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09-12-2021 | E-Government | Nachricht | Article

Wie der digitale Rückstand aufgeholt werden kann

Author: Alexander Ebert

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Der digitale Rückstand in Deutschland liegt nicht nur an fehlender Infrastruktur. Viele Menschen müssen noch viele Menschen von der Digitalisierung überzeugt werden, zeigt eine neue Studie. 

Mehr als ein Drittel der Menschen in Deutschland ist nach wie vor überwiegend analog unterwegs, insbesondere Ältere und Geringverdiener. Jeder Vierte zeigt sich ängstlich im Umgang mit digitalen Services. Neben technischen Faktoren wie die lückenhafte Infrastruktur oder Sorgen um den Datenschutz sind es vor allem die weichen Faktoren, die Deutschland bei der Transformation ausbremsen.

Zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie "Digitales Deutschland 2021" der Boston Consulting Group (BCG). Sie untersucht insbesondere den Einfluss der Corona-Pandemie und nimmt dabei gezielt die Nutzer-Perspektive ein. Die Untersuchung basiert auf einer Metaanalyse bestehender Studien sowie einer Umfrage von August bis Oktober 2021 unter 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. BCG zufolge ist die die Studie, die die vier Lebensbereiche Homeoffice, Bildungswesen, Gesundheitswesen und öffentliche Verwaltung umfasst, repräsentativ.

Schwachstellen bei Bildung und Gesundheit

Corona hat die Verfügbarkeit digitaler Angebote, beispielsweise im Bildung- und Gesundheitsbereich zwar verbessert, aber es ist immer noch viel Luft nach oben. So geben immerhin 45 der Befragten an, dass ihnen seit Corona im Bildungsbereich die Möglichkeit digitaler Info-Veranstaltungen zur Verfügung stehen (vor Corona zwölf Prozent). 32 Prozent  können ihre erbrachten Leistungen online einsehen und 33 Prozent können sich online anmelden beispielsweise an der Hochschule immatrikulieren. 19 Prozent der Bildungseinrichtungen bieten bisher keine digitalen Angebote.  Demgegenüber ist Verfügbarkeit digitaler Angebote im Gesundheitswesen immer noch gering. 38 Prozent der Befragten geben an, das ihnen hier keine Angebote zur Verfügung stehen. 

In der öffentlichen Verwaltung ist die Nutzung digitaler Dienste immer noch auf niedrigem Niveau. Mit 31 Prozent ist die Onlineterminvereinbarung die am meisten genutzte digitale Leistung in der Verwaltung. Mit 17 Prozent Nutzung folgt die Reservierung eines Kfz-Kennzeichens sowie die Beantragung von Urkunden oder des Personalausweises. Die Nutzung Leistungen liegt unter zehn Prozent. In diesen Segmenten müssten die digitale Infrastruktur und die Angebote "umfassend verbessert werden", heißt es in der Studie. Dazu seien auch beschleunigte Genehmigungsverfahren notwendig.

Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen fördern 

Die Studie macht einige Vorschläge, wie die Digitalisierung beschleunigt werden könnte. Wenn die Transformation gelingen solle, müsse jedes Glied der Kette funktionieren – vom Zugang bis hin zur Nutzung digitaler Dienste durch die Bevölkerung. Technik-Themen wie Breitbandausbau seien die eine Baustelle. Die Andere seien Engpässe wie der Akzeptanz digitaler Services und fehlende Unterstützung im Umgang mit Digitalisierung.

Das heißt auch, dass bereits abgehängte Bevölkerungsgruppen mitgenommen werden müssen, zum Beispiel durch bessere Verständlichkeit, persönliche Hilfestellung und Aufklärung zum sicheren Umgang mit digitalen Angeboten. Digitale Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen sei zentral – insbesondere Geringverdiener sollten überzeugt werden.

Digitale Angebote stärker fördern

Weiter wird vorgeschlagen, digitale Dienstleistungen nur noch in Echtzeit ohne weitere (analoge) Schritte und schneller als analoge Alternativen zu bearbeiten. Obendrein sollten digitale Angebote stärker gefördert werden, "anstatt den Fokus nur auf die Lücken in der Infrastruktur zu legen". Dazu sollte die Ausbildung gefördert und die Bevölkerung besser befähigt werden, digitale Angebote zu nutzen. 

Außerdem sollten zeitliche und finanzielle Vorteile der Digitalisierung verstärkt kommuniziert und der Datenschutz verbessert sowie transparenter werden.  Nutzerängsten wie der Sorge um den Verlust des Arbeitsplatzes oder davor, von der Geschwindigkeit der Digitalisierung abgehängt zu werden, sollte durch Aufklärung und Förderung entgegengetreten werden.

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