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2022 | OriginalPaper | Chapter

8. Ein angepasstes Agilitäts- und Organisationsverständnis

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Zusammenfassung

Das folgende Kapitel fragt danach, was die Bedingungen für oben genannte Prozessmusterwechsel der agilen Organisation sind und exploriert dabei einen angepassten organisationalen Sinn- und Rationalitätsbegriff.
Footnotes
1
Die Zitation und Seitenkennzeichnung findet hier entsprechend der Digitalversion statt, die von der gedruckten Version abweichen kann.
 
2
Zeitlich parallel zu den Rational Choice-Überlegungen erweitert maßgeblich Weick (vgl. 1995) mit seiner Theorie des Sense Making die konstruktivistische Strömung der Organisationstheorie. Die Dynamik-orientierte, organisationale Handlungstheorie verweigert sich, ganz im Gegensatz zum Rational Choice Institutionalismus, dem rationalen Entscheidungsbegriff als Einflussfaktor organisationaler Struktur (ebd., S. 44). Vielmehr folgen die Prozesse und Handlungen in der Organisation einer systemischen Eigenlogik, die sich später von individuellen Akteurs-Intentionen, die a priori Einfluss nehmen könnten, weitestgehend entkoppeln und so eine dynamische, verzeitlichte Form von Struktur fokussieren (Miebach, 2007, S. 105). Die Organisation wird dabei ganzheitlicher Akteur, der organisationale Umwelt entlang der Organisations-subjektiven Wahrnehmung, Identität und Deutungsmuster versteht und subjektiv vereinfacht und stabilisiert (vgl. auch Boerner, 1997, S. 211 ff.) Die Basis für diese allgemeine Subjektivität, die Erwartbarkeit produziert, ist ein interner Austausch- und Aushandlungs-, ergo Sinnzuschreibungsprozess, bei dem verschiedene Einzelakteurs-Prädispositionen, als Intersubjektivität bezeichnet, verhandelt und zu allgemeiner Subjektivität als strukturgebendem Merkmal generalisiert werden (Boerner, 1997, S. 212 f.). Intersubjektivität, gibt dabei im Gegensatz zu ihrem allgemeinen Stabilität schaffenden Pendant neue Impulse und sorgt damit für „Innovation“ (ebd., S. 212). Der Sensemaking-Prozess „als Prozess der Konstruktion und Interpretation von Umwelt“ (ebd., S. 212) aus Intersubjektivitäten, befindet sich damit unmittelbar im Spannungsfeld zwischen bereits bestehenden, generalisierten und noch auszuhandelnden, individuellen Deutungsschemata (ebd., S. 213). Bezüge zur parallel stattfindenden Luhmann’schen Systemtheorie äußern sich in dem Ansatz darin, nach funktionalen Organisationsstrukturen jenseits individueller Akteurs-Rationalitäten zu suchen, wobei das strukturtheoretische, „systemtheoretische Pendant“ des Sensemaking, den Menschen in der Theoriegenese, wie hinreichend dargelegt, vollkommen ausklammert (Miebach, 2007, S. 199; vgl. auch Becker et al., 1992, S. 103).
 
3
Tsoukas (2018) illustriert dies am Beispiel der Interpretation eines Gedichtes auf der Ebene von Psychen: Statt Inhalte in ihrer objektiven Bedeutung decodieren zu wollen, interpretiert der Leser sie viel mehr innerhalb seines eigenen Rahmens von Sinndeutung im Moment der Rezeption (ebd., S. 47 f.). In dieser positiven Sichtweise schafft er als rezipierendes System zusammen mit dem Autor als sendendem System aus der Volatilität der Informationsübertragung einen Mehrwert – anstatt, das es etwa wie in einer pessimistisch-rationalen Sichtweise – zum Verlust von Autoreninformationen im Übertragungsprozess kommt (ebd.). Damit können bspw. Informationen – etwa zwischen Umwelt- und Organisationssystem oder organisationalen Subsystemen – immer zweiseitig gesehen werden: In einem gewissen Maße redundant insofern, als dass in einer gleichen Sprache oder etwa einer gleichen Branche und damit im Gebrauch gleich Fachtermini kommuniziert wird; in anderem Maße aber auch immer neu, weil die Informationsinterpretation einzigartig bleibt und den Zugang zu neuen, der Zeit und Situation entspringenden Sinnstrukturen ermöglicht (ebd.).
 
Metadata
Title
Ein angepasstes Agilitäts- und Organisationsverständnis
Author
Oliver Haidukiewicz
Copyright Year
2022
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-38036-6_8