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08-09-2016 | Energienutzung | Im Fokus | Article

Was ist dran am Hype um Smart Home?

Author:
Frank Urbansky

Smart Home ist ein gefühlter Megatrend. Doch die Realität hinkt dem deutlich hinterher, und das, obwohl technische Hürden wie das Vereinheitlichen verschiedener Standards weitestgehend gelöst sind.

40 Prozent der Wohnungs- und Immobilienunternehmen wollen bis 2017 Smart Home-Technologien in ihren Liegenschaften einsetzen. Dazu gehören auch Ambient Assisted Living -Technologien (AAL), die das Leben von Seniorinnen und Senioren erleichtern. Das ermittelte eine aktuelle Studie der SmartHome Initiative Deutschland. Der Branchenverband der Digitalwirtschaft Bitkom rechnet, dass in zwei Jahren mehr als eine Million Haushalte in Deutschland smart ausgestaltet sein werden. Tatsächlich bekunden viele Mieter den Willen, in ein smartes Heim einziehen zu wollen. 

Das wirkliche Interesse bei Mietern und Käufern hingegen bleibe schwach, so der Immobilienverband Deutschland (IVD). Eine spürbare Nachfrage gäbe es lediglich bei Heizungssteuerung und Sicherheitstechnik, die der wesentliche Treiber für Smart Home ist. Die Sicherheit kann tatsächlich verbessert werden, insbesondere durch intelligent vernetzte Rauchmelder, aber auch durch Rollladen-Management und Bewegungsmelder, die Einbrüchen vorbeugen sollen.

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Die Sicherheit hat – bezogen auf die Daten – aber auch einen weiteren Aspekt. Denn diese kann das Herstellerunternehmen theoretisch etwa für Marketingzwecke verwenden. "Die gesammelten Daten sind sehr wertvoll und werden dadurch verkaufbar", so Andreas Wokittel, Vorsitzender der Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik im Verband Deutscher Ingenieure (VDI).

Auch Hacker-Angriffe sind vorstellbar, egal ob funkbasiert oder verkabelt. Viele Daten müssen in einer Cloud gespeichert werden, damit sie mobil abrufbar und nutzbar sind. Im Wohnungsbereich wird das weniger eine Rolle spielen, bei Gewerbeimmobilien oder öffentlichen Einrichtungen wie Krankenhäusern schon. Der Ausfall des Telekom-eigenen Smart-Home-Systems Qivicon im September letzten Jahres zeigte, welche Auswirkungen das haben kann. Gerade diese Sicherheitsbedenken sind das Haupthindernis bei der Einführung smarter Technologien.

Was können smarte Technologien, trotz dieser Bedenken, leisten?

Eines der größten Versprechen ist das des intelligenten und damit sparsamen Umgangs mit Energie. Fakt ist, dass sich Energieeinsparungen nur in der Wärmeversorgung erzielen lassen. Das Fraunhofer Instituts für Bauphysik (IBP) hat anhand von realisierten Praxisbeispielen für Familien im Neubau 17 Prozent und im Bestand 18 Prozent geringere Verbräuche ermittelt Bei Senioren sind es 22 (im Bestand 20) Prozent und bei Singles 40 (im Bestand 35) Prozent.

"In Nichtwohngebäudebereich ist mehr rausholen als im Wohngebäudebereich", rechnet Andreas H. Holm, Professor für Bauingenieurwesen an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München. Dies liege vor allem daran, dass hier viele Menschen mit unterschiedlichen Gewohnheiten bezogen auf den Energieverbrauch arbeiten.

Beim Strom werden hingegen höhere Verbräuche erwartet, weil die Geräte ja ständig Stand-by sein müssen. Wissenschaftler der Hochschule Luzern rechnen damit, dass der Verbrauch dadurch weltweit von heute 10 Terrawattstunden pro Jahr auf 46 Terrawattstunden im Jahr 2025 steigen könnte.

Der große Vorteil liegt eher im besseren Komfort und der eingangs erwähnten erhöhten Sicherheit. Hinzu kommt, dass sich moderne Passiv- oder gar Energieplus-Häuser ohne smarte Technologien nicht wirtschaftlich betreiben lassen. In ihnen muss der Energieverbrauch der eigenen, im Haus integrierten Energieproduktion folgen. Auch die verschiedenen Standards, die von Geräteherstellern und Netzbetreibern genutzt werden, bisher eine der Haupthürden bei der Implementierung smarter Systeme, lassen sich inzwischen verbinden.

Nur Einzel-Lösungen

All das hat bisher nicht zum Durchbruch geführt. Zwar wenden vereinzelt Wohnungsbaugesellschaften AAL-Technologien und Heizungsregulierer an. Auch Gebäude der Öffentlichen Hand, etwa der Neubau des Umweltbundesamtes in Dessau, leben "intelligent". Jedoch sind das alles Einzelgebäude. Dabei könnte die smarte Technologie ihre größten Vorteile ausspielen, wenn sie als Smart City ganze Quartiere, Städte, Regionen vernetzt.

Bisher gibt es lediglich eine einzige Siedlung in Deutschland, in der ein Teil der Haushalte smart gesteuert wird. Die liegt in Schwabmünchen bei Augsburg. Hier verbindet das Pilotprojekt "Smart Operator" der Lechwerke AG über 110 Haushalte mit Wärmepumpen und PV-Anlagen. In 23 Haushalten arbeiten zudem intelligente Bausteine: Waschmaschinen, Wäschetrockner und Geschirrspüler, aber auch Wärmepumpen, Batteriespeicher oder Ladeboxen für E-Autos. Der Smart Operator, ein eigen entwickeltes Rechenzentrum, kann den Start der Geräte in jene Zeiten mit hoher Solarstromproduktion verschieben. Das Projekt in der Siedlung Wertachau startete 2012, läuft jedoch Ende diesen Jahres aus. Ein neues ist bundesweit nicht in Sicht.

So wird bis zur Verwirklichung der Smart-Home-Utopie noch einige Zeit ins Land gehen. Den Weg von Utopia zur Smart City-Realität beschreibt Michael Jaekel im gleichnamigen Buchkapitel. "Der Nährboden für erfolgreiche Smart City-Initiativen ist aber das kreative Milieu einer Stadt. Ohne ein auf kontinuierliche Vernetzung und Interaktion ausgerichtetes innovatives Milieu unterschiedlichster Akteure wird das Smart City-Konzept nie sein volles Potenzial entfalten können", nennt er eine wesentliche Voraussetzung.

Abschließend stellt der Springer Vieweg-Autor fest:

Lassen Sie uns die Reise fortsetzen und die nächste Hürde der Umsetzung einer Smart City näher beleuchten. Bei der Klassifikation der Reife einer Smart City fehlt es in der Literatur und Praxis immer noch an geeigneten und umfassenden Modellen, an denen sich der Smart City-Designer orientieren könnte. Zudem liegen viele Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Smart City-Initiativen in fehlenden Umsetzungsmodellen begründet. Es mangelt nicht an Masterplänen, aber erst in der Umsetzung entsteht aus der Utopia die Smart City-Realität." 

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Background information for this content

2015 | OriginalPaper | Chapter

Von Utopia zur Smart City-Realität

Source:
Smart City wird Realität

2017 | OriginalPaper | Chapter

Energiekonsumverhalten privater Haushalte und energieeffiziente Bestandsentwicklung

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Source:
Energie und soziale Ungleichheit

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