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2022 | Book

Digitale Bildung für nachhaltige Entwicklung

Herausforderungen und Perspektiven für die Hochschulbildung

Editors: Johanna Weselek, Florian Kohler, Alexander Siegmund

Publisher: Springer Berlin Heidelberg

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About this book

Warum brauchen wir eine digitale Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) an Universitäten und Hochschulen? Wie können Lehr-Lern-Räume zu einer zukunftsgerichteten und zukunftsfähigen Hochschulbildung transformiert werden?

Diese und weitere vielfältige Fragen behandeln Wissenschaftler*innen der Natur-, Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften aus ihren jeweils unterschiedlichen, facheigenen Perspektiven.Das vorliegende Buch gibt Einblicke in die theoretische Auseinandersetzung mit nachhaltigkeitsrelevanten Themen wie Verantwortung, Transformation, Naturverständnis oder Werten und Normen sowie den vielfältigen grundlegenden Herausforderungen und Möglichkeiten einer digitalen Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung. Es bietet eine inhaltliche Breite von Themen einer BNE und stellt Hochschullehrenden verschiedene Anwendungsbereiche und Anknüpfungsmöglichkeiten an die digital geprägte Lebenswelt von Lernenden vor. Kritische Reflexionen veranschaulichen, vor welchen Herausforderungen und Grenzen digitale Hochschullehre im Kontext einer BNE steht.

Ziel dieses Buches ist es, über Disziplin- und institutionelle Grenzen hinweg den notwendigen Wandel von Denk- und Handlungsweisen im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung zu fördern und eine zukunftsorientierte Hochschulbildung zu gestalten.

Table of Contents

Frontmatter
Kapitel 1. Einleitung: Bildung für nachhaltige Entwicklung in einer digitalisierten (Hochschul-)Welt – alte Werte in neuen Möglichkeiten denken
Zusammenfassung
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und Digitalisierung sind im aktuellen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurs auf vielfältige Weise präsent und antizipieren Veränderungen oder die Transformation unserer individuellen und gesellschaftlichen Lebensverhältnisse. Die breite Themenvielfalt einer nachhaltigen Entwicklung zeigt sich in den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (SDGs), für deren Umsetzung Bildung ein hoher Stellenwert beigemessen wird (UNESCO 2020). Im Zuge der Agenda 2030 (UN 2015) und der Verabschiedung der 17 Nachhaltigkeitsziele wurde die Relevanz von Bildung für die generelle Umsetzung der Ziele besonders betont und Bildung für nachhaltige Entwicklung als Unterziel einer inklusiven, gleichberechtigten und hochwertigen Bildung explizit benannt.
Johanna Weselek, Florian Kohler, Alexander Siegmund
Kapitel 2. Das Viabilitätsmodell: vom Konzept der «sensitiven Nachhaltigkeit» in Hinblick auf die digitale Transformation lernen
Zusammenfassung
«Bildung hinsichtlich eines guten Lebens für alle in einer endlichen Welt» könnte das Bildungsanliegen umschrieben werden, das auf eine sog. sensitive Nachhaltigkeit abzielt. Im Artikel wird dargestellt, wie in der Diskussion um eine intergenerationell faire Entwicklung in der Bildung die konkrete Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeitsmodellen bedeutend ist, da dabei mögliche Ausprägungen der Nachhaltigkeit zu unterscheiden sind. In Hinblick auf ein reales Leben der Menschen in einer digitalisierten Welt stellt sich die Frage, ob im Sinne einer Analogie das Konzept der sensitiven Nachhaltigkeit übertragen werden kann und die Idee einer sensitiven Digitalisierung verfolgt werden müsste. Am Beispiel eines BNE-Moduls der Lehrer*innenbildung an der PH Luzern bzw. PH Heidelberg wird eine mögliche Umsetzung des Konzepts aufgezeigt.
