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2021 | Book

Das menschliche Büro - The human(e) office

Hilfe zur Selbsthilfe für eine gesunde Arbeitswelt - Helping people to a healthy working environment

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About this book

Die neuen Arbeitswelten können aus ganz unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden. Für die einen erscheint alles positiv, für die anderen negativ. Aber was bedeuten diese neuen Arbeitswelten für die Mitarbeiterin und Mitarbeiter? Wie kann man sich dort am besten zurechtfinden? Was können die Mitarbeiterin und Mitarbeiter persönlich dazu beitragen, in einer gesunden Bürowelt zu arbeiten und dabei zufrieden und glücklich zu bleiben?

Das Buch analysiert Arbeitswelten und gibt Hilfestellungen sowohl in der Planungsphase wie auch im Bestand. Darüber hinaus unterstützt es Menschen dabei, das Richtige in ihrem Berufsalltag zu tun und sich selbst zu helfen, in einer positiven Atmosphäre zu arbeiten.

Gemeinsam mit verschiedenen Autoren aus unterschiedlichen Professionen geht die Herausgeberin in diesem Buch der Frage nach, was ein Büro menschlich macht und was die unterschiedlichen Interessengruppen zu einer humanen Arbeitsumgebung beitragen können.

Table of Contents

Frontmatter

Menschlichkeit am Arbeitsplatz Humanity at the Workplace

Kapitel 1. Das menschliche Büro
Zusammenfassung
Der Begriff Menschlichkeit wird untersucht und definiert, außerdem was eigentlich Gesundheit und Wohlfühlen, Zufriedenheit und Wertschätzung heute bedeuten. Für das Buch wurde eine Umfrage zum Thema „das menschliche Büro“ in den sozialen Medien durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Studie werden vorgestellt, erläutert und diskutiert, welche Aussagen diese Resultate liefern und welche Bedeutung sie unter dem Kontext Menschlichkeit haben. Unterschiedliche Aspekte, wie der Mensch im Mittelpunkt, die lebendige, lernende Organisation, der physische Raum, Kommunikation und Konzentration, das Umfeld und die neue Führung werden betrachtet als wesentliche Voraussetzungen und Facetten für das menschliche Büro der Zukunft.
Christine Kohlert
Kapitel 2. Die Drehung zum Ursprung
Zurück zu einem Mehr an Menschlichkeit im Büro
Zusammenfassung
Die Büroarbeit steckt in einer fundamentalen Krise. Fest steht, wir können mit dem Büro nicht weitermachen wie bisher. Der Ausweg aus einer Krise ist die Transformation. Sie gelingt am besten denjenigen, die ein langes Gedächtnis haben. Woran erinnert werden soll, führt Jan Teunen in seinem Essay aus.
Jan Teunen
Kapitel 3. Der Eudaimonische Arbeitsplatz
Ein Plädoyer für Veränderung
Zusammenfassung
Das Kapitel über den Eudaimonischen Arbeitsplatz ist als Plädoyer für Veränderung zu verstehen im Hinblick auf globale Umwelt-, Wirtschafts- und Gesellschaftsprobleme, die dringend nachhaltige Lösungen erfordern, die unser aller Leben betreffen. Der Fokus auf das Wirtschaftswachstum als Indikator für Glück, Erfolg und Wohlstand hat uns veranlasst, ein Wertesystem zu entwickeln, das Geld und Profit zu viel Bedeutung beimisst. Der Lebensstil und die Verhaltensmuster, die in den letzten Jahrzehnten aus diesem Wertesystem hervorgegangen sind, haben globale Probleme wie den Klimawandel, Wasserverschmutzung und Armut verursacht. Es scheint, dass wir langsam die wahren Kosten unserer On-Demand-Gesellschaft verstehen, aber um substanzielle Veränderungen zu erreichen, müssen wir auch unser Denken ändern und wie wir Glück und Erfolg definieren.
Möglicherweise liefert das holistische Konzept Eudaimonia von Aristoteles einen Ausweg, das sich auf das menschliche Gedeihen und Wohlbefinden konzentriert. Das Konzept beschreibt einen Zustand zufriedener Erfüllung, ein lohnenswertes und sinnvolles Leben, das auf Werte ausgerichtet ist und nicht zurückschreckt vor Herausforderungen oder Unannehmlichkeiten. Eudaimonia strebt danach, unserem vollen menschlichen Potenzial gerecht zu werden, wozu auch eine umweltorientierte Weltanschauung gehört.
Forschungen zufolge kann diese umweltfreundliche Denkweise langzeitlich (nur) durch Spiritualität entwickelt werden, da spirituelles Bewusstsein einhergeht mit dem Gefühl, eins zu sein mit allen Dingen. Wenn wir uns unserer Verbundenheit mit der Natur bewusster werden, fühlen wir uns infolgedessen auch mehr verantwortlich für die Folgen unseres eigenen Verhaltens. Spiritualität beantwortet unser Verlangen nach Sinn, Moral, Selbsterkenntnis und persönlicher Entwicklung und bietet uns eine starke Grundlage für ein harmonisches Leben, das uns selbst, anderen, der Gesellschaft und der Natur zugutekommt. Es überrascht dabei nicht, dass der Forschung zufolge Spiritualität auch ein Prädiktor für das eudaimonische Wohlbefinden ist!
Spiritualität leitet nicht nur unser persönliches Glaubenssystem, sondern auch unser Berufsleben. Es bestimmt, wie wir das Konzept Arbeit verstehen, wie wir unseren Lebensunterhalt verdienen und wie wir neue Werte in dieser Welt erschaffen. Indem wir uns in der Vergangenheit allerdings vor allem auf Status, Geld und Gewinn konzentriert haben, haben wir eine Arbeitskultur geschaffen, die sehr anfällig ist für Stress, extremes Wettbewerbsverhalten, Erschöpfung, Unsicherheit, fehlende Wertschätzung und Burn-out. Wir verwechseln unsere inneren Werte mit äußeren Belohnungen und haben aus den Augen verloren, was unserem Leben Sinn gibt. Der Grund: der Verlust von Spiritualität.
Dabei ist Spiritualität am Arbeitsplatz gar keine neue Idee. Untersuchungen zeigen überzeugend, dass die Investition in Spiritualität auf der Arbeit Vorteile auf persönlicher, zwischenmenschlicher und organisatorischer Ebene mit sich bringt. Es lohnt sich also buchstäblich, Spiritualität im Betriebsmodel zu integrieren, denn auch Verbraucher und Kunden achten immer öfter und mehr darauf, inwieweit sich Unternehmen als würdig etabliert haben und sich engagieren, Gutes in der Welt tun. Ein holistischer Geschäftsansatz, in dem wirtschaftliche, soziale, ökologische und spirituelle Werte in Balance sind, wird letztendlich eines der mächtigsten und wichtigsten Puzzleteile bei der Lösung globaler ökologischer und gesellschaftlicher Probleme sein.
