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About this book

Vielerorts wird heute über Möglichkeiten der Optimierung des Lehr-Lerngeschehens in pädagogischen Veranstaltungen diskutiert. Welche Organisationsprinzipien für den Prozess der Herstellung dieses Geschehens von Bedeutung sind, darüber ist indes noch wenig bekannt. Anhand videographischer Analysen von Etablierungsphasen in Veranstaltungen der Erwachsenenbildung/Weiterbildung vermittelt die Interaktionsstudie von Matthias Herrle neue Einblicke in die multimodale Komplexität solcher Herstellungsprozesse. Durch eine Vielzahl an Abbildungen wird ein breites Spektrum an Methoden illustriert, das die Beteiligten selektiv nutzen, um ihr Agieren zu koordinieren. Es wird gezeigt, mit welchen strukturellen Problemen sie im Interaktionsablauf konfrontiert sind und welche Varianten im Umgang mit ihnen realisiert werden. Auf diese Weise wird deutlich, welche interaktiven (Vor-)Leistungen den alltäglichen Vollzug des „pädagogischen Geschäfts“ konstituieren und auch jenseits des Anfang(en)s zu seiner Strukturierung beitragen.

Table of Contents

Frontmatter

Einleitung

Einleitung

Zusammenfassung
Die vorliegende Studie befasst sich mit der empirischen Untersuchung von Interaktionszusammenhängen in Veranstaltungen der Erwachsenen- und Weiterbildung. Im Fokus stehen dabei nicht bildungspolitisch inspirierte Fragen nach Partizipationsmöglichkeiten und -hindernissen, wie sie kennzeichnend für eine frühe, in den 1970er Jahren aufkommende Beschäftigung mit Lehr-Lerninteraktionen in der Erwachsenenbildung sind (vgl. etwa Siebert/Gerl 1975, Kejcz u. a. 1979-81).
Matthias Herrle

Gegenstandsbestimmung und methodischer Zugang

Frontmatter

Das Fundament von Interaktionen und ihre pädagogische Spezifizierung

1. Charakteristika sozialer Interaktion

Zusammenfassung
Interaktionen forcieren Zugzwänge. Im Unterschied zu medial vermittelter Kommunikation (z. B. via E-Mail) ist die Fortsetzbarkeit von Interaktionen, bei denen die Beteiligten sich durch spezifische Äußerungen wechselseitig Informationen mitteilen und (Nicht-)Verstehen signalisieren, daran gebunden, dass diese Äußerungen unmittelbar, im Akt ihrer Produktion, wahrgenommen und körperlich anwesenden Personen als Produzenten zugeschrieben werden können.
Matthias Herrle

2. Grundprobleme der Etablierung sozialer Interaktion

Zusammenfassung
Damit Interaktionszusammenhänge zustande kommen, bedarf es der wechselseitigen Information über die Disponibilität der an ihnen (potentiell) Beteiligten (vgl. Markowitz 1986, S. 57 ff.). Um soziale Interaktionen zu etablieren und auf Dauer zu stellen, sind die Akteure darauf angewiesen, deutlich zu machen, ob und in welcher Weise sie jetzt und in Zukunft zu welcher Art von sozialem Kontakt bereit sind. So ist die wechselseitige Darstellung spezifizierter Verfügbarkeit als Prämisse für die Herstellung von Interaktionszusammenhängen anzusehen.
Matthias Herrle

3. Charakteristika pädagogischer Interaktion

Zusammenfassung
Vor dem Hintergrund sozialwissenschaftlicher und sozio-linguistischer Studien kann die Etablierung von Interaktionszusammenhängen im Allgemeinen als Prozess beschrieben werden, bei dem die beteiligten Akteure Ausmaß und die Richtung ihrer Disponibilität wechselseitig koordinieren. Dabei sind sie mit dem Problem konfrontiert, ihr Agieren zeitlich so aufeinander abzustimmen, dass es gelingt, zu einer übereinstimmenden Festlegung des künftigen Engagements zu kommen.
Matthias Herrle

