwarelösungen zudem häufig strenge interne und externe Richtlinien wie Datenschutz- und Sicherheitsstandards erfüllen (Binzer und Winkler 2022; Naqvi et al. 2023). Eine Herausforderung dabei ist, dass CD in diesen Bereichen üblicherweise nicht ausreichend geschult sind (Käss et al. 2022), was zu (unerkannten) Risiken in Bezug auf Compliance und Sicherheit führen kann. Ohne festgelegte Richtlinien und Standards kann es zudem schwierig sein, die Konsistenz und Qualität der mit NLCPs entwickelten Software zu gewährleisten. Des Weiteren sind Standards in der Dokumentation und im Wissensmanagement notwendig, da sonst die Übergabe von durch CD entwickelter Software an die zentrale IT-Abteilung oder an andere Personen erschwert wird (Hintsch et al. 2021; Käss et al. 2023). Es besteht dabei auch das Risiko, dass die von einem CD entwickelte Software unbrauchbar wird, wenn dieser die Organisation mit seinem Wissen verlässt und seine Arbeit nicht dokumentiert wurde.
Bei der Softwareentwicklung mit NLCPs können für CD Herausforderungen auftreten, wie beispielsweise das Ausrollen von Software, die den Support durch die zentrale IT-Abteilung oder IT-Fachkräfte erfordern (Krejci et al. 2021). Ein Hemmfaktor kann sein, dass dieser notwendige organisationale Support (H3) aus ressourcentechnischen Gründen nicht geleistet werden kann oder der Zugang zu Expertinnen oder Experten nicht möglich ist (Frosch und Levina 2023). Dies kann zu suboptimalen Softwarelösungen, ausbleibenden Fortschritten oder dem Scheitern von Projekten führen, was wiederum Frustration bei den CD auslösen kann (Elshan et al. 2023). Eine Unterstützung durch IT-Fachkräfte ist nicht nur bei der Entwicklung selbst sinnvoll, sondern auch bei der (präventiven) Beratung zu und der Konzeption von Entwicklungsprojekten (Iho et al. 2021; Krejci et al. 2021). In diesem Zusammenhang sollten CD und die zentrale IT-Abteilung einer Organisation die Verantwortlichkeiten für geplante Software frühzeitig festlegen, um beispielsweise den (langfristigen) Support zu klären (Heuer et al. 2022).
Der letzte identifizierte Hemmfaktor ist das oft begrenzte technische Verständnis und Kompetenzniveau der CD als Individuen (H4). Zwar sind Programmierkenntnisse für die Nutzung von NLCPs nicht zwingend erforderlich, doch ein gewisses Maß an technischem Wissen und technischer Kompetenz, insbesondere in Bezug auf Softwaregestaltung und Systemarchitekturen, ist für eine effektive Nutzung förderlich (Bies et al. 2022; Frosch und Levina 2023). Fehlt dieses Verständnis, können die entwickelten Softwarelösungen ineffizient, fehleranfällig, unzugänglich oder in Bezug auf Skalierbarkeit und Sicherheit unzureichend sein (Elshan et al. 2023). Im schlimmsten Fall stoßen CD an ihre Grenzen und sind nicht in der Lage, Entwicklungsprozesse erfolgreich durchzuführen, was möglicherweise zum Abbruch der entsprechenden Projekte führt. Dieser Mangel an technischem Wissen kann zudem zu Schwierigkeiten bei der Integration mittels NLCPs entwickelter Software in die interne IT-Infrastruktur führen (Krejci et al. 2021).