Die Definition eines Eudaimonischen Arbeitsplatzes ist deswegen eine Arbeitsumgebung, die zur Entfaltung der kollektiven Menschheit und aller Ökosysteme gleichermaßen beiträgt. Er konzentriert sich auf vier Aspekte: (1) einen Zweck haben, der sich auf das Gemeinwohl der Gesellschaft bezieht; (2) aktiv in die Entwicklung eines Lebensstils investieren, der harmonisch mit der natürlichen Umwelt koexistiert; (3) kontinuierlich persönliche Entwicklung stimulieren und (4) Spiritualität am Arbeitsplatz aktiv anregen. Es werden zehn Werte beschrieben, die Entscheidungsprozesse innerhalb einer Organisation in Bezug auf soziale Interaktion, strategisches Verhalten, Kommunikation, Teamarbeit und Arbeitskultur leiten können. Die zehn Werte sind Empathie, Einheit, Vielfalt, Authentizität, Integrität, Bedeutung, Organizität, Natur, Inspiration und Mut. Im Kapitel werden alle zehn Werte ausführlich beschrieben.
In Bezug auf die räumliche Gestaltung eines Eudaimonischen Arbeitsplatzes ist es wichtig, dass ein Entwurf von innen nach außen entsteht und sich also auf den Inhalt konzentriert: auf die Menschen, ihr Verhalten, ihre Einstellungen, ihre Ambitionen, ihre Moral und ihre Werte. Ein Raum sollte die Entwicklung einer nachhaltigen Denkweise, eines umweltfreundlichen Verhaltensmusters und einer neuen Identität fördern. Das Kapitel beschreibt sechs Designstrategien zur Gestaltung eines Eudaimonischen Arbeitsplatzes: nachhaltiges Design, „biophilic“ Design, der Zwischen-Raum, Design für spirituelle Rituale, Empowerment und inspirierendes Design.
Nachhaltiges Design bezieht sich auf einen perfekt ausbalancierten Raum oder Gebäude, das keinen Abfall erzeugt und kein Ökosystem schädigt. Es nutzt natürliche und nachhaltige Technologien und wendet darüber hinaus Biomimicry an, um technische Probleme zu lösen, indem es die Funktionsweise der Natur kopiert. Nachhaltiges Design umfasst auch praktische Einrichtungen für umweltfreundliches Verhalten und „circular design“, zum Beispiel die Wiederverwendung oder das Re- und Upcycling von Möbeln, also auch das Entwerfen nach Verfügbarkeit von Materialien.
„Biophilic“ Design bezieht sich auf die Integration der Natur in den Entwurf eines Raums oder Gebäudes, was der Gesundheit und dem Wohlbefinden von Menschen zugutekommt. „Biophilic“ Design beinhaltet die direkte Anwesenheit von Natur im Raum, wie zum Beispiel echte Pflanzen, Wasser oder Feuer in einem Kamin, aber es umfasst auch Naturanalogien oder indirekte Assoziationen mit der Natur. Schließlich sehen wir „biophilic“ Design auch in der räumlichen Konfiguration eines Raums, der uns an unsere Entstehungsgeschichte in der Savanne erinnert, wo wir zum Überleben einen freien Ausblick brauchten, um Gefahr frühzeitig zu erkennen, sowie auch einen sicheren Zufluchtsort.
Der Zwischen-Raum entspricht dem japanischen Konzept von „ma“, dem negativen Raum, der Leere, die ein Objekt umgibt und hervorhebt und erkennbar macht als solches. In überfüllten Räumen sind wir nicht in der Lage, den Wert von Dingen zu erfassen. Wenn wir also weniger Dinge haben, können wir uns auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist. Dies gilt nicht nur für räumliches Design, sondern auch für unser soziales und berufliches Leben, das wir oft vollplanen. Aber ständig etwas zu tun zu haben, tut uns nicht gut, und wir merken, dass wir implizit das Bedürfnis haben, die Dinge zu vereinfachen. Das Konzept von „ma“ gibt uns die Möglichkeit, unser Leben zu entwirren und den Raum und die Zeit zu schaffen, um unser Leben sinnvoller zu gestalten.
Design für spirituelle Rituale bezieht sich auf Räumlichkeiten, die Arbeitnehmer zu Aktivitäten wie Meditation, Yoga, Entspannung oder Kontemplation ermutigen – Aktivitäten, die sie dazu anregen, nach innen zu gehen und ihre innere Landschaft zu erkunden. Dies können Räume sein, die uns an spirituelle Orte oder Erfahrungen erinnern und Gefühle der Ehrfurcht, der Einheit und des Friedens auslösen. Auch das japanische Prinzip „wabi sabi“ ist Teil dieser Designstrategie und bezieht sich auf Schönheit, die unvollkommen, unbeständig und unvollständig ist. Laut „wabi sabi“ offenbaren Anomalien die Authentizität und Einzigartigkeit eines Objekts oder Raums und lehrt uns die Vergänglichkeit von Dingen, vor allem, dass es sinnlos ist, sich Veränderungen zu widersetzen. „Wabi sabi“ ermutigt uns, uns auf das Leben einzulassen, anstatt uns in Gedanken und materiellen Dinge zu verlieren.
Empowerment bezieht sich auf eine Arbeitsumgebung, die unsere Identität und unser Verhalten unterstützt, durch das wir uns ausdrücken. Autonomie und die Freiheit, den Arbeitsplatz zu personalisieren, sind wichtig, damit sich Arbeitnehmer im Lern- und Aneignungsprozess von neuen Gewohnheiten und Ritualen befähigt fühlen. Empowerment bezieht sich zudem auch auf die aktive Beteiligung von Arbeitnehmern an der Gestaltung und am Entwurf des Arbeitsplatzes, wodurch Verantwortungsgefühl, Engagement und eine positive Einstellung gegenüber dem neuen Umfeld entstehen.
Inspirierendes Design bezieht sich auf Schönheit, Sinngebung, Spaß, Überraschung und Verspieltheit. Es spornt unsere Neugierde an, unseren Drang die Dinge zu erforschen und sich mit unserer Umwelt auseinanderzusetzen. Es hat viele Gemeinsamkeiten mit positivem Design und appelliert an positive Emotionen, an Glück und ein Gefühl der Freiheit. Inspirierendes Design ist besonders wichtig im Kontext von Objekten und Räumen, die das Entstehen von neuen Gewohnheiten unterstützen sollen, da wir nämlich vor allem gern schöne Objekte benutzen, können diese als „nudges“ fungieren, um Gewohnheiten zu automatisieren.
Das Kapitel schließt mit einem erneuten Aufruf zu Veränderung und betont die Notwendigkeit, unser Wertesystem zu überdenken und Spiritualität in unserem Leben zu integrieren. Indem wir lernen, unsere innere Landschaft zu erkunden und in ihr zu navigieren, können wir unser Verständnis von uns selbst und unserem Platz in der Welt langsam verändern. Nur dann können wir dauerhaft neue Gewohnheiten für einen nachhaltigen Lebensstil erlernen, die von Werten wie Empathie, Integrität und Mut geleitet werden. Vor allem brauchen wir mehr Mut – um den Status quo infrage zu stellen und letztendlich zu verändern. Nur dann können wir auch die Geschichte der Zukunft ändern.
Anicee Carolyn Bauer