Markus Wilhelm, Valerie Amacker, Markus Rehm
Kapitel 3. Immersive virtuelle Realität in der Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung: Gestaltungskriterien, Potenziale und Herausforderungen
Zusammenfassung
Neue Technologien erweitern den Handlungsspielraum für Lehrende, wobei insbesondere die immersive virtuelle Realität (VR) eine Möglichkeit sein könnte, klassische Ziele universitärer Lehre wie Individualisierung und Motivationssteigerung zu erreichen. Im Kontext der Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung stehen dabei zudem die Möglichkeit des transformativen Lernens sowie die technologischen Zukunft im Vordergrund, welche im UNESCO-Programm ESD for 2030 explizit benannt werden. Der Beitrag gibt einen Überblick über den Einsatz von immersiver VR in der Hochschule und präsentiert Ergebnisse einer qualitativen Interviewstudie mit sechs Expertinnen und Experten zu (1) möglichen Gestaltungskriterien sowie (2) Potenzialen und Herausforderungen immersiver VR. Die Ergebnisse werden anschließend am Beispiel des Klimawandels erläutert und vor dem Hintergrund der Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung diskutiert. Insgesamt sind noch große Herausforderungen wie das Vorhandensein entsprechender Materialien sowie technischer Infrastrukturen zu überwinden, doch könnte immersive VR eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung der Lehre sowie der gesellschaftlichen Transformation insgesamt spielen.
Alexander Georg Büssing, Tabea Borchers, Stephanie Mittrach
Kapitel 4. Verantwortung im (Nachhaltigkeits-)Diskurs: Bedeutung der Diskursethik für Nachhaltigkeitsdiskurse und -kommunikation in der digitalen Informationsgesellschaft
Zusammenfassung
In Zusammenhang mit der Digitalisierung der öffentlichen Kommunikation entstehen besondere Herausforderungen für Diskurse um Nachhaltigkeit. Apels diskursethischer Begriff von Verantwortung stellt eine Konzeption dar, die bezogen auf die ethische Dimension des BNE im Allgemeinen, aber gerade auch für die Kommunikation ethischer Fragen als fruchtbar gelten kann, knüpft sie doch an den Anforderungen einer Folgenethik an und berücksichtigt normative Regulative der diskursiven Ebene (Apel 2015, Apel 2016). Mit der systematischen Unterscheidung faktischer und normativer Komplexität und der Differenzierung zwischen darstellender und diskursiver Ebene kann ein Beitrag zu zukunftsfähiger Hochschulbildung geleistet werden, indem zukünftigen Lehrer*innen, aber auch Forscher*innen, systematische diskursethische Reflexionen faktischer und ethischer Inhalte einer BNE insbesondere hinsichtlich digitaler Kommunikation vorgestellt werden, die in Diskursen um Nachhaltigkeitsthemen bedeutsam sind.
Jochen Laub
Kapitel 5. Transformation verstehen lernen: Nachhaltigkeitsbildung und Data Literacy Education in der Studieneingangsphase
Zusammenfassung
Das Modul „Wissenschaft transformiert: verantwortliches Handeln“ ist eines von drei fachübergreifenden Modulen, die alle Erstsemester-Studierenden an der Leuphana Universität gemeinsam belegen. Nach einem Prozess der Weiterentwicklung setzt es einen Schwerpunkt auf das vertiefte Verständnis von Transformationsprozessen und ihre Auswirkungen auf Wissenschaft und Gesellschaft. Der Beitrag zeigt auf, wie auf diese Weise Kompetenzen aus der Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung und der Data Literacy Education wechselseitig gefördert werden und welche Potenziale für eine zukunftsorientierte Hochschulbildung somit gerade in einer multiperspektivischen und verschränkten Betrachtung von Nachhaltigkeit und Digitalisierung liegen.
Annika Weiser, Johannes van Deest, Matthias Barth
Kapitel 6. Hochschulbildung für eine nachhaltige Entwicklung – interdisziplinär, partizipativ und digital? Konzeption, Evaluation und Reflexion eines universitären Ausbildungsmoduls
Zusammenfassung
Seit Jahren wird in der Hochschullandschaft eine übergreifende und flächendeckende Integration von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und Digitalisierung gefordert. Die Covid-19-Pandemie hat der zunehmenden Digitalisierung in die Hände gespielt: Präsenzlehre war kaum mehr möglich, stattdessen mussten Lehrveranstaltungen innerhalb kurzer Zeit in den virtuellen Raum verlegt werden. Der vorliegende Beitrag stellt die Konzeption und Umsetzung eines universitären BNE-Kurses vor, der pandemiebedingt zur Gänze im digitalen Raum durchgeführt wird. Im Zuge der Evaluation und Reflexion wird danach gefragt, welche Herausforderungen und Potenziale sich durch die Digitalisierung der Lehr-Lern-Umgebung für die Umsetzung von BNE-Lernsettings zeigen. Aus der Zusammenführung von Studierenden- und Lehrendenperspektiven lassen sich Empfehlungen für die Entwicklung von zukunftsfähigen, BNE und Digitalisierung integrierenden Lernszenarien ableiten, die die Vorteile des Digitalen mit jenen des Analogen verbinden.