4.2 Handlungsempfehlungen zur Integration von No- und Low-Code Plattformen für Citizen Developer
Auf Basis der gesammelten Erkenntnisse der Literaturrecherche und identifizierten Wirkfaktoren wurden fünf praxisorientierte Handlungsempfehlungen abgeleitet. Diese sollen Praktikerinnen und Praktikern sowie ihren Organisationen Ansatzpunkte aufzeigen, die bei der Integration von NLCE beziehungsweise NLCPs und der Etablierung eines Bottom-up-Ansatzes für die Softwareentwicklung mit CD bedacht werden sollten. Die Empfehlungen sind auch darauf ausgerichtet, die identifizierten und beschriebenen Wirkfaktoren zu adressieren, das heißt, die Förderfaktoren effektiv zu nutzen und die Hemmfaktoren durch geeignete Maßnahmen zu reduzieren. Im Folgenden werden die abgeleiteten Handlungsempfehlungen erläutert:
1.
Erstellung und Etablierung eines IT-Governance-Rahmenwerks für CD:
(adressiert insbesondere den Wirkfaktor H2)
Da viele Fachbereiche CD enthalten können oder in Abhängigkeit der organisationalen Ausgestaltung sogar jeder Mitarbeitende als CD agieren kann und die Möglichkeit erhält, eigene Softwarelösungen zu entwickeln, bedarf es Richtlinien und Standards, um zum Beispiel Schatten-IT zu verhindern (z. B. Prinz et al. 2021). Häufig wird hierbei eine IT-Governance etabliert, wodurch die IT-Abteilung eine Kontrollfunktion über die von CD entwickelten Softwarelösungen einnimmt (z. B. Binzer und Winkler 2022). Unterstützende Governance-Funktionen werden oft bereits durch NLCPs bereitgestellt. Zusätzlich können Experimentierumgebungen eingerichtet werden, die den CD als Sandkasten dienen und das Risiko in der IT-Infrastruktur verringern (z. B. Naqvi et al. 2023).
2.
Etablierung einer CD-unterstützenden Organisationsstruktur und -kultur:
(adressiert insbesondere die Wirkfaktoren F1, H3)
Die Integration von CD erfordert organisationalen Support. Dies betrifft beispielsweise die Arbeitsumgebung und das Arbeitsmodell, da CD zeitweise aus ihrem Tagesgeschäft ausbrechen und für ihre Entwicklungszeiten Freiheiten benötigen (z. B. Elshan et al. 2023). Begleitend sollte eine innovationsfreundliche Atmosphäre gefördert werden, die das Ausprobieren neuer Ideen motiviert und unterstützt (z. B. Binzer und Winkler 2022). So können die Potenziale der CD umfassender genutzt und (Einstiegs‑)Hürden abgebaut werden (z. B. Iho et al. 2021).
3.
Sicherstellung der IT-Kollaboration mit und Unterstützung von CD:
(adressiert insbesondere die Wirkfaktoren F1, H1, H3, H4)
Im Rahmen der Integration von NLCPs und CD sind IT-Fachkräfte essenziell für die Einführung von PaaS-Modellen in die IT-Infrastruktur (z. B. Binzer und Winkler 2023). Auch nach der Einführung sollte eine verstärkte Kollaboration von CD mit der IT-Abteilung und klar definierten Ansprechpersonen verfolgt werden. Da es CD an technischen Kompetenzen und Wissen in der Softwareentwicklung mangeln kann, können die IT-Abteilung der Organisation und ihre IT-Fachkräfte bei bestimmten Tätigkeiten unterstützen, wie der Erstellung komplexer Funktionsbausteine (z. B. Hintsch et al. 2021), um Funktionsgrenzen von NLCPs zu überwinden. Es ist zudem ratsam, eine strukturierte und für alle zugängliche Wissensdatenbank zu erstellen und aufzubauen, in der aufgekommene Probleme und ihre Lösungen dokumentiert werden. Informationssysteme können so die Koordination und Integration des Wissens der Mitarbeitenden ermöglichen und Kollaboration fördern (z. B. Krejci et al. 2022). Dies unterstützt CD beim Einstieg sowie Kompetenzaufbau und kann die IT-Abteilung entlasten.
4.