Einbeziehung der Menschen – Wandel der Arbeitswelt Involvement of the User—Change of Work

Kapitel 4. New Work im New Office – Der Wandel der Arbeitswelt und dessen Auswirkungen auf den Büroalltag
Zusammenfassung
Unsere Arbeitswelt befindet sich seit einigen Jahren in einem rudimentären und strukturellen Wandel. Durch die zunehmende Digitalisierung entwickeln wir uns mehr und mehr von einer Industrie- zu einer Wissensgesellschaft und verändern damit auch unseren Arbeitsbegriff. So bewegen wir uns heute weg von unseren traditionellen und starren Arbeitsstrukturen hin zu den neuen Arbeitsweisen im digitalen und globalen Zeitalter. Diese Entwicklung und die daraus resultierende neue Arbeitswelt kann unter dem Begriff ‚New Office‘ zusammengefasst werden, der Begriff ‚New Work‘ wurde ursprünglich von Frithjof Bergmann verwendet. Wenn wir wollen, dass sich auch künftige Generationen mit geplanten neuen Arbeitsumgebungen angesprochen fühlen und die Erwartungen an ein gesundes Büro erfüllt werden, dann müssen bei der Veränderung der Arbeitswelt spezifische menschliche Bedürfnisse berücksichtigt werden. Das private Umfeld ist ein mögliches Modell für eine flexible Raumstruktur, in der die Bereiche jeweils auf unterschiedliche, ganz menschliche Bedürfnisse ausgerichtet sind und damit eine Vielzahl unterschiedlicher Arbeits- und Tätigkeitsbereiche repräsentieren. Im Büro begegnet man in der Regel einer sehr monotonen Raumgestaltung. Um auch im Büro eine bedarfsorientierte und selbstbestimmte Arbeitsweise zu fördern, sollten vielseitige Raumstrukturen in die Bürowelt integriert werden. Mit einer größeren Standortwahl ist es nicht mehr notwendig, an einem Ort zu bleiben, sondern die Arbeitsposition kann immer wieder gewechselt werden. Dies sorgt für mehr Bewegung und unterstützt sowohl ergonomische Arbeitsmethoden als auch eine bessere Arbeitsleistung und Kreativität. Für mehr Produktivität am Arbeitsplatz ist ein Umfeld, in dem man sich als Individuum wohl fühlt, besonders wichtig. Die Mitbestimmung bei der Bürogestaltung wirkt sich nachweislich positiv auf unsere Produktivität, unsere Identifikation mit unserem Arbeitsplatz und damit auf unsere Gesundheit aus. Schon kleine Eingriffe, wie Dekorationen oder Begrünungen, sorgen für eine erhöhte Mitarbeiterzufriedenheit und ein größeres kreatives Potenzial.Mit der Veränderung unserer Arbeitsumgebung sind viele Vorteile verbunden. Insbesondere die neu gewonnene Flexibilität und Selbstbestimmung sorgen für verbesserte Arbeitsbedingungen. Neue Formen des Wissens bergen aber auch Gefahren durch die zunehmende Verschmelzung von Privat- und Berufsleben. Ständige Erreichbarkeit und Transparenz im Büroalltag beeinflussen zunehmend unser Privatleben und erschweren es heutzutage, von der Arbeit abzuschalten und sich zu entspannen. Dies führt zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen und wirkt sich kontraproduktiv auf unser Wohlbefinden sowie auf die Arbeitsleistung und Produktivität aus. Bei der Planung neuer Arbeitsumgebungen, die unsere Gesundheit fördern, muss ein sensibler Ansatz gewählt werden, und vor allem sollte die Selbstbestimmung der Mitarbeiter im Vordergrund stehen. Wie schon bei Frithjof Bergmann geht es in Zukunft um nicht weniger als die Übertragung von Veränderungen der Lebens- und Sozialkultur auf den Bereich der Gestaltung menschlicher Büros.
Angelika Donhauser, Mark Phillips, Jennifer Vogt
Kapitel 5. Mensch-zentriertes Bürodesign aus Perspektive der Nutzer*innen
Zusammenfassung
Die Zyklen der Veränderung der Arbeitswelt – das Was und Wie – sind aktuell sehr kurz und damit deutlich geringer als die Lebenszyklen von Möbeln, Büros und Gebäuden. Räume wie die in der Bahn, dem Café oder einem Co-Working Space erfreuen sich zunehmender Beliebtheit als Arbeitsplatz. Die Grenze zwischen Büro und Homeoffice verschwimmt zunehmend. Gleichzeitig ist das Büro Ausdruck der Kultur einer Organisation, im Innen wie im Außen. Folgerichtig stellt sich die Frage nach seinem Sinn und Zweck: seinem Nutzen. Wenn wir heute etwas für (über-)morgen planen, das sinnvoll nachhaltig wirken kann, sehen wir uns vor einige Herausforderungen gestellt. Dabei sollte die Planung an einer Konstanten – auf einen Mittelpunkt – ausgerichtet sein: den Nutzer*innen. Um dabei der Diversität der Menschen und ihren unterschiedlichen Anforderungen an eine Arbeitsumgebung gerecht werden zu können, bedarf es eines co-kreativen Ansatzes und vieler unterschiedlicher Perspektiven. Dafür scheinen ein fundamentales Umdenken und das Einschlagen eines Wegs, der auf kollektivem Wissen und möglichst diversen Kompetenzen fußt, unumgänglich. Eine Annahme gilt dabei als unumstößlich: Nachhaltigkeit = Zukunftsfähigkeit und vice versa!
Daniel Ringwald
Kapitel 6. Das Büro als Habitat – Die Beziehung von Mensch und Natur in der gebauten Umwelt
Zusammenfassung
Die evolutionäre Anpassung des Menschen an seine Umwelt vollzog sich über einen sehr langen Zeitraum und ist auch heute noch wirksam. Verhaltensweisen, die in der Vergangenheit vorteilhaft waren, erscheinen aber heute, im Kontext unserer modernen Lebensumstände, paradox und hinderlich. Ein Verständnis für die Bedürfnisse und Voraussetzungen des Systems Mensch ist daher eine wichtige Grundlage, um mit dem zivilisatorischen Konflikt unsere Unangepasstheit umgehen zu können. Nicht zuletzt die Rolle der gebauten Umwelt ist dabei bisher stark unterschätzt worden. Die Sinneseindrücke von Räumen beeinflussen unser Befinden und unser Verhalten zu einem erheblichen Teil. Es gilt Architektur als sensorisches  Relief zu verstehen und richtig einzusetzen. Somit eröffnet sich ein weitreichendes Potenzial für die Gestaltung von Arbeitsumgebungen mit vielfältigen positiven Effekten. Das Büro wird damit zum strategischen Werkzeug, um sowohl unternehmerische als auch individuelle Verbesserungen zu erzielen.
Sven Wolf Ostner
Kapitel 7. Mensch-Zentrierte Arbeitsplätze im Zeitalter der Digitalisierung
Zusammenfassung
Nach Corona heißt es für viele Wissensarbeiter „zurück aus der Zukunft“ und wieder raus aus dem Homeoffice. Dabei kann man sehr viel aus dem Homeoffice für das Büro übernehmen und vice versa! In diesem Beitrag über menschzentrierte Arbeitsplatzdesigns von Heinz Wagner, Geschäftsführer von WIIPP und langjähriger „Mr. Future Workspace“ bei Fujitsu, lesen sie neben fünf konkreten Handlungsempfehlungen für das Gelingen eines New-Work-Projekts auch, warum sich ein Büro nach modernsten Erkenntnissen lohnt. Aber wie könnte denn ein Arbeitsplatzkonzept genau aussehen, das im Büro genauso funktioniert wie im Homeoffice? Lassen sie sich überraschen, welche Elemente dazu gehören und wie sich diese zusammenfügen. Schließlich stellt sich die Frage: Was kommt danach? Wie geht es weiter in den nächsten Jahren? Der nun folgende Beitrag wurde ausschließlich von einem digitalen Sprachassistenten geschrieben und vom Autor diktiert.
Heinz Wagner

