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Unternehmen sind schlecht auf ESG-Reporting vorbereitet

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Die Anforderungen an das ESG-Reporting steigen stetig. Viele deutsche Betriebe verfügen deshalb über interne Experten in diesem Bereich, belegt eine Umfrage. Dennoch bewertet das Gros der Manager die dafür nötigen Daten als nicht zuverlässig. Häufig fehlt es an geeigneten IT-Tools.

Investoren und andere Stakeholder wollen verlässlichen Nachhaltigkeits-Informationen von Unternehmen. Doch diese fühlen sich dem Reporting oft noch nicht ganz gewachsen.


Für viele Betriebe in Deutschland ist die Nachhaltigkeitsberichterstattung ein noch recht unbekanntes Terrain. Erst 53 Prozent haben in den vergangenen zwei Jahren angefangen, ESG-Daten (Environment, Social, Governance) formell aufzubereiten und für ein Reporting bereitzustellen. Das ergab eine Umfrage des IT-Anbieters Workvia vom April und Mai 2022 in insgesamt 1.300 Unternehmen unterschiedlicher Branchen aus 13 Ländern. Die befragten Teilnehmer befassen sich in ihrem Job ganz oder teilweise mit der Nachhaltigkeitsberichterstattung in ihrer Organisation und kommen aus den Bereichen Finance, ESG und Nachhaltigkeit, Personalwesen, Compliance, Betrieb und Operations sowie Recht. 

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"Stakeholder fordern detailliertere und einheitlichere Daten zu ESG", erläutert Mandi McReynolds, Head of Global ESG bei Workiva. "Mit der jüngsten SFDR-Richtlinie (Sustainable Finance Disclosure Regulation) in Europa, der von der SEC in den USA vorgeschlagenen Offenlegungsregel und den von der Börse Singapur empfohlenen 27 zentralen Kennzahlen wird das Berichtsumfeld immer komplexer. Wir sehen insbesondere, dass sich Unternehmen damit auseinandersetzen, wie sie die erforderlichen Angaben rund um das E (Environment) genau erfüllen können."

Budgets für ökologische Faktoren am größten

Als die zwei größten Herausforderungen in Bezug auf Umweltaspekte benennen die Studienteilnehmer die Berechnung von Treibhausgasprotokollen zur Messung von Scope-1-/2-/3-Emissionen und das Erreichen von anlegergerechten CO2-Angaben. Daher gilt dem Bereich Environment besondere Aufmerksamkeit. So sind in den kommenden zwölf bis 18 Monaten durchschnittlich 48 Prozent des internen ESG-Budgets für ökologische Faktoren, 24 Prozent für soziale Aspekte und 28 Prozent für Governance vorgesehen. 

Die zunehmende Nachfrage nach verlässlichen, nichtfinanziellen Unternehmensinformationen spiegelt sich in der Finanz- und Unternehmensanalyse wieder. Infolge der steigenden Bedeutung von institutionellen Investoren, welche die ESG-Performance von Firmen in ihr Entscheidungsverhalten einbeziehen, ergeben sich vielfältige Möglichkeiten eines Business Case for Sustainability. Hierbei besteht die Möglichkeit, dass Betriebe bei einer hohen Nachhaltigkeitsperformance auch ihren Wert steigern können", berichtet Patrick Velte im "Handbuch Controlling" auf Seite 1214.

Manager vertrauen eigenen Daten nicht

Allerdings befürchten 67 Prozent der befragten Manager trotz aller Bemühungen, dass ihr Unternehmen nur unzureichend darauf vorbereitet ist, die ESG-Ziele zu erreichen und die gesetzlichen Anforderungen an die Berichterstattung zu erfüllen. Zudem vertrauen fast drei Viertel (73 Prozent) der Befragten nicht ihren Daten, die sie an die Stakeholder berichten. Dabei verfügt ein Großteil (70 Prozent) der deutschen Firmen bereits über einen Verantwortlichen für das Nachhaltigkeits-Reporting. Im Vergleich: In Großbritannien haben nur 59 Prozent einen solchen Experten im Team, in Österreich 58 Prozent und in den Niederlanden lediglich 56 Prozent. 