Bereitstellung von Schulungs- und Weiterbildungsmaßnahmen für CD:
(adressiert insbesondere die Wirkfaktoren F4, H4)
Noch bevor die ersten Anwendungen von CD erstellt werden, sollten Schulungsmöglichkeiten zur Einführung in NLCPs angeboten werden (z. B. Binzer und Winkler 2022), um das Arbeiten mit diesen zu erlernen und ihre Flexibilität und Funktionalitäten effektiv nutzen zu können. In diesen Schulungen sollten (angehende) CD ein umfangreiches Training durchlaufen (z. B. Naqvi et al. 2023). Dadurch können die technischen Kompetenzen und das technische Wissen der CD rund um die Softwareentwicklung aufgebaut und beispielsweise die Performanz oder die Sicherheit ihrer künftigen Softwarelösungen verbessert werden (z. B. Bies et al. 2022). Zusätzlich sollten Weiterbildungsprogramme bestehen, um sicherzustellen, dass CD auf dem neuesten Stand der Technik bleiben. Mittel- und langfristig könnten CD nach dem Train-the-Trainer-Prinzip als Multiplikatoren aufgebaut werden, die wiederum andere (angehende) CD schulen und motivieren.
5.
Förderung abteilungsübergreifender Zusammenarbeit mit CD:
(adressiert insbesondere die Wirkfaktoren F2, F3)
Neben der Fähigkeit, Software durch NLCPs zu entwickeln, verfügen CD wie auch reguläre Mitarbeitende in der Regel über hohes Domänen- und Fachwissen in ihren Arbeitsbereichen. Dieses Wissen kann zu Ideen führen, die in Innovationen resultieren, welche die Organisation verbessern können (z. B. Binzer und Winkler 2022). Hier können Partizipationsplattformen wie Ideenmanagementsysteme zur strukturierten Sammlung und Speicherung dieser Ideen eingesetzt werden (z. B. Krejci et al. 2022). Auf dieser Grundlage ist das Potenzial der CD hervorzuheben, abteilungsübergreifend zu agieren. Sie können beispielsweise angrenzende Abteilungen unterstützen, die keine eigenen CD haben oder in Zusammenarbeit mit den dortigen CD synergetisch schneller Prototypen entwickeln oder größere Projekte umsetzen. Dazu können Anreize wie interne (problembasierte) Ausschreibungen für die Konzeption von Ideen sowie ein strukturiertes Ideenentwicklungsverfahren genutzt werden, welche die Motivation und (abteilungsübergreifende) Beteiligung der Mitarbeitenden fördern können (z. B. Krejci et al. 2021).
5 Unterstützungsmöglichkeiten von genKI für Citizen Developer
Die rapide Entwicklung und weltweite Verbreitung von genKI hat, wie Teubner et al. (2023) darlegen, sowohl in der Forschung als auch in der praktischen Anwendung erhebliches Aufsehen erregt und bringt vielfältige potenzielle Auswirkungen mit sich. Ein herausragendes Beispiel für diese Entwicklung ist OpenAI’s ChatGPT. Dieses genKI-Interface erzielte bei seiner Einführung einen Durchbruch und erreichte innerhalb von nur zwei Monaten nach der Veröffentlichung im November 2022 eine Nutzerbasis von 100 Mio. (Milmo 2023). Das Feld der genKI zeichnet sich nicht nur durch seine Dynamik als wachsendes Forschungsgebiet aus, sondern bildet auch einen zunehmend wettbewerbsintensiven Markt. Dies wird unter anderem durch die schnelle Weiterentwicklung von Modellen wie GPT-4o von OpenAI (2024) und Gemini 1.5 von Google (2024) demonstriert. ChatGPT bietet als sogenannte Allzweck-KI (General Purpose AI) eine breite Palette an Möglichkeiten, die CD in verschiedenen Bereichen unterstützen können. Abb. 5 zeigt die aus der unstrukturierten Literaturrecherche identifizierten Anwendungsbereiche und Unterstützungsmöglichkeiten für CD. Im Folgenden werden diese Bereiche und Möglichkeiten verbunden mit den in Kap. 4 identifizierten Wirkfaktoren beschrieben.