Die Menschen verstehen - Tools und Methoden Understand the People—Tools and Methods

Kapitel 8. Glück bei der Arbeit
Zusammenfassung
Das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter liegt im wirtschaftlichen Interesse der Unternehmen. Wissenschaftliche Erkenntnisse, insbesondere aus der Positiven Psychologie, zeigen, dass zufriedene, glückliche Menschen in jeder Hinsicht bessere Leistungen erbringen können. Sie sind gesünder und kreativer. Sie sind besser in der Problemlösung und in der sozialen Vernetzung. Es ist jedoch nicht möglich, einen anderen Menschen auf Dauer glücklich zu machen, denn Glück entsteht in erster Linie durch die eigenen Handlungen und Einstellungen. Unternehmen, insbesondere ihre Personalmanager und Führungskräfte, können in Kultur und Führung eine Umgebung schaffen, die Glück und Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter unterstützt, indem sie solche Handlungen ermöglichen und fördern. Das FIRMS- Design fasst zusammen, was Unternehmen dafür tun können.
Claudia Rohde
Kapitel 9. Sinneswahrnehmung Verstehen – Wie einzigartig das Gehirn auf Sinneseindrücke aus der Welt um uns herum reagiert
Zusammenfassung
Sensorisches Bewusstsein: Wie können Mitarbeiter jetzt, wo es eine Arbeitsumgebung mit vielen Auswahlmöglichkeiten gibt, bessere Entscheidungen darüber treffen, welche Arbeit sie wo verrichten? Wenn man versteht, wie das Gehirn in einzigartiger Weise auf sensorische Eingaben reagiert, wird deutlich, wie dieselbe Arbeitsumgebung von verschiedenen Menschen unterschiedlich erlebt werden kann. Dies hilft den Mitarbeitern, bessere Entscheidungen darüber zu treffen, wo und wann sie arbeiten wollen, und Empathie im Team zu entwickeln.
Lauren Clark
Kapitel 10. Das Management des menschlichen Büros: Strategie, Organisation und Betrieb
Zusammenfassung
Auf der Basis einer empirischen Studie zu Workplace-Organisation und -Strategiebildung von elf multinationalen Großunternehmen wird die Positionierung von Workplace Management in Organisationen diskutiert. Workplace Management als Funktion in der Verantwortung für die strategische und operative Steuerung von Arbeitsumgebungen sollte durch eine Workplace Governance geleitet werden. Die Workplace Governance ist ein Rahmenwerk von Regeln, das die funktionalen Bereichsinteressen (z. B. von HR, IT, CREM) integriert und mit übergeordneten strategischen Zielen verbindet. Zusätzlich werden auf Basis der Facility-Management-Norm (DIN EN 15.221-1 oder SN EN 15.221-1) und der Richtlinie Prozess-/Leistungsmodell im Facility Management (ProLeMo) Leistungskategorien für den Betrieb von Arbeitsplatzumgebungen präsentiert.
Stefanie Lange, Lukas Inversini Windlinger
Kapitel 11. Die soziale Dimension des Raums – Wie die Qualität des Zwischenmenschlichen Räume und Arbeit beseelt
Zusammenfassung
Die massiven Veränderungen der Arbeitswelt der letzten Jahrzehnte haben auch die Anforderungen an Raumarchitektur und Einrichtung revolutioniert. Das Erschaffen ansprechender Arbeitsumgebungen, die nicht nur optisch wirken, sondern auf ein wünschenswertes Arbeitsverhalten perfekt abgestimmt sind, beschäftigt Planer, Architekten und Unternehmensführung seit Jahren. Doch reicht dies aus, um die Menschen im Unternehmen zu erreichen? Was sind eigentlich die besonderen Zutaten im Zwischenmenschlichen, die ein Büro beseelen – was macht aus Teamarbeitszeit und Begegnung eine Quality Time? Es gilt, sich hierfür die soziale Dimension des Raums zu erschließen, über die bisher nur wenig Bewusstsein im Unternehmensalltag besteht. Produktive, kreative und sinnerfüllte Zusammenarbeit wird nur in dieser besonderen Raumqualität überhaupt möglich. Unsere zwischenmenschliche Kommunikation, unsere Haltung im Miteinander und ein Gefühl von Verbundenheit sind Elemente dieser Raumdimension.
Sevira Patricia Landsberg

