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About this book

Nichts Neues von der Eiszeit? Weit gefehlt! Seit Erscheinen der ersten Auflage dieses Buches sind nur knapp zehn Jahre vergangen, aber in dieser Zeit haben Forscher weltweit neue Untersuchungsmethoden entwickelt und die Ergebnisse ihrer Forschung in Fachzeitschriften publiziert. Dadurch haben sich die Vorstellungen vom Ablauf des Eiszeitalters drastisch gewandelt. Weitere Untersuchungen sind erforderlich. Die Abfolge der einzelnen Eisvorstöße, die Bewegungsrichtung der Gletscher und die Schüttungsrichtung der Schmelzwässer sind erst zum Teil bekannt, aber sie lassen sich rekonstruieren. Dieses Buch informiert Sie über den Stand der Untersuchungen.

Als Eiszeitalter werden die Abschnitte der Erdgeschichte bezeichnet, in denen mindestens eine Polarregion vergletschert oder von Meereis bedeckt ist. Wir leben also zurzeit in einem Eiszeitalter. Das jetzige Eiszeitalter ist auch der Zeitabschnitt, in dem der Mensch in die Gestaltung der Erde eingreift. Welche Veränderungen das mit sich bringt, kann jeder selbst verfolgen. Anhand von Luft- und Satellitenbildern kann das Abschmelzen der Gletscher, der Zerfall des arktischen Dauerfrostbodens und die Rodung des brasilianischen Regenwalds nachvollzogen werden. Die Auswertung präziser Vermessungsdaten erlaubt Einblicke in die Naturlandschaft, die bisher weder durch Luft- oder Satellitenbilder noch durch Geländebegehung gewonnen werden konnten. Alle relevanten Daten sind frei verfügbar; dieses Buch beschreibt, wie man sie erhält.

Table of Contents

Frontmatter

Kapitel 1. Einführung

Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung
Dass es überhaupt eine Eiszeit gegeben hat, ist eine relativ junge Erkenntnis. Sie begann damit, dass auf dem Treffen der Schweizer Naturkundlichen Gesellschaft am 24. Juli 1837 in Neuchâtel der junge Präsident der Gesellschaft, Louis Agassiz, überraschend nicht über die neuesten Ergebnisse seiner Untersuchungen an fossilen Fischen sprach, durch die er berühmt geworden war. Stattdessen erklärte er, dass die erratischen Blöcke im Jura (und in der Umgebung von Neuchâtel) Hinterlassenschaften einer großen Vergletscherung waren. Es sollte viele Jahre dauern, bis diese Erkenntnis international anerkannt wurde.
Juergen Ehlers

Kapitel 2. Der Ablauf des Eiszeitalters

Zusammenfassung
Selbst nach vielen Jahrzehnten der Forschung gibt es immer noch Neues zu entdecken. Mitte der 1970er-Jahre wurden in Fjøsanger bei Bergen organische Ablagerungen gefunden, bei denen es sich ganz offensichtlich um warmzeitliche Schichten handelte. Das war eine kleine Sensation, denn bis dahin hatte man angenommen, dass alle derartigen Ablagerungen von den Gletschern der letzten Eiszeit beseitigt worden wären. Die Quartärgeologen der Universität Bergen entschlossen sich, die Schichten genauer zu untersuchen. Es waren Meeresablagerungen der letzten Warmzeit (Eem-Warmzeit) vor mehr als 115.000 Jahren.
Juergen Ehlers

Kapitel 3. Eis und Wasser

Zusammenfassung
Eis und Wasser haben die Landschaften der ehemals vergletscherten Gebiete geprägt. Selbst im Vereisungsgebiet der Antarktis, wo wenig Wasser an der Geländeoberfläche zu sehen ist, trägt Wasser an der Sohle des Eises zum Ablauf der Formungsvorgänge bei.
Juergen Ehlers