Helga Mayr, Anna Oberrauch
Kapitel 7. Disrupting »disruptive ideas«? Nachhaltigkeit und Digitalisierung als offene Widerspruchsverhältnisse einer kritischen Lehrer*innenbildung
Zusammenfassung
Das aktuelle globale Nachhaltigkeitsprogramm der UN #ESDfor2030 fordert „disruptive ideas“ und kritische Perspektiven von BNE und darin verankerter digitaler Bildung. Auf bildungstheoretischer Ebene wird im Beitrag das in diesen Bildungskonzeptionen wirksam werdende Bildungs- und Kritikverständnis als Problem in den Blick genommen. In Anknüpfung an Debatten der politischen Bildung um die Frage der Normativität und des kritischen Standpunktes soll die bildungstheoretische Re-Vision der Widerspruchsverhältnisse von BNE und digitaler Bildung als Anknüpfungspunkt für die Hochschul- und Lehrer*innenbildung fruchtbar gemacht werden. Der dem Disruptionsbegriff eingeschriebenen Aufbruchstimmung um das Kritische wird der Modus und offene Prozesscharakter des disrupting disruptive ideas entgegengestellt.
Steffen Pelzel, Hanna Butterer
Kapitel 8. Transformatives Lernen mit digitalen Spielen. Entwicklung eines Serious Game durch Studierende als didaktisches Konzept für eine BNE?
Zusammenfassung
Transformatives Lernen im Kontext von Nachhaltigkeit zielt darauf ab, Lernumgebungen zu schaffen, in denen Lernende sich selbstständig mit Lerninhalten auseinandersetzen sowie eigene Bedeutungsperspektiven in Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung reflektieren. Im vorliegenden Beitrag wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Entwicklung von Serious Games (digitalen Spielen, die ein konkretes Bildungsziel verfolgen) durch Studierende diesem Anspruch gerecht wird. Es wird ein Seminarkonzept beschrieben, in dem Studierende sich interaktiv mit den Zielen einer nachhaltigen Entwicklung auseinandersetzen müssen, um Lernziele und -inhalte in ein digitales Spiel für eine selbst gewählte Zielgruppe zu überführen. Dabei setzen sie sich mit Alltagswelten und Bedürfnissen anderer Personengruppen auseinander. Dieser Prozess kann Irritationen auslösen und hat so das Potenzial, im Sinne des transformativen Lernens eigene Bedeutungsperspektiven zu hinterfragen und neue Bedeutungsperspektiven aufzubauen.
Pia Spangenberger, Linda Kruse, Mandy Singer-Brodowski
Kapitel 9. Verknüpfung von Digitalisierung, NE-Kompetenzen und aktivierender Lehre für eine zukunftsfähige Hochschule – Empirische Evidenzen einer HAW
Zusammenfassung
Um nachhaltige Entwicklung in der Hochschulbildung zu verankern und Studierenden die Möglichkeit zu geben, dafür notwendige Kompetenzen auszubilden, ist eine Verschiebung hin zu aktivierenden Lehr-Lern-Formaten von zentraler Bedeutung. Gleichzeitig spielen digitale Lehr-Lern-Formate in der Hochschulbildung eine immer größere Rolle. Der Beitrag geht deshalb der Frage nach, ob digitale Lehr-Lern-Formate in der Lage sind, aktivierende Lehre zu ermöglichen, um dadurch Kompetenzen der nachhaltigen Entwicklung zu fördern. Dazu wird eine Analyse hinsichtlich der Effekte des Aktivierungsgrades von 14 onlinebasierten Lehrveranstaltungen (jeweils sieben mit geringem und hohem Aktivierungsgrad) auf die Bewertung dieser Veranstaltungen sowie auf studentische Motivationsstrategien und deren Selbstwirksamkeit durchgeführt. Diese Analyse basiert auf einer Erweiterung des „Community of Inquiry“-Modells. Die Ergebnisse werden mit denen einer bereits durchgeführten qualitativen Interviewstudie zur Eignung aktivierender Lehr-Lern-Formaten zur Bildung von Nachhaltigkeitskompetenzen verknüpft. Zusammenfassend kann daraus die Annahme formuliert werden, dass Nachhaltigkeitskompetenzen im digitalen Setting mit aktivierenden Lehr-Lern-Formaten besser entwickelt werden können als in nicht aktivierenden Lehr-Lern-Formaten.