Wohlfühlen am Arbeitsplatz – Mentales Wohlbefinden Wellbeing at the Workplace—Mental Wellbeing

Frontmatter
Kapitel 12. Selbstmanagement für Kreativität in einer neuen Arbeitswelt
Zusammenfassung
Das moderne Büro heißt oft: Offene, transparente Räumlichkeiten, die Kollaboration fördern (sollen), viele unterschiedliche Orte und Arten zu arbeiten, Technologie satt – inklusive Homeoffice. Jeder soll aus einer Vielzahl von Optionen wählen können – was ist heute meine Aufgabe? Was brauche ich dazu? Welcher Ort passt dazu? Die Idealvorstellung ist, dass jeder bekommt, was er aktuell braucht. Dies entspricht dem Arbeiten entlang eines Prozesses in der kreativen Wissensarbeit – in unterschiedlichen Phasen werden unterschiedliche Ressourcen benötigt. Die Grundvoraussetzung dafür, in dieser Arbeitswelt erfolgreich zu sein, ist die Fähigkeit zur Selbstorganisation. Spätestens seit Covid-19 haben wir gelernt, uns stärker selbst zu managen – Zeit und Ort(e) mussten und müssen möglichst effizient genutzt werden. Natürlich ist das eine Ausnahmesituation, aber sicher hat es viele von uns dazu gebracht, anders über die eigene Arbeit nachzudenken: Was ist wirklich nötig? Wie kann ich meine eigene Arbeit auch in Zukunft besser organisieren? Wie kann ich zum Arbeiten den passenden Ort finden, an dem ich wirklich produktiv bin? Wie entkomme ich der Always-on-Falle? Was kann ich als Individuum tun? In diesem Beitrag geht es um Freiheiten der neuen Arbeitswelt und um die Möglichkeiten, die der Einzelne hat, sich selbst ressourcenorientiert in ihr zu bewegen. Es geht nicht um Change-Management-Maßnahmen, die eine Gesamtheit von Mitarbeitern befähigen sollen und ihre Kompetenzen stärken sollen, auch nicht um Organisationsentwicklung oder nutzerorientierte Bedarfsanalysen, mit deren Hilfe die Organisation und der Raum in ihrer Komplexität aufeinander abgestimmt werden können. All das ist sehr wichtig bei der Planung, Umsetzung und dem Leben neuer Arbeitswelten; und die Bedeutung der organisationalen Ebene kann gar nicht stark genug betont werden. Der Fokus im vorliegenden Beitrag liegt jedoch auf der Einzelperson und der Möglichkeit, sich in der neuen Arbeitswelt selbst zu managen, sich selbst gesund zu halten und die eigenen Stärken gezielt nutzen zu können.
Jennifer Gunkel
Kapitel 13. Wie man sich fühlt, so arbeitet man: Aktuelle Erkenntnisse aus Hirnforschung und Psychologie
Zusammenfassung
Auch wenn die Arbeitsinhalte gut zu Kompetenzen und Persönlichkeit passen: Erfolgreiche Arbeit braucht mehr. In den letzten Jahren und Jahrzehnten haben Psychologie und Hirnforschung die Rahmenbedingungen, unter denen Menschen motiviert und optimal leistungsfähig arbeiten können, zunehmend entmystifiziert. Welche Faktoren sind entscheidend für Kreativität, Produktivität und Erfolg? Zentrale Rollen nehmen Emotionen – positive wie negative – und soziale Beziehungen ein. Naturgemäß liegt der Fokus von psychologischer Forschung und Interventionen auf intrapersonellen und interpersonellen Aspekten. Gleichzeitig hat das Außen eine maßgebliche Wirkung. Räume, in denen Menschen gut arbeiten und ihr Potenzial entfalten können, verkörpern diese Erkenntnisse in der Gestaltung von Arbeitsplätzen und -umfeld, denn Bürogestaltung ist immer auch Ausdruck von Prioritäten, Wertschätzung, Kultur und Werten – ob bewusst oder zufällig.
Andrea Prehofer
Kapitel 14. Innere mentale Fitness im Office und Homeoffice
Zusammenfassung
Wir leben in einer schnelllebigen Zeit mit vielen Veränderungen, denen wir ausgesetzt sind und die hohe Anforderungen an uns stellen. In dieser immer mehr digitalisierten Welt, einhergehend mit einer Informationsüberflutung und neuen technischen Tools in der Arbeitswelt, kommt der inneren mentalen Fitness eine zunehmende Bedeutung zu. Die Gesundheit spielt eine entscheidende Rolle, denn ohne sie ist der Mensch eingeschränkt handlungsfähig und kann kaum volle Leistung in der Arbeit erbringen. Dieser Beitrag zeigt das Zusammenspiel zwischen unserer inneren mentalen Gedankenwelt, den äußeren Umständen, denen wir ausgesetzt sind, und den Auswirklungen auf unser Gehirn, unseren Körper und damit auf unser Leistungspotenzial.
Der Leser lernt, wie er dies positiver bzw. optimaler für sich gestalten kann anhand von praktischen Anleitungen und Tipps, die dazu anregen sollen, nicht in die mentalen Fallen zu tappen, sondern konstruktiv und positiv die innere mentale Fitness zu erhalten oder sogar auszubauen für ein gesundes Arbeitsleben. Die Inhalte werden teils anhand der Geschichte einer Führungskraft und durch Begriffsklärungen erzählt, in der ich die Du-Form als Anrede verwende, weil sich unser Unterbewusstsein, das uns steuert, nur angesprochen fühlt, wenn es das Du hört. Dieser Beitrag richtet sich an alle Führungsebenen, Erwerbstätigen und wer sich darüber hinaus angesprochen fühlt.
Heiko Janssen
Kapitel 15. Workplace Experience: Hintergründe, Konzept und Umsetzung
Zusammenfassung
Workplace Experience baut auf verschiedenen Ansätzen zu „experience“ (brand, customer, user and employee experience) auf. Diese Ansätze fokussieren das subjektive Erleben von Menschen, die in bestimmten Situationen mit Objekten oder Services interagieren. Anhand eines Rahmenmodells der Workplace Experience werden Interaktionen von Mitarbeitenden mit ihrer Arbeitsumgebung erfasst. Workplace Experience Management stellt die Passung zwischen Mitarbeitenden und ihrer Arbeitsumgebung sicher und schafft durch die Gestaltung und den Betrieb der Arbeitsumgebung wechselnde und wiederkehrende positive Erlebnisse. Der hauptsächliche Nutzen des Workplace-Experience-Ansatzes liegt in der Erhöhung der Arbeitgeberattraktivität und der Integration von funktional und emotional positiven Arbeitswelten.
Lukas Windlinger, Stefanie Lange
Kapitel 16. Buzzword Well-being: Fehlanzeige bei der Einführung einer neuen Arbeitswelt?
Zusammenfassung
New Work ist in aller Munde und erfährt seit der Coronapandemie einen immensen Zulauf. Im Zentrum steht hierbei die Arbeit nach den eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen auszuwählen und das eigene Potenzial zu entwickeln. Das Wort „ent-wickeln“ beinhaltet, dass etwas nur aufgewickelt werden muss, der Inhalt, also das volle Potenzial, ist schon vorhanden, und zwar immer und zu jeder Zeit. Zusätzlich kann der Arbeitsort passend zur jeweiligen Tätigkeit ausgewählt werden und unterstützt die Mitarbeitenden in ihrer Aufgabenerfüllung optimal. Im Jahr 2020 ist für Unternehmen „purpose“ der HR-Trend; das Homeoffice wird deutlich aufgewertet, mobiles Arbeiten und Digitalisierung erfährt eine temporeiche Realisierung in Unternehmen. Was wäre, wenn wir New Work auch bei Veränderungsvorhaben als Handlungsleitlinie ins Zentrum stellen würden? Wenn Menschlichkeit und Wertschätzung in Transformationsaktionen erlebbar werden? Wenn Change emotional, nämlich lebendig wird und Spaß macht? Wenn die Belegschaft ihr volles Potenzial in die Transformation einbringen kann und will? Wenn Change ein Well-being erfährt? Warum das so wichtig ist und wie sich das auch im Kontext von neuen Arbeitswelten denken lässt, davon handelt dieser Beitrag.
Susanne Bohra