Abb. 5
Anwendungsbereiche und Unterstützungsmöglichkeiten von genKI für CD
Eine Möglichkeit der Unterstützung von CD ist die Beschreibung von Programmcode. Dies kann das Erlernen der Programmierung sowie die Erstellung oder Anpassung von Funktionsbausteinen in NLCPs erleichtern, indem ein genKI-Modell die Funktionalität bietet, Programmcode zu analysieren, zu erläutern und Fragen dazu zu beantworten (Alkhaqani 2023). Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Verarbeitung natürlicher Sprache. GenKI-Modelle sind in der Lage, Texte zielgruppengerecht zu generieren und verschiedene Antwortversionen wie alternative Beschreibungen von Programmcode zu erstellen (AlAfnan et al. 2023). Diese Unterstützung kann die Einstiegshürde in die Programmierung und NLCE senken und fehlende technische Kompetenzen von CD ausgleichen. Zusätzlich kann durch das Abfangen der Fragen von CD durch ein genKI-Modell der Bedarf an Unterstützung durch IT-Fachkräfte reduziert werden. Darüber hinaus können CD genKI einsetzen, um gewünschte Funktionsbausteine in Form von Programmcode für NLCPs direkt zu generieren (Martins et al. 2023). Analog zu den Vorteilen der Beschreibung von Code kann dies zusätzlich die Prototypenentwicklung beschleunigen und die Flexibilität sowie Anpassungsfähigkeit von Softwarelösungen durch NLCPs verbessern.
CD können zudem Prototypen und dazugehörige Designs textuell beschreiben und durch genKI abhängig von der Komplexität und Art des Prototyps generieren lassen (Bilgram und Laarmann 2023). Dies kann die Entwicklung von Prototypen beschleunigen und die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit erhöhen, da genKI-Modelle verschiedene Designvarianten erstellen und anpassen können. Darüber hinaus kann genKI CD dabei helfen, Routineaufgaben wie das Testen von Programmcode zu automatisieren (Bruhin et al. 2024). Dies kann die Prototypenentwicklung unterstützen, indem Entwicklungszyklen verkürzt und Fehler schneller erkannt und behoben werden. Durch die Vereinfachung und Standardisierung von Testverfahren kann die Automatisierung solcher Aufgaben gleichzeitig den Mangel an technischen Kompetenzen der CD ausgleichen. Ein genKI-Modell kann CD auch bei kreativen Prozessen wie dem Brainstorming unterstützen, indem es beispielsweise Ideen zur Verbesserung von Softwarelösungen vorschlägt (Teubner et al. 2023; Bahi et al. 2024). Aktuelle genKI-Modelle wie GPT-4o oder Gemini 1.5 können darüber hinaus zielgerichtete Vorschläge auf Basis zugeführter Daten generieren, etwa dem Feedback von Nutzenden einer entwickelten Software. Dies kann die Integration von Domänen- und Fachwissen der CD fördern, indem kontextabhängige und datengestützte Vorschläge gemacht werden. Gleichzeitig kann der Bedarf an organisationalem Support verringert werden, da genKI-Modelle üblicherweise zeitunabhängig als Assistenten zur Verfügung stehen.
