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About this book

Die Diskursanalyse kann einen signifikanten Beitrag zur Kommunikationswissenschaft und zur sozialwissenschaftlichen Medienforschung leisten. Der Sammelband stellt grundlegende theoretische Positionen dar, diskutiert analytische Vorgehensweisen mit unterschiedlichem Datenmaterial, präsentiert empirische Forschungsbefunde und fragt nach künftigen Perspektiven sowie Erweiterungsmöglichkeiten diskursanalytischer Verfahren. Der Band liefert eine aktuelle Bestandsaufnahme in Sachen Diskursanalyse aus verschiedenen Disziplinen und plädiert für eine stärkere Integration dieser Forschungstradition in die Kommunikationswissenschaft.

Table of Contents

Frontmatter

Einleitung. Die Diskursanalyse für die Kommunikationswissenschaft fruchtbar machen

Zusammenfassung
Eine diskursanalytische Herangehensweise ist in der deutschsprachigen Kommunikationswissenschaft und Medienforschung noch immer eine Seltenheit. Der vorliegende Sammelband möchte diese Leerstelle füllen und zugleich aufzeigen, warum sich Schritte in diese Richtung lohnen. Zugrunde liegt die Annahme, dass das Forschungsprogramm der Diskurstheorie und Diskursanalyse in der Folge Michel Foucaults einen signifikanten Beitrag zur Kommunikationswissenschaft und zur sozialwissenschaftlichen Medienforschung leisten kann, sein Potenzial für (qualitative) Untersuchungen zur Produktion, zum Inhalt und zur Rezeption medial vermittelter öffentlicher Kommunikation aber bislang noch nicht ausgeschöpft wurde.
Thomas Wiedemann, Christine Lohmeier

Theoretische Positionen

Frontmatter

Diskursmuster – Diskurspraktiken. Analytische Perspektiven für die kommunikationswissenschaftliche Diskursanalyse

Zusammenfassung
Der Überblicksbeitrag hat das Ziel, mit der Unterscheidung von Diskursmustern und Diskurspraktiken zwei grundlegende Modi des diskurstheoretischen Verständnisses von Diskursen zu erfassen und daraus komplementäre diskursanalytische Perspektiven für Kommunikationsforschung und Medienanalyse abzuleiten. Damit trägt er zur konzeptuellen Fundierung und Differenzierung des kommunikationswissenschaftlichen Verständnisses von Diskursen bei und erschließt ein Register adäquater Methoden für ihre Untersuchung.
Christian Pentzold

Grundlagen der Wissenssoziologischen Diskursanalyse

Zusammenfassung
Der Beitrag stellt Grundlagen der Wissenssoziologischen Diskursanalyse (WDA) vor. Dabei handelt es sich um ein Forschungsprogramm zur Analyse gesellschaftlicher Wissensverhältnisse und Wissenspolitiken, das über die engeren Disziplingrenzen der Soziologie hinaus einen allgemeinen Rahmen für wissensanalytische Forschungen zur Verfügung stellt. Die WDA ist in der wissenssoziologischen Tradition von Peter L. Berger und Thomas Luckmann, allgemeiner im interpretativen Paradigma der Soziologie sowie in den Arbeiten Michel Foucaults verortet. Sie begreift und analysiert Diskurse als Prozesse der symbolischen Konstitution und Ordnung gesellschaftlicher Wirklichkeiten. Das schließt insbesondere Fragen nach der Analyse der Gegenwartsbedeutung von Macht-Wissens-Regimen mit ein, die Foucault aufgeworfen hatte.
Reiner Keller

Wie kritisch ist die Kritische Diskursanalyse?

Zusammenfassung
Die Kritische Diskursanalyse versteht sich als ein Konzept qualitativer Sozialforschung, das insbesondere von den Schriften Michel Foucaults inspiriert ist und Vorschläge enthält, wie sich Diskurse analysieren und interpretieren lassen. Dabei besteht ihr kritisches Potenzial vor allem darin, dass mit ihr besonders gesellschaftlich brisante Themen problematisiert und kritisiert werden können. Denn Kritische Diskursanalyse nimmt die Geschichtlichkeit der Diskurse, ihre Genealogie, in den Blick und berücksichtigt dabei den Umstand, dass die Deutung von Wirklichkeiten stets auf der Folie von Wissen stattfindet, das es zu hinterfragen gilt. Im Beitrag werden das theoretische und das methodische Konzept der Kritischen Diskursanalyse vorgestellt sowie das konkrete Vorgehen anhand einer Analyse des deutschen Fluchtdiskurses von 2015/2016 skizziert.
Margarete Jäger