Kapitel 4. Tills und Endmoränen – die Spuren der Gletscher

Zusammenfassung
Schluff, Sand, Kies und Steinen und Blöcken; sie wurden traditionell als „Moränen“ bezeichnet. Da im Deutschen aber sowohl Oberflächenformen (Endmoränen) als auch Sedimente häufig undifferenziert als „Moräne“ bezeichnet wurden, war die Bezeichnung missverständlich. Für das Moränenmaterial wird daher heute der Begriff Till verwendet. Die verfestigten Gletscherablagerungen früherer Erdzeitalter werden ohnehin seit Langem als Tillite bezeichnet. Das Wort Till kommt aus dem Schottischen; es bezeichnete ursprünglich nichts weiter als einen steinigen Lehmboden.
Juergen Ehlers

Kapitel 5. Von der Gletschermühle bis zum Urstromtal

Zusammenfassung
Die Spuren des Wassers sind bei der Enträtselung der eiszeitlichen Gletschertätigkeit genauso wichtig wie die Hinterlassenschaften des Eises selbst. In Norddeutschland sind die meisten eiszeitlichen Ablagerungen nicht von den Gletschern hinterlassen worden, sondern von ihren Schmelzwässern. Zu den ersten Indizien, dass auch die europäischen Mittelgebirge vergletschert gewesen sein könnten, gehören die Riesentöpfe. Sie entstehen dort, wo Schmelzwasser von der Geländeoberfläche in einer Gletschermühle bis zur Sohle des Gletschers durchdringt und in einem Wirbel von Wasser und Geröll tiefe Löcher im Gestein erzeugt werden.
Juergen Ehlers

Kapitel 6. Karten – wo sind wir denn hier eigentlich?

Zusammenfassung
Die Spuren der eiszeitlichen Vergletscherungen sind seit mehr als hundert Jahren von Geologen erfasst und in Karten dargestellt worden. Nur wenn Maßstab und Gradnetz angegeben sind, sind die Karten reproduzierbar. Die Ergebnisse der Fernerkundung schaffen heute neue Möglichkeiten, die Oberflächengestalt der Erde bis ins kleinste Detail zu untersuchen. Mit Hilfe von Geographischen Informationssystemen ist es einem internationalen Team von Geowissenschaftlern gelungen, die Ausdehnung der eiszeitlichen Gletscher weltweit zu kartieren.
Juergen Ehlers

Kapitel 7. Wie weit reichten die Gletscher?

Zusammenfassung
Wie weit reichten die Gletscher? Man sollte meinen, dass diese Frage nach rund 150 Jahren Eiszeitforschung endgültig geklärt sei, aber das ist nicht der Fall. War die Barents-See vergletschert? Ja, das war sie. Und die Kara-See? Und was ist mit den riesigen Gebieten Sibiriens? Die Vorstellungen darüber, wo Eis gelegen hat und wo nicht, differieren noch immer stark. Und wenn es dort Gletscher gegeben hat, dann ist die nächste Frage: Wann? Während des Maximums der letzten Eiszeit vielleicht?
Juergen Ehlers

Kapitel 8. Eis im Boden – die Formung der Periglazialgebiete

Zusammenfassung
„Periglazial“ – der Begriff umfasst alles, was sich im Wirkungsbereich des Frostklimas abspielt. In erster Linie sind damit die Auswirkungen des Bodenfrostes bzw. des Frostwechsels im Boden gemeint. Im weiteren Sinne werden aber auch andere vom Frostklima beeinflusste Prozesse (z. B. die Lössbildung) mit einbezogen. Während der Kaltzeiten ist der Bodenfrost zum Teil viele Zehner von Metern tief in den Untergrund eingedrungen. Dabei sind Netze von Eiskeilen und gewaltige Diapire entstanden, deren Verbreitung vor allem in den Braunkohlen-Tagebauen kartiert und ausgewertet werden konnten.
Juergen Ehlers

Kapitel 9. Nilpferde an der Themse – die Geschichte der Warmzeiten

Zusammenfassung
Will man die Klimageschichte des Eiszeitalters rekonstruieren, so spielt die Entwicklung der Vegetation und der Tierwelt eine entscheidende Rolle. Im Spengler-Museum in Sangerhausen steht eines der wenigen in Deutschland gefundenen Mammutskelette. Die Knochen wurden 1930 von dem Hobby-Archäologen Gustav Adolf Spengler in einer Kiesgrube in Edersleben entdeckt und in den Jahren bis 1933 von ihm und seinem Sohn ausgegraben und geborgen. Es handelt sich um ein Steppenmammut (Mammuthus trogontherii), das hier in der Elster-Kaltzeit gelebt hat.
Juergen Ehlers

