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About this book

​Die Wiedererlangung von Alltagsfähigkeiten hat für Menschen nach schweren Erkrankungen oder Verletzungen einen hohen Stellenwert, denn selbstständiges Handeln in allen Lebensbereichen schafft Lebensqualität. Besteht Bedarf zur Rehabilitation, werden Maßnahmen eingeleitet, die sich u. a. auf den medizinischen, sozialen, beruflichen, pädagogischen und technischen Bereich beziehen. In den letzten Jahren wurden in all diesen Bereichen Fortschritte erzielt, um Betroffenen noch besser helfen zu können. Digitale und technische Lösungen in der Rehabilitation nehmen einen immer größeren Rahmen ein. Die Anwendungsmöglichkeiten sind ebenso vielfältig wie die digitalen und technischen Lösungen. Das Fachbuch geht auf Behandlungs- und Therapiekonzepte und die digitale Transformation in der Rehabilitation ein. Es richtet sich an Mediziner, Wissenschaftler, Physio- und Ergotherapeuten, Ingenieurwissenschaftler, Berater, Kostenträger, Rehakliniken und Studenten im Bereich Gesundheitsmanagement.

Table of Contents

Frontmatter

Ausbildung und Lernen

Frontmatter

1. Rehabilitation 4.0: Chancen und Herausforderungen der digitalen Transformation in den Rehabilitationswissenschaften

Zusammenfassung
Mit der Initiative Industrie 4.0 liegen bereits Erfahrungen vor, wie die Vision der Digitalisierung in der Produktion und in Unternehmen umgesetzt werden kann. Diese Expertise ist auf andere Anwendungsfelder übertragbar, indem technische, individuelle und organisatorische Dimensionen des Wandels beschrieben werden. Potenziale und Herausforderungen des Wandels und für die Forschung werden sichtbar. Der Beitrag analysiert anhand von Beispielen die Übertragbarkeit auf den Rehabilitationsbereich und gibt einen Ausblick auf anstehende Aufgaben für Forschung und Entwicklung. Im Zentrum der Ausarbeitung steht das Thema Digitalisierung in den Rehabilitationswissenschaften.
Tobias Meisen, Helmut Vieritz

2. Medienkompetenz und digital unterstütztes Lernen in der beruflichen Rehabilitation – Status quo und Organisations- und Personalentwicklungsprozesse bei Leistungserbringern

Zusammenfassung
Mit der zunehmenden Digitalisierung der Arbeitswelt verändern sich auf dem Arbeitsmarkt nachgefragte Qualifikationsprofile. Gleichzeitig steigt die Bedeutung digitaler Medien innerhalb (lebenslanger) beruflicher Lehr-/Lernprozesse. Soll das Ziel einer gesellschaftlichen und beruflichen Teilhabe erreicht werden, müssen Erbringer beruflicher Rehabilitationsleistungen ihr Angebotsportfolio an zukünftige Arbeitsmarktanforderungen anpassen und Rehabilitanden außerdem zum kompetenten Umgang mit digitalen Medien befähigen. Im Beitrag werden erste Erkenntnisse aus dem BMBF-geförderten Projekt „Implementierung einer digitalen Lernkultur und Stärkung der Medienkompetenz in Berufsbildungswerken und bei Bildungsdienstleistern ambulanter beruflicher Rehabilitation – MeKo@Reha“ vorgestellt, welches in zwei Berufsbildungswerken und bei zwei Bildungsdienstleistern ambulanter beruflicher Rehabilitation eine digitale Lernkultur implementieren und die Medienkompetenz der dort Beschäftigten stärken soll. Beschrieben werden die Ergebnisse der Ausgangserhebung (Status quo und Ziele) in den vier Einrichtungen und der initiierte Personal- und Organisationsentwicklungsprozess.
Matthias Kohl, Thomas Kretschmer, Ann Marie Wester

