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23-03-2021 | Cyber-Sicherheit | Nachricht | Article

Cyber-Policen stellen Versicherer vor große Hürden

Author:
Meris Neininger
3 min reading time

Nicht erst seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie sind Cyber-Kriminelle auf dem Vormarsch. Doch gerade beim Versicherungsschutz hinken die Versicherer hinterher. Experten fordern daher einen offenen Dialog in der Branche, mit Kunden und externen Partnern.

Cyber-Versicherungen sind schon jetzt ein substanzieller Sektor auf dem Versicherungsmarkt, darin waren sich die Experten bei der Online-Tagung "Fokus Cyber und Financial Lines 2021“ des Gesamtverbandes der versicherungsnehmenden Wirtschaft (GVNW) einig. Aktuell dominieren die USA diesen Sektor noch, doch Asien und Europa holen auf. Experten rechnen bis 2025 mit einem Marktvolumen von rund 20 Milliarden US-Dollar, in Deutschland lag das Volumen 2020 bei rund 160 Millionen Euro - mit steigender Tendenz, wie die Zahlen von Munich Re belegen.  

Das Bewusstsein vieler Unternehmen in Hinblick auf Cyber-Risiken, vor allem kleiner und mittelständischer Firmen (KMU), ist nicht hoch ausgeprägt. Das belegen Untersuchungen unter anderem von Hiscox. Aber auch der Versicherungskonzern Ergo hat diese Beobachtung gemacht, wie Vorstandsmitglied Christian Gründl berichtet. Der Verantwortliche für das Individualgeschäft präsentierte dazu Zahlen und diverse Beispiele. 

Cyber-Risiken werden im Mittelstand unterschätzt

So schätzen nur 28 Prozent der Unternehmen das Cyber-Risiko für Ihr Unternehmen als hoch ein. Und 72 Prozent der Mittelständler sind nicht gegen Cyber-Angriffe versichert. Dabei haben die Cyber-Attacken in der ersten Hälfte 2020 um satte 67 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zugelegt. 2019 machten die Cyber-Schäden 87 Millionen Euro aus. 39 Prozent der deutschen Firmen wurden in den vergangenen zwei Jahren Opfer von Cyber-Kriminellen. 

Aber auch die Anbieter entsprechender Policen müssen ihre Haltung gegenüber den Kunden verändern und sich neuen Gegebenheiten anpassen, forderte Gründl. Das heißt zum Beispiel, die Schadensprozesse zu verbessern. Unternehmen brauchen Deckungen, die sie wirklich schützen. Und das Wording müsse klarer werden, damit Kunden sofort erkennen, was versichert ist und was nicht. Das dies notwendig sei, habe auch der Streit um die Betriebsschließungsversicherung (BSV) gezeigt. Hier sei vor allem die Versicherbarkeit von Risiken problematisch. 

Und das zeige sich nicht nur in der aktuellen Pandemie, sondern auch bei Cyber-Risiken, so Gründl. Er sei davon überzeugt, dass "wir heute noch in der Lage sind, Cyber-Schutz zu gewähren, doch ist dies in den nächsten Jahren auch noch möglich, wenn die Schäden kontinuierlich zunehmen?" 

Mit den Schadenfällen steigt das Interesse an Versicherungsschutz

Dass Kunden wenig Risikobewusstsein in puncto Cyber-Kriminalität zeigen, kann Michael Winte, Fachbereichsleiter Cyber beim Funk Versicherungsmakler, dagegen nicht erkennen. Sein Unternehmen verzeichnet eine starke Nachfrage nach derartigem Schutz. Problematisch sei in diesem Kontext aber, dass zwar die Marktnachfrage steige, auch weil die Schadenfälle stetig nach oben gingen, aber zeitgleich die Kapazitäten der Versicherer gleichbleibend seien. Dies bedeute einen hohen Aufwand, Einzelpolicen zu platzieren.

Unschön sei auch der Umstand, dass die Prämien für den Cyber-Schutz immer weiter steigen. Ihre Kunden seien zwar bereit, einen 20- bis 30-prozentigen Anstieg der Prämien zu akzeptieren, nicht aber Steigerungen bis zu 100 Prozent, welche im Markt immer häufiger zu beobachten seien. Doch nicht nur bei den Prämien sei ein bedenklicher Trend zu beobachten, sondern auch bei den Selbstbehalten und den Deckungsumfängen. So würden immer höhere Selbstbehalte gefordert und/oder die Deckungsumfänge seien stark rückläufig. Und Kunden würden oft erst sehr spät über derartige einschneidende Vertragsänderungen informiert. Zudem monierte er die Dienstleistungsfähigkeit der Versicherer, "da zu wenige Ansprechpartner in den Versicherungshäusern vorhanden sind". 

Insgesamt wünschen sich die Cyber-Experten mehr Kooperationen mit externen Dienstleistern, zielgruppenorientiertere Lösungen und einen besseren Dialog zwischen Kunden und Versicherern, aber auch zwischen den einzelnen Sparten in den Versicherungshäusern.  

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