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04-07-2022 | Entrepreneuership | Im Fokus | Article

Frauen zaudern beim Sprung in die Selbstständigkeit

Author: Andrea Amerland

3:30 min reading time
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Weibliche Gründer haben in Deutschland mit hartnäckigen Vorurteilen zu kämpfen - etwa bei der Finanzierung. Aber sie stehen sich offenbar auch mit vielen Bedenken ein Stück weit selbst im Weg, ergibt eine Studie. Wie Entrepreneurship-Bildung dagegen helfen kann.

Deutschland braucht mehr Gründer für wirtschaftliches Wachstum und Innovationen. Doch Frauen gründen sehr viel seltener als Männer, zeigt etwa der "Female Founders Report 2021". Demnach waren 2020 hierzulande nur 11,9 Prozent aller Start-up-Gründenden weiblich.

Zudem hat das weibliche Geschlecht im Vorfeld einer Firmengründung mehr Bedenken als Männer, zeigt die aktuelle Studie "Gründungsklima in Deutschland" von Baulig Consulting, die Springer Professional Management + Führung vorab vorliegt. Für die Studie wurden bundesweit 300 Personen telefonisch befragt, die in den vergangenen fünf Jahren ein gewerbesteuerpflichtiges Unternehmen gegründet haben. 

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Female Founders ringen um Finanzierung

Demnach sorgen sich sechs von zehn Gründerinnen wegen des unternehmerischen Risikos, während dies bei Männern nur für drei von zehn Gründern gilt. Auch das ungesicherte Einkommen bereitet Frauen (31 Prozent) mehr schlaflose Nächte als Männern (21 Prozent). Gleichzeitig haben es angehende Unternehmerinnen ungleich schwerer, an eine Finanzierung zu kommen. 48 Prozent sprechen in Zusammenhang damit von einer "hohen Hürde". Bei den Männern sind es zehn Prozent weniger. 

"Wenn Investoren Gründerinnen tatsächlich weniger zutrauen als Gründern - was unsere Daten nahelegen - dann sollten Investoren ihre Bewertungsgrundlagen überdenken, denn sie verpassen auch lukrative Anlagechancen", warnt Markus Baulig, Geschäftsführer bei Baulig Consulting.

Dass Frauen größere Schwierigkeiten haben, an eine Gründungsfinanzierung zu kommen, ist leider kein Einzelergebnis der Baulig-Studie. "Wenn sie sich entscheiden, ein Start-up zu gründen, müssen Frauen sich mit nahezu mittelalterlichen Verhältnissen bei der Kapitalsuche abfinden", schreiben auch Heidrun Twesten und Marlis Jahnke in einem Buchkapitel zum Thema. Ihre Einschätzung fußt auf verschiedenen internationalen Untersuchungen, die zeigen, dass es weibliche Entrepreneure sehr viel schwerer haben, die Finanzmittel für ihr Start-up zu akquirieren.

Gründerinnen warnen vor Arbeitsaufwand

Aber auch die Arbeit, die ein Start-up mit sich bringt, scheint offenbar die Female Founders zu überraschen. So schätzen Frauen beim Thema Marketing- und Vertriebsstrategie laut Baulig-Studie den Aufwand höher ein (31 Prozent) als Gründer (23 Prozent). Interessanterweise kehrt sich das Verhältnis bei der Bürokratie um. Hier haben Frauen weniger Probleme (51 Prozent) als das männliche Geschlecht (60 Prozent). 

Insgesamt warnen die meisten Gründerinnen davor, den Arbeitsaufwand für ein Start-up nicht zu unterschätzen, während es bei den Gründern nur 15 Prozent sind. Einigkeit zwischen den Geschlechtern besteht allerdings bei rund einem Viertel der Befragten, dass der Businessplan für den Erfolg entscheidend ist.

Entrepreneurship-Bildung für mehr Gründungen

Grundsätzlich ist aber die fehlende Entrepreneurship-Bildung in Deutschland ein Problem, dass auch bei Gründerinnen durchschlägt, zeigt die Forschung. "Die Entrepreneurship Education zielt darauf ab, Lernende zu befähigen, die Fähigkeiten und Motivation zum unternehmerischen Denken und Handeln anzuwenden, sich von einer ungewissen Zukunft nicht abschrecken zu lassen, erklärt Laura Gianna Vieth im Buchkapitel "Entrepreneurship Education". Und die Autorin wirft die Frage auf, was es bedarf, um Entrepreneurship Education so auszurichten, dass sie den Unternehmergeist weckt.

Auf jeden Fall sollte es ihrer Ansicht nach nicht allein darum gehen, dass das unternehmerische Denken und Handeln wirtschaftliche Ziele erfüllt, sondern darum, unternehmerische Persönlichkeiten zu entwickeln, "die über ihr unternehmerisches Denken und Handeln eine Organisation in die Zukunft führen."

Persönlichkeitsmerkmale von Entrepreneurinnen

Was erfolgreiche Unternehmerinnen im Speziellen auszeichnet, hat Karin Meyer in einer wirtschaftswissenschaftliche Studie untersucht. Ziel der Arbeit war es, quantitativ zu ermitteln, ob Unternehmerinnen schnell wachsender Unternehmen über besondere Persönlichkeitsmerkmale verfügen und welche das im Vergleich zu Nicht-Unternehmerinnen sind. Demnach ist für erfolgreiche Entrepreneurinnen kennzeichnend:

  • emotional stabiler und belastbarer zu sein, 
  • über eine höhere Selbststeuerungskompetenz zu verfügen,
  • besser mit Misserfolgen fertig zu werden,
  • sich durch eine höhere Handlungsorientierung auszuzeichnen,
  • dass sie über eine deutlich höhere unternehmerische Orientierung verfügen - sowohl in der Unternehmensführung als auch in den Bereichen Controlling sowie Führung und Management.

Meyer kommt zu dem Ergebnis, dass Unternehmertum lernbar ist und sich natürlich auch bei Frauen durch gezielte Bildungsmaßnahmen entsprechende Entwicklungspotenziale erschließen ließen. Allerdings fehlen derzeit solche Bildungsangebote in den Schulen weitestgehend noch. Immerhin existieren in der Erwachsenbildung Seminare zum Thema Gründungsberatung oder -coaching, die auch Frauen zur Unternehmensgründung motivieren können. 

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