Was ist der VW-Dieselskandal?
- 18-09-2025
- Dieselgate
- Kompakt erklärt
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Ein Softwaretrick bei VW löste 2015 den Dieselskandal aus. Millionen Autos mussten zurück, es gab Milliardenbußgelder und Haftstrafen. Zehn Jahre später ist die Aufarbeitung nicht abgeschlossen.
10 Jahre Dieselskandal bei VW
kucheruk / stock.adobe.com
Seit fast zehn Jahren beschäftigt der Dieselskandal den Autobauer Volkswagen, die Justiz und die Politik. Der Konzern setzte bei Millionen Autos unzulässige Software ein, die Abgastests verfälschte. Auf Prüfständen funktionierte die Abgasreinigung, im normalen Straßenverkehr stießen die Fahrzeuge deutlich mehr Schadstoffe aus. Am 18. September 2015 veröffentlichte die US-Umweltbehörde EPA die "Notice of Violation", in der VW beschuldigt wurde, mit einer Software Emissionsprüfungen für bestimmte Luftschadstoffe zu umgehen. Kurz zuvor hatte VW in den USA falsche Testergebnisse eingeräumt.
Weltweit waren rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen, 2,5 Millionen davon in Deutschland. 2015 ordnete das Kraftfahrt-Bundesamt Rückrufe an. Für den Konzern begann eine Krise, die nach eigenen Angaben rund 33 Milliarden Euro kostete. In den USA zahlte Volkswagen mehr als 20 Milliarden Dollar an Strafen und Entschädigungen. Auch in Deutschland wurden Bußgelder in Milliardenhöhe verhängt.
Käufer klagten erfolgreich. Der Bundesgerichtshof entschied 2020, dass VW Verbraucher vorsätzlich getäuscht hat. In einem Vergleich erhielten rund 250.000 Betroffene Entschädigungen zwischen 1.350 und 6.257 Euro.
Haftstrafen für Ex-Manager
In den USA wurden vergleichsweise schnell Haftbefehle und Gefängnisstrafen verhängt. Im ersten strafrechtlichen Urteil in Deutschland wurde Ex-Audi-Chef Rupert Stadler in München wegen Betrugs zu einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung und einer Zahlung von 1,1 Millionen Euro verurteilt. Dabei hatte es zunächst eine Verständigung gegeben, anschließend legten die Verteidiger aber überraschend Revision ein.
Im Mai 2025 verurteilte das Landgericht Braunschweig vier frühere Führungskräfte. Zwei müssen mehrjährige Haftstrafen antreten, zwei erhielten Bewährung. Der frühere Leiter der Dieselmotoren-Entwicklung etwa muss viereinhalb Jahre ins Gefängnis.
Die Kammer sprach von einem besonders schweren Fall des Betrugs und bezifferte den Schaden auf rund 2,1 Milliarden Euro. Die Verurteilten sehen sich als Bauernopfer, die Verteidigung kündigte Revision an.
Winterkorn als Schlüsselfigur
Martin Winterkorn war Konzernchef, als der Skandal 2015 aufflog. Er trat wenige Tage später zurück. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft gewerbsmäßigen Betrug, Marktmanipulation und uneidliche Falschaussage vor. Sein Verfahren wurde 2024 begonnen, nach wenigen Tagen aber wegen gesundheitlicher Probleme unterbrochen. Das Landgericht Braunschweig stellte es im Juli 2025 wegen Verhandlungsunfähigkeit vorläufig ein. Ob die Verhandlung jemals fortgesetzt wird, ist offen.
Insgesamt hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig Ermittlungen gegen 101 Beschuldigte geführt. Viele Verfahren davon sind aus verschieden Gründen mittlerweile eingestellt. Nach vier weiteren Anklagen droht einigen Betroffenen aber noch ein Prozess.
Studie sieht E-Mobilität auf gutem Weg
Dass die gesamte europäische Autoindustrie zehn Jahre nach der Aufdeckung des Abgasskandals bei VW auf einem guten Weg zu mehr Elektromobilität ist, bescheinigt ausgerechnet eine neue Studie der Organisation ICCT. Der internationale Umweltforschungsverbund hatte im Frühjahr 2014 eine Analyse zu auffälligen Messungen von Abgaswerten in den USA veröffentlicht – von Betrug war noch keine Rede. Zusammen mit US-Umweltbehörden trug das "International Council on Clean Transportation" aber dazu bei, dass die VW-Dieselaffäre 2015 aufflog.
Seitdem habe sich die europäische Autoindustrie tiefgreifend gewandelt. Um Vertrauen zurückzugewinnen und Emissionen zu reduzieren, versprachen die Autohersteller, verstärkt auf Elektrifizierung zu setzen, sagte Peter Mock, Geschäftsführer des ICCT Berlin. Der Verweis auf mehrere Hersteller macht Sinn, weil nach VW viele andere deutsche und ausländische Produzenten mit ähnlichen Vorgängen in den Fokus rückten.
Mehr als nur VW
Es gab Vorwürfe, Durchsuchungen, Rückrufe und auch andere Autobauer mussten Fahrzeuge nachrüsten, insgesamt rund 630.000 Stück. Ein Untersuchungsausschuss des Bundestags befasste sich mit der Rolle der Behörden. Die EU-Kommission forderte strengere Abgastests und mehr Aufsicht. Umweltverbände klagen seit Jahren auf Fahrverbote in Städten.
Von einem selbst verursachten "Kulturschock" sprach VW-Chef Oliver Blume jüngst auf der IAA Mobility in München. Der Konzern habe aber aus seiner Sicht Lehren daraus gezogen. Es seien Compliance-Prozesse installiert worden, die Kultur bei Volkswagen habe sich verändert und dabei auch die Art und Weise, wie der Konzern geführt werde. "Wir haben die Produktstrategie verändert", sagte Blume mit Blick auf die Transformation zu mehr Elektromobilität.