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06-07-2020 | Eigenkapital | Im Fokus | Article

KMU profitieren von langjährigen Hausbankbeziehungen

Author:
Angelika Breinich-Schilly
4 min reading time

Zwar sind viele Mittelständler mit guten Liquiditätspolstern in die Krise gestartet. Doch die wirtschaftlichen Auswirkungen verlangen auch von ihnen ihren Tribut. KMU mit langjährigen Hausbankbeziehungen können nun von dieser Partnerschaft profitieren.

Die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland haben in der Vergangenheit gut gewirtschaftet und ihre Eigenkapitalquoten deutlich ausgebaut. So waren auch viele zunächst mit ordentlichen Liquiditätspolstern in die Krise gestartet. Doch die mittel- und langfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen machen sich nun auch hier bemerkbar, wie Ergebnisse einer aktuellen Sonderbefragung von KfW Research von Anfang Juni zeigen.

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Finanzkommunikation und Vertrauen im Kreditprozess

Entstehung und Wirkung von Vertrauen in den Kreditnehmer

Marc Hansmann verbindet Erkenntnisse aus BWL, Psychologie und Soziologie, um Vertrauen in Kreditprozessen - aber auch darüber hinaus in allen Prinzipal-Agenten-Beziehungen - zu untersuchen: Vertrauen ist demnach ein zusätzlicher Lösungsmechanismus für Agentur-Probleme im Kreditprozess. Mit der Erweiterung um den Faktor "Vertrauen" erklärt er darüber hinaus ein weiteres Phänomen, dessen Existenz zwar nachgewiesen, aber schwer begründbar scheint: die freiwillige Finanzkommunikation.

Wies der deutsche Mittelstand zu Beginn der Nullerjahre noch eine durchschnittliche Eigenkapitalquote (EKQ) von rund 18 Prozent auf, so lag diese Zahl 2018 bereits bei 31,2 Prozent. Der hohe Bestand an Eigenkapitel habe die Resilienz der KMU gegenüber Krisen deutlich gestärkt, so die Analysten von KfW Research. "Dies dürfte sich in der aktuellen Situation auszahlen", heißt es weiter.

Corona-Krise beendet Positivtrend

Allerdings zeigt eine Sondererhebung im Rahmen des KfW-Mittelstandspanels von Anfang Juni 2020, dass sich der langanhaltende, positive Trend steigender EKQ im laufenden Geschäftsjahr wohl nicht fortsetzen wird:

  • So gehen aktuell  rund 29 Prozent der Mittelständler davon aus, dass ihre EKQ im Jahr 2020 sinken wird.
  • Vier von zehn KMU rechnen mit einer gleich bleibenden Quote.
  • Nur sechs Prozent prognostizieren eine Verbesserung ihrer Eigenkapitalsituation.
  • Und 27 Prozent sehen in der aktuellen Lage von einer belastbaren Einschätzung ab.  

KMU plagen Umsatzverluste

Als Hauptgrund geben die Mittelständler die teils erheblichen Umsatzrückgänge in der aktuellen Krise an. Nicht wenige Unternehmen könnten dadurch im Gesamtjahr Verluste erzielen. Diese dezimierten das Eigenkapital, so die Analyse. Danach sind vor allem Unternehmen stark betroffen, die im Mai coronabedingte Umsatzverluste verkraften mussten (41 Prozent). Unter den KMU ohne Umsatzverluste im Mai rechnet dagegen nur jeder Zehnte mit einer sinkenden EKQ. Unternehmen mit Umsatzzuwächsen im Mai erwarten dagegen eher eine gleich bleibende (64 Prozent) oder steigende EKQ (27 Prozent).

Um etwaige Liquiditätsengpässe durch die Umsatzverluste zu überbrücken, fragen die Unternehmen vermehrt Kredite nach – insbesondere mit kurzen Laufzeiten. Dadurch steigt jedoch das Fremdkapital im Verhältnis zum Eigenkapital, was die EKQ zusätzlich unter Druck bringe. Und das wirkt sich auch langfristig auf das Kreditgeschäft und das damit einhergehende Risiko der Banken aus. 