Dorothee Apfel, Stefan Rögele, Alina Kuthe
Kapitel 10. Naturzugänge und Naturverständnis durch digitale Bildung?
Zusammenfassung
Das Naturverständnis ist grundlegend für die Wertorientierungen und das Verhalten der Menschen gegenüber der Natur sowie für eine nachhaltige Entwicklung. Der Beitrag untersucht aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive die unterschiedlichen Wirkungen digitaler Bildung auf das Naturerleben und -verstehen junger Menschen. Unter bildungstheoretischen und mediendidaktischen Perspektiven wird diskutiert, wie sich die Digitalisierung auf das Naturverständnis der Lernenden sowie deren Werthaltungen auswirken kann. Die Ausgangshypothese des Beitrags lautet, dass in Anerkennung einer sich weiter ausbreitenden Digitalisierung in der Pädagogik über mögliche Kompromisse, Vernetzungen und Synergieeffekte zwischen einem notwendigen realen Naturerleben junger Menschen und der zunehmenden Virtualisierung ihrer Lebenswelt abzuwägen sein wird. Dabei ist das Ziel des Beitrags, sowohl Chancen als auch Risiken und Herausforderungen des Naturzugangs durch digitale Bildung aufzuzeigen und in dieser Hinsicht neue Perspektiven für Forschung und Hochschullehre zu entwickeln.
Thomas Vogel
Kapitel 11. Herausforderungen für und kritische Perspektiven auf die digitalisierte Bildung für nachhaltige Entwicklung
Schlussfolgerungen einer vergleichenden Analyse eines analog versus digitalisiert durchgeführten „Fair-Trade-Projektes“
Zusammenfassung
Dieser Beitrag analysiert mit kritischem Blick Erfahrungen mit digitalisierter Bildung für nachhaltige Entwicklung. Die theoretische Analyse wird durch den Vergleich zweier praxisorientierter Forschungsprojekte illustriert, welche an einer Fachhochschule in Zusammenarbeit mit jeweils einem unternehmerischen Kooperationspartner unterschiedliche Fair-Trade-Fragestellungen mit vergleichbarem Projektverlauf untersuchten. Die studentischen Projekte repräsentieren beispielhaft Initiativen im Bereich Nachhaltigkeit und Digitalisierung, da mangels flächendeckender Initiativen (Filho, Digitalisierung und Nachhaltigkeit, Springer Spektrum, Wiesbaden, 2021, S.V) aktuell noch keine umfassende Analyse möglich ist. Der analytische Vergleich des analog versus fast ausschließlich digitalisiert durchgeführten Projektes gibt wertvolle Hinweise auf Herausforderungen für digitale und hybride Bildungsformate und erste Impulse für Lösungsansätze.
Ute Rademacher, Dominik Dallwitz-Wegner
Kapitel 12. BNE im Kontext des transformativen Lernens: Chancen und Herausforderungen einer digitalen Lehre
Zusammenfassung
Transformativem Lernen (TL) wird in Zusammenhang mit einer Bildung für nachhaltigen Entwicklung (BNE) im Rahmen einer zukunftsorientierten Hochschulbildung zunehmend Bedeutung beigemessen (Orlovic LV (2019) Didactic Re-orientation and Sustainable Development. In: Leal Filho W (Hrsg) Encyclopedia of Sustainability in Higher Education. Springer International Publishing; Imprint, Cham, S. 1–9). Im Kontext (nicht) nachhaltigen Handelns bietet die Theorie des TL Studierenden die Möglichkeit, grundlegende Annahmen und Werte über Nachhaltigkeit infrage zu stellen und neue Wege des Handelns zu entwickeln (Michel et al., New Dir Teach Learn 161:177–188, 2020). An dieser Stelle setzt das Landauer Zertifikat „Bildung – Transformation – Nachhaltigkeit (BTN)“ an. Es bietet Lehramtsstudierenden aller Fächer und Schulformen die Möglichkeit, sich wissenschaftlich fundiert und praxisorientiert mit Aspekten nachhaltiger Entwicklung auseinanderzusetzen (Risch et al., Zeitschrift für internationale Bildungsforschung und Entwicklungspädagogik 40:11–17, 2017). Im Zuge der Corona-Pandemie erfolgte die Digitalisierung des Zertifikates. Dabei bestand die Herausforderung, die Inhalte auch in einem digitalen Setting mit der Theorie des TL zu verknüpfen. Im Rahmen des Beitrags werden ausgehend von der Theorie des TL zunächst die Konzeption des BTN-Zertifikats dargestellt und die Aufgaben der coronabedingten Digitalisierung skizziert. Im Anschluss erfolgt die Auseinandersetzung mit der Frage, wie sich synchrone Online-Formate auf die Bereitschaft der Studierenden auswirken, persönliche Wertevorstellungen über BNE mit ihren Kommiliton*innen zu diskutieren und sich auf die Besonderheiten des TL einzulassen. Zur Beantwortung der Frage werden Ergebnisse einer Begleitstudie vorgestellt.