Wohlfühlen am Arbeitsplatz – Funktionales Wohlbefinden Wellbeing at the Workplace—Functional Wellbeing

Kapitel 17. Räume, die beflügeln – Übersetzung psychologischer Grundbedürfnisse in den Raum
Zusammenfassung
Räume beeinflussen unser Denken, unsere Emotionen und unsere Handlungen. Auch wenn uns dies selten bewusst ist, so wirken sie beständig. Deshalb sollten sie aktiv so gestaltet werden, dass sie die gewünschten Empfindungen oder Verhaltensweisen fördern. Um Büroräume zu konzipieren, die nicht nur nicht krank machen, sondern wirklich motivieren, können und sollten hilfreiche Erkenntnisse aus der Psychologie einbezogen werden. Dieser Beitrag beschreibt, wie Räume so gestaltet werden können, dass sie zur Befriedigung der drei Grundbedürfnisse Autonomie, Zugehörigkeit und Kompetenz beitragen. Des Weiteren werden hilfreiche Konzepte aus dem Bereich der Architekturpsychologie angesprochen, um noch mehr Anhaltspunkte dazu zu geben, wie Räume entworfen werden können, die beflügeln.
Anja Kluge
Kapitel 18. Das menschliche Büro aus Sicht der Architektur
Zusammenfassung
Nicht nur durch Globalisierung, Digitalisierung und kulturellen Wandel ändert sich unsere Arbeitswelt fundamental. Das Jahr 2020 beschleunigt einen Prozess, der sich länger abgezeichnet hat: Zum einen wünschen sich Mitarbeiter Identifikation mit ihrem Arbeitgeber, sie fordern aber auch ein neues Selbstverständnis von Arbeit. Das impliziert stärker denn je die Integration flexibler und digitaler Arbeitsmittel und -methoden. Die Start-up-Szene reflektiert diese Vorteile schon länger: Flache Hierarchien, schnelle Kommunikation und Entscheidungsprozesse tragen zu einer hohen Innovationskraft bei. Wollen Unternehmen eine ähnliche Dynamik entwickeln, kann Architektur helfen, die Voraussetzungen im physischen Raum zu schaffen, andererseits auch die Schwächen des digitalen Raums ausgleichen. Dabei ändert sich nicht nur die Typologie der Architektur, auch die funktionale Gestaltung der Innenräume setzt ein tiefes Verständnis für die entsprechenden Arbeitsweisen voraus. Zudem muss Architektur die Identität eines Unternehmens visualisieren, die Kommunikation fördern und ihr eine Plattform bieten. Hierfür werden praktische Beispiele von SCOPE herangeführt, die verdeutlichen, wie die veränderten Anforderungen an eine neue Arbeitswelt in der Architektur und Innenarchitektur formuliert werden können.
Mike Herud
Kapitel 19. Weil der Mensch ein Mensch ist – Sieben Ratschläge für ein menschliches Arbeitsumfeld
Zusammenfassung
Architekten, die den Anspruch haben, ihr Schaffen in den Dienst von Nachhaltigkeit, Sinnhaftigkeit und Menschenwürde zu stellen, begegnen bei der Gestaltung von Bürogebäuden zwangsläufig der Frage nach Angemessenheit und Verhältnismäßigkeit. Im Gegensatz zu einigen anderen Nutzungsflächen bedingt Büroarbeit eine intensive Präsenz von Menschen über einen vergleichsweise langen Zeitraum. Dass sich die Gestaltung von Bürogebäuden also im Besonderen an Verhalten und Bedürfnissen der Menschen orientieren sollte, ist naheliegend. Dies wird jedoch allzu oft nachrangig betrachtet, da der Zweck eines Bürogebäudes aus Sicht von Erstellern und Betreibern ein zutiefst wirtschaftlicher ist und die Frage der Menschlichkeit für beide Gruppen nur selten eine hohe Relevanz aufweist. Die Frage nach der angemessenen Menschlichkeit von Büroflächen ist im Grunde eine Frage an die Gesellschaft; eine Antwort ist demnach auch nicht von der kleinen und von Einzelinteressen getriebenen Gruppe von Bauherren, Arbeitgebern, Projektentwicklern oder Maklern zu erwarten, wenngleich mitunter erfreuliche Ausnahmen diese Regel bestätigen. Im Jahr 1918 wurde in Deutschland der Achtstundentag eingeführt und Arbeitsbedingungen wurden damit menschlicher. In den vergangenen einhundert Jahren aber hat sich die Art des Arbeitens vollkommen verändert und gerade deswegen müssen die Frage nach dem richtigen Maß an Menschlichkeit und die Frage, wie der Mensch hierfür als Maßstab dienen kann, fortwährend und immer wieder neu gestellt werden. Um den notwendigen gesellschaftlichen Diskurs konkrete Reflexionen zu ermöglichen, werden in diesem Beitrag Optionen beschrieben, wie das architektonische Umfeld für Büroarbeit mehr Menschlichkeit möglich machen kann. Die Frage nach der Verhältnismäßigkeit ist dabei immer eine Gratwanderung, gilt es doch zwischen Erfüllen und Übererfüllen von uneinheitlichen und veränderlichen Bedürfnissen in zumeist volatilen Kontexten abzuwägen. Inhaltlich befasst sich der Beitrag dabei mit den vier Themen Körper, Individuum, Emotion und Gemeinschaft.