Schärfere Regularien erhöhen Anforderungen an Firmenkunden

"Auch heute noch nimmt der Kredit im Firmenkundengeschäft eine zentrale Rolle ein", erläutert Christopher C. Meadowcroft im Buchkapitel "Die Rolle des Kredits im Firmenkundengeschäft – Eine empirische Analyse und Impulse für das Kreditpreismanagement" auf Seite 3 . "Zum einen machen die Erlöse aus dem Aktivgeschäft einen signifikanten Anteil der Gesamterträge in diesem Segment aus. Zum anderen wird dem Kredit attestiert, dass er ein zentrales Ankerprodukt im Firmenkundengeschäft ist."

Dennoch entspreche das Segment isoliert betrachtet nicht immer den Profitabilitätserwartungen der Banken, so der Springer-Autor weiter. Hierfür verantwortlich seien der anhaltend hohe Wettbewerb in diesem Segment und damit einhergehende konstanter Margendruck, aber auch steigende Eigenkapitalanforderungen für Firmenkredite im Zuge der verschärften Regulierungen wie etwa Basel III.

Lange Hausbankbeziehungen helfen bei sinkendem Eigenkapital

Und das wiederum belastet die Unternehmen. "Aus ökonomischer Sicht ist zu hinterfragen, ob eine geringe Eigenkapitalausstattung negative Folgen für ein Unternehmen mit sich bringt", so Holger Reinemann im Buchkapitel "Reifephase – Bewährung und Bewahrung mittelständischer Strukturen" auf Seite 174. Der Springer-Autor nennt im Wesentlichen drei Argumente:

  1. Erstens ist Eigenkapital ein Risikopuffer, der bei Jahresfehlbeträgen die Überlebensfähigkeit von Unternehmen erhöht. Anders ausgedrückt führt eine zu geringe Eigenkapitalausstattung zu einer höheren Insolvenzgefahr.
  2. Zweitens werden Unternehmen mit einer niedrigen Eigenkapitalausstattung ceteris paribus weniger in Innovationen investieren, da diese naturgemäß mit einem höheren Risiko behaftet sind. Bei einer geringen Eigenkapitalquote kann dies ebenfalls in eine erhöhte Insolvenzwahrscheinlichkeit münden.
  3. Drittens werden Unternehmen mit einer geringen Eigenkapitalausstattung Schwierigkeiten haben, weiteres Fremdkapital bei Banken aufzunehmen, da diese im Fall der Beurteilung der Kreditwürdigkeit die Eigenkapitalquote als wesentliches Entscheidungskriterium heranziehen. Eine Entwicklung, die durch die veränderten Kapitalmarktregulierungen in den vergangenen Jahren verschärft wurde.

Allerdings können Unternehmen in Deutschland vor allem vom Hausbankprinzip, so Reinemann. "In Deutschland sind Bankbeziehungen eng und auf Dauer angelegt. Das bedeutet für die Finanzinstitute, dass sie die ex ante vorhandenen Informationsasymmetrien im Laufe der Geschäftsbeziehung reduzieren können", schreibt der Autor auf Seite 175 und führt aus:

Im Falle der Aufnahme zusätzlichen Fremdkapitals oder auch in Krisenzeiten ergeben sich für mittelständische Unternehmen erhebliche Vorteile, da neben den rein quantitativen Kriterien einer Bonitätsbeurteilung auch die qualitativen Aspekte einer langfristigen Geschäftsbeziehung in die Entscheidung des Firmenkundenbetreuers eingehen. Diese höhere Sicherheit bei der Kreditentscheidung deutscher Finanzinstitute führt letztendlich auch zu einer Reduzierung der notwendigen Risikoaufschläge bei der Berechnung von Darlehenskonditionen."

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