Qualitative Inhaltsanalyse und Diskursanalyse. Überlegungen zu Gemeinsamkeiten, Unterschieden und Grenzen

Zusammenfassung
Der vorliegende Artikel setzt sich vor dem Hintergrund der Fachgeschichte der Kommunikationswissenschaft mit einer vergleichenden Betrachtung der Methodologien und Methoden sowie der Forschungsziele und -grenzen von qualitativer Inhaltsanalyse und Diskursanalyse auseinander. Beide Methoden werden in der Kommunikationswissenschaft und -forschung verwendet, oft kombiniert. Der Beitrag plädiert auf der Basis von Forschungsbeispielen dafür, Medieninhaltsforschung in beiden Fällen mit anderem kommunikationswissenschaftlichen Wissen, so über Mediensysteme und -strukturen, einschließlich deren Geschichte, zu kombinieren. Denn Medienwirkungen oder Medienhandlungen können nicht direkt oder kausal aus Texten erschlossen werden. Journalistinnen und Journalisten etwa schreiben nicht nur, sie recherchieren unter bestimmten gesellschaftlichen Bedingungen für ihre Texte, zumal heute gerichtet an ein potenziell antwortendes Publikum. Auf der Basis solcher Überlegungen lassen sich Grenzen der Inhalts- und der Diskursanalyse diskutieren. Beide Methoden sind deshalb zentral für die Erforschung der öffentlichen Kommunikation, weil über sie Sinnwelten von Akteuren mit teils großer gesellschaftlicher Relevanz erschlossen werden. Beide Methoden lassen sich in ihren unterschiedlichen Forschungszielen voneinander abgrenzen, profitieren aber auch voneinander. Dies wird unter anderem an konkreten Beispielen aus eigenen Forschungszusammenhängen gezeigt.
Stefanie Averbeck-Lietz

Empirische Umsetzung diskursanalytischer Perspektiven

Frontmatter

Grenzen, Zäune und Obergrenzen – Österreich in der „Flüchtlingskrise“: Metadiskursive Begriffsaushandlungen in der mediatisierten Politik

Zusammenfassung
Die sogenannte „Flüchtlingskrise“ ist seit 2015 Bezugspunkt zahlreicher diskursiver Konflikte im Bereich der Politik. In Österreich war die mediatisierte Politik in den Jahren 2015 und 2016 geprägt von metadiskursiven Begriffsaushandlungen im Zusammenhang mit der Errichtung eines Grenzzauns und der Festlegung einer Obergrenze für Geflüchtete. Beide Themenbereiche brachten ernsthafte ideologische und rechtliche Bedenken auf und wurden daher weitgehend euphemisiert bzw. beschönigt. Als Reaktion auf den wachsenden Druck der politischen Rechten waren die Äußerungen zu beiden Themen aber auch als Signale an die Wähler gedacht. Dieser Artikel präsentiert eine diskurshistorische Studie zur Normalisierung restriktiver Politik im theoretischen Rahmen von Grenz- und Körperpolitik, der Darstellung des „Anderen“ und der Mediatisierung politischer Prozesse.
Markus Rheindorf, Ruth Wodak

Bedeutung festlegen. Die vielen Stimmen der postliberalen Hegemonie in Russland

Zusammenfassung
Dieser Beitrag untersucht eine Rede des russischen Präsidenten Wladimir Putin nach der Geiselnahme in einer Mittelschule in der nordossetischen Stadt Beslan durch nordkaukasische Terroristen im September 2004. Nach gängiger Meinung kennzeichnet dieses Ereignis das Ende der liberalen Hegemonie im postsowjetischen Russland. Ein genauerer Blick zeigt jedoch, dass die Rede auf ganz unterschiedliche Weise gelesen und verstanden werden kann. Folgt man den Reaktionen, die sich in einem Korpus von Presseartikeln finden ließen, aktiviert die Rede sowohl „internationalistische“ als auch „souveränistische“ Lesarten im Mediendiskurs. Ich hebe die polyphone Organisation des Diskurses hervor und argumentiere so für einen produktiven Austausch zwischen der französischen Tradition der Diskursanalyse, dem Interaktionismus und der Kritischen Diskursanalyse. In Anbetracht dessen werden sich die Leserinnen und Leser mit den vielen unterschiedlichen Stimmen beschäftigen müssen, die den politischen Diskurs kreuz und quer durchlaufen. Begreift man die Organisation des Diskurses als polyphon, lässt sich jedoch schlussfolgern, dass seine Bedeutung von den Teilnehmern des politischen Diskurses „festgelegt“ werden muss.
Johannes Angermuller

