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About this book

Aktuelle politische Entwicklungen werden immer stärker unter moralischen Kategorien diskutiert. Handelt es sich bei diesen Diskussionen nur um „moralische Entrüstungswellen“ an der Oberfläche oder sind sie Hinweise auf eine Veränderung der politischen Kultur durch die Umdeutung der ethischen Dimension der Bürgerrolle in der Demokratie? Ergeben sich aus der zu beobachtenden Entwicklung vielleicht sogar grundsätzlich neue Handlungsmöglichkeiten für jeden Bürger? Hat dies eine Neuorientierung der politischen Bildung in der Demokratie zur Folge? Diese Fragen werden in der vorliegenden Publikation zur politischen Ethik untersucht.

Table of Contents

Frontmatter

1. Einführung

Zusammenfassung
Welche Kompetenzen soll der „neue Bürger“ besitzen, um sein moralisches Urteil und seine Handlungsorientierung entwickeln zu können?
Dies ist die zentrale Frage angesichts neuer Anforderungssituationen in der modernen Partizipationskultur, welche die politisch-moralischen Deutungsmuster der Bürger beeinflussen.
Carl Deichmann

2. Neue Bürgermoral in der politischen Kultur

Zusammenfassung
Wutbürger, die sich gegen Atomtransporte, die digitale Überwachung durch die NSA und gegen den Bau eines Bahnhofs wehren, Aktivbürger, welche neue Partizipationsformen im Internet und in politischen Parteien wahrnehmen. Gibt es einen allgemeinen Trend zu einer Partizipationskultur? Trifft darüber hinaus die Analyse der gesellschaftlichen und politischen Situation im Deutungssystem einer „postdemokratischen“ Theorie zu: „Die Demokratie kann nur dann gedeihen, wenn die Masse der normalen Bürger wirklich die Gelegenheit hat, sich durch Diskussionen und im Rahmen unabhängiger Organisationen aktiv an der Gestaltung des öffentlichen Lebens zu beteiligen – und wenn sie diese Gelegenheiten auch aktiv nutzt“ (Crouch 2008, S. 8).
Carl Deichmann

3. Politische Ethik: Grundlegende Orientierung

Zusammenfassung
Die Typologie der öffentlichen Diskussionen und moralischen Entrüstungswellen zeigt, dass es sich bei den hier anstehenden nationalen und internationalen Problemen um ethische Probleme handelt, die zwar unter politikwissenschaftlichen, historischen oder medienwissenschaftlichen Perspektiven behandelt werden können, aber in ihrem Kern als moralische Probleme identifiziert werden müssen. Denn nicht nur die Interessen- und Machtdimension oder die Dimension der subjektiven Interessen wird hierbei angesprochen, sondern in besonderer Weise geht es um die Werteebene der politischen Realität (vgl. zur Differenzierung der Ebenen der politisch/sozialen Realität Kap. 3.2).
Carl Deichmann

4. Politische Ethik und politische Kultur

Zusammenfassung
Vor dem Hintergrund der Folie zur mehrdimensionalen sozialen und politischen Realität geht es im Folgenden darum, die Ausdifferenzierung der regulativen Ideen und Werte und der Struktur moralisch-politischer Deutungsmuster der Bürger vorzunehmen. Diese Notwendigkeit ergibt sich auch deshalb, weil viele Diskussionsteilnehmer im öffentlichen Diskurs mit hohem moralischen und ausschließlichen Wahrheitsanspruch zu allen politischen Themen politisch-moralische Deutungen vortragen.
Carl Deichmann

5. Anforderungen an den neuen Bürger

Politisch-moralische Urteils-, Analyse- und Partizipationsfähigkeit
Zusammenfassung
Ist der Bürger in der demokratischen politischen Kultur mit einer neuen Qualität der Partizipationsanforderungen und einem andauernden moralischen Diskurs konfrontiert (vgl. Kap. 2), der ihm ein eigenes politisch-moralisches Urteil abverlangt, dann reicht es nicht aus, vor dem Hintergrund des in der Alltagswelt entwickelten politisch-moralischen Deutungsmusters seiner individuellen Gerechtigkeitsvorstellung (vgl. Kap. 4.1) die politischen Diskurse zu bewerten und an ihnen teilzunehmen. Dies besonders auch deshalb nicht, weil die Überlegungen in Kap. 4.2 gezeigt haben, in welcher Weise der Bürger in den kollektiven Kommunikationsprozess eingebunden ist und der Forderung Kants entsprochen werden sollte: „der letzte Probirstein der Wahrheit ist immer die Vernunft“ (Kant 1995, Bd. 6, S. 199).
Carl Deichmann

6. Die Entwicklung des Gerechtigkeitssinns: Der neue Bürger

Zusammenfassung
Die Überlegungen zu den verschiedenen Intensitätsstufen der Partizipationsmaximierung sind im Kontext der Wertorientierung des Bürgers, seinem moralischen Handeln, zu diskutieren. Die Bedeutung der regulativen Ideen und Werte für die Handlungsoptionen des Bürgers wird dabei noch deutlicher, wenn die politische Dimension der Alltagswelt aufgezeigt wird und der Bürger dadurch in der Lage ist, das „Ganze“ bei jeder politischen Überlegung zu erschließen, also nicht nur die eigene Interessenrealisierung zu verfolgen. Dies ist die Bedingung dafür, die moralische Dimension der aktiven Wahrnehmung der Bürgerrolle des neuen Bürgers in den sozialen Netzwerken, bei den regionalen sozialen und politischen Partizipationsmöglichkeiten, in den gesellschaftlichen und politischen Institutionen sowie bei Wahlen und Abstimmungen im Rahmen der repräsentativen Demokratie zu generieren.
Carl Deichmann

7. Zusammenfassung

Zusammenfassung
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die politisch-ethische Lern- und Erkenntnisstrategie (Kap. 6) das Ziel verfolgt, durch die Vermittlung des Gerechtigkeitssinns die Distanz zwischen Alltagswelt und Politik zu reduzieren, um im Lernprozess einer Simulation die den Alltagsweltinteraktionen zugrundeliegenden Werte zu verdeutlichen. Durch diesen Kommunikationsprozess soll ein Beitrag dazu geleistet werden, bei den Teilnehmern die bewusstseinsmäßigen Voraussetzungen für die moralisch begründete, aktive Wahrnehmung der Bürgerrolle des neuen Bürgers zu generieren.
Carl Deichmann

Backmatter

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