6 Diskussion und Fazit
Die FF dieses Artikels adressierend, zeigt unsere Untersuchung, dass die Integration von NLCPs und CD theoretisch wie auch praktisch große Potenziale zur Demokratisierung der IT und des Innovationsprozesses aus der Perspektive von MI aufweist. Durch NLCPs als Kompetenzbrücke und CD als zentrale Akteure können die zwei eingangs beschriebenen Herausforderungen (1) der fehlenden Kompetenzen von regulären Mitarbeitenden zur Entwicklung und Umsetzung von MI und (2) der damit ergebenden Abhängigkeit von der zentralen IT-Abteilung beziehungsweise von IT-Fachkräften angegangen und gemindert werden. Im Hinblick auf die globale Digitalisierung sind diese Herausforderungen durch die zunehmende Verbreitung von und Fokussierung auf digitale Innovationen stetig präsenter geworden (Opland et al. 2022a), wodurch sich ein großer Bedarf an Ansätzen zum Gegensteuern für Organisationen und Individuen entwickelt hat. Wie in den identifizierten Wirkfaktoren festgehalten (siehe Abb. 4), können NLCPs als Kompetenzbrücke dienen und Personen wie CD befähigen, ohne tiefgehende Programmierkenntnisse in die Softwareentwicklung einzusteigen und ihre eigenen Ideen oder die Ideen anderer zu digitalen Innovationen umzusetzen (Heuer et al. 2022; Wang und Wang 2022).
Naqvi et al. (2023) berichten, dass CD mithilfe von NLCPs einfache und experimentelle Software eigenständig bis zum Prototypen entwickeln können, wo zuvor traditionell IT-Fachkräfte erforderlich waren. Zudem ermöglicht die Nähe von CD zur Produktivumgebung einer Softwarelösung, welche häufig ihre eigene Arbeitsumgebung ist, direkte Tests von Prototypen und das Einholen von Feedback durch Kolleginnen und Kollegen, das iterativ integriert werden kann (Elshan et al. 2023). Nach Krejci et al. (2021) zufolge eignen sich NLCPs besonders gut für CD im Rahmen von Bottom-up-Entwicklungsprozessen, die inkrementelle Innovationen zum Ziel haben. Dies erscheint naheliegend, da die dezentralisierten Entwicklungsprozesse der CD meist auf ihre direkte Arbeitsumgebung ausgerichtet sind (Binzer und Winkler 2022; Eggers et al. 2023) und nicht auf die Gesamtorganisation. Hier besteht nach unserer Einschätzung Potenzial zur Ausdehnung durch CD-Netzwerke, die in der Lage wären, größere Softwareentwicklungsprojekte zu bewältigen.
Bies et al. (2022) weisen darauf hin, dass NLCE positive Effekte haben kann, jedoch sind die entwickelten Softwarelösungen häufig einfach und unterstützend gestaltet. Diese Sicht wird durch weitere Studien substanziiert, die betonen, dass die Standardisierung und die Einschränkungen von NLCPs die Entwicklung komplexerer Software erschweren (Binzer und Winkler 2022; Käss et al. 2022; Elshan et al. 2023). Daher sollten die genauen Möglichkeiten im Vorfeld einer Entscheidung über die Einführung einer NLCP gründlich untersucht werden. Es ist wichtig, entstehende Erkenntnisse im Erwartungsmanagement bei Entscheidungsträgern und der Belegschaft zu berücksichtigen, da eine solche Einführung eine langfristig zukunftsorientierte Entscheidung darstellt (Bies et al. 2022; Prinz et al. 2023). Absichten zur Einführung können sein, einzelne Fachbereiche zu befähigen, sich durch CD bottom-up mithilfe maßgeschneiderter digitaler Innovationen zu entwickeln oder IT-Fachkräfte durch die Auslagerung und Dezentralisierung einfacher oder sehr individueller Softwareentwicklung auf CD zu entlasten (Krejci et al. 2021; Binzer und Winkler 2022). Dadurch kann die Kluft zwischen Ideengenerierung und -umsetzung im Rahmen von MI verringert werden, indem NLCPs für CD fehlende Kompetenzen überbrücken und Partizipationsmöglichkeiten schaffen.