Malte Kopmann
Kapitel 20. Das Gedeih-Modell für ein ökologisches Design
Zusammenfassung
Das Wort Komfort (Behaglichkeit) wird möglicherweise überstrapaziert. Es hat eine neutrale Qualität. Gewöhnlich wird es als ein angenehmer oder entspannter Zustand eines Menschen in Bezug auf seine Umwelt angesehen. Sicherlich ist dies aber nur ein Teil dessen, was wir zur Anregung und Konzentration des Geistes brauchen? Schließlich kann Komfort eher einschläfernd als anregend sein. Der in diesem Beitrag beschriebene und in zwei Fallstudien demonstrierte Flourish-Ansatz führt uns über das Konzept von Komfort hinaus. Unsere Erfahrung mit der Umwelt ist das Ergebnis eines Zusammenspiels von physischen, psychologischen und sozialen Faktoren. Gebäude schaffen eine Umgebung, und diese zusammen mit den Menschen bieten eine multisensorische Erfahrung. Die Sinne müssen angeregt werden, um auf die sonst einsetzende Langeweile zu reagieren. Eine Reaktion auf diese Art des Denkens sind Luftsysteme, die aufgrund ihrer stimulierenden Natur eher zufällige Luftbewegungen, wie sehr sanfte Brisen, als einen gleichmäßigen Luftstrom erzeugen. Natürliche Lichtveränderungen im Laufe des Tages sind eine weitere natürliche Variation. Komfort ist eine Kulisse, aber der Mensch braucht auch eine sensorische Veränderung durch die Reize um ihn herum. Es herrscht ein vielschichtiges Gleichgewicht zwischen einem Dauerzustand und vorübergehenden Reizen, das erreicht werden muss. Wir scheinen Vielseitigkeit zu brauchen, um unseren Sinnesorganen Abwechslung zu gewähren. Die Forschung über die Auswirkungen der gebauten Umwelt auf Gesundheit und Wohlbefinden verbessert unsere Kenntnisse ständig. Was wir aus dieser Arbeit schließen können, ist, dass wir auch künftig eine umfassende und ganzheitliche Sicht über die Auswirkungen der Umwelt auf den Menschen brauchen und unseren Gestaltungsspielraum erweitern müssen, um anregende Orte zu schaffen, an denen die Menschen arbeiten und sich wohlfühlen können. Der multisensorische Flourish(Gedeihen)-Ansatz ist ein Weg, dies zu erreichen.
Derek Clements-Croome, Clare Bowman, Youmna Al-Dmour

Wohlfühlen am Arbeitsplatz – Körperliches Wohlbefinden Wellbeing at the Workplace—Physical Wellbeing

Frontmatter
Kapitel 21. Bewegungspausen bei der Büroarbeit im Home Office – Selbstverantwortung auf körperlicher und mentaler Ebene
Zusammenfassung
Besonders in der ersten Jahreshälfte des Jahres 2020 machten immer mehr Firmen von der Möglichkeit Gebrauch große Teile der Büroarbeit im Home-Office ausführen zu lassen. Dies wurde besonders durch die Infektionswelle mit dem Covid-19-Virus verstärkt, Home-Office bot sich dabei an, um gravierende Infektionswellen in den Firmen zu vermeiden. Der Arbeitsablauf im Home-Office sollte durch regelmäßige Bewegungspausen unterbrochen werden um sowohl auf körperlicher wie auf mentaler Ebene Ermüdungserscheinungen vorzubeugen. Um Verspannungen und körperliche Probleme vorzubeugen werden in diesem Artikel GYROKINESIS(R) Übungssequenzen beschrieben. Ebenso werden Anleitungen für verschiedene Visualisierungen vorgestellt, um auf mentaler Ebene zu entspannen. Herauszuheben ist hier die Selbstverantwortung eines Jeden für sich selbst.
Giselle Fuchs
Kapitel 22. Keine Macht dem Bewegungsmangel – Mit korrekter Körperhaltung, intermittierendem Sitzen und Mobilisierung schmerzfrei zu gesunder Leistungsfähigkeit
Zusammenfassung
Dauerhaftes Sitzen, schlechte Körperhaltung und Stress haben weitreichende negative Folgen für den Menschen und dessen Gesundheit. Entspannungs- und Atemtechniken schaffen neben der Bewegung Abhilfe. Das Einhalten von Prinzipien korrekter Körperhaltung beugt vor und stellt eine schmerzfreie Bewegung sicher. Präventiv helfen die Einrichtung eines ergonomischen Arbeitsplatzes genauso wie Bewegungsprogramme für zwischendurch. Es dreht sich im wahrsten Sinn des Wortes um alle Bereiche der Wirbelsäule mit den angrenzenden Gelenken und Extremitäten, um die natürliche Mobilität und Stabilität mit einer bewegungsfördernden Arbeitsumgebung sicherzustellen, zu erhalten und nachhaltig zu steigern. Einfache Bewegungsroutinen, welche regelmäßig ausgeübt werden, helfen Verspannungen und Schmerzen zu beseitigen sowie schmerzfrei zu gesunder Leistungsfähigkeit (zurück) zu gelangen. Betriebliche Gesundheits- und Bewegungsförderung leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt und zur Förderung der Arbeitsfähigkeit von Arbeitnehmern in zukunftsfähigen Unternehmen. Folglich steigert dies das Betriebsklima und vor allem die Wettbewerbsfähigkeit dieser Unternehmen.
Benjamin Weiderer

