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30-11-2021 | Corporate Social Responsibility | Interview | Article

"Die Wirtschaft fühlt sich auf die Klimakrise nicht vorbereitet"

Author: Andrea Amerland

3:30 min reading time
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Alexander Holst

ist Managing Director bei Accenture mit Sitz in Berlin.

Die Klimaziele zu erreichen, ist für Unternehmen schwer. Das zeigt eine globale Accenture-Studie unter CEOs. Die Firmenchefs fordern Maßnahmen von der Politik. Springer Professional sprach mit Alexander Holst über die Kernergebnisse der Umfrage.

Springer Professional: Laut Ihrer Nachhaltigkeitsstudie sehen CEOs weltweit große Probleme, die Klimaziele zu erreichen. Was sind nach Ansicht der Unternehmenslenker die größten Hürden?

Alexander Holst: Die Erschwinglichkeit sowie das Know-How über Technologie zählen demnach zu den Haupthindernissen für das Erreichen von Klimazielen. So geben 54 Prozent der befragten CEOs die Finanzierung der Technologien als entscheidende Barriere an. Für 63 Prozent stellen die Schwierigkeiten bei der Messung von ESG-Daten über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg ein Hindernis für die Nachhaltigkeit in ihrer Branche dar. Zudem berichten 53 Prozent der Befragten, Schwierigkeiten dabei zu haben, zu verstehen, welche Technologien ihre Leistungen verbessern können.

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Welche politischen Weichen müssen aus CEO-Sicht noch gestellt werden, um Unternehmen bei der Erreichung von Klimazielen zu unterstützen?

Die befragten CEOs fordern klare Maßnahmen von der Politik:

  1. Angleichung der national festgelegten Beiträge (NDCs) an einen Erwärmungspfad von 1,5°C
  2. Verstärkung der globalen Zusammenarbeit bei Mechanismen zur Bepreisung von Kohlenstoff im Einklang mit dem Pariser Abkommen
  3. Erfüllung und Überschreitung der Zusage von 100 Milliarden US-Dollar für die Klimafinanzierung des globalen Südens
  4. Festlegung gemeinsamer Standards für den Schutz der biologischen Vielfalt und von Wegen für naturbasierte Lösungen
  5. Stärkeres Engagement der Wirtschaft bei der Gestaltung der Klimapolitik für gemeinsame Klimamaßnahmen

Nur 18 Prozent der CEOs geben an, dass Regierungen und politische Entscheidungsträger ihnen die nötige Klarheit verschafft haben, um ihre Nachhaltigkeits- und Klimaziele zu erreichen. 

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Globalisierung?

Extreme klimabedingte Wetterereignisse richten in der Weltwirtschaft verheerende Schäden an. Die Häufigkeit und die globale Verteilung dieser Katastrophen nehmen weiter zu, und laut unserer Studie geben CEOs an, dass sie nicht darauf vorbereitet sind, die Stabilität ihrer Betriebe mit dem derzeitigen Investitionsniveau zu schützen.

Wie sieht es mit den nötigen Technologien aus? Wo braucht es noch Innovationssprünge für mehr Nachhaltigkeit?

Die CEOs sind sich einig, dass die Technologie neue Geschäftsmodelle ermöglicht und die Zukunft der Dekarbonisierung der Industrie freisetzen wird. Fortschritte der Technologien in den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI), Internet der Dinge (IoT) und Cloud-Management zwingen die Unternehmenslenker dazu, ihre Ambitionen in Bezug auf das Klima höher zu stecken. Und obwohl sie anerkennen, dass Technologie für sich genommen kein Allheilmittel ist, sind sie der Meinung, dass es sich dabei um ein leistungsfähiges Instrument handelt, das verstärkte Klimaschutzmaßnahmen ermöglicht. Um das Potenzial auszuschöpfen, benötigen Manager ein effektives Datenmanagement über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg und müssen die Erschwinglichkeits- und Know-how-Hindernisse überwinden.

Wie gut sind Unternehmen auf Klimarisiken vorbereitet?

Aus unserer Studie geht eindeutig hervor, dass sich die Wirtschaft auf die Klimakrise nicht vorbereitet fühlt. CEOs berichten, dass ihre Unternehmen bereits die schädlichen Auswirkungen des Klimawandels zu spüren bekommen, vor allem durch die zunehmende Häufigkeit von Naturkatastrophen in aller Welt. So nennen 49 Prozent der befragten CEOs Unterbrechungen der Lieferkette aufgrund extremer Wetterverhältnisse als Hauptrisiko, aber nur sieben Prozent der Befragten beschreiben sich als fortgeschritten, wenn es um die Einrichtung von Frühwarnsystemen zur Vorbereitung auf klimabedingte Gefahren geht.

Welche Auswirkungen werden die Beschlüsse des Klimagipfels in Glasgow insbesondere für die deutsche Wirtschaft haben?

Die neue Bundesregierung steht vor einer großen Herausforderung – unabhängig von COP26. Denn das Ziel der Klimaneutralität in Deutschland 2045 gab es schon davor. Sie hat die Aufgabe, dieses zu erreichen und dabei die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken beziehungsweise neu zu entwickeln. Darunter fällt auch, die sozialen Umwälzungen im Kontext des jetzt sich wirklich beschleunigenden demografischen Wandels zu meistern. Auf der einen Seite stehen enorme Investitionen im Energie-, Verkehrs- oder Agrarsektor an, auf der anderen Seite sieht sich Deutschland mit der immer knapper werdenden Ressource Arbeitskraft konfrontiert. Es stellt sich die Frage, mit welcher Arbeitskraft all die Investitionen konkret umgesetzt werden sollen. Ohne zwei Hebel intensiv zu nutzen, könnte die Arbeitskraftknappheit für Schwierigkeiten sorgen: Vereinfachung von Verfahren, Prozessen, Abläufen und Genehmigungen sowie deren konsequente Digitalisierung.

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