Philip Weinberger, Marie Schehl, Björn Risch
Kapitel 13. Virtueller Austausch zum nachhaltigen Konsum: Ein Beispiel zur Ernährungs- und Verbraucherbildung an der Schnittstelle von BNE und Digitalisierung
Zusammenfassung
Mit der Globalisierung und Digitalisierung verändern sich tägliches Leben und Konsum weltweit. Für die Einzelnen ist es nahezu unmöglich, die Bedingungen und Folgen ihres Konsumhandelns zu erfassen. Gleichzeitig ist Konsum mit drängenden globalen Herausforderungen und einer (un-)nachhaltigen Entwicklung verbunden. Im Beitrag wird ein Konzept zum virtuellen Austausch (VA) in Verbindung mit der Ernährungs- und Verbraucherbildung (EVB) in der Hochschullehre zur Förderung der BNE vorgestellt und beispielhaft anhand eines deutsch-laotischen Kooperationsseminars illustriert. Dazu werden Ergebnisse einer Sichtung bestehender VA-Formate im Kontext der BNE skizziert und BNE-relevante konzeptionelle Elemente der EVB herausgearbeitet, um daran anschließend das hochschuldidaktische Konzept sowie Ergebnisse aus der Erprobung im Lehramtsstudium darzustellen und zu diskutieren. Diese Erkenntnisse können Anknüpfungspunkte für andere in Forschung und Lehre sein, die VA im Bereich der Agenda 2030 einsetzen möchten.
Silke Bartsch, Heike Müller
Kapitel 14. Klimawandel im Literaturunterricht
Zusammenfassung
Am Beispiel zweier Lehrveranstaltungen aus der Lehrer*innenbildung erläutert dieser Beitrag, wie gerade der Literaturunterricht ein ausgezeichneter Ort sein kann, um Fragen nachhaltiger Entwicklung zu behandeln und wie sich deren Umsetzung in digitalen Settings erfolgreich gestalten lässt. Beide Kurse hatten das Ziel, bei den Teilnehmer*innen selbst Kompetenzen im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung zu fördern und sie zugleich zu befähigen, diese Kompetenzen bei ihren Schüler*innen zu stärken. Wesentlich für das Argument dieses Beitrags sind seine wissenschafts- und literaturtheoretischen Überlegungen sowie die Explizierung von Gelingensbedingungen guter digitaler Lehre.
Simon Meisch, Stefan Hofer-Krucker Valderrama, Samuel Lang
Kapitel 15. Werte und Normen in digitalen BNE-Weiterbildungen
Zusammenfassung
Das Konzept einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist eng mit Normen und Werten verknüpft. Normative Fragen stellen sich hier in besonderer Weise, da die Ziele einer nachhaltigen Entwicklung unterschiedlich definiert werden und Zielkonflikte entstehen können. Bei der Umsetzung von BNE an Hochschulen sollte daher eine aktive und kritische Auseinandersetzung mit dieser Normativität stattfinden. Ein reflexiver Umgang mit Normen und Werten ist wichtig, da er bei Lernenden u. a. transformative Lernprozesse sowie das Infragestellen dominanter Bedeutungsperspektiven befördern kann. Um Hochschullehrende zu einem konstruktiven Umgang mit Normativität zu befähigen, bedarf es einer entsprechenden Ausbildung, die im Rahmen von BNE-Weiterbildungen erfolgen kann. Insbesondere bei Workshops im digitalen Raum erfordert dies ein hohes Maß an Vertrauen. Wie dieses aufgebaut und in der Folge eine aktive Auseinandersetzung mit Normen und Werten ermöglicht werden kann, wird auch anhand eines Beispiels in diesem Beitrag beleuchtet.
Teresa Ruckelshauß, Ann-Kathrin Schlieszus, Alexander Siegmund
Kapitel 16. Hybrider Live-Unterricht als Mittel zur Einbindung außerschulischer BNE-Partner: das Schulprogramm der Public Climate School als Good-Practice-Beispiel
Zusammenfassung
Das Schulprogramm der Public Climate School bringt im Rahmen einer Aktionswoche einmal pro Semester BNE- und Klimabildungsinhalte in Schulen in ganz Deutschland. Das verwendete Unterrichtsformat ist der hybride Live-Unterricht, bei dem Lehrkräfte vor Ort von Referierenden unterstützt werden, die über einen Livestream digital zugeschaltet sind. Außerschulische Lernpartner*innen und fachlich hochqualifizierte Expert*innen erhalten so die Möglichkeit, mit nur einer interaktiv gestalteten Stunde in unbegrenzt vielen Klassen gleichzeitig zu wirken. Dem Risiko einer nicht vorhandenen Replizierbarkeit der bereits erreichten Erfolge stehen die Chancen auf eine Institutionalisierung dieser Lernform gegenüber. Das Schulprogramm der Public Climate School ist ein exemplarisches Beispiel für eine neue Art des digitalen Lernens und Lehrens, die mit Fokus auf die Perspektive der Schüler*innen versucht, aktuelle Erkenntnisse zu den Themen der Gegenwart, allen voran zur Klimakrise, zu vermitteln.
Inga Thao My Bui, Christian Große
Kapitel 17. Der Lernbereich globale Entwicklung unter den Bedingungen von Corona-Pandemie und Digitalisierung – Konsequenzen für den Sachunterricht der Grundschule
Zusammenfassung
Der Beitrag fasst den Lernbereich globale Entwicklung zunächst als Teil einer Bildung für nachhaltige Entwicklung. Der Lernbereich wird mit Inhalten politischer Bildung verbunden und im Kontext einer Global Citizenship Education reformuliert. Unter Bezugnahme auf die weltweite Corona-Pandemie und die hier zu Tage tretenden Ungleichheiten wird unter besonderer Berücksichtigung der Digitalisierung von Lebenswelten danach gefragt, wie im Sachunterricht der Grundschule weltweite Ungleichheiten didaktisch aufbereitet werden können.
Thomas Strehle
Kapitel 18. BNE digital – Von der digitalen Hochschullehre zu transformativen Projekten
Zusammenfassung
Die aktuellen Herausforderungen in der Bildung liegen in den Bereichen Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Sowohl die Digitalisierung wie auch die Einsicht in die Dringlichkeit einer nachhaltigen Entwicklung haben die Gesellschaft und die Hochschulen erreicht. Für die Betrachtung der Digitalisierung sowie der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) dient uns das systemische Denken. BNE befähigt Menschen dazu, globale Probleme wahrzunehmen, sich ihnen zu stellen und Lösungsansätze zu entwickeln. Idealerweise ist sie daher systemisch angelegt und führt zum transformativen Handeln. Projektbasierte digitale Lehre bietet wichtige Chancen, Bildung für nachhaltige Entwicklung an Hochschulen umzusetzen, da sie unmittelbar in einen praktischen Kontext eingebettet ist. Der Beitrag zeigt auf, welche Beziehungen zwischen systemischem Denken, BNE und Digitalisierung bestehen und welchen Nutzen projektbasierte digitale Lehre für die BNE haben kann.
Ulrich Holzbaur, Annika Beifuss
Kapitel 19. Herausforderungen und Chancen einer digitalen Fortbildung zu Bildung für nachhaltige Entwicklung für eine zukunftsorientierte Hochschulbildung
Zusammenfassung
Den Zielen der Agenda 2030 sowie des Weltaktionsprogramms und des Nationalen Aktionsplans sowie der ESD-for-2030-Roadmap folgend, welche die Ausbildung von Multiplikatoren*innen im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung als besonders wichtig herausstellten, wurde im Rahmen des Projektes „Fortbildung von Hochschuldozent*innen und Seminarlehrkräften der Lehrerbildung für BNE in Bayern“ (FOLE-BNE_Bay) u. a. eine hochschuldidaktische Fortbildung mit drei Modulen in Präsenz konzipiert und seit Herbst 2018 durchgeführt. Die coronabedingte Zäsur im Bildungssystem war im Frühjahr 2020 der Anlass, die bisherige Fortbildung in ein digitales Format zu überführen. In diesem Beitrag wird nach kurzer Vorstellung der theoretischen Grundlagen zunächst der Ablauf der analogen BNE-Fortbildung vorgestellt und darauf aufbauend erläutert, welche Änderungen sich bei der Überführung in ein digitales Format ergaben. Abschließend werden die Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung erläutert.
Ingrid Hemmer, Christoph Koch, Anna Peitz
Kapitel 20. Schöne neue (Hochschul-)Welt: BNE und ästhetische Forschung im Spannungsfeld digitaler Herausforderungen in Forschung und Lehre
Zusammenfassung
Die Themenfelder der Digitalisierung sind divers. Erhebliche Veränderungen des individuellen Lebens, der Kommunikation, der Arbeitswelt, der Berufe und auch der Bildungs- und Forschungslandschaft sind damit verbunden. Selbstverständlich sind auch die Hochschulen damit konfrontiert: einerseits als aktive Gestalter der technischen Innovationen, welche die Digitalisierung vorantreiben, anderseits als Orte des kritischen Nachdenkens und Reflektierens über digitale Herausforderungen und die Gestaltung der Zukunft. Das Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) erscheint uns hierfür besonders interessant und findet an Hochschulen einen theoretischen und praktischen Handlungs- und Resonanzraum. Es besteht die Hoffnung, BNE als einen lebendigen Ausgangspunkt für die reflektierte Gestaltung der Digitalisierung zu begreifen und somit die gewaltigen in der Digitalisierung liegenden Umbrüche nicht nur zu initiieren oder zu analysieren, sondern auch zum gesellschaftlichen Wohle aktiv mitzugestalten. Die Methode der ästhetischen Forschung kann zu diesem Ziel entscheidend beitragen.
Judith C. Enders, Amanda Groschke
Kapitel 21. Partizipation und Teilhabe durch digitale Bildung für nachhaltige Entwicklung?
Zusammenfassung
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) erfährt im Bereich von Hochschule und Schule zunehmend Relevanz. BNE wird verstärkt strukturell und programmatisch in verschiedenen Bildungsplänen der Länder verankert, teilwiese in Studienordnungen aufgenommen und ist in Diskussionen um Forschung und Lehre für eine nachhaltigere Entwicklung an den Hochschulen präsent. Für eine nachhaltigere Gestaltung der Gesellschaft wird Bildung als zentraler Schlüssel betrachtet und in diesem Zuge dem Einfluss von Multiplikator*innen für eine flächendeckende Verankerung von BNE eine wichtige Funktion beigemessen. Neben der mit einer nachhaltigen Entwicklung einhergehenden sozial-ökologischen Transformation ist auch die digitale Transformation in aktuellen gesellschaftspolitischen und wissenschaftlichen Diskursen vorherrschend. Gesellschaftliche Gestaltung und Veränderung erfordern unterschiedliche Kompetenzen. Eine zentrale Komponente für eine nachhaltigere und digitale Lebenswelt ist dabei die Befähigung zur Partizipation sowie die Schaffung von Beteiligungsmöglichkeiten, bei denen auch digitalen Technologien eine zunehmende Relevanz zukommt. Kern des Beitrags ist daher die E-Learning-Plattform „Future:N!“ als Modellvorhaben zur digitalen Förderung von BNE-relevanten Kompetenzen bei Multiplikator*innen wie Lehrkräften und Hochschuldozierenden. Im Rahmen von Future:N! wird veranschaulicht, dass Multiplikator*innen befähigt und unterstützt werden müssen, um Partizipation im Kontext einer digitalen BNE anregen zu können.
Johanna Weselek, Florian Kohler, Alexander Siegmund
Backmatter
Metadata
Title
Digitale Bildung für nachhaltige Entwicklung
Editors
Johanna Weselek
Florian Kohler
Alexander Siegmund
Copyright Year
2022
Publisher
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-662-65122-3
Print ISBN
978-3-662-65121-6
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-65122-3