"Trotz der jüngsten Schritte zur Standardisierung der Anforderungen an die ESG-Berichterstattung haben deutsche Unternehmen immer noch Probleme mit der praktischen Umsetzung", erläutert Christian Frauen, Vice President und Country Manager DACH bei Workiva, gegenüber Springer Professional. "Wir haben gerade gesehen, dass die lang erwartete Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) um ein Jahr verschoben wurde, um den Unternehmen die Zeit zu geben, entsprechende Teams zusammenzustellen und neue IT-Lösungen zu implementieren, um eine effektive ESG-Berichterstattung zu ermöglichen."

Die Umfrage belege aber auch, dass deutsche Unternehmen, die bereits entsprechende Daten melden, damit positive Effekte in verschiedenen Bereichen erzielen. Verbesserungen stellten die Befragten unter anderem bei der Kundenbindung und -gewinnung (79 Prozent), bei Kosteneinsparungen (73 Prozent), der Mitarbeitermoral (73 Prozent) und im Recruiting (75 Prozent) sowie bei ihren Investoren- und Stakeholder-Beziehungen (72 Prozent) fest.

ESG-Reporting wird teamübergreifend vorbereitet

Das Erfordernis, geeignete IT-Lösungen für die Umsetzung der Nachhaltigkeits-Berichterstattung und -Strategie zu implementieren, beruht laut Studie unter anderem auf der umfassenden teamübergreifenden Zusammenarbeit. In Deutschland sind an dieser Aufgabe neben dem Nachhaltigkeitsbereich (37 Prozent) und der Finanzabteilung (37 Prozent) auch HR (32 Prozent) sowie Operations & Facilities (29 Prozent) beteiligt. Eine wichtige Rolle spielen zudem Government/Legislative Affairs (24 Prozent), Einkauf/Beschaffung (22 Prozent), Marketing/Kommunikation (22 Prozent), Investor Relations (21 Prozent) sowie Recht/Compliance (14 Prozent). 

Für fast drei Viertel (74 Prozent) der befragten Manager ist es deshalb wichtig, dass eine passende Technologie für das Zusammenstellen und die Zusammenarbeit bei ESG-Daten sowie für deren Validierung auf Genauigkeit und die Zuordnung von Angaben zu Vorschriften und Rahmenstandards vorhanden ist. 57 Prozent geben allerdings an, dass einzelne Abteilungen in ihrem Unternehmen nicht über die notwendigen Instrumente verfügen, um Daten für das Nachhaltigkeits-Reporting zu liefern. In 19 Prozent der deutschen Firmen gibt es sogar keinerlei geeignete Technologie für diese Aufgaben. 

Altsysteme behindern moderne IT-Lösungen

Dabei lässt sich die ESG-Berichterstattung laut Experte Frauen durch moderne IT-Lösungen wesentlich vereinfachen. "Dies ist wichtig für die Validierung von Daten auf ihre Korrektheit und den Abgleich mit Vorschriften und Rahmenstandards." Doch veraltete IT stellt bei diesem Umbau in Deutschland ein echtes Hindernis dar: "Mehr als ein Drittel (37 Prozent) der Befragten in Deutschland geben an, dass ihre IT-Altsysteme nicht mit den benötigten modernen IT-Lösungen kompatibel sind - verglichen mit nur zwölf Prozent der Befragten in Frankreich und fünf Prozent der Befragten in Großbritannien." 

Die Finanzberichterstattung befindet sich mitten in einer digitalen Revolution. Alle Branchen restrukturieren und modernisieren ihre Berichtssysteme. Dasselbe muss mit ESG geschehen, wenn Unternehmen früh genug auf entscheidungsrelevante Daten zugreifen wollen, um diese mit in ihre Strategien einfließen lassen zu können. Beispielsweise muss die Datenerfassung so weit wie möglich automatisiert werden, mit wenig Möglichkeiten für menschliche Fehler. Das wird jedoch nicht über Nacht passieren. Unternehmen werden aber in der Lage sein, ihre Fortschritte in diesem Bereich zu beschleunigen, indem sie sich modernste IT-Lösungen zunutze machen, die auch die Finanzberichterstattung in den letzten Jahren rationalisiert haben", betont Frauen gegenüber Springer Professional.

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