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12-10-2020 | Entrepreneuership | Im Fokus | Article

Jung, dynamisch, Gründer

Author:
Andrea Amerland
3:30 min reading time

Die Gründungsaktivitäten in Deutschland gehen inzwischen verstärkt von jungen Menschen aus, zeigt der Global Entrepreneurship Monitor (GEM) 2019/20. Warum Gründer jünger werden und wie Entrepreneurship noch mehr gefördert werden könnte.

"Junge Gründer verzweifelt gesucht", titelte das "Handelsblatt" noch Anfang 2019 und verwies dabei unter anderem auf eine KfW-Studie, die ermittelt hatte, dass die Bereitschaft zur Selbstständigkeit sinke. Als eine Ursache machte die Analyse die mangelnde gesellschaftliche Wertschätzung für Gründer aus. Die Politik gelobte Besserung und versprach, Deutschland als Standort für Start-ups stärken zu wollen. Konkret heißt das, dass die Bundesregierung nach eigenen Angaben unter anderem mehr Beteiligungskapital oder Zuschüsse für innovative Gründungsvorhaben bereit gestellt hat.

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Der Global Entrepreneurship Monitor (GEM) 2019/20, für den weltweit 154.991 Personen in 50 Ländern befragt wurden, zeichnet im Länderbericht für Deutschland nun ein positiveres Bild bei den Neugründungen als noch in den Vorjahren. So gehen die Aktivitäten in den vergangenen dreieinhalb Jahren hierzulande verstärkt von den 18- bis 24-Jährigen und 25- bis 34-Jährigen und nicht wie bislang von den mittleren Altersgruppen der 35- bis 44-Jährigen aus. Für den Anstieg bei der Gründungsquote von fünf Prozent im Jahr 2018 auf 7,6 Prozent im Jahr 2019 sind laut Studie also insbesondere die beiden jüngsten Altersgruppen verantwortlich. Die Gründungsquote ist zudem die höchste, die seit Beginn der GEM-Erhebungen ermittelt wurde.

Deutsche Gründungsquote im internationalen Vergleich

Doch Grund zum Jubeln gibt es leider nicht. Denn obwohl der Trend nach oben geht, belegt Deutschland bei den Start-ups unter 33 vergleichbaren Ländern mit hohem Einkommen nur Rang 28. Insbesondere zu Ländern wie den USA, Kanada und Chile ist der Rückstand groß. Diese kommen auf einen Gründungsanteil bei den 18–64-Jährigen, der zwei- bis fünfmal so hoch ist wie hierzulande. Doch in Deutschland ist insbesondere bei den 35–44-Jährigen, die Bereitschaft, eine neues Unternehmen an den Start zu bringen rückläufig (7,3 Prozent). Zudem ist die Corona-Krise für den Gründungsgeist derzeit ein großer Dämpfer. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden im ersten Halbjahr 2020 zehn Prozent weniger große Unternehmen und rund 20 Prozent weniger kleine Firmen gegründet.

Doch was läuft von dem Corona-Schock einmal abgesehen in Sachen Gründungsförderung gut und was schlecht? Offenbar hat sich das Image von Entrepreneuren und Start-ups verbessert. So geben laut GEM-Monitor 80,7 Prozent der Befragten an, dass Gründer nach ihrer Ansicht ein hohes Ansehn in der Gesellschaft genießen. Und die Entrepreneurship Education sei ebenfalls auf einem guten Weg, auch wenn es sowohl an Schulen als auch an Universitäten noch viel Spielraum nach oben gebe. 

Entrepreneurship Education in Deutschland

Unter Entrepreneurship Education versteht die Europäische Kommission laut der Springer-Autoren Marion Hüchtermann und Klaus-Heiner Röhl (Seite 162):

Entrepreneurship education is about learners developing the skills and mind-set to be able to turn creative ideas into entrepreneurial action. This is a key competence for all learners, supporting personal development, active citizenship, social inclusion and employability. It is relevant across the lifelong learning process, in all disciplines of learning and to all forms of education and training (formal, non-formal and informal) which contribute to an entrepreneurial spirit or behaviour, with or without a commercial objective.

Eine vergleichbare einheitlich Definition für die Vermittlung im föderalen deutschen Bildungssystem gibt es laut Hüchtermann und Röhl allerdings nicht. Es existierten lediglich länderspezifsche Definitionen, die von Unternehmergeist als Schlüsselkompetenz bis hin zu einer Reduzierung auf die Förderung von Gründungen reichten. Eine nationale Strategie, um Unternehmerkultur im Bildungsbereich zu stärken, fehlt demnach bislang. Die Möglichkeiten, Schülern und Studenten wirtschaftliche Kenntnisse und mehr Entrepreneurship zu vermitteln, sind also noch nicht ausgeschöpft. 

Vorteile von Gründern in der zweiten Lebenshäfte

Doch auch Gründer in der zweiten Lebenshälfte sollten von der Politik nicht vergessen werden, so Noemí Fernández Sánchez. Denn Gründerpersonen "45 plus" weisen ein in der deutschen Gründerszene unterschätztes Potenzial auf, schreibt die Springer-Autorin im Buchkapitel "Gründungen in der zweiten Lebenshälfte: Lage und Ausblick am Standort Deutschland im europäischen Kontext".

Denn sie seien gut ausgebildet, gründen nachhaltig und regional mit Interesse an sozialen und ökologischen Belangen. Zudem treiben sie Gründungsvorhaben gut vorbereitet voran und scheuen nicht das Risiko - alles in allem gute Voraussetzungen für ein erfolgreiches Start-up. Daher hat die Europäische Kommission laut Sánchez das Thema Senior Entrepreneurship bereits als Förderprojekt auf dem Radar.

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