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23-11-2020 | Diversitätsmanagement | Kommentar | Article

Old Boys Networks haben Frauenquote verdient

Author:
Andrea Amerland
2:30 min reading time

Die Frauenquote für Firmen-Vorstände ist keine radikale Wende, sondern schlichtweg ein notwendiges Übel. Denn die Wirtschaft hat die Selbstverpflichtung auf dem Gebiet der Gender Diversity nicht ernst genommen und versagt. Gut, dass die Politik jetzt handelt.

In Vorständen börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Unternehmen mit mehr als drei Mitgliedern muss künftig ein Mitglied eine Frau sein. Für die Unternehmen mit Mehrheitsbeteiligung des Bundes wurde eine Aufsichtsratsquote von mindestens 30 Prozent und eine Mindestbeteiligung in Vorständen vereinbart. Darauf hat sich die Koalition geeinigt, nachdem Bundesjustizministerin Christine Lambrecht und Bundesfamilienminsterin Franziska Giffey, beide SPD, hartnäckig den Gesetzesentwurf für mehr Frauen in Chefposten (FüPoGe) vorangetrieben hatten.

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Freiwilligkeit funktionierte bei Gleichberechtigung nicht

Die Wirtschaft hat es nicht besser verdient. Denn vorausgegangen sind diesem Gesetz rund zehn Jahre, in denen die Politik auf freiwillige Selbstregulierung in der Wirtschaft hoffte und bei der Besetzung von Vorstandsposten nicht in die Unternehmensführung eingreifen wollte - auch, weil es seinerzeit massiven Widerstand aus den von Männer dominierten Führungsetagen gab.

Die Hoffnung auf Freiwilligkeit war vergeblich. Zum Stichtag 1. September 2020 saßen gerade einmal 23 Managerinnen in den Vorständen der 30 Dax-Konzerne, hat die Allbright-Stiftung ermittelt, Tendenz rückläufig. Das ist ein Anteil von lediglich 12,8 Prozent, eine Vorstandsvorsitzende Fehlanzeige. In elf Dax-Konzernen gibt es sogar keine einzige Frau im Vorstand. Das ist im internationalen Vergleich ausgesprochen schwach.

Also muss jetzt das her, was sich beim 2015 verabschiedeten Gesetz zur Frauenquote in den Aufsichtsräten bereits bewährt hat. Dort hat die feste Quote von mindestens 30 Prozent dazu geführt, dass sich der Frauenanteil in den Gremien von 21 Prozent auf 35 Prozent erhöht hat.

Unternehmen profitieren von Gender Diversity

Mit der Frauenquote in Vorständen kann Deutschland nun endlich beim Thema Gender Diversity in Führungsetagen einen im internationalen Vergleich peinlichen und anachronistischen Rückstand aufholen. Damit sind auch die Zeiten ein Stück weit vorbei, in denen Good Old Boys Networks, also die persönlichen Seilschaften zwischen Männern, bei der Vergabe von Führungsposten mit entschieden. 

Eine festgeschriebene Frauenquote hilft nun endlich, das Unternehmen von den Vorteilen von mehr Vielfalt und Frauen an der Unternehmensspitze profitieren könnten. Denn gemischte Teams sind innovativer, haben Studien gezeigt. Und Unternehmen mit Frauen im Top-Management wirtschaften profitabler - auch das haben Analysen ergeben. All das brauchen Unternehmen in der Corona-Krise und den wirtschaftlichen schwierigen Zeiten danach.

Frauenförderung trotz Quote

Doch die Frauenquote wird nicht alle Geschlechterprobleme in den Firmen lösen. Denn auch mit Quote sind Frauen in den Management Boards in der Minderheit und müssen sich gegen männliche Netzwerke behaupten. Das ist eine schwierige Aufgabe, die nur bewältigt werden kann, wenn sich auch die Unternehmenskultur verändert und Frauenförderung gezielt angegangen wird. 

"Organisationsentwicklung von staatlicher Seite hat deutliche Auswirkungen auf Unternehmen. Gewohnheitswirklichkeiten und vermutlich Vorurteilssysteme werden aufgebrochen". So beschreibt Günther Mohr in der Zeitschrit "Organisationsberatung, Supervision, Coaching", Ausgabe 3/2020, was die Geschlechterquote in Aufsichtsräten bewirkt. Es bleibt zu hoffen, dass die Frauenquote für Vorstände Ähnliches auslöst.

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