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15-11-2019 | Corporate Social Responsibility | Im Fokus | Article

Worauf es beim CSR-Bericht ankommt

Author:
Annette Speck
4 min reading time

Von den Arbeitsbedingungen bis zum Klimaschutz: CSR-Berichte sind oft unübersichtlich und überfrachtet. Sehr gut schneidet hingegen die "nichtfinanzielle Erklärung" von Henkel in einem entsprechenden Ranking der Dax-Firmen ab.

Wie Bundeskanzlerin Angela Merkel sehen auch immer mehr Unternehmen den Klimaschutz als Menschheitsherausforderung. Daher engagieren sich einige im Verband Klimaschutz-Unternehmen e.V., andere solidarisieren sich mit der Fridays-for-Future-Bewegung und unterstützten sogar den Klimastreik, worauf sie womöglich auch in ihren Corporate-Social-Responsibility-Berichten (CSR) hinweisen.

Denn die Wirtschaft steht unter erheblichem Rechtfertigungsdruck für ihr Tun in punkto Umweltschutz – und darüber hinaus. So hat etwa die Europäische Kommission im Juni 2019 neue Leitlinien für klimabezogene Informationen in der nichtfinanziellen Berichterstattung veröffentlicht. Sie ergänzen die CSR-Richtlinie von 2017, die Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten verpflichtet, jährlich über ihr Geschäftsmodell, Arbeitnehmer-, Sozial-, Menschenrechts- und Umweltbelange sowie Bestechungsfälle und Korruptionsbekämpfung zu informieren. Somit erhält im Bereich Umwelt nunmehr der Klimaschutz besonderes Gewicht. Wenngleich die neuen Leitlinien unverbindlich sind, drängen sie Unternehmen doch, die Klimaauswirkungen ihres Handelns in ihren nichtfinanziellen Berichten darzustellen.

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Viel Spielraum bei der nichtfinanziellen Erklärung

Form und Platzierung der nichtfinanziellen Erklärung (NFE) ist den Firmen dabei selbst überlassen, vorgeschrieben ist lediglich, dass sie die wesentlichen Aspekte enthält. Doch die muss man erstmal finden. Die Reportingexperten Kaevan Gazdar und Manfred Piwinger bemängeln etwa die willkürliche Zusammensetzung nichtfinanzieller Erklärungen. Sie sei vielfach eine kohärente Mischung aus geschäftlichen Inhalten einerseits und eher ethischen Aspekten andererseits. Da die geschäftlichen Inhalte in der Regel fassbarer seien, würden sie auch präziser dargestellt.

Zu dieser Erkenntnis gelangten die beiden anhand ihrer Untersuchung der Nonfinancial-Reportings des Jahres 2018 der Dax-30-Unternehmen. Am besten schneidet hier der Henkel-Konzern ab, dem vorbildliche Transparenz in allen Bereichen attestiert wird. Zudem setze der Bericht Maßstäbe bei der Präsentation. Gravierende Schwächen entdeckten die Reportingexperten hingegen in der Berichterstattung der Dax-Neulinge Covestro und Wirecard.

CSR-Berichterstattung: Die zehn besten Dax-Unternehmen

Rang

Unternehmen

Punktzahl*

Note

1

Henkel

80

sehr gut

2

BASF

79

gut

3

Bayer

78

gut

4

Deutsche Post

74

gut

5

SAP

73

gut

5

Deutsche Bank

73

gut

7

Adidas

71

gut

7

Lufthansa

71

gut

9

Fresenius

70

gut

10

Daimler

69

ausreichend

* maximal erreichbar: 100 Punkte

Quelle: Reportingexperten.de

Gazdar und Piwinger bewerteten in den Berichten zum einen die sechs Aspekte der CSR-Richtlinie, zum anderen die inhaltliche und kommunikative Qualität der Erklärung. Je nach erreichter Punktzahl wurden die Noten "sehr gut" (ab 80 Punkte) bis "mangelhaft" (unter 50 Punkte) vergeben. Die Untersuchung offenbart dabei eine große Bandbreite an NFE-Lösungsansätzen. Sie reicht von Minimalisten wie Fresenius über Systematiker wie Lufthansa bis zu Maximalisten wie Bayer. Letzterer Konzern muss sich jedoch trotz guter Gesamtbewertung den Vorwurf des "Info-Overkills" gefallen lassen.

Vergleichbare Leistungsindikatoren für Nachhaltigkeit

In ihrem Fazit stellen Gazdar und Piwinger fest, dass erheblicher Nachbesserungsbedarf bei der Richtlinie zur NFE-Erstellung besteht, insbesondere hinsichtlich der Identifizierung wichtiger Leistungsindikatoren und der Präzisierung der Einzelteile.

Dem stimmt Matthias S. Fifka zu. "Nachhaltigkeitsleistung soll durch die Messung und Offenlegung von Kennzahlen bestimm- und vergleichbar gemacht werden. Eine rein qualitative bzw. verbale Schilderung der Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung wird immer seltener als ausreichend empfunden", schreibt er in dem Beitrag "CSR-Kommunikation und Nachhaltigkeitsreporting – Alles neu macht die Berichtspflicht?" (Seite 141). Er warnt jedoch davor, den Wert verbaler Ausführungen zu unterschätzen, da sie häufig besser verständlich seien.

Im CSR-Reporting schlägt Qualität Quantität

Die Kunst liegt also in der richtigen Mischung. Es gilt, in möglichst leicht erfassbarer Form mit Worten und Zahlen für Transparenz zu sorgen. "Denn Stakeholder erwarten zunehmend, dass Unternehmen einen Einblick in ihr Handeln geben, um die jeweiligen Auswirkungen dieses Handelns bestimmen und gegebenenfalls auch Unternehmen dafür verantwortlich machen zu können", so der Springer-Autor (Seite 148). Gleichzeitig könne ein fehlerhaftes oder schlecht aufbereitetes Reporting die Reputation schädigen, während eine überzeugende Berichterstattung auch durch ein positives Medienecho imagefördernd wirken kann.

Fifka empfiehlt folgende Maßnahmen für ein erfolgreiches CSR- und Nachhaltigkeitsreporting (Seite 149 ff):

  • Abbau von Vorurteilen im Unternehmen gegenüber dem CSR-Bericht
  • CSR-Bericht nicht nur als Kostenfaktor, sondern als Chance begreifen
  • Reporting als kontinuierlichen Lernprozess verstehen
  • Fokussierung des Berichts auf die für das Unternehmen relevanten Aspekte (auf das Kerngeschäft bezogene Indikatoren bestimmen und messen)
  • Informationsauswahl auch am Stakeholder-Dialog orientieren
  • Anwendung von Reporting-Standards
  • Begrenzung von Charity-Berichten
  • Reporting und Nachhaltigkeitsstrategie in Einklang bringen (Benennen von Zielen und aktuellem Stand)
  • Testierung des Berichts durch unabhängige Dritte (wegen erheblicher Kosten primär für Großunternehmen leistbar)

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