Corona und die Zukunft des Arbeitsplatzes Corona and the Future of the Workplace

Frontmatter
Kapitel 23. Wohlergehen der Gemeinschaft
Zusammenfassung
Während der Coronaviruspandemie erlebte die Arbeitswelt eine enorme Beschleunigung des Wohlbefindens der Arbeitnehmer. Eine Analyse der Daten von Ende 2019 im Vergleich zu den Daten vom April 2020 zeigt, dass die Arbeitnehmer nun eher glauben, dass ihre Arbeitgeber eine Verantwortung für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden haben. Unsere Beziehungen zu den Menschen bei der Arbeit und das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein, sind zu einem integralen Bestandteil unseres allgemeinen Wohlbefindens geworden. Regelmäßige soziale Interaktionen mit anderen Menschen haben einen positiven Einfluss auf das Engagement der Arbeitnehmer. Die Beziehungen, die wir zu anderen Menschen haben, haben einen erheblichen Einfluss auf unsere Gesundheit, unser Glück und unsere Lebensqualität. Die Qualität der Beziehungen, die wir zu anderen Menschen haben, ist der Schlüssel zu einem glücklichen und gesunden Leben. In den letzten Jahren haben wir uns jedoch in einer sozialen Rezession befunden. Wir haben begonnen, die Verbindung zu den Menschen in unseren Gemeinschaften zu verlieren, die unsere Evolution zuvor als so wichtig für unser Überleben auf der Erde erachtet hatte. In seinem Beitrag erörtert Gethin Nadin die wachsende Bedeutung des Wohlergehens der Gemeinschaft für das Gesamterlebnis der Arbeitnehmer, und warum es für Arbeitgeber so wichtig geworden ist, positive Beziehungen am Arbeitsplatz zu pflegen.
Gethin Nadin
Kapitel 24. Die Refiguration der flexiblen Arbeit – Wie die Perspektive der Mitarbeitenden die Flexibilisierung neu formiert
Zusammenfassung
Die Digitalisierung ermöglicht eine flexible Gestaltung der Arbeit, die auch die Bürogestaltung beeinflusst. Mitarbeitende suchen beispielsweise gemäß tätigkeitsbasiertem Ansatz die zur Tätigkeit passende Arbeitsumgebung auf. Die Situation einer Pandemie, in der mehr Leute im Homeoffice arbeiten und die Distanzregeln in Büroräumen Mitarbeitende mit Abstand platziert, erschwert, dass sie den jeweils zu ihrer Tätigkeit passenden Arbeitsplatz vorfinden. In unserem Beitrag schlagen wir daher eine Refiguration der flexiblen Arbeit vor, um zu erreichen, dass Mitarbeitende ihren Bedürfnissen entsprechend auch während der Pandemiesituation – zeitlich und räumlich – flexibel arbeiten können. Wir argumentieren, dass dazu neben der Tätigkeit die Perspektive von Mitarbeitenden in der Konzeption der flexiblen Arbeit vermehrt berücksichtigt werden muss. Ihre Wohnsituation, ihr Arbeitsweg sowie die damit zusammenhängenden sozialen und psychologischen Implikationen sollen ebenfalls beachtet werden. Am Beispiel von drei Personas skizzieren wir einen Ansatz für eine mögliche Neukonzeption der flexiblen Arbeit, der die Erfahrungen während einer Pandemie implementiert.
Theresia Leuenberger, Livia Suter, Hartmut Schulze
Kapitel 25. Büroarbeit neu denken – Eine post-pandemische Perspektive
Zusammenfassung
Der COVID-19-Pandemie wurde mit Lockdowns und einer massiven Umsetzung von Homeoffice begegnet, wodurch bestehende Arbeitsweisen und als selbstverständlich angesehene Vorgehensweisen infrage gestellt wurden. In diesem Beitrag nutzen wir die Pandemie als Prisma für eine Neubewertung der Büroarbeit, was uns ermöglicht, Bekanntes auf neue Weise zu sehen. Als ein Ergebnis erkennen wir, dass Homeoffice üblicher und sich auf einem höheren Niveau als vor der Krise etablieren wird. Wir gehen auch davon aus, dass die Arbeit im Büro weiterhin Vorrang haben wird, da viele etablierte organisatorische Prozesse, sowohl formell als auch informell, auf Kollokation basieren. Die Zukunft der Büroarbeit ist jedoch offen, da sie von einer Vielzahl von Akteuren und Entwicklungen geprägt wird. Dies hat auch außerhalb der unmittelbaren Büroarbeit Auswirkungen auf Bereiche wie Verkehr und Stadtplanung. Die Entwicklung der post-pandemischen Büroarbeit ist ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess, der lokale Anpassungen erfordert und von normativen Überlegungen getragen wird. Deshalb schlagen wir Nachhaltigkeit als normatives Gestaltungsprinzip für post-pandemische Büroarbeit vor.
John Willy Bakke, Udo-Ernst Haner
Kapitel 26. Eine Anmerkung am Ende – Krise als Chance
Zusammenfassung
In diesem letzten Kapitel wird ein kleiner Ausblick gewagt, wie eine Rückkehr ins Büro nach der Pandemie aussehen könnte und ob diese Krise möglicherweise auch eine Chance bietet, Dinge zu überdenken und neu zu justieren. Eine Soziologiestudentin, die sich auf eine Interviewreise begeben hatte, um für sich eine Orientierung für ihre Zukunft zu finden, kommt mit ihrer Sicht zu Arbeit, Digitalisierung und Klima zu Wort. Am Ende steht die Frage, wie eine zukünftige Work-Life-Balance gelingt und was sich durch unser persönliches Engagement verändern kann, damit diese Arbeitswelt ein gesunder und menschlicher Ort wird.
Christine Kohlert
Metadata
Title
Das menschliche Büro - The human(e) office
Editor
Prof. Dr. Christine Kohlert
Copyright Year
2021
Electronic ISBN
978-3-658-33519-9
Print ISBN
978-3-658-33518-2
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-33519-9