4. Grundprobleme der Etablierung pädagogischer Interaktion

Zusammenfassung
Um die Besonderheiten der Etablierung pädagogischer Interaktionen in Kursbzw. Unterrichtszusammenhängen rekonstruieren zu können, bedarf es zunächst einer Vorverständigung über die Beschaffenheit des Untersuchungsgegenstandes. Daher wurde im vorangegangenen Kapitel ein Überblick über Definitionsmerkmale pädagogischer Interaktion in Kurs- bzw.
Matthias Herrle

Anlage der empirischen Untersuchung

5. Realitätsausschnitt: Interaktionsförmiges Lernen Erwachsener

Zusammenfassung
Die vorliegende Studie untersucht Möglichkeiten der interaktionsförmigen Konstitution des Pädagogischen. Dazu richtet sie ihren Fokus auf Zeitabschnitte, in denen durch das aufeinander bezogene Verhalten beteiligter Akteure eine Veränderung prozessiert wird – idealtypisch formuliert: ein Wechsel von einer nichtpädagogischen zu einer pädagogischen Orientierung des Interaktionsgeschehens.
Matthias Herrle

6. Aufbau der Studie und Samplingstrategie

Zusammenfassung
Empirische Untersuchungen gliedern sich in eine Abfolge von Verfahrensschritten (vgl. etwa Flick 1995). Insbesondere bei der Durchführung qualitativexplorativer Studien – also solcher Art von Studien, bei denen nicht bereits Hypothesen zu Eigenschaften des Untersuchungsgegenstandes überprüft, sondern solche Eigenschaften zunächst eigens erkundet werden sollen – ähnelt diese Abfolge weniger einer Geraden als vielmehr einer Spirale.
Matthias Herrle

7. Methodologische Grundannahmen und methodisches Instrumentarium

Zusammenfassung
In Kapitel 5 und 6 wurde dargestellt, was in dieser Studie als Grundlage zur Untersuchung welcher Fragestellungen dient. In diesem Kapitel wird deutlich gemacht, wie, d. h. unter Zuhilfenahme welcher methodischen Werkzeuge der jeweilige empirische Gegenstand aufgeschlüsselt wird, um entsprechende Fragestellungen zu beantworten.
Matthias Herrle

Die Etablierung pädagogischer Interaktionen – Spektren und Prozesse

Frontmatter

Disponibilitätsmanagement spektral: Darstellungsformen und Umgangsweisen

8. Polarität von Disponibilitätsdarstellungen

Zusammenfassung
Ausgehend von sozialtheoretischen Überlegungen und empirischen Befunden wurden Etablierungsphasen bereits in Kapitel 4 als Zeiten des Übergangs zwischen Außen und Innen charakterisiert. Dass einerseits pädagogisch ausgerichtete und andererseits alltags-, berufs-, freizeit- oder anderweitigbezogene Handlungsrahmen sich als bestimmend für das Agieren der Beteiligten in Etablierungsphasen erweisen, zeigen auch die empirischen Analysen.
Matthias Herrle

9. Prä-Formierungen im Medium räumlicher Gestaltung

Zusammenfassung
Lehr-Lerninteraktionen finden zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort statt, dessen Koordinaten zumeist schon vorab – etwa in Veranstaltungsankündigungen – bekannt gegeben werden. Wie dieser Ort beschaffen ist, wie er sich von seiner Umgebung abgrenzt, welche Möglichkeiten des Aufenthalts und der Beschäftigung er bietet, ist für das an ihm sich etablierende Interaktionsgeschehen von Bedeutung.
Matthias Herrle

10. Formen individuellen Agierens

Zusammenfassung
Damit sich Lehr-Lern-Interaktionen etablieren, ist es erforderlich, dass sich ihre Teilnehmer zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort einfinden, um dort, auf der Grundlage wechselseitiger Wahrnehmung, in kommunikativen – lehr-lernbezogenen – Austausch treten zu können. In welchen unterschiedlichen Varianten die Gestaltung dieses Austauschs bereits durch die Gestaltung der räumlichen Umgebung präformiert wird, wurde in Kapitel 9 dargestellt.
Matthias Herrle