3. Inklusive Technologie? Digitalisierung und Teilhabe im Kontext aktivierender Gesundheitsförderung

Zusammenfassung
Teilhabe durch Technik lautet die Zauberformel, an die sich zahlreiche Hoffnungen knüpfen. Technikeinsatz im Gesundheitswesen soll zur Lösung drängender Probleme beitragen. Angesichts des demografischen Wandels und der damit einhergehenden mutmaßlichen Bedrohung durch Multimorbidität bei steigender Lebenserwartung wird versucht, gesellschaftliche Kontextfaktoren stärker zu berücksichtigen. Der Beitrag erörtert den Einsatz digitaler Assistenztechnologien im Gesundheitsbereich unter dem Aspekt und der Zielsetzung sozialer Teilhabe. Notwendig dafür ist ein reflektiertes Verständnis unterschiedlicher Dimensionen gesellschaftlicher Teilhabe sowie ethischer und sozialer Grenzen des Technikeinsatzes.
Fabian Karsch

4. Die Digitalisierung in der interprofessionellen Gesundheitsausbildung

Zusammenfassung
Die erfolgreiche Arbeit im Gesundheitswesen setzt das interprofessionelle Miteinander voraus. Jedoch lernt bisher jede Disziplin allein. Ein interprofessionelles Seminar, basierend auf dem Lehrkonzept des Konstruktivismus (erfahrungsorientiertes Lernen) sowie der videobasierten Reflexion mittels Tablet-PC, sensibilisiert bereits auf Ausbildungsebene für dieses Thema.
In einem Seminar treffen Medizinstudenten, Auszubildende der Physiotherapie sowie Gesundheits- und Krankenpflege aufeinander, um mit-, über- und voneinander zu lernen. In einer fiktiven, komplexen Patientensituation schlüpfen die Lernenden in die professionseigene sowie eine professionsfremde Rolle. Nach Aufnahme mittels Tablet kann das Ergebnis direkt betrachtet und anschließend strukturiert ausgewertet werden.
Die Digitalisierung in Form der videobasierten Reflexion ermöglicht einen zusätzlichen Einblick in das professionelle patientenorientierte Handeln, in die Interaktion der Beteiligten sowie in deren Kommunikation.
Uta Dahmen, Dana Loudovici-Krug

5. Chancen der Digitalisierung bei der Versorgung mit mobilitätsfördernden Hilfsmitteln

Zusammenfassung
Mobilitätsfördernde Hilfsmittel werden in bestimmten Anwendungen zunehmend mit Sensoren und digitalen elektronischen Systemen (mit Mikroprozessoren) ausgestattet. Diese dienen zunächst dem Zweck der Funktionsoptimierung, indem digitale Steuerungen bzw. Regelungen neue Systemanwendungen ermöglichen (z. B. die Verwendung elektrischer Muskelpotenziale zur Ansteuerung von Handprothesen) oder die Anwendung sicherer und einfacher machen (z. B. den Anwender des Hilfsmittels von Kontrollaufgaben befreien). Das Kapitel beschreibt Beispiele entsprechender Nutzungen digitaler Systeme innerhalb von mobilitätsfördernden Hilfsmitteln aus den Bereichen der Exoprothetik für Amputierte, der Orthetik und der funktionellen Elektrostimulation. Mit der technologischen Weiterentwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien sowie der zunehmenden Leistungsfähigkeit digitalelektronischer Hardware ergeben sich nun auch noch zusätzliche Chancen der Nutzung digitaler Daten mobilitätsfördernder Hilfsmittel. Sie können im Interesse von Behandlern und Patienten der Verbesserung der Therapiemitarbeit (Adhärenzoptimierung), im Interesse der Technikentwickler einer Hilfsmitteloptimierung und im Interesse der Kostenträger einer Versorgungsoptimierung dienen. Auch auf diese zukünftigen Potenziale der Digitalisierung bei der Versorgung mit mobilitätsfördernden Hilfsmitteln wird in diesem Kapitel eingegangen.
Marc Kraft, Susanne Dannehl, Thomas Schauer