Die analysierte Literatur bietet einige verschiedene Perspektiven zu NLCE und NLCPs. So sind die Aussagen der NLCP-Anbieter sehr optimistisch hinsichtlich der Potenziale ihrer Plattformen, wie Binzer und Winkler (2022) hervorheben. Frosch und Levina (2023) empfehlen trotz der Aussagen von NLCP-Anbietern, dass keine Vorkenntnisse in der Programmierung nötig seien, das Vorhandensein solcher Kenntnisse, um effektiv mit den Plattformen arbeiten zu können. Unsere Recherche hat außerdem gezeigt, dass die organisatorische Umgebung und ihre Rahmenbedingungen wesentliche Faktoren für den erfolgreichen Einsatz von NLCPs und CD sind, um die mit diesen Plattformen verbundenen Potenziale auszuschöpfen (Hintsch et al. 2021; Iho et al. 2021). Um beispielsweise unerwünschtes Verhalten und Aktivitäten von vornherein zu vermeiden und eine klare Governance-Struktur vorzugeben, sollten Regularien und Standards im Umgang mit NLCE und NLCPs in einer Organisation etabliert werden (Hintsch et al. 2021). Ebenso sollte die zentrale IT-Abteilung und ihre Expertise in der übergeordneten Strategie einer NLCE-Initiative berücksichtigt werden (Iho et al. 2021; Krejci et al. 2021; Prinz et al. 2023). Dies kann Aktivitäten zur Governance von NLCPs, den Aufbau von CD durch Schulungsmaßnahmen sowie die Integration von CD entwickelten Softwarelösungen in die IT-Infrastruktur umfassen (Binzer und Winkler 2022; Käss et al. 2023). Ohne eine Governance besteht die Gefahr, dass unnötige Anwendungen, zum Beispiel Anwendungen mehrfach mit demselben Zweck entstehen (Elshan et al. 2023). Unsere abgeleiteten Handlungsempfehlungen zielen darauf ab, diese und weitere Integrationshürden zu meistern, die Wirkfaktoren positiv zu beeinflussen und eine geeignete Umgebung für den Einsatz von NLCPs und CD zu schaffen.
Im Rahmen der identifizierten Wirkfaktoren, insbesondere der Hemmfaktoren, ist auch ein Blick auf die technologischen Unterstützungsmöglichkeiten von genKI für CD vielversprechend. Es konnten fünf Anwendungsbereiche (siehe Abb. 5) erfasst werden, in denen CD durch genKI profitieren und Kompetenzlücken sowie Abhängigkeiten wie beispielsweise von der IT-Abteilung mindern können. Wie AlAfnan et al. (2023) zeigen, können genKI-Modellen konkrete Nachfragen über einen Programmcode gestellt und von diesen beantwortet werden, sodass ein direkter Lerneffekt entsteht. Die Wissensbasis großer genKI-Modelle enthält außerdem vorteilhaftes Wissen, von dem im Zuge der von genKI ausgegebenen Antworten profitiert werden kann (Bilgram und Laarmann 2023; Bahi et al. 2024). Vielversprechend ist auch die Nutzung von genKI für kreative Zwecke, da durch gezielte Fragen Vorschläge generiert werden können, welche die Findung von Problemlösungen und das Treffen von Entscheidungen unterstützen (von Brackel-Schmidt et al. 2023). Mit genKI kann zudem der Zugang zur Programmierung zusätzlich zu NLCPs durch die intuitive Kommunikation in natürlicher Sprache weiter vereinfacht werden (Martins et al. 2023; Bruhin et al. 2024). Es ist jedoch wichtig, eine Einordnung vorzunehmen: LCE kann deutlich von genKI profitieren, während NCE eher in geringerem Maße beeinflusst wird, wie die analysierten Artikel zu genKI aufzeigen. Auch ist anzumerken, dass auf Basis unserer Ergebnisse besonders Wirkfaktoren und Handlungsempfehlungen von genKI unterstützt werden können, die direkt oder indirekt die Kompetenzen von CD als Individuen betreffen.