11. Formen kollektiven (Inter-)Agierens

Zusammenfassung
Um die strukturellen Dynamiken von Perioden der Etablierung pädagogischer Interaktion rekonstruieren zu können, bedarf es zunächst – abstrakt gesprochen – eines Blicks auf die Elemente, die sich simultan und sequentiell zu eben diesen strukturellen Komplexen miteinander verketten. Als Elemente fungieren hier unterschiedliche, sich zeitweise stabilisierende Aktivitäten in einer räumlich gestalteten Umgebung.
Matthias Herrle

12. Verfahren zur Prozessualisierung von Disponibilitätswechseln

Zusammenfassung
In den vorherigen Kapiteln wurde ein Spektrum an Möglichkeiten der Disponibilitätsdemonstration dargestellt, die als Varianten fungieren, in denen sich die Beteiligten an Lehr-Lernveranstaltungen für eine gewisse Dauer in einer spezifischen Umgebung mit bestimmten Dingen befassen. Dabei beziehen sie sich auf die Bearbeitung verschiedener Probleme, die sich ihnen in Phasen der Etablierung des pädagogischen Geschehens stellen.
Matthias Herrle

Disponibilitätsmanagement prozessual: Problemkomplexe und Lösungsvarianten

13. „Fangen wir einfach an“ – Ein Fallbeispiel

Zusammenfassung
(1) Fälle sind einzigartige Kombinationen von Elementen, die sich in ihnen zu Strukturen verketten. (2) Die Elemente allerdings, die sich in ihnen verketten, sind nicht singulärer, sondern allgemeiner Natur. Sie existieren über den Einzelfall hinaus und können in einer Vielzahl anderer sozialer Realitäten als strukturelle Bausteine wiederentdeckt werden.
Matthias Herrle

14. Grundprobleme des Anfang(en)s und Varianten ihrer Bearbeitung

Zusammenfassung
Das Prozessieren von Interaktionszusammenhängen jeglicher Art und Ausrichtung wird dadurch erschwert, dass ihre Konstitutionsbedingungen nicht immer schon gegeben und frei verfügbar sind. Interaktionen sind nicht auf endlose Fortsetzung angelegt. Sie haben einen Anfang und ein Ende – konventionalisierte Grenzzeichen, die ein von dieser Art Sozialität unterschiedenes Davor und Danach markieren.
Matthias Herrle

Schlussbetrachtungen

Frontmatter

15. Ungewissheit und pädagogische Disponibilität

Zusammenfassung
Anfangssituationen von Interaktionen kennzeichnet eine strukturelle Unbestimmtheit. Sie besteht darin, dass sich noch kein Geschehen etabliert hat, bei dem die Anwesenden in bestimmter Weise beteiligt sind. Was für Interaktionen im Allgemeinen gilt, gilt auch für pädagogische Interaktionen in Veranstaltungen der Erwachsenen-/Weiterbildung.
Matthias Herrle

16. Muster der Etablierung pädagogischer Interaktionen

Zusammenfassung
Unter den Bedingungen von Beteiligtenpluralität und Multimodalität koordinieren Akteure in Etablierungsphasen wechselseitig Ausmaß und Ausrichtung ihrer jeweiligen Disponibilität. Je nachdem, welche Darstellungsformen, Orientierungs- und Regulationsverfahren sich im Umgang mit den in Kapitel 14 rekonstruierten Problemkomplexen zu Strukturmustern verketten, wird Bestimmtes ermöglicht und Anderes verhindert.
Matthias Herrle

17. Die Allgegenwärtigkeit des Anfang(en)s

Zusammenfassung
Etablierungsphasen sind primär nicht als Ereigniszusammenhänge zu verstehen, deren Auftreten an einen bestimmten Zeitpunkt gebunden ist. Es handelt sich dabei vielmehr um zeitlich ausgedehnte strukturelle Komplexe, bei denen in spezifischer Art und Weise mit bestimmten Problemen umgegangen wird. So gesehen begleitet die Etablierungsphase das pädagogische Geschehen von Anfang bis Ende.
Matthias Herrle

Backmatter

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