Kapitel 10. Ablauf der Enteisung

Zusammenfassung
Die Enteisung ehemals vergletscherter Gebiete lässt sich aktuell in vielen Gegenden der Erde beobachten. Der Eisrand des Breiðamerkur-Jökull auf Island ist zum Beispiel zwischen 1980 und 2019 um 5,5 km zurückgewichen. Das sind etwa 140 m im Jahr. Dabei entsteht eine Reihe markanter Oberflächenformen, mit deren Hilfe sich der Ablauf des Eiszerfalls im Gelände rekonstruieren lässt.
Juergen Ehlers

Kapitel 11. Wind, Sand und Steine – die äolischen Prozesse

Zusammenfassung
Wenn von Dünen die Rede ist, denkt man entweder an den Strand oder an die großen Sandmeere der Sahara, der Namib oder der Atacama. Der Wind kann nur größere Sedimentmengen bewegen, wenn er den Untergrund direkt angreifen kann, und dies geht nur in vegetationsfreien Zonen – mit anderen Worten: in jeder Wüste. Dies gilt nicht nur für die Trockengürtel der Subtropen, sondern auch für die Kältewüsten der Subpolarregionen.
Juergen Ehlers

Kapitel 12. Was geschah mit den Flüssen?

Zusammenfassung
Ein Fluss kann sich in den Untergrund einschneiden oder Sedimente aufschütten. Die Frage, ob ein Fluss von der Erosion zur Akkumulation übergeht, hängt im Wesentlichen von zwei Faktoren ab: von der Abflussmenge (Klima) und vom Gefälle (Tektonik). In den Flussablagerungen sind die Veränderungen der Erdgeschichte dokumentiert, und unter günstigen Bedingungen lässt sich die komplizierte Entwicklung großer Flussläufe wie der Elbe oder des Rheins bis ins Detail rekontruieren.
Juergen Ehlers

Kapitel 13. Nord- und Ostsee in der Eiszeit

Zusammenfassung
Sowohl die Nordsee als auch die Ostsee verdanken ihre heutige Gestalt in starkem Maße der Überprägung während des Eiszeitalters. Der Ärmelkanal ist durch den Ausbruch eines vom Eis aufgestauten Schmelzwassersees entstanden. Am Boden der Nordsee finden sich tief reichende Stauchzonen und vom Schmelzwasser unter dem Eis eingeschnittene Rinnen. Die Ostsee ist erst im Laufe des Eiszeitalters entstanden. Lediglich die jüngeren Abschnitte ihrer Geschichte lassen sich gut rekonstruieren. Während des Abschmelzens der Gletscher setzte im Vereisungsgebiet die isostatische Landhebung ein, die bis heute andauert.
Juergen Ehlers

Kapitel 14. Klimarekonstruktionen und Modelle

Zusammenfassung
Während die Geowissenschaftler bei ihren Versuchen, den Ablauf des Eiszeitalters zu rekonstruieren, ausschließlich auf Geländeuntersuchungen angewiesen waren, werden ihre Arbeiten in steigendem Maße durch den Einsatz von Computermodellen ergänzt. Zwar können diese Modelle die klassische Geländearbeit nicht ersetzen, aber sie helfen mit, zu überprüfen, welche Vorstellungen vom Ablauf der Ereignisse möglich sind und welche nicht.
Juergen Ehlers

Kapitel 15. Der Mensch greift ein

Zusammenfassung
Als der moderne Mensch vor mehr als 200.000 Jahren auf der Bildfläche erschien, waren seine Eingriffe in die Natur zunächst kaum zu spüren. Die Situation hat sich gewandelt. Der Mensch ist heute in der Lage, seine Umwelt entscheidend zu verändern. Wie weit diese Eingriffe wirken, wo sie sich nachweisen lassen und wo nicht, davon handelt dieses Kapitel.
Juergen Ehlers

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