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Table of Contents

Frontmatter

Abschnitt I. Inside/Outside: Der „Paradigmenwechsel“ und seine Folgen

Zusammenfassung
Die politikwissenschaftliche Teildisziplin „Internationale Beziehungen“ hat seit ihrer Etablierung an den Universitäten (d.h. seit dem Ende des Ersten Weltkriegs) mehrere große Grundsatz- und Selbstverständnis-Debatten erlebt, in denen über allgemeine (normative, empirisch-analytische und methodologische) Orientierungen gestritten wurde. Keine dieser Auseinandersetzungen dürfte jedoch derart irritierend gewesen sein wie die derzeit stattfindende.1 Aus der „dividing discipline“, wie Kalevi Holsti sie Mitte der 1980er Jahre nannte2, scheint inzwischen eine „divided discipline“3 geworden zu sein. Ken Booth meint gar, die einstige „disciplined discipline“4 habe sich in ein „creative chaos“5 verwandelt. Es mag sein, daß sich in der historischen Rückschau die aktuellen Debatten einmal auf eine recht einfache Formel werden reduzieren lassen: beispielsweise, wie Susan Strange meint, auf die Auseinandersetzung „between those scholars who think that, even after the end of the Cold War, very little has changed, and those who are convinced a great deal has changed“6. Vorläufig jedoch bietet das Fach ein Bild der Unübersichtlichkeit; es ist kaum auszumachen, welche der zahlreichen Diskussionsstränge sich als fruchtbar erweisen werden, welche in einigen Jahren als bloße wissenschaftliche Moden ad acta gelegt werden müssen und wie, wenn überhaupt, sich mittel- oder langfristig ein neuer Grundkonsens einstellen könnte.
Ulrich Teusch

Abschnitt II. Dialektik der Globalisierung

Zusammenfassung
Der Begriff „Globalisierung“ hat sich im ausgehenden 20. Jahrhundert zu einem sozialwissenschaftlichen Schlüsselbegriff entwickelt. Dies ist um so bemerkenswerter, als mit dem Begriff teilweise recht unterschiedliche Vorstellungen, Konzepte oder Theorien verbunden werden.1 Auch die Einwände derer, die — insbesondere mit Blick auf die ökonomische Dimension von Globalisierung sowie die Rolle des Staates im Globalisierungsprozeß — die Tragfähigkeit des Konzepts bezweifeln, konnten den Siegeszug nicht gefährden.2 In außerwissenschaftlichen Kontexten hat der Begriff Globalisierung gleichfalls größte Verbreitung gefunden, wenn auch oftmals in eher diffuser Verwendung als interessengeleitet eingesetztes politisches oder ökonomisches Schlagwort, mitunter auch als ideologisch aufgeladener Kampfbegriff.3 Demgegenüber ist in der Wissenschaft zwar vielfach eine reflektierte Verwendung sowie das Bemühen um eine seriöse begriffliche Klärung und Analyse zu beobachten4; dennoch ist es einer in den letzten Jahren stark gewachsenen, inzwischen durchaus konturierten und von zahlreichen Disziplinen getragenen Globalisierungsforschung nicht gelungen, einen Grundkonsens über ein adäquates Verständnis von Globalisierung zu erzielen5: über ihre Spezifika ebensowenig wie über ihre historische Periodisierung, über ihre Reichweite ebensowenig wie über ihre kausalen Determinanten, über ihre sozialen, politischen, ökonomischen, kulturellen oder ökologischen Folgen ebensowenig wie über ihre Bewertung als „Fortschritt“ oder „Gefahr“.
Ulrich Teusch

Abschnitt III. Das Prinzip Verantwortung

Zusammenfassung
Im folgenden überwiegend normativ ausgerichteten Abschnitt werde ich allgemeine Orientierungen entwickeln und begründen, die aus meiner Sicht für eine im Kontext der Globalisierung handelnde Staatengesellschaft maßgeblich sein sollten. Diesen Orientierungen werde ich mich zu nähern versuchen, indem ich zunächst exemplarisch die Arbeiten von zwei Autoren, Dieter Senghaas und Hans Jonas, diskutiere und miteinander konfrontiere. „Exemplarisch“ heißt in diesem Zusammenhang nicht nur, daß Senghaas und Jonas stellvertretend für andere, ähnlich ausgerichtete Autoren stehen (und also auch durch diese ersetzbar wären), sondern auch, daß sie mit ihren Auffassungen repräsentativ sind für zwei Grundorientierungen, die den Vorzug haben, daß sie ähnliche Fragestellungen verfolgen, dabei von hohem Problembewußtsein und Reflexionsniveau geprägt sind, Aussagen von starkem Allgemeinheitsgrad treffen und explizit normativ ausgerichtet sind.
Ulrich Teusch

Abschnitt IV. Grenzprobleme

Zusammenfassung
In den nachfolgenden Überlegungen zur ökologischen Dimension des Globalisierungsprozesses orientiere ich mich an der im vorangegangen Kapitel im Anschluß an Hans Jonas entwickelten Leitperspektive einer „Kompatibilität des Menschen mit der Biosphäre“. Diese Zielvorgabe ist nicht zu verwechseln mit den in ökologischen Diskursen oder auch einer „green political theory“ entworfenen Utopien einer umfassenden ökologischen Wende.1 Während diese gleichsam eine Synthese aus „gutem Leben“ und „Überleben“ anstreben, bezeichnet das Konzept einer Kompatibilität vielmehr absolute Mindeststandards, die erreicht werden müssen, um katastrophische Entwicklungen globalen Ausmaßes abzuwenden und die Bedingungen der Möglichkeit eines Überlebens möglichst vieler Menschen und nicht-menschlicher Lebewesen (das nicht notwendigerweise ein „gutes Leben“ sein muß) zu erhalten. Gleichwohl würde die praktische Umsetzung selbst dieses vergleichsweise zurückgenommenen Ansatzes eine enorme Kraftanstrengung verlangen.
Ulrich Teusch

Abschnitt V. Rückblick und Ausblick

Zusammenfassung
Im folgenden fasse ich zunächst den Aufbau der Untersuchung sowie ihre wichtigsten Problemstellungen und Ergebnisse zusammen, bevor ich im darauffolgenden, letzten Kapitel am Beispiel von Martin Wights berühmtem Aufsatz Why is there no International Theory? in epilogartiger Form nochmals auf die Grundproblematik meiner Erörterung — die „Relativierung von Grenzen“ im Kontext der Globalisierung — zurückkomme.
Ulrich Teusch

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