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06-09-2018 | Finanzbranche | Nachricht | Article

Großbanken stehen unter gewaltigem Druck

Author:
Angelika Breinich-Schilly
2:30 min reading time

Die Deutsche Bank hat sich aus dem Euro Stoxx 50 verabschiedet. Nun steht auch das Aus der Commerzbank im Deutschen Aktienindex fest. Die Gründe liegen laut Experten vor allem in hausgemachten Problemen.
 

"Es zeigt sich, dass die deutschen Banken den Anforderungen einer globalisierten und komplexer werdenden Wirtschaft nicht gerecht und von ihren angelsächsischen Konkurrenten abgehängt werden", kommentiert Andre Schettler, Portfolio Manager im Asset Management der Bank für Kirche und Caritas (BKC) das Aus für die Commerzbank im Dax und den Abstieg der Deutschen Bank aus dem Börsenindex Euro Stoxx 50. 

Hausgemachte Probleme machen Banken Druck

Noch vor zwei Jahrzehnten gehörte die Deutsche Bank als Flaggschiff unter den deutschen Finanzinstituten zu den 50 wertvollsten Unternehmen in der Euro-Zone. Ihrem Wertverlust nach der Finanzkrise konnte das Geldhaus aber nichts entgegen setzen. Im Gegenteil: Seit Januar 2018 verlor der Kurs der Aktie rund 40 Prozent. Auch der Energieriese Eon und der französische Konzern Saint-Gobain verlieren ihren Platz in dem europäischen Börsenindex. Die Unternehmen werden durch den deutschen Gasspezialisten Linde, die spanische IT-Gruppe Amadeus sowie den Luxuskonzern Kering ersetzt.

Portfolio Manager Schettler sieht im Fall der Deutschen Bank, die mittlerweile einen Börsenwert von nur noch rund 20 Milliarden Euro aufweist, vor allem hausgemachte Probleme als Grund für den Abstieg. Es werde offensichtlich, wie wichtig eine gute Corporate Governance ist. Auch für die Commerzbank, die ihren Platz im Dax mit einem Börsenwert von rund 10,2 Milliarden räumen muss, liegen die Probleme seiner Ansicht nach in früheren strategischen Entscheidungen begründet: "Für die Commerzbank kam die Übernahme der Dresdner Bank zu einem denkbar ungünstigsten Zeitpunkt."

Dabei bemühte sich Commerzbank-Chef Martin Zielke den Abstieg aus dem Dax gegenüber verschiedenen Medien zu relativieren. Er betonte, dass sich am Geschäft des Instituts für die Kunden nichts ändere und die Bank führende Mittelstandsbank in Deutschland bleibe. Dennoch ist davon auszugehen, dass weder die Investoren noch der deutsche Staat, der mit 15,6 Prozent größter Aktionär der Commerzbank ist, von dem Aus im Dax begeistert sein werden.   

Banken müssen Kundenpools nutzen

BKC-Experte Schettler glaubt, dass den großen Banken in Deutschland, aber auch in ganz Europa, noch von anderer Seite Gefahr droht: "Die Fintechs sind ohne Zweifel auf dem Vormarsch. Jugendliche und junge Erwachsene wissen heute teilweise gar nicht mehr, wie eine Bankfiliale von innen aussieht. Diese Unternehmen haben das Potenzial, Marktanteile von den großen Banken abzuschöpfen." Ein gutes Beispiel hierfür ist das Fintech Wirecard, das nun in den Dax aufgestiegen ist. Die einstigen Bank-Giganten sollten nun ihre großen Kundenpools als Vorteil nutzen, um "neue Technologien schnell massentauglich zu machen, auch wenn sie für die Einführung manchmal etwas länger brauchen", rät Schettler.  

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