Konstruktionen europäischer Identität. Eine historisch-vergleichende Diskursanalyse der deutschen Berichterstattung über die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei 1959 bis 2004

Zusammenfassung
Gerade in den Krisenzeiten der europäischen Integration stellt sich die Frage nach den Gemeinsamkeiten der Europäer, nach dem, was die Gemeinschaft charakterisiert, zusammenhält und von anderen unterscheidet. Bis heute gibt es jedoch keine eindeutige Definition dessen, was „europäisch sein“ eigentlich heißt. Der vorliegende Beitrag geht dieser Frage nach, indem er die unterschiedlichen Konstruktionen einer europäischen Identität im deutschen Mediendiskurs über einen möglichen Beitritt der Türkei ab den ersten türkischen Assoziationsbemühungen Ende der 1950er Jahre nachzeichnet. Es wird gezeigt, dass sich die Vorstellungen der Gemeinschaft und die ihr zugehörigen Raumkonstruktionen von 1959 bis 2004 stark verändert und ausdifferenziert haben. Neben der eher abstrakten Deutung der EU als einer politischen und wirtschaftlichen Gemeinschaft beinhaltet ihre Definition in den jüngeren Untersuchungsjahren auch die einer Wertegemeinschaft und einer Person. Zudem unterscheiden sich gerade in den jüngeren Untersuchungsjahren die Deutungen der Gemeinschaft auch innerhalb des Pressesamples. Letztlich wird in der Debatte über eine europäische Identität über die zukünftige Rolle und Gestalt der Gemeinschaft der Europäer entschieden.
Julia Lönnendonker

Global 24/7 News: Die Welt durch die Brille globaler TV-Nachrichtensender

Zusammenfassung
Dieser Beitrag untersucht, wie globale 24/7-TV-Nachrichtensender Realität konstruieren, und fragt nach konkurrierenden Deutungen von Welt. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass die Weltkonstruktionen globaler Nachrichtenanbieter auf einem vergleichbaren Informationsangebot basieren und zu einem Kampf um Deutungshoheit führen. Mithilfe von Michel Foucaults Diskurstheorie vergleicht die vorliegende Studie die Berichterstattung von Al Jazeera English, BBC World News, CNN International, CCTV News, France 24, RT und Telesur. Für die Untersuchung wurden zwei Materialzugänge gewählt: Zum einen wurde die Tagesberichterstattung ausgewählter Hauptnachrichtensendungen über eine natürliche Woche hinweg analysiert. Zum anderen erfolgte eine Analyse ereignisbezogener Berichterstattung – mit Fokus auf Ereignisse, die im Untersuchungszeitraum (zumindest für die westliche Welt) von zentraler Bedeutung waren (Migration, Klimawandel, Nahost-Konflikt). Die Ergebnisse legen nahe, dass es einer mehrfachen Differenzierung dessen bedarf, was bisher als „antihegemonial“ bezeichnet wurde.
Maria Karidi, Michael Meyen

Mediale Konstruktionen von Fleisch. Überlegungen zur Analyse komplexer Ernährungsdiskurse

