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18-10-2018 | Entsorgung | Im Fokus | Article

Zeit zum Zupacken bei Verpackungsabfall

Author: Matthias Schwincke

2:30 min reading time
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Ein Bericht zu Abfällen aus Verpackungen des Umweltbundesamtes macht auch in diesem Jahr deutlich: Kein anderes Land in Europa produziert pro Kopf gesehen so viele Verpackungsabfälle wie Deutschland.


Als Bestandteil der seit 2015 laufenden EU-Aktivitäten zur Förderung der Kreislaufwirtschaft ist im Sommer 2018 das neue "EU-Abfallpaket" in Kraft getreten. Die insgesamt vier Novellierungen umfassen unter anderem eine Überarbeitung der Abfallrahmenrichtlinie und der Verpackungsrichtlinie. Schärfere Vorgaben gelten künftig zum einen bei der abfallrechtlichen Verantwortung von Herstellern. Durch strengere Regeln und Berechnungsmethoden für Recyclingquoten im Siedlungsabfall- und Verpackungsbereich wurde zudem der Druck auf die Recyclingfähigkeit von Materialien und Produkten deutlich erhöht. 

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Verpackungsabfälle

In der Geschichte der deutschen Entsorgungswirtschaft der letzten Jahrzehnte hat die Umsetzung der Verpackungsverordnung eine besondere Aufmerksamkeit erfahren. Die begrenzten Deponiekapazitäten zu Beginn der 1990er‐Jahre erzeugten einen starken Handlungsbedarf.


Wie der aktuelle Bericht des Umweltbundesamtes (UBA) "Aufkommen und Verwertung von Verpackungsabfällen in Deutschland im Jahr 2016" aufzeigt, schaffen die Gesetzesverschärfungen womöglich auch hierzulande einige Herausforderungen.

Negativ-Rekord trotz guter Recylingquoten

Die zentrale Herausforderung für Deutschland ergibt sich schon aus dem Gesamtergebnis der rund 160 Seiten starken UBA-Studie: Insgesamt 18,16 Millionen Tonnen Verpackungsabfall fielen 2016 in Deutschland an. Diese Abfallmenge entspricht einem jährlichem pro-Kopf-Verbrauch von 220,5 Kilogramm. Damit liegt Deutschland deutlich über dem europäischen Durchschnitt des Jahres 2015 von 167,3 Kilogramm pro Kopf. Weitere wichtige Ergebnisse zeigen:

  • Mit 8,52 Millionen Tonnen waren die privaten Endverbraucher für knapp die Hälfte der verbrauchten Abfallmenge verantwortlich.
  • Die Ursachen für den nach wie vor zu hohen Verpackungsverbrauch sind laut UBA vielfältig: zusätzliche Verpackungsfunktionen wie Dosierhilfen oder aufwendige Verschlüsse, kleinere Portionen statt Großverpackungen, mehr Versandhandel und mehr Außer-Haus-Verzehr.
  • Private Endverbraucher verbrauchten 2016 zumindest etwas weniger Kunststoffverpackungen. Anstatt dessen wurden jedoch mehr Glas- und Aluminiumverpackungen verwendet.
  • Mehr als 70 Prozent des Verpackungsabfalls wurde dem Recycling zugeführt. Der Rest wurde zum größten Teil energetisch verwertet.
  • Die Recyclingquoten variieren je nach Material. Vergleichsweise hoch sind sie bei Stahl mit 92,1 Prozent, bei Papier und Karton mit 88,7 Prozent, bei Aluminium mit 87,9 Prozent und bei Glas mit 85,5 Prozent.
  • Viel Potenzial nach oben gibt es noch beim Recycling von Kunststoffen (49,7 Prozent) und von Holz (26 Prozent).
  • Trotz des höheren Aufwands aufgrund der Materialvielfalt konnten 2016 immerhin 0,9 Prozent mehr Kunststoffverpackungen recycelt werden als im Vorjahr.
  • 10,9 Prozent der Verpackungsabfälle wurden exportiert - alle zum Recycling.
  • Bei Papier- und Kartonabfällen sind Import und Export ausgeglichen, bei Glasverpackungen wurde mehr importiert als exportiert. 10,6 Prozent der Kunststoffverpackungsabfälle wurden ausgeführt. Einfuhren gab es in diesem Bereich keine.

Verpackungen als Rohstoffquelle für Seltene Erden

In einem Sonderkapitel setzt der aktuelle UBA-Bericht einen Schwerpunkt auf Verpackungen mit Magneten. Diese werden beispielsweise für wiederverschließbare Pralinen- oder Zigarettenschachteln verwendet. Immer häufiger kommen für diese kurzlebigen Verschlüsse Neodym-Magnete zum Einsatz. Neodym zählt zu den seltenen Erden und wird als knappe und rohstoffpolitisch interessante Ressource eingestuft. Im Jahr 2017 waren in Deutschland rund 4,5 Tonnen neodymhaltige Magnete in Verpackungsabfällen enthalten, davon rund 1,5 Tonnen reines Neodym. Bislang wird der wertvolle Rohstoff jedoch nicht zurückgewonnen und geht somit im Eisenschrott verloren. Eine Einführung in das Recycling von Seltenerdmetallen (SEM) geben die Springer-Autoren Hans Martens und Daniel Goldmann in im Abschnitt 6.10. ihres Buchkapitels "Recyling von metallischen Werkstoffen und metallhaltigen Abfällen" ((Link: https://www.springerprofessional.de/recycling-von-metallischen-werkstoffen-und-metallhaltigen-abfael/10363996)).

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