Trotz der umfassenden Analyse in diesem Artikel gibt es einige Limitationen, die berücksichtigt werden sollten. Erstens basiert die Untersuchung auf einer systematischen Literaturrecherche, die von den Autoren so rigoros wie möglich durchgeführt wurde, jedoch möglicherweise relevante Studien nicht enthält. Dies gilt insbesondere für Artikel, die außerhalb der genutzten Datenbank AISeL veröffentlicht wurden und bei Google Scholar nicht indexiert oder nach den ersten 200 Treffern gelistet waren. Zweitens sind die Handlungsempfehlungen aus einer Vogelperspektive formuliert. Jede Empfehlung bietet Potenzial für vertiefende Untersuchungen, aus denen eigenständige Arbeiten und Fallstudien entstehen könnten. Beispielsweise könnten Trainingskonzepte entwickelt werden, welche die wichtigsten Kompetenzen für CD identifizieren und aufbereiten. Ebenso könnten Governance-Frameworks und IT-Kollaborationsmodelle umfassender erforscht und spezifiziert werden, um praktische Umsetzungsvorhaben zu erleichtern. Drittens konzentriert sich unser Artikel auf CD, ohne gezielt zwischen NCE und LCE zu unterscheiden. Die gesammelten Erkenntnisse deuten darauf hin, dass eine gezielte Auftrennung und Untersuchung dieser beiden Ansätze weitere wertvolle Einblicke ermöglichen könnte. Es wäre vielversprechend zu ermitteln, wo die Grenzen der Ansätze für CD liegen und welche Anwendungsfälle nur durch LCE unterstützt werden. Viertens wurde die Untersuchung von genKI-Potenzialen für CD auf eine unstrukturierte Literaturrecherche beschränkt, die primär eine Vorschau auf diesen sich schnell entwickelnden Bereich bietet. Es bedarf hierbei tiefergehender Untersuchungen, um die spezifischen Einsatzmöglichkeiten und Auswirkungen von genKI auf die Arbeit von CD fundiert zu erfassen und zu bewerten. Dies würde es ermöglichen, unsere identifizierten Unterstützungsmöglichkeiten für CD zu konkretisieren und zu erweitern. Dabei besteht großes Potenzial für die Durchführung von Fallstudien, um die Eignung von NLCE im Rahmen ausgewählter typischer und atypischer Anwendungsfälle mit und ohne genKI-Unterstützung zu untersuchen.
Zusammenfassend zeigt sich, dass NLCE mit NLCPs und der Etablierung von CD zur Entwicklung von MI beitragen können. Die erfolgreiche Integration dieser Ansätze erfordert jedoch eine sorgfältige Planung und Umsetzung im Rahmen einer geeigneten Organisationsumgebung, zu der die in diesem Artikel abgeleiteten Handlungsempfehlungen beitragen sollen. Durch die Beachtung dieser Empfehlungen sollen Organisationen das Potenzial von CD in Bottom-up-Entwicklungsprozessen nutzen und ihre Innovationsfähigkeit steigern können, während sie gleichzeitig die identifizierten Wirkfaktoren positiv beeinflussen. Durch NLCPs und CD als zentrale Akteure haben sich damit neue Möglichkeiten eröffnet, MI zu fördern und nachhaltig in Organisationen zu verankern.
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In diesem Artikel werden die Begrifflichkeiten „No-Code“ und „Low-Code“ mit Ausnahme des zweiten Kapitels gemeinsam verwendet und Di Ruscio et al. (2022) folgend als austauschbar angesehen. Die Ergebnisse beziehen sich auf beide Ansätze. Wenn erforderlich, wird an entsprechenden Stellen unterschieden.
Schatten-IT bezeichnet Systeme und Software, die ohne das Wissen und die Kontrolle der zentralen IT-Abteilung in der organisationalen IT-Infrastruktur entwickelt und betrieben werden (Kopper et al. 2018).
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