Zusammenfassung
Der anhaltend hohe Fleischkonsum stellt moderne Gesellschaften vor große Herausforderungen, sei es beim Thema Gesundheit oder in Sachen Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit gegenüber Menschen und Tieren. Zwar sind diese Kontroversen längst in den Massenmedien angekommen, doch stoßen Vorschläge zur Senkung des Fleischkonsums häufig auf starke Gegenwehr. Dieser Werkstattbericht gibt Einblicke in ein Forschungsvorhaben, das ergründen will, wie Bedeutungen von Fleisch von der Nachkriegszeit bis heute konstruiert wurden bzw. werden und wie sie dessen gesellschaftlichen Stellenwert erhalten. Dazu nimmt das Vorhaben mittels eines wissenssoziologisch-diskursanalytischen Ansatzes identitätsstiftende Funktionen von Fleisch in den Blick und rekonstruiert medial verbreitete Subjektpositionen. Entwickelt wird ein Schema, um diskursiv in Erscheinung tretende Bezüge zu Identität im Hinblick auf Individuen, Kollektive und die Spezies Mensch zu systematisieren sowie Argumente und Motive für und gegen Fleischkonsum als Bestandteile von Subjektpositionen einzuordnen. Mit diesem Vorschlag zur Erforschung komplexer Ernährungsdiskurse möchte der Beitrag helfen, die Ernährungskommunikationsforschung weiter auszubauen.
Verena Fingerling, Jasmin Godemann

Erweiterung diskursanalytischer Verfahren

Frontmatter

Von der Diskurs- zur Dispositivanalyse. Chancen und Herausforderungen für die Kommunikationswissenschaft

Zusammenfassung
Der Begriff des Mediendispositivs ist in der Medien- und in der Kommunikationswissenschaft seit Langem verankert. Dass das Dispositivkonzept darüber hinaus vielfältig anwendbar ist, zeigt dieser Beitrag am Beispiel der Journalismusforschung. Der technologische Wandel verändert den Journalismus und ist ein – wenn auch nicht der einzige – Grund für die gegenwärtige Krise der traditionellen Medienunternehmen. Eines der zentralen Merkmale dieser Umbruchphase ist die Unsicherheit hinsichtlich der gesellschaftlichen Funktionen von Journalismus, Aufgaben seiner Akteure, journalistischen Formen und Praktiken, nutzbaren Technologien, Finanzierung, institutionellen Absicherung etc. Anhand all dieser Aspekte wird verhandelt, was Journalismus ist und künftig sein soll bzw. sein wird. Solche Bedeutungskonstruktionen erfolgen jedoch nicht allein in diskursiven Aushandlungsprozessen, sondern auch in den Alltagspraktiken, durch die Journalismus hergestellt wird, sowie in den institutionellen Kontextbedingungen der Nachrichtenproduktion. Die Dispositivanalyse bietet für die Journalismusforschung und allgemein für die Kommunikationswissenschaft die Möglichkeit, über diskursive (Selbst-)Verständigungsprozesse hinaus zu untersuchen, wie sich Journalismus gegenwärtig in Praktiken und Vergegenständlichungen darstellt.
Susanne Kirchhoff

Die gesichtslose Macht und die bedrohte Mitte. Leitmedien, nationalistische Ideologie und Alltagsverstand in der Perspektive der Interdiskurstheorie

Zusammenfassung
Der Beitrag untersucht, in welchem Verhältnis die kapitalistische Ökonomie, der Diskurs der Leitmedien, der nationalistische Diskurs und der Alltagsverstand zueinander stehen. Zunächst werden zentrale Begriff der Interdiskurstheorie von Jürgen Link eingeführt. An zwei Beispielen wird anschließend gezeigt, wie der nationalistische Diskurs im Themenbereich der Ökonomie an Leitmedien anschließt und spezifische Verschiebungen und Zuspitzungen vornimmt. Im Zentrum stehen dabei die Kollektivsymbole der sozialen Mitte und der gesichtslosen Macht. Im nächsten Schritt werden Ergebnisse empirischer Untersuchungen referiert, die zeigen, wie diese diskursiven Muster im Alltagsverstand reproduziert werden. Schließlich wird danach gefragt, wie die behandelten Zusammenhänge von Diskurs, Ökonomie und Alltagsverstand auf einer gesellschaftstheoretischen Ebene kohärent konzipiert werden können, und eine Verknüpfung der Interdiskurstheorie mit der Regulationstheorie und der an Gramsci und Althusser anschließenden materialistischen Staatstheorie vorgeschlagen.
Holger Oppenhäuser

Zur kommunikationswissenschaftlichen Analyse von Online-Diskursen: Konzeption, Adaption und Grenzziehung transmedialer Diskurskaskaden

