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Nachhaltigkeit und Compliance sind ziemlich beste Freunde

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Unternehmen stehen auf dem Prüfstand: Verbraucher, Investoren, Mitarbeiter, Finanzinstitute und andere Stakeholder fordern mehr Transparenz bei ökologischer und sozialer Verantwortung. Warum gerade Compliance-Teams das Thema in Unternehmen vorantreiben können.
 

Der Gesetzgeber etabliert immer mehr ESG-Standards. Aber auch die Anforderungen von Verbrauchern in dieser Hinsicht steigen.


Viele Gesetzgeber setzen oder diskutieren strengere ESG- und Nachhaltigkeitsberichterstattungsstandards (Environmental Social Governance). Beispiele dafür sind das Lieferkettengesetz in Deutschland, die EU-Verordnung über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor sowie die EU-Taxonomie oder die neue Task Force der US-Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde, die sich auf Transparenz bei Klima- und ESG-Informationen konzentriert.

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Die Tendenz ist eindeutig: Nachhaltigkeitsmaßnahmen, die früher freiwillig waren, werden zu einer gesetzlichen Verpflichtung für Unternehmen und Konzerne. Zukunftsorientierte Unternehmen sehen in diesem regulatorischen Trend eine Chance, um ihre Unternehmenskultur zu stärken und sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

Compliance-Teams prädestiniert, ESG-Standards zu integrieren

Vor einem Jahrzehnt noch war Compliance nur eine Art Abhakliste für Mitarbeiter und Führungskräfte, geschaffen, um sicherzustellen, dass Unternehmen die gesetzlichen Mindestanforderungen erfüllen. In den USA wurden die Compliance-Praktiken im Zuge des Eron-Skandals im Jahr 2001 mit in Krafttreten des Sarbanes-Oxley Acts im Jahre 2002 eingeführt. Die Standards basierten auf den Federal Sentencing Guidelines – das heißt, sie sollten das Unternehmen und die Führungskräfte vor strafrechtlicher Haftung schützen. Obwohl man hoffte, dass diese Programme Vorfälle verhindern würden, gab es Lücken im Ansatz, die zu einer nachträglichen Problemlösung führten. 

Auch in Deutschland beschleunigte der Sarbanes-Oxley Act die Einführung von Compliance-Richtlinien. Zwar war beispielsweise das Finanzwesen in Deutschland schon davor Vorreiter bei der Einrichtung von Compliance-Abteilungen, denn in den 1990er Jahren wurde die Auslandskorruption unter Strafe gestellt und die steuerliche Absetzbarkeit von "nützlichen Aufwendungen" abgeschafft, doch richtig Fahrt nahm das Thema erst im Jahr 2008 auf. 

Skandale setzen Unternehmen bei ESG-Compliance unter Druck

Damals wurde Siemens aufgrund des seit 2006 bekannten Schmiergeldskandals verurteilt allein an das US-Justizministerium (DOJ) und die US-Börsenaufsicht (SEC) Bußgelder in Höhe von insgesamt 800 Millionen US-Dollar zu zahlen. Dies war der Auftakt zu einer Serie von Verfahren gegen deutsche Unternehmen aller Branchen, die sich bis heute fortsetzt und teilweise Milliardenstrafen nach sich zieht.

Der externe und interne Druck auf ESG-Compliance veranlasst viele Unternehmen, ihren Ansatz in diesem Bereich zu ändern. Die Führungskräfte verlagern den Schwerpunkt von "Was müssen wir tun, um die Vorschriften einzuhalten?" zu "Was ist das Richtige für unsere Stakeholder?".

Ein gutes Beispiel für diesen Wandel, ist der Code of Business Principles and Code Policies von Unilever. Der Kodex beginnt mit einer Erklärung von CEO Alan Jope: "Ein starkes Wertesystem, das die Menschen, die Gesellschaft und den Planeten respektiert, war schon immer das Herzstück von Unilever und wird auch in Zukunft entscheidend sein, um unser zweckorientiertes, zukunftsfähiges Unternehmen aufzubauen."

ESG-Standards beeinflussen Unternehmenshandeln

Die Aufnahme von ESG-Standards in die Verhaltenskodizes von Unternehmen trägt dazu bei, eine Unternehmenskultur zu schaffen, die soziale, ethische und ökologische Überlegungen proaktiv in die Entscheidungsfindung und das Handeln einbezieht. Diese Weiterentwicklung der Compliance kommt zum richtigen Zeitpunkt, um den wachsenden regulatorischen Anforderungen und der Erwartung gerecht zu werden, dass Unternehmen ihren positiven Einfluss auf die Welt erhöhen.

Ethik- und Compliance-Teams können die Einführung strenger ESG-Praktiken beschleunigen, indem sie ökologische und soziale Überlegungen in ihre Programme, Richtlinien und Kommunikation einbeziehen. Die Ausweitung der Diskussion auf diese Elemente trägt dazu bei, einen stärkeren moralischen Kompass im gesamten Unternehmen zu etablieren. Darüber hinaus können die Compliance-Teams ihr Fachwissen bei der Risikobewertung und -berichterstattung nutzen, um herauszufinden, welche Maßnahmen voraussichtlich die größte Wirkung haben werden.

Genaue Daten und klarer Fahrplan für den Erfolg

Die Umsetzung von ESG-Standards erfordert eine klare Bewertung der aktuellen Risiken und Chancen sowie eine gemeinsame Vision des Erfolgs. Anschließend muss ein Fahrplan erstellt werden, der die Organisation vom aktuellen zum zukünftigen Zustand führt.

Regulatorische Anforderungen sind dabei oft länderspezifisch, aber nicht nur. Ein Unternehmen kann auch vertragliche Anforderungen haben. Diese sollten genutzt werden, um einen oder mehrere der bestehenden ESG-Rahmenwerke für die Berichterstattung auszuwählen. Ein Rahmen ermöglicht es Unternehmen, Aktionsziele festzulegen, wichtige Leistungsindikatoren zu entwickeln und die Wirkung zu vergleichen.

Dabei sind Datenerfassung und -verwaltung für jedes ESG-Programm von entscheidender Bedeutung. Um beispielsweise transparent über die Effekte auf die Umweltfreundlichkeit berichten zu können, muss ein Unternehmen über genaue Daten zu Themen wie Kohlenstoffemissionen, Strom- und Wasserverbrauch verfügen. Diese Daten sind mit hoher Wahrscheinlichkeit im gesamten Unternehmen verteilt. Deshalb sollte ein Prozess eingerichtet werden, um die ESG-Daten laufend zu erfassen und in einer gemeinsamen Datenbank zu verfolgen. Ein speziell entwickeltes Tool wird diesen Prozess sehr viel effizienter machen. 

Nachhaltigkeit und Compliance gehen Hand in Hand

Unternehmen haben die Möglichkeit, sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, indem sie einen strategischen Ansatz für ESG verfolgen. Kunden, Investoren und Mitarbeiter wollen mit Unternehmen zusammenarbeiten, die strenge Umwelt-, Sozial- und Governance-Praktiken anwenden, und die Transparenz in diesem Bereich wird immer mehr zu einer gesetzlichen Anforderung.

Gleichzeitig ist die Umsetzung von ESG-Standards kein einfacher Prozess. Mitarbeiter aus allen Abteilungen des Unternehmens müssen mobilisiert werden, um grundlegende Änderungen im Betrieb vorzunehmen. Die Integration von ESG-Standards in bestehende Ethik- und Compliance-Prozesse kann dazu beitragen, den Wandel zu beschleunigen. Ausgereifte Ethik- und Compliance-Teams verfügen bereits über breite funktionsübergreifende Netzwerke, Schulungssysteme und Prüfverfahren, die alle für die Einbeziehung der ESG-Standards angepasst werden können.

Ethik- und Compliance-Fachleute müssen sich umrüsten, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden und die Integration von ESG-Maßnahmen in die Unternehmensstrategie und -abläufe zu unterstützen. Gemeinsam können Compliance und Nachhaltigkeit eine stärkere, wertebasierte Unternehmenskultur aufbauen, die den langfristigen Wert für alle Stakeholder erhöht.

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