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22-07-2020 | Corporate Governance | Im Fokus | Article

Betrugsprävention fordert Banken in der Krise

Author:
Lukayn Hunsicker
4:30 min reading time

Mit den staatlichen Hilfskrediten haben Banken weltweit nicht nur die Aufgabe bekommen, Unternehmen in der Krise zügig mit Liquidität zu versorgen. Sie müssen zugleich Betrügereien und damit finanzielle Schäden verhindern, meint Präventionsexperte Lukayn Hunsicker.

Die Covid-19-Pandemie scheint anders zu sein als alles, was wir bislang erlebt haben. Sie ist eine globale Gesundheits- und Finanzkrise in einem. Anders als bei der letzten Finanzkrise ist der Bankensektor aber nicht schuld an der drohenden weltweiten Rezession. Doch wird er eine entscheidende Rolle dabei spielen, deren schlimmste Auswirkungen abzumildern. Die Institute stehen dabei unter intensiver Beobachtung. Denn sie vergeben die dringend benötigten Kredite der in Deutschland und anderen Staaten geschnürten Hilfspakete zur Stützung der Volkswirtschaft.

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Die Banken tragen dabei aber auch eine Verantwortung gegenüber ihren Aktionären und den Steuerzahlern. Denn diese zahlen letztlich die Rechnung für etwaige Fehler. Daher müssen die Geldhäuser sicherstellen, dass die vom Staat zur Verfügung gestellten Kredite auch an die richtigen Empfänger gelangen. Vor diesem Hintergrund müssen Banken hinsichtlich möglicher Betrügereien und Betrugsarten wachsam sein, um die Risiken zu minimieren.

Betrug per Briefkastenfirma oder falschen Angaben

Es ist von entscheidender Bedeutung, dass das Geld seinen Weg von den Regierungen zu den Unternehmen findet, insbesondere zu den kleinen und mittleren Unternehmen, die in vielen Ländern die Mehrheit des Privatsektors und des Umsatzes ausmachen und auch einen erheblichen Teil der Beschäftigten stellen. Es liegt an Banken sicherzustellen, dass diese Gelder nicht in die falschen Hände gelangen.

In den USA liegen bereits Warnungen vor massenhaften Betrugsversuchen vor und das US-Justizministerium hat eine Voruntersuchung in einem Fall eingeleitet, bei dem zwei Geschäftsleute Kredite für Unternehmen in Höhe von über 500.000 Dollar beantragt haben sollen, die vor Beginn der Pandemie gar nicht existiert haben und auch keine Angestellten hatten. Hier handelt es sich um einen klassischen Fall eines Betrugs mit Briefkastenfirmen, die mit dem alleinigen Zweck gegründet wurden, um ein Darlehen zu erhalten.

Ein typischer Betrug ist auch, wenn Geschäftsinhaber die Zahl ihrer Mitarbeiter und die Höhe ihrer Gehälter übertreiben, um auf diese Weise mehr Geld zu erhalten. Betrüger können auch Vorstrafen verschweigen, Verbindlichkeiten nicht offenlegen oder Steuererklärungen fälschen, um Kredite zu erschleichen.

Betrug durch Phishing

Banken sollten auch auf die Betrugsarten achten, die nicht von Geschäftsleuten, sondern von professionellen Betrügern begangen wird. Solche professionellen Betrüger könnten mit sogenannten Phishing-Emails versuchen, die Anmeldeinformationen zu den Bankkonten von Unternehmen zu erlangen und dort eingegangene Hilfsgelder abzuschöpfen.

Eine weitere Variante besteht darin, dass sich Betrüger als legitime Unternehmer ausgeben, aber in ihren Kreditanträgen gefälschte Dokumente nutzen. Vorsicht ist auch geboten bei dubiosen Kreditvermittlern, die von kleinen und mittleren Unternehmen genutzt werden, um in ihrem Namen Kredite zu beantragen. Diese könnten mit den Unternehmen gemeinsame Sache machen, überhöhte Gebühren verlangen oder versuchen, einen Teil der Gelder für sich selbst abzuschöpfen.

Kooperativer Ansatz beim Kampf gegen Finanzbetrug

Oft sind die herkömmlichen Betrugspräventionsstrategien nicht dafür ausgelegt, um den möglichen Anstieg von betrügerischen Anträgen für Hilfsgelder und Kredite zu bewältigen. Wenn die Banken jedoch einen kooperativen Ansatz verfolgen, können sie einiges erreichen. Der beste Ansatzpunkt ist vielleicht, dass sie sich an alle relevanten Kontakte auf Regierungsebene wenden, um zusätzliche Informationen zu erhalten. In Europa dürfte dies leichter sein als etwa in den USA, wo die Bundesstaaten und die Zentralregierung in gewisser Weise Silos bilden, was zu Verzögerungen führen kann.

Normalerweise werden Aufstellung der Mitarbeiterzahlen nicht an die Banken weitergegeben, aber solche Informationen können einen großen Beitrag dazu leisten, potenzielle Kreditbewerber genauer einzuschätzen. Möglicherweise ist es jetzt an der Zeit, einige der Grundannahmen, auf denen Betrugspräventionsstrategien basieren, neu zu justieren.

Banken könnten sich auch der Expertise von Fintechs oder Betrugspräventionsexperten bedienen, die sich darauf spezialisiert haben, Informationen dazu zu liefern, was als normal gilt. Dies kann dabei helfen, verdächtige Aktivitäten besser zu erkennen. Nützlich ist auch, die Fähigkeiten in der Link-Analyse, also der Analysetechnik, die sich auf Beziehungen und Verbindungen in einem Datensatz konzentriert, aufzubauen. Diese ist nützlich, um Verbindungen zwischen verdächtigen Aktivitäten herzustellen und so Betrugsfälle vorherzusagen und aufzudecken.

Bereichsübergreifende Risikokontrolle ist essentiell

Zusammenarbeit ist auch innerhalb der Unternehmen wichtig. Die Unternehmensbereiche für Risikokontrolle und Compliance sollten eng mit der IT-Sicherheit zusammenarbeiten, so dass alle frühen Warnsignale für böswilliges Verhalten erkannt und untereinander ausgetauscht werden können. Der Schlüssel liegt hier in der Automatisierung, ohne dabei jedoch Genauigkeit und Überprüfbarkeit zu gefährden. Dies bedeutet, dass bei allen Arbeitsschritten die riesige Menge von eingehenden Anträgen bewältigt werden kann. Die risikobasierten Tools zur Entscheidungsfindung sollten so transparent sein, dass nachvollziehbar ist, weshalb einzelne Anträge abgelehnt werden.

Fazit: Die Entwicklung zeigt, dass es guten Grund zur Besorgnis gibt. Durch die Nutzung von Branchenexpertise und der Datenbestände bei Dritten kann jedoch viel getan werden, um das Betrugsrisiko auf ein akzeptables Maß zu senken.

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