Zusammenfassung
Transmediale Diskurse entwickeln sich in digitalen vernetzten Kommunikationsräumen weiter zu „Diskurskaskaden“. Unser Beitrag erläutert Kernelemente, methodologische Möglichkeiten und Grenzen der kommunikationswissenschaftlichen Online-Diskursanalyse, um dieses Konzept zu entwickeln und zu erklären. Auf Basis verschiedener empirischer Diskursanalysen, die gesellschaftspolitische Diskurse sowohl in journalistischen als auch in sozialen Medien untersucht haben, werden zentrale Aspekte des Kaskadenmodells diskutiert. Wir stellen systematisch Perspektiven und Arbeitsschritte einzelner Studien vor und betten diese sowohl in die für die Kommunikationswissenschaft relevanten Diskurstheoriestränge als auch in das Repertoire der interdisziplinären Diskursforschung ein. Ziel ist es, die spezifische Medialität diskursiver Aushandlungsprozesse und daraus folgende methodologische Entscheidungsprozesse zukünftig genauer in den Blick nehmen zu können. Hier liegen die Stärke der kommunikationswissenschaftlichen Perspektive und ihre Chance zur produktiven Erweiterung des disziplinübergreifend relevanten Feldes der Diskursforschung.
Saskia Sell, Christine Linke

„Zeig PISA die Faust“. Diskursive Wirklichkeitskonstruktion in Fack Ju Göhte

Zusammenfassung
Auf Basis der Diskurstheorie Foucaults fragt die Fallstudie nach der Wirklichkeitskonstruktion im deutschen Spielfilm Fack Ju Göhte. Der Constantin-Blockbuster von Regisseur Bora Dağtekin verzeichnete in den Jahren 2013/2014 (Teil 1) und 2015/2016 (Teil 2) Rekordpublikumszahlen im Kino. Darüber hinaus steht er für die Filmproduktionskultur in Deutschland, die von wenigen größeren Unternehmen dominiert sowie von Fördereinrichtungen subventioniert wird und deren Output demnach als Ausdruck von Machtverhältnissen sowie als Ergebnis der Auseinandersetzung um legitime Sinnmuster verstanden werden kann. Die explorative Analyse der diskursiven Formationsregeln dieser Schulkomödie zeigt, dass die darin enthaltenen Bild-Text-Verhältnisse in vielfacher Hinsicht an den gesamtgesellschaftlichen (Bildungs-)Diskurs anknüpfen, den gesellschaftlichen Wissensvorrat aber um eine integrative Perspektive ergänzen dürften. Die Ergebnisse legen die Vermutung nahe, dass Fack Ju Göhte auch eine gesellschaftspolitische Dimension aufweist, und geben darüber hinaus einen exemplarischen Hinweis darauf, welche Deutungsangebote heute von einem „Konsensfilm“ gemacht werden, hinter dem mit die mächtigsten Akteure des gegenwärtigen deutschen Filmschaffens stehen.
Thomas Wiedemann

Diskursanalyse im Museum. Ein Verfahren zur Untersuchung mehrdimensionaler und multimodaler Wissensproduktionen

Zusammenfassung
Nahm die klassische Diskursanalyse lange nur schriftsprachliche Texte in den Blick, wurden in den letzten Jahren insbesondere auch Bilddiskurse adressiert. Zudem stehen mittlerweile Verfahren zur Verfügung, um multimodal verfasste Inhalte diskursanalytisch zu untersuchen. Der Beitrag überträgt diese Ansätze auf die Museums- und Ausstellungsanalyse und befasst sich so mit Möglichkeiten und Grenzen einer Methodenadaption. Aufgezeigt wird, dass es für die Ergründung musealer Bedeutungsbildungen eines umfassenden Vorgehens bedarf, welches gesellschaftliche Aushandlungsprozesse in den Fokus rückt, die institutionellen Rahmenbedingungen musealer Macht-Wissens-Produktionen untersucht sowie schließlich die Macht-Wissens-Produktionen in musealen Ausstellungen analysiert. Dieses Verfahren wird am Beispiel einer Untersuchung der interdependenten Konstruktionen von Geschlecht und Nation im Deutschen Historischen Museum veranschaulicht. Konkret ermöglicht vor allem die Ermittlung der unterschiedlichen Dimensionen musealer Bedeutungsbildung, Rückschlüsse über die Beteiligung von Museen an diskursiven Aushandlungsprozessen aufzuzeigen, aber auch Brüche und Widersprüche in musealen Macht-Wissens-Produktionen herauszuarbeiten und zu ergründen.
Lisa Spanka
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