6. Der Online-Rehabedarfstest (OREST): Neue Wege in die medizinische Rehabilitation

Zusammenfassung
Vor dem Hintergrund zweier aktueller Gesetzesänderungen, die auf ein stärker proaktives Handeln der Rehabilitationsträger bei der Feststellung von möglichem Rehabilitationsbedarf abzielen, werden derzeit neue, niedrigschwellige Zugangswege in die Reha diskutiert. Die Entwicklung entsprechender Onlineangebote wird hierbei als vielversprechender neuer Ansatz angesehen. Dieser Beitrag stellt das Projekt OREST vor, in dem erstmalig ein webbasiertes Screening auf Rehabilitationsbedarf (Rehabedarfstest) entwickelt worden ist und derzeit evaluiert wird. Durch die Einbettung des Rehabedarfstests in eine Website mit Informationen rund um die medizinische Rehabilitation wird dem Informationsbedürfnis potenzieller künftiger Rehabilitanden begegnet. Der Beitrag beschreibt den Weg zur Realisierung des Rehabedarfstests und der zugehörigen Website. Dabei wird auf Besonderheiten bei der Implementierung als Onlinefragebogen, insbesondere im Hinblick auf Nutzerfreundlichkeit und Datenschutz, eingegangen. Erste Ergebnisse zur Nutzung des Angebots liegen vor und legen nahe, dass das Angebot auf Interesse stößt und die anvisierte Zielgruppe erreicht.
Malgorzata Schlöffel, Hanna Kampling, Hartmut Pollmann, Oskar Mittag

Telemedizin

Frontmatter

7. Referenzmodell für telemedizinische Assistenzsysteme in der medizinischen Rehabilitation, Prävention und Nachsorge

Zusammenfassung
Telemedizinische Assistenzsysteme in der Rehabilitation, Prävention und Nachsorge leisten einen wertvollen Beitrag zur Verstetigung des Therapieerfolges. Gerade in ländlichen Regionen können mit ihrer Hilfe die in der Klinik eingeführten Behandlungsprozesse im ambulanten oder häuslichen Umfeld fortgeführt werden. Gleichzeitig erlauben sie den behandelnden Einrichtungen eine Prozessinnovation durch die Flexibilisierung und Digitalisierung der Therapie. In diesem Beitrag beschreiben die Autoren ein Referenzmodell, das aus der mehrjährigen Praxis bei der Entwicklung und Durchführung von Telemedizinprojekten am Fraunhofer FOKUS entwickelt wurde. Eingangs werden die Nutzer- sowie Produkt- und Marktanforderungen beschrieben. Daraus wird das Referenzmodell inklusive der benötigten Systemkomponenten und Funktionen abgeleitet. Abschließend werden die Datenstrukturen und Schnittstellen zu medizinischen Dokumentationssystemen beschrieben. Ziel des Referenzmodells ist es, eine Struktur für die technische Umsetzung von telemedizinischen Assistenzsystemen zu liefern, sodass der konzeptionelle Aufwand für die Entwicklung neuer Anwendungen reduziert werden kann.
Michael John, Maciej Piwowarczyk vel Dabrowski, Anne Grohnert, Benny Häusler, Christian Giertz

8. Barrieren und förderliche Faktoren telemedizinischer Ansätze in der medizinischen Rehabilitation

Zusammenfassung
Die Einführung telemedizinischer Technologien in die Behandlung im Rahmen einer medizinischen Rehabilitation stellt eine Innovation dar, für deren erfolgreiche Implementierung viele Faktoren zu berücksichtigen sind. Dieser Beitrag fokussiert auf zwei Faktoren, die als Barrieren, aber auch als fördernde Faktoren bei der Umsetzung von telemedizinischen Ansätzen wirken können: die Einstellungen des Nutzers der Telemedizin und Merkmale der verwendeten IT-Technologie. Da sich das Potenzial der Telemedizin insbesondere bei der Überwindung räumlicher Distanzen entfaltet, wird zudem auf die Digitalisierung im Kontext der Rehabilitationsnachsorge eingegangen, die dadurch gekennzeichnet ist, dass sich der Rehabilitand nach dem direkten Kontakt mit dem Rehabilitationsteam wieder im häuslichen Umfeld bewegt und eine Betreuung durch das Personal der Rehaeinrichtung oft nur noch mit telemedizinischen Ansätzen möglich ist. Die Ausführungen machen deutlich, dass nicht nur technologische Innovationen benötigt werden, sondern auch innovative Konzepte zu einem medizinisch-therapeutischen Arbeitsprozess, der persönliche und digitale Komponenten sinnvoll aufeinander abstimmt.
Erik Farin-Glattacker, Erika Schmidt, Lucas Spohn

9. Telemedizin in der Rehabilitation – über Barrieren in Raum, Zeit und Institutionen hinweg

Zusammenfassung
Versorgungsnetzwerke mit Telegesundheitsdiensten als kollaboratives virtuelles Netzwerk mit einem interdisziplinären Betreuungsteam werden zukünftig für die ambulante als auch mobile Rehabilitation zur Überwindung der Barrieren in Raum, Zeit und über Institutionen hinweg von Bedeutung sein. Quantifizierbares, kontrolliertes Training als Therapieform – „Training als Medikament und Bewegung als Therapie“ – eröffnet neue Wege für Prävention, die Mobilisierung und Stabilisierung während oder nach einer Rehabilitation vor allem bei Patienten mit chronischen Erkrankungen. Eine Trainingsbegleitung für zu Hause ist technisch durch moderne mHealth-basierte Steuerung und Überwachung des telemedizinischen Trainings möglich. Hinsichtlich des Trends zum kontrollierten Training kann Bewegung wie ein Medikament verschrieben und dessen „Einnahme“ sowohl sicher und effizient durchgeführt als auch eingesehen und überprüft werden. Durch telemedizinische Betreuung ergeben sich innovative Ansätze, die – gezielt eingesetzt – eine nutzbringende Ergänzung darstellen werden.
Robert Modre-Osprian, Heimo Traninger, Günter Schreier, Clemens Rissbacher, Peter Kastner

10. Anforderungen der Deutschen Rentenversicherung an Telenachsorge

Zusammenfassung
Digitale Anwendungen haben Eingang in die Rehanachsorge der Deutschen Rentenversicherung (DRV) gefunden. Neben der herkömmlichen Face-to-Face-Rehanachsorge mit direktem Therapeutenkontakt stehen zunehmend internetgestützte Rehanachsorgeangebote zur Verfügung. Die Rehanachsorge erfolgt am PC oder an mobilen Endgeräten (Laptop, Tablet, Smartphone) via Internet oder Mobilfunknetz. Trotz ihres Potenzials für eine sinnvolle Nutzung – vor allem in unterversorgten Gebieten oder bei Indikationen mit geringem Versorgungsgrad – stellen sich in Bezug auf Onlineanwendungen grundlegende Fragen an die Einsatzmöglichkeiten und -grenzen. Die Deutsche Rentenversicherung hat daher Anforderungen für die Anerkennung und Zulassung von Telerehanachsorgekonzepten formuliert. Die Kriterien sind als Orientierung für Rehabilitanden, Rentenversicherungsträger, Rehaeinrichtungen, Leistungserbringer der Rehanachsorge und potenzielle Anbieter internetgestützter Anwendungen konzipiert und dienen der Qualitätssicherung der Telenachsorge.
Teresia Widera, Eva Volke

Schlaganfall

Frontmatter

11. „Mobil nach Schlaganfall“ – ein überregionales Versorgungskonzept im regionalen und multiprofessionellen Setting

Zusammenfassung
Die Zahl neurologischer Erkrankungen nimmt grundsätzlich zu, allein die Indikation Schlaganfall wird laut Erlanger Schlaganfall-Register in ihrer Prävalenz bis 2025 auf insgesamt ca. 3,5 Mio. Patienten ansteigen. Hieraus resultiert ein deutlicher Bedarf an Kompetenznetzwerken, bestehend aus spezialisierten Ärzten, Therapeuten und Sanitätshäusern, die den Patienten regional, individuell und bestmöglich versorgen. Welche regionalen Strukturen und welche Instrumente sind dabei hilfreich? Kann man Qualitätsstandards definieren? Sollen Ansätze der Versorgungsforschung in der täglichen praktischen Umsetzung auch erfolgreich sein? Wie verhält es sich insbesondere mit dem Aspekt der Teilhabe gemäß ICF (International Classification of Functioning, Disability, and Health) sowie den „Patient-reported Outcomes“? Der Beitrag beleuchtet Möglichkeiten und Grenzen regionaler Versorgungskonzepte und zeigt, welche Voraussetzungen funktionierende Netzwerke haben müssen.
Thorsten Böing

12. ReHabX: Personalisierte Therapiesteuerung bei Gangstörungen am Beispiel des Schlaganfalls

Zusammenfassung
Die Wiedergewinnung und der Erhalt der Mobilität stellen aufgrund der demografischen Entwicklung eine wachsende medizinische und soziale Problematik dar, deren Meisterung neue, moderne Lösungsstrategien aus der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Therapeuten und Ingenieurwissenschaftlern erfordert. Während bei der Therapieauswahl zur Behandlung von Gangstörungen, insbesondere bei neurologischen Erkrankungen, bisher hauptsächlich semiquantitative und teils „intuitive“ Diagnosemethoden von Ärzten und Therapeuten zum Tragen kommen, bieten moderne Methoden der Bewegungssimulation neue Ansätze, die eine evidenzbasierte Therapieplanung ermöglichen. In dem Forschungsprojekt ReHabX wurde die Technologie der Bewegungssimulation genutzt, um innovative Methoden für die personalisierte Therapiesteuerung in der Schlaganfallrehabilitation zu entwickeln. Dies umfasste (1) die Formulierung von klinischen Kenngrößen, welche eine reproduzierbare Bestimmung der funktionell erforderlichen Rehabilitationsmaßnahmen unterstützen, (2) eine Methodik, um die Maßnahmenempfehlungen von klinischen Experten zu objektivieren, und (3) ein Softwaretool, das es Ärzten und Therapeuten ermöglicht, aufgrund objektivierter Kriterien unterschiedliche Maßnahmen für die Rehabilitation der Gangfähigkeit nach einem Schlaganfall zu vergleichen und eine Empfehlung für die Behandlung zu erhalten. Durch die Weiterentwicklung der Methoden könnten innovative, auf den Patienten zugeschnittene „Multi“-Therapien personalisiert gestaltet werden und aus den daraus resultierenden Therapieerfolgen könnte die Teilhabe der Patienten am gesellschaftlichen Leben deutlich verbessert werden.
Andrés Kecskeméthy, Mario Siebler, Dominik Raab, Francisco Geu Flores, Harald Hefter

13. Nutzerzentrierte Entwicklung eines roboterbasierten Telerehabilitationssystems für Schlaganfallpatienten

Zusammenfassung
Die Rehabilitation motorischer Fähigkeiten nach Schlaganfall erfordert häufig eine sehr intensive und lang andauernde Behandlung. Bei meist stark begrenzten klinischen Rehabilitationszeiten ist eine Fortsetzung der Bewegungstherapie nach Entlassung aus der Rehaklinik daher von großer Bedeutung, um einen dauerhaften und nachhaltigen Therapieerfolg zu erzielen. Allerdings bestehen derzeit große Defizite, eine adäquate Anschlusstherapie in der häuslichen Umgebung der Patienten zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang bieten Telerehabilitationssysteme, die ein Bewegungstraining unter Fernbetreuung ermöglichen, einen interessanten Lösungsansatz. Da Patienten solch ein System im häuslichen Setting eigenständig bedienen können müssen, ist es unabdingbar, den Fokus bei der Entwicklung auf einen möglichst nutzerzentrierten Aufbau zu legen und damit von Beginn an die Bedürfnisse und Anforderungen der Nutzer zu berücksichtigen. In diesem Beitrag wird die nutzerzentrierte Entwicklung eines Telerehabilitationssystems für Schlaganfallpatienten im häuslichen Setting vorgestellt. Insbesondere werden die durchgeführten Nutzerstudien mit Patienten sowie die Ergebnisse der therapeutischen Anforderungsanalyse an das multimodale robotergestützte Telesystem für die motorische Rehabilitation dargestellt und diskutiert. Außerdem werden das Konzept und das Gesamtsystem, bestehend aus Patienten- und Therapeutenstation, vorgestellt.
Ekaterina Ivanova, Natalie Jankowski, Katharina Lorenz, Mareike Schrader, Henning Schmidt, Jörg Krüger, Michael Minge

14. Innovative, spielerische Therapie mit einem Roboterball bei Schlaganfallpatienten – Erfahrungen und Ergebnisse

Zusammenfassung
Der Schlaganfall ist für die betroffenen Patienten häufig mit motorischen Einschränkungen der oberen Extremitäten verbunden. Neue Therapieverfahren können bestehende Verfahren ergänzen. Dabei wird verschiedene Hardware genutzt, um digitale Therapieinhalte umzusetzen. Ein Roboterball wurde als geeignetes Therapiemittel im Rahmen der Neurorehabilitation nach Schlaganfall erprobt und ein innovatives, spielerisch motivierendes Therapiekonzept entwickelt. In einer randomisierten, kontrollierten Cross-over-Studie konnten positive Effekte hinsichtlich der Greifkraft, unilateraler Geschicklichkeit und Gesundheitswahrnehmung gezeigt werden. Der Benefit ließ sich zum Teil auf spezifische Alltagssituationen übertragen. Der Therapieansatz ist variabel gestaltbar und bei heterogenem Schwere- und Ausprägungsgrad der bestehenden Symptomatik geeignet. Die Benutzerfreundlichkeit wurde von den Patienten als hervorragend bewertet. Das Steuerungskonzept war nachvollziehbar und der Umgang mit den verbundenen Geräten und Apps unkompliziert.
Tilo Neuendorf, Daniel Zschäbitz, Nico Nitzsche, Henry Schulz

Neurorehabilitation

Frontmatter

15. Telemedizin in der neurologischen Rehabilitation

Zusammenfassung
Die Behandlung neurologischer Erkrankungen ist in der Regel sehr komplex und bedarf einer engen Begleitung der Patienten. In den letzten Jahren haben neue Technologien die Möglichkeiten der Behandlung neurologischer Erkrankungen erweitert und verändert. Durch telemedizinische Verfahren lassen sich Behandlungserfolge nachweislich steigern. Voraussetzungen für die erfolgreiche Anwendung telemedizinischer Verfahren sind ebenso vielfältig wie die Verfahren selbst. Dieser Beitrag fokussiert auf Grundlagen telemedizinischer Versorgung und stellt Projekte aus der Teleneurologie und der neurologischen Rehabilitation vor.
Michael Wahl, Natalie Jankowski

16. Möglichkeiten der Digitalisierung einer ambulanten neuropsychologischen Rehabilitation und Telemedizin in der Neurologie, Kardiologie und Psychiatrie

Zusammenfassung
Schlaganfälle und andere Durchblutungsstörungen des Gehirns gehören zu den schwerwiegendsten Erkrankungen und ziehen umfangreiche und teure Rehabilitationsmaßnahmen nach sich. Im Rahmen der fortschreitenden Digitalisierung des Gesundheitswesens stellt sich die Frage, wie die neuropsychologische Rehabilitation unterstützt oder gar ermöglicht werden kann. Rehabilitation zielt auf die Verbesserung und Stabilisierung von Hirnfunktionen und baut dabei auf der Plastizität des Gehirns auf. Computerbasierte Methoden scheinen sich als effektiv und effizient zu erweisen. Durch sinkende Kosten und stärkere Verbreitung erweist sich auch Virtual Reality (VR) als sinnvolle Alternative, die allerdings noch nicht zur klinischen Routine gehört. Die hier mögliche visuell-räumliche Navigation in der simulierten Realität fördert das Training und die Rehabilitation durch eine hohe Immersivität. Bei jeglichem Einsatz digitaler Hilfsmittel müssen ethische Implikationen berücksichtigt werden, von der Sicherheit der gesammelten Daten über die Entpersonalisierung des Kontaktes bis hin zu den erforderlichen neuen Kompetenzen im Umgang mit der Digitalisierung. Bei einem verantwortungsvollen Vorgehen können multidisziplinäre Projekte in Zukunft vollkommen neue Ansätze für die Rehabilitation entwickeln, die dann auch breit eingesetzt werden sollten.
Martina Piefke, Jan P. Ehlers

17. Verbesserung des Versorgungsalltags durch IT-gestützte Technologien in der Neurorehabilitation – behinderungsangepasst und aktivitätenorientiert

Zusammenfassung
Alle Anwendungen von Telemedizin können in der Neurorehabilitation eingesetzt werden: Telekonsultationen, Telemonitoring und Teletherapie/-training. Indikation besteht bei allen neurologisch-neurochirurgischen Krankheitsbildern. Die Vorgehensweise orientiert sich an ICF, das Phasenmodell gibt (Zwischen-)Ziele vor, der Fokus liegt auf Aktivitäten und Teilhabe. Im Vordergrund stehen Behandlungsmaßnahmen, erbracht durch die verschiedenen therapeutischen Berufsgruppen im Rehateam; IT-gestützte Therapieverfahren und Hilfsmittel werden dabei zunehmend genutzt und in Studien evaluiert. Ein interdisziplinäres Team gibt es aber aufgrund der Rahmenbedingungen nur in Rehabilitationseinrichtungen, nicht aber in der ambulanten kassenärztlichen Versorgung. IT-Anwendungen könnten dies auch dort ermöglichen und Langzeitverlauf und -betreuung positiv beeinflussen. Barrieren verhindern dies zurzeit noch. Der Beitrag gibt weiter eine Übersicht über bereits eingesetzte und untersuchte IT-Anwendungen in den Bereichen Arm-/Handfunktion, Stehen, Gehen und Gleichgewicht, Spastik und Schmerz, Alltagsaktivitäten, Sprache, Sprechen und Kommunikation und kognitive Funktionen. Darauf folgen Hinweise zum Vorgehen bei der Verordnung IT-gestützter Therapie- und Hilfsmittel.
Wilfried Schupp

18. Ansätze zur Verbesserung der Adhärenz in der neurologischen Rehabilitation durch den Einsatz mobiler Applikationen

Zusammenfassung
Apps können als mobile, digitale Assistenzsysteme zur neurologischen Rehabilitation in unterschiedlichen Anwendungsgebieten und Zielgruppen eingesetzt werden (Patienten, betreuende Personen, Praxispersonal, Ärzte). Dieser Beitrag befasst sich mit app-basierenden Assistenzsystemen, die zur Begleitung rehabilitativer Therapien schwerer neurologischer Krankheitszustände entwickelt wurden. Ein Ziel dieses Beitrages ist es, Best-Practice-Beispiele von app-basierenden Assistenzsystemen vorzustellen und deren Nutzen für den Einsatz in der neurologischen Rehabilitation aufzuzeigen. Darüber hinaus sollen folgende Fragen zu digitalen Apps in der Rehabilitation beantwortet werden: Welche grundsätzlichen Anforderungen bestehen an Apps in der neurologischen Rehabilitation? Welche Auswirkung hat die Therapietreue der Patienten in der neurologischen Rehabilitation und wie kann mit dem Einsatz von Apps ein positiver Einfluss auf das Patientenverhalten genommen werden? Welche app-basierenden Assistenzsysteme zur Therapiebegleitung sind verfügbar? Wie können app-basierende Assistenzsysteme erfolgreich implementiert werden? Welche ökonomischen Potenziale können durch den Einsatz von mobilen App-Systemen in den Behandlungszentren entstehen? Der Beitrag zeigt bestehende Forschungslücken auf und gibt Anregungen für zukünftige Forschung und Praxis im Anwendungsfeld der Therapiebegleitung von neurologischen Erkrankungen.
Fia Cürten

Anwendung

Frontmatter

19. Entwicklung und Anwendung des Therapieroboters PARO in der Rehabilitation

Zusammenfassung
Die Digitalisierung verändert zunehmend auch die Therapie im Rahmen der Rehabilitation. Fortschritte der Rehatechnik betreffen vor allem die sensomotorische und die kognitive Rehabilitation, während im sozialemotionalen Bereich nur wenige Beispiele einer Technologieunterstützung zu finden sind. Eines davon ist der intensiv erforschte Therapieroboter PARO. Seine Entwicklung und sein Einsatz werden dargestellt. Es wird ein Abriss der Wirkungsforschung gegeben. Abschließend wird die kritische Diskussion um den PARO thematisiert.
Carl Heese, Tilman Thaler

20. E-Learning für ergonomische Arbeitsabläufe in der medizinischen Rehabilitation

Zusammenfassung
Psychophysische Belastungen von Pflegepersonen wurden in der Vergangenheit vielfach untersucht. Es handelt sich im körperlichen Bereich u. a. um das Einnehmen von Zwangshaltungen, das Heben und Tragen oder den Krafteinsatz. Dabei können sich regelmäßig ungünstige Körperhaltungen ergeben, hohe Bandscheibenkompressionsdrücke vor allem am lumbosakralen Übergang, aber auch Beanspruchungen im Schulter-Nacken- sowie im Kniegelenksbereich. Klinikleitungen und Pflegemitarbeitern fehlen häufig die Kenntnisse der Verhältnis- und Verhaltensergonomie, um Arbeitsbelastungen zu erkennen, systematisch zu mildern und Beschwerden- und Erkrankungsrisiken zu senken. Neben Ergonomietrainings direkt am Arbeitsplatz in der Klinik können E-Learning-Systeme ergonomisches Basiswissen vermitteln und zu ergonomisch optimierten Arbeitsabläufen beitragen.
Kurt Landau

21. Exoskelette und künstliche Intelligenz in der klinischen Rehabilitation

Zusammenfassung
Das Tragen eines Roboters, also der direkte Kontakt eines potenziell sehr kraftvollen Systems mit dem menschlichen Körper, stellt enorme Anforderungen an die Ergonomie, Sicherheit durch Design und Steuerung sowie an das Zusammenspiel beider Partner – Mensch und Roboter. Letzteres erfordert Regelungsmechanismen, die ein transparentes Verhalten des Roboters für den Menschen ermöglichen (ohne den Menschen zu behindern) und das automatische Erkennen der Intention des Menschen, um ihn situationsgemäß zu unterstützen. Um diese Herausforderungen zu meistern, gilt es, nicht nur neue kinematische und mechanische Designs, Elektroniken und Regelungsansätze zu entwickeln, sondern auch Daten des Menschen, insbesondere psychophysiologische Daten, zu nutzen. Letzteres erfordert den Einsatz sehr fortschrittlicher Signalverarbeitungsverfahren und maschinellen Lernens in Echtzeit. Integriert in das System unter Nutzung von eingebetteter Elektronik und Einbindung in die Regelung des Exoskeletts ergibt sich eine Erweiterung der künstlichen Intelligenz, die den Menschen mit seinem Verhalten, Intentionen und Bedürfnissen einbezieht. Besondere Relevanz und Herausforderung stellt die Nutzung von Exoskeletten für die Neurorehabilitation dar, auf die im Kapitel besonders eingegangen wird.
Elsa A. Kirchner, Niels Will, Marc Simnofske, Peter Kampmann, Luis Manuel Vaca Benitez, José de Gea Fernández, Frank Kirchner

22. Prozess- und zielorientierte Rehabilitation bei Polytraumata und Schwerstbrandverletzten

Zusammenfassung
Seit 2008 arbeitet die Rehaklinik Bellikon mit berufsgruppenübergreifenden Rehabilitationszielen für Patienten. Diese Ziele basieren auf der International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) und werden vornehmlich auf der Partizipationsebene gemeinsam mit den Patienten definiert. Somit wird gewährleistet, dass eine bestmögliche zielorientierte und alltagsrelevante Rehabilitation besteht, welche eine möglichst nahtlose Integration in ein gesellschaftliches und berufliches Umfeld anstrebt. Durch stetiges Bestreben, „strukturiert besser werden zu wollen“, und nach den externen Qualitätsanforderungen (EFQM und ISO-Norm) werden Arbeitsabläufe digitalisiert in Form einer Prozesslandschaft, welche administrative, pflegerische, medizinische und therapeutische Vorgehensweise bzw. wer wann was warum tut, abbildet. Es wird kein medizinisches Fachwissen, sondern Kooperation der verschiedenen Berufsgruppen abgebildet. Durch das „Leben der Prozesse“ ist es möglich, stetig Optimierungen und Veränderungen abzubilden und somit eine Homogenisierung der Vorgehensweise bei der täglichen transdisziplinären Arbeit zu erreichen. Daraus resultiert eine bestmögliche Unterstützung der Patienten in ihrem Rehabilitationsverlauf.
Felix Tschui, Joachim Schuchert, Thomas Koller

23. Rehabilitation beinamputierter Patienten mit der Unterstützung durch einen Phantomstimulator

Zusammenfassung
Dieser Beitrag soll Einblicke geben, wie es gelingen kann, Personen, die eine Amputation einer oder beider unteren Extremitäten erlitten haben, durch den Einsatz einer speziellen Neuroprothese, dem Phantomstimulator, möglichst große Chancen auf einen Rehabilitationserfolg zu eröffnen. Denn durch diese Ergänzung der herkömmlichen Prothese kann unter bestimmten Voraussetzungen den Betroffenen die sensible und motorische Wahrnehmung für die verlorene Extremität zurückgegeben werden. Die neurophysiologischen und psychosozialen Aspekte der Anwendung eines Phantomstimulators werden im folgenden Text ebenso berücksichtigt wie Vorschläge zur konkreten Nutzung der Neuroprothese im Alltag der Betroffenen